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Verlauf und Prognose der Multiple Sklerose

MS verläuft individuell unterschiedlich. Die beiden wesentlichen Verlaufsformen der MS sind der schubförmige und der chronisch-progrediente Verlauf.

Bei der überwiegenden Mehrzahl der Erkrankten beginnt die MS schubförmig. Dabei bilden sich Beschwerden nach einem Schub ganz oder teilweise zurück. Bei ca. 10 % verläuft die MS von Anfang an fortschreitend. Man spricht von einem primär chronisch-progredienten Verlauf. Frage: Von einem sekundär chronisch-progredienten Verlauf spricht man, wenn der zunächst schubförmige Verlauf im Laufe der Erkrankung (nach etwas 10-15 Jahren) in einen fortschreitenden Verlauf übergeht. Außerdem gibt es chronisch-progrediente Verläufe mit aufgesetzten Schüben.

Schubförmig-remittierender Verlauf (Abbildung links):

  • Symptome setzen plötzlich und oft ohne erkennbare Ursachen ein
  • Symptome dauern einige Tage bis Wochen an. Die Zeitdauer kann durch den frühzeitigen Einsatz einer hochdosierten Kortisonstoßtherapie meist verkürzt werden.
  • Bis zum nächsten Schub können mehrere Wochen, Monate oder sogar Jahre vergehen.

Primär chronisch-progredienter Verlauf (Abbildung Mitte):

  • Die Behinderung nimmt konstant zu, oft ohne dass Schübe abzugrenzen sind.
  • Diese Verlaufsform betrifft überwiegend Patienten mit späterem Krankheitsbeginn, ab 40 Jahren.

Sekundär chronisch-progredienter Verlauf (Abbildung rechts):

  • Behinderungen bilden sich nicht mehr vollständig zurück, sondern nehmen auch unabhängig von einem Schub immer weiter zu.
  • Der Zeitpunkt, ab dem sich Einschränkungen nicht mehr zurückbilden, lässt sich nicht vorhersagen.
  • Medikamente, die in das Immunsystem eingreifen, können den Zeitpunkt hinauszögern.

Auch wenn keine sichere Prognose über den Verlauf einer MS möglich ist, gibt es Faktoren, die für einen eher günstiger oder ungünstigen Krankheitsverlauf sprechen.

Prognosefaktoren für einen eher günstigen Krankheitsverlauf sind:

  • Nur ein Symptom zu Beginn, nicht mehrere
  • Nur sensible Symptome wie Kribbeln, Taubheitsgefühl, Sehstörungen
  • kurze Dauer der Schübe
  • gute Rückbildung der Schübe und lange Intervalle zwischen den Schüben
  • niedriger Behinderungsgrad nach fünf Jahren Krankheitsdauer
  • keine Lähmungen oder Gleichgewichtsstörungen zu Krankheitsbeginn
  • Erkrankungsbeginn vor dem 35. Lebensjahr

Prognosefaktoren für einen eher ungünstigen Krankheitsverlauf sind:

  • Gleich mehrere Beschwerden zu Beginn
  • Früh auftretende Beschwerden, die auf eine Schädigung des Kleinhirns und Rückenmarks hinweisen (unsicherer Gang, starkes Zittern der Hände/Arme, Bewegungs- und Sprachstörunen, Lähmungen und Muskelspannung/Steifigkeit)
  • Lang andauernde Schübe
  • Schlechte Rückbildung der Schübe
  • Bereits zu Anfang zahlreiche im MRT-Bild sichtbare Entzündungen und Narben.

Letzte Änderung: 23.01.2018