Antientzündliche Ernährung

Lässt sich MS durch die Ernährung beeinflussen? Verschiedene Inhaltsstoffe wirken entzündungshemmend, andere wiederum entzündungsfördernd. Genau darauf zielt die antientzündliche Ernährung ab.

Das Konzept der antientzündlichen Ernährung beruht auf zwei Mechanismen: Die bevorzugte Aufnahme von bestimmten ungesättigten Fettsäuren und von Antioxidanzien.

Das ideale Fettsäuren-Verhältnis

Ungesättigte Fettsäuren spielen eine wichtige Rolle bei Entzündungsprozessen.

Während die Omega-6-Fettsäure (Ω6) Arachidonsäure entzündungsfördernd wirkt, fördern die Omega-3-Fettsäuren (Ω3) α-Linolensäure, Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) die Bildung von entzündungshemmenden Stoffen.

Damit weniger Entzündungsstoffe gebildet werden, sollte die Zufuhr von Arachidonsäure (v.a. in fettigem Fleisch und Wurst) reduziert und die Aufnahme von α-Linolensäure (in Pflanzenölen) Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure (in Fisch) verstärkt werden.

Das empfohlene Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 liegt bei 5:1. Tatsächlich nehmen die meisten Menschen heute deutlich mehr Omega-6-Fettsäuren zu sich. Das Verhältnis liegt bei etwa 10 bis 20:1. Dieses Ungleichgewicht könnte für Patienten mit Autoimmunerkrankungen problematisch sein.

Nicht alle Pflanzenöle haben ein günstiges Verhältnis von Ω6:Ω3.

  • Ein gutes Verhältnis haben z. B. Leinöl (1:4) und Rapsöl (2:1).
  • Ein neutrales Verhältnis haben z. B. Wallnussöl (4:1), Olivenöl (9:1) und Sojaöl (7:1).
  • Ein weniger gutes Verhältnis haben z. B. Sonnenblumenöl (121:1), Distelöl (150:1) und Kürbiskernöl (98:1).

Empfohlene Tageszufuhr Omega-6- und Omega-3-Fettsäure für MS-Erkrankte (modifizierte Werte und Schätzwerte nach Dr. Leussink)

FettsäurenVorkommenMS-Erkrankte
α-Linolensäurein allen grünen Pflanzen, Walnussöl, Sojaöl, Leinöl, Iberischer Drachenkopf4 g pro Tag
Eicosapentaensäurez. B. fette Meeresfische wie Hering, Lachs und Makrele0,5–1 g pro Tag
Docosahexaensäurez. B. fette Meeresfische wie Hering, Lachs und Makrele0,5–1 g pro Tag
Linolsäurez. B. Traubenkernöl, Distelöl, Hanföl, Sojaöl, Maiskeimöl, Weizenkeimöl, Kürbiskernöl, Sonnenblumenöl8 g pro Tag
γ-Linolensäurez. B. Nachtkerzenöl, Kernöl der schwarzen Johannisbeere, Borretschöl, Hanföl1–2 g pro Tag
Arachidonsäurez. B. Fleisch, Wurst, Eigelb, Milchfett, Butter0,05 g pro Tag

 

  • Sonnenblumenöl enthält zwar viel antioxidativ wirkendes Vitamin E, jedoch ist das Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren (121:1) ungünstig. Eine eindeutige Empfehlung kann daher nicht gegeben werden.
  • Für MS-Erkrankte könnte es jedoch von Vorteil sein, Sonnenblumenöl durch Rapsöl, zum Beispiel beim Braten, zu ersetzen.
  • Ebenfalls viel Omega-3- Fettsäuren enthalten Leinöl und Hanföl. Sie sind jedoch nicht hitzestabil und sollten daher eher für Salate verwendet werden. Wenn man sie erhitzt, werden sie in „schädliche" Transfettsäuren umgewandelt.

Antioxidanzien

Als Antioxidanzien werden Substanzen bezeichnet, die freie Radikale im Körper abfangen. So verhindern sie beispielsweise die Bildung von Entzündungsstoffen aus Arachidonsäure. Bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen, wie der MS, entstehen sehr viele freie Radikale. Daher sollten MS-Erkrankte besonders auf eine ausreichende Versorgung mit Antioxidanzien achten.

Zu den Antioxidanzien zählen einige Vitamine (A, C, E, Betacarotin) und viele sekundäre Pflanzenstoffe.

Vitamine

Die Vitamine A, C, E sowie Betacarotin sind wichtige Antioxidanzien. Eine ausgewogene Ernährung mit reichlich Obst und Gemüse, aber auch Pflanzenölen, sorgt für eine ausreichende Zufuhr. Bei MS kann der Bedarf erhöht sein.

Spurenelemente

Die Spurenelemente Kupfer, Selen und Zink sind für die Wirkung von antioxidativen Enzymen wichtig. Bei chronischen Erkrankungen, wie der MS, kann der Bedarf an diesen Spurenelementen ebenfalls erhöht sein. Daher sollte auf eine ausreichende Versorgung geachtet werden.

Sekundäre Pflanzenstoffe

Sekundäre Pflanzenstoffe sind zwar keine essenziellen Nährstoffe, beeinflussen aber eine Reihe von Stoffwechselprozessen im Körper und sollen gesundheitsfördernd wirken. Es gibt etwa 100.000 verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe, zu den bekanntesten gehören Flavonoide, Phenolsäuren, Carotinoide, Glucosinolate oder Phytosterole. Sie sind in Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Nüssen, Vollkornprodukten und Tee enthalten.

Sekundäre Pflanzenstoffe sollten nicht in Form von Nahrungsergänzungsmitteln aufgenommen werden. Sie wirken am besten durch den direkten Verzehr der Lebensmittel. Kaufen Sie reifes, regionales Obst und Gemüse. Tiefgekühltes, rohes Gemüse enthält ebenfalls viele sekundäre Pflanzenstoffe.

Letzte Änderung: 20.01.2020