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MS ist eine Ausschlussdiagnose, es gibt keinen einzelnen Test zur Diagnose der Erkrankung. Neben der Anamnese sind neurologische und klinische Untersuchungen sowie der Ausschluss aller anderen Erkrankungen mit ähnlichen oder gleichen Symptomen erforderlich.

Zu den wichtigsten Untersuchungen gehören

  • neurologische Untersuchung
  • Bestimmung evozierter Potenziale
  • Lumbalpunktion
  • Magnetresonanztomographie (MRT)

Für die Einordnung der jeweiligen Untersuchungsergebnisse existieren Diagnosekriterien, die sogenannen McDonald-Kriterien, mit denen bereits nach dem ersten Ereignis eine MS-Diagnose gestellt werden kann. Nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie von Februar 2026 kann auch bei unspezifischen oder fehlenden klinischen Präsentationen und beim Radiologisch Isolierten Syndrom (RIS) in definierten Konstellationen bereits eine MS diagnostiziert werden. Die McDonald-Kriterien werden regelmäßig überarbeitet. 

Neurologische Untersuchung

Muskelkraft und Reflexe

Die neurologische Untersuchung gehört zu den grundlegenden Untersuchungsverfahren. Der Arzt untersucht den Patienten auf: Muskelkraft, Feinmotorik, Koordination, Sensibilität, Muskelspannung und Reflexe.

Diese einfach durchzuführende neurologische Basisdiagnostik kann zusammen mit den Informationen des Patienten bereits wertvolle Hinweise auf das Vorliegen einer MS liefern. Die Untersuchung im Video.

 

Reiz und Reaktion

Die Bestimmung der sogenannten evozierten Potenziale (EP) gehört zu den spezielleren Untersuchungsmethoden. Da MS die Weiterleitung von Impulsen verlangsamt oder verhindert, werden die Leitgeschwindigkeit und –fähigkeit mit sogenannten evozierten Potenzialen (EP) gemessen. Mit evozierten Potenzialen lassen sich überprüfen:

  • Sehnerven (Visuell evozierte Potenziale = VEP),
  • Gefühlswahrnehmung (Somato-sensible evozierte Potenziale = SEP),
  • motorisches System (motorische evozierte Potenziale = MEP). 

Die Messung der evozierten Potenziale ist in der Regel schmerzfrei. Die Verfahren im Video.

MS im Schnitt (Magnetresonanztomographie)

Die Magnetresonanztomografie (MRT) ist ein bildgebendes Diagnoseverfahren und kommt ohne den Einsatz von Röntgenstrahlen aus. Mit Hilfe eines künstlich erzeugten Magnetfelds werden Schnittbilder des Körpers angefertigt. Dadurch können Lage, Verteilung und Zahl von Entzündungen (sogenannte Herde) im ZNS dargestellt und nachgewiesen werden. 

Schnittbilder, die zeitlich versetzt aufgenommen werden, können also verschiedene Krankheitsstadien und den Krankheitsverlauf dokumentieren.

Im MRT sind kleine Entzündungen und Vernarbungen im Gehirn deutlich erkennbar. Auch aktive Entzündungsherde während eines Schubs können mit der MRT erfasst werden. Diese Herde verschwinden nach Abklingen des Schubs oft wieder. 

Durch die Gabe eines Kontrastmittels kann bei der Untersuchung beurteilt werden, ob es sich um frische, aktive Entzündungen handelt. Alte, inaktive Herde nehmen kein Kontrastmittel auf. Die Untersuchung im Video.

Antikörper im Nervenwasser (Lumbalpunktion)

Das letzte Indiz, dass eine MS mit hoher Wahrscheinlichkeit vorliegt, ergibt sich aus der Lumbalpunktion: Dabei werden wenige Milliliter Nervenwasser oder 'Liquor' mit Hilfe einer feinen Hohlnadel aus dem Wirbelkanal entnommen. Punktionsstelle ist die untere Lendenwirbelsäule: hier befindet sich kein Rückenmark mehr, das dabei verletzt werden könnte.

Anschließend wird der Liquor im Labor auf Entzündungszellen und MS-typische Antikörper untersucht. Diese Antikörper werden mit Hilfe elektrischer Spannung identifiziert. Sie zeigen sich als spezifisches Streifenmuster, den so genannten 'oligoklonalen Banden'. Alternativ können die sogenannten kappa freien Leichtketten (kFLC) bestimmt werden.

Die Untersuchung des Liquors dient vor allem dazu, die entzündliche Ursache der MS nachzuweisen und andere Erkrankungen mit ähnlicher Symptomatik auszuschließen. Die Untersuchung im Video.

McDonald Kriterien

Ob eine sichere MS, eine mögliche MS oder keine MS vorliegt, lässt sich heute schnell und mit großer Sicherheit anhand der so genannten McDonald-Kriterien beurteilen. Sie haben 2001 die bis dahin gültigen Diagnosekriterien abgelöst und werden seitdem immer wieder aktualisiert und um neue Diagnosekriterien erweitert. 

Mit der Revision der McDonald-Kriterien von 2024 wurden zusätzliche bildgebene Charakteristika integriert und die Vorgaben zur zeitlichen Verteilung von Krankheitszeichen (Dissemination in der Zeit) gelockert. Damit erlauben sie eine frühere Diagnose der MS - auch bei Menschen mit RIS - und damit eine frühere adäquate Behandlung.

Gibt es Vorboten der MS?

Eine sich entwickelnde Multiple Sklerose kann sich durch ein sogenanntes CIS – das Klinisch Isolierte Syndrom – ankündigen. Frühzeitig behandelt, kann der Verlauf der MS verzögert werden. CIS bezeichnet das erstmalige Auftreten von Symptomen, die stark auf eine MS hinweisen. Oftmals sind dies Seh- oder Sensibilitätsstörungen sowie Schwindel.