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Multiple Sklerose und Ernährung: Weniger ist mehr

Zwei mal die Woche eine Portion Fleisch/Wurst o.ä. von ca. 100-140g - mehr sollte es nicht sein - so lautet die Empfehlung von Dr. Silke Lichtenstein für Fleischesser im Multiple-Sklerose-Chat.

Moderator Patricia Fleischmann: Liebe AMSEL-Chatter, willkommen zu unserer heutigen Fragerunde ! Antworten wird ab 19 Uhr Dr. Silke Lichtenstein. Sie dürfen gern jetzt schon posten.

Dr. Silke Lichtenstein: Guten Abend auch von mir - und herzlich Willkommen im Chat! Ich freue mich auf Ihre Fragen.

elly: Guten Abend Fr. Dr. Lichtenstein, das Netz ist voll von positiven Meldungen über die Ketogene Ernährung. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema? Denken Sie, dass diese Ernährungsform eine positive Wikung auf die MS hat bzw. haben könnte? Vielen Dank!

Dr. Silke Lichtenstein: Liebe elly, zum Thema ketogene Ernährung wird viel geforscht und einige postive Hinweise gibt es. Dennoch sind wir weit entfernt davon Empfehlungen für alle Patienten pro ketogen geben zu können. Ketogene Ernährung birgt neben einem möglichen Nutzen auch Risiken, die Sie mit Ihrem Arzt abwägen müssen.

Dr. Silke Lichtenstein

  • Ernährungsberaterin
  • Selbstständige Beraterin www.bissweise.de Stuttgart
    Ernährungsberaterin/DGE
  • Diplom-Ökotrophologin mit Fachrichtung Pathophysiologie

Antje: Hier ein paar verschiedene Fragen zu Ernährung & MS: - entzündungs-hemmende Ernährung Meine Anregungen hab ich bei Prof Döll gehohlt. Diese Form der Ernährung kommt aus der Reuhmaecke. Kann man damit auf Entzündungsvorgänge bei MS Einfluß nehmen - Ketogene Ernährung Einen Beitrag auf NDR fand ich sehr aufschlussreich und ansprechend. Da mein mein Magen bei zuviel Fett streikt hab ich das ganze in Maßen ergänzt. Nüsse, Linsen und Co sowie gute Öle grüne Lebensmittel etc. erhöht.... - Paleo contra Vegan Sorry ich esse schon immer wenig Fleisch, und wenn dann nur solches von hoher Qualität. Mir geht immer die schwarzweiß Sicht auf den Wecker. Ein entschiedener Gegner des Vegan-Wahnsinns argumentiert immer mit dem unterschiedlichen Stoffwechsel. Inwieweit wirkt sich dieser auf das Entzündungsgeschehen aus? Die B-Vitamine sind nach ketogenem Ansatz extrem wichtig. Beii Vegan muß man B12 chemisch zuführen. In der TCM-Klinik hab ich gelernt auf meinen Körper zu hören... Und finde die chinesische Organuhr anregend Ist da was dran??? Kuruma soll total gut sein bei MS.

Dr. Silke Lichtenstein: Liebe Antje, das sind sehr viele Fragen und Bemerkungen - wenn Sie mit dem Gedanken einer Ernährungsumstellung und Einschränkungen auf vegan spielen, gilt: Halten Sie bitte Rücksprache mit Ihrem Arzt und ziehen Sie ggf. eine/n Ernährungstherapeutin/en hinzu. GesundeErnährung ist abwachslungsreich, wenn sie diese einschränken, müssen Sie geschickt ersetzen und ergänzen. Dabei rate ich Ihnen, sich begleiten zu lassen, um das Risiko einer Fehlernährung einzuschärnken. Bezüglich Anti-Entzündlichen Diät liegen tatsächlich einige positive Erfahrungen in der Anwendung bei MS vor. Da sie in weiten Teilen den allgemeinen Empfehlungen einer Ausgewogenen Ernärhung entspricht, lohnt sich die Umstellung. Sie berichten Probleme mit der Umstellung, daher auch hier mein Rat. Lassen Sie sich dabei begleiten, damit Sie dem Mangel aus dem Weg gehen. Und damit meine ich auch den Mangel an Genuss und Freude beim Essen. Ihr Wohlbefinden ist genauso wichtig, wie der Bedarf oder ein möglicher positiver Einfluss auf das Entzündungsgeschehen.

Sandra: Guten abend Fr. Dr.Lichtenstein und Frau Fleischmann , ich habe eine kurze Frage inpunkto Fleisch. Man hat mir empfohlen zwischendurch auch mal Pferdefleisch zu essen , da wohl keine oder sehr wenig Arachidonsäure enthalten ist meine Frage wäre wieviel im Pferdefleisch enthalten ist davon ,bisher konnte mir noch keiner diese Frage beantworten . vielen dank

Dr. Silke Lichtenstein: Liebe Sandra, Richtig: in der Regel enthalten Wild-/Pferdefleisch geringere Mengen Arachidonsäure - aber immer noch genug. Und: Wie alle Naturprodukte unterliegen auch Fleischsorten stets natürlichen Schwankungen. Beim Fleisch werden die z.B durch das Futter/die Lebensbedingungen verursacht, da können im Einzelfall auch andere Tiersorten andere Ergebnisse in der Analyse zeige und die Unterschiede werden in der Praxis marginal. Am einfachsten haben Sie es als Fleischesser mit einer einfachen Regel: zwei mal die Woche eine Portion Fleisch/Wurst o.ä. á ca. 100-140g. Wem das schwer fällt:gehen Sie schrittweise vor, aber versuchen Sie dauerhaft auf weniger Fleisch umzustellen

tertio: Guten Abend Frau Fleischmann und Frau Lichtenstein ... meine erste Frage: Was halten Sie, Frau Lichtenstein, von den Ernährungsempfehlungen der Ärztin Terry Wahls?

Dr. Silke Lichtenstein: Lieber tertio - auch für die Ernährungsform von Frau Wahl gilt wie für viele andere Ernährungsformen bei MS: es gibt derzeit keine spezielle Ernährungsstrategie, die man einheitlich allen Patienten pauschal empfehlen kann. Was wir allgemein feststellen müssen: Es gibt keine Diät oder Ernährungsform die MS heilen kann.

Hüseyn: Sehr geehrte Frau Lichtenstein, wir haben ein Sohn der gerade 12 Jahre alt ist, und einen Krankheit mit MS hat. Die Diagnose wurde letztes Jahr festgestellt. Er wird zurzeit mit der Medikament Interferon Rebif behandelt. Unser Sohn hatte vor der Diagnose einige beschwerden wie Madenwürmer und Essen unverträglichkeit. Wir sind eine Türkische familie wo bei uns immer zuhause gekocht wird. Es ist sehr selten das wir fast food essen. Sehr viel fleisch, Gemüse und Obst ist bei uns alltag. Trotzt dessen möchten wir gerne wissen was wir für unseren Sohn besser machen könnten oder ob wir es richten machen das wollten wir gerne wissen. Letzte woche haben wir ebenfalls eine neue unverträglichkeit als Diagnose bekommen ( Sorbit ) . Wir würden gerne wissen wie wir unseren Sohn Ehrnähren sollten.

Dr. Silke Lichtenstein: Liebe Hüseyn, auch Ihnen rate ich, sich professionell beraten zu lassen. Immer wenn spezielle Bedürfnisse auftreten, wie die Sorbit-Unverträglichkeit, hilft es es sehr, sich von einer Ernährungsfachkraft Tipps für die Ernährung Ihres Sohnes geben zu lassen. Die gesunde Ernährung wird dann viel schwerer. Insbesondere bei Kindern, die einen anderen Bedarf haben, als Erwachsene dürfen Sie sich helfen lassen. Für eine Ernährungsberatung können Sie von Ihrer Krankenkasse einen Zuschuss bekommen. Die krankenkasse oder der Arzt - er schreibt Ihnen ein Rezept - hilft Ihnen weiter.

Siena: Sehr geehrte Frau Lichtenstein, welche sind die wichtigsten Ernährungsregeln, die Sie MS-Patient/innen ans Herz legen? Empfehlen Sie, Milchprodukte zu meiden? Vielen Dank.

Dr. Silke Lichtenstein: Liebe Siena, ja gerne: Am wichtigsten ist, sich ausgewogen, abwechslungsreich und nach den eigenen Vorlieben zu ernähren. Und nicht zu viel und nicht zu wenig. EInzelne Lebensmittelgruppen wegzulassen birgt das Risiko unausgewogener Ernährungsgewohnheiten. Ausgerechnet Milchprodukte bei MS wegzulassen kann man pauschal nicht empfehlen. Es gibt keinen Beweis, dass der Verzicht auf Milchprodukte bei MS irgendeinen Vorteil bringt (aßer bei Allergien auf Milchbestandteile). Auf der anderen Seite enthalten Milch/Milchprodukte/Käse viel Eiweiß, Vitamine B-Gruppe, A bzw. D, Jod -vor allem aber stattliche Mengen Kalzium. Bei der Behandlung mit Glukokortikoiden haben wir ein hohes Osteoporoserisiko (Knochemassenverlust), und empfehlen eine kalziumreiche Ernährung. Ohne Milchprodukte bzw. dann ohne Supplemente wird das schwer. Zum anderen: Entzündungen im Körper scheinen sich durch eine Reduktion der Arachidonsäure im Essen positiv beeinflussen zu lassen. Das ist das Prinzp der Anti-Entzündlichen Ernährung. Diesebzüglich wäre der wichtigste Tipp: Tieriische Fett (Speck, Schmalz)/Fleisch/Wurst weitestgehend einschränken. Dabei können Milchrprodukte mit moderatem Fettgehalt (1,5% , Quark 20%, Käse 45% Fet i.Tr.) helfen. Der zweite Tipp heißt: regelmäßigen fetten Fisch und Omega-3-Fette essen (z.B. Rapsöl, Walnüsse, Leinöl usw.)

tertio: Welche Risiken bestehen bei einer ketogenen Ernährung?

Dr. Silke Lichtenstein: Lieber tertio, ketogene Ernährung erzeugen einen Kohlenhydrat-Mangel im Körper, der eine positive Wirkung haben soll. Diese Wirkung ist bei MS nicht bewiesen. Aus der Anwendung bei anderen Erkankungen kennen wir die Risiken: Muskelmassenverlust, Mangelernährung, beides bedeuten ernsthafte Belastungen bei bestehenden Erkranken, und zudem auch eine Risiko für eine Stoffwechselentgleisung (Ketose). Diese handfesten Risiken gilt es gegen einen bislang nicht nachgewiesenen Vorteil abzuwägen. Dafür gilt: Nur in Absprache und unter Kontrolle eines Arztes.

Benny: Hallo Frau Dr. Lichtenstein, Aroniabeeren werden ja als Wunderbeeren teuer verkauft, die gegen alles helfen auch MS. Gibt es da Erfahrungen oder Empfehlungen?

Dr. Silke Lichtenstein: Lieber Benny, wie gesagt: keine Diät, keine Ernährungsstrategie, kein Nahrungsergänzungsmittel kann MS heilen. Aroniabeeren enthalten Vitamin C, das anti-oxidative Wirkung hat. Antioxidazien aus der Nahrung haben "zell-schützende" Effekte, grob vereinfacht, deshalb sind sie bei der Anti-Enzündlichen Ernährung bei Rheuma z.B. , vorgesehen. Diese Wirkung haben aber allle Lebensmittel, die Antioxidanzien enthalten und ganz unterschiedliche. Für die Praxis: Gemüse, Obst, Tee, Nüsse. Und: die Wirkung macht die Gesamtheit einer ausgewogenen und abwechslungsreichen Ernährung . Und Nicht: viel von einem Lebensmittel, hilft viel.

tertio: Welche Studien zur Ernährung bei MS laufen denn? Man hört nämlich eigentlich sehr wenig darüber ... vielleicht wissen Sie mehr?

Dr. Silke Lichtenstein: Lieber tertio, die Forschung gestaltet sich schwierig, weil die Krankheit unterschiedliche Folgen hat und ie Ursachen nach wie vor nicht geklärt sind: Aktuell wird rund um das Vitamin D geforscht, und auch einige Ansätze, die den Darm, bzw. die Darmflora in den Fokus nehmen. Diese wird auch durch die Ernährung mitbeeinflusst. Da MS als Auto-Immunerkrankung betrachtet wird, womöglich ein vielversprechender Ansatz.

anni: Liebe Frau Fleischmann, gibt es ein Chatproblem; alle Beiträge erscheinen unter Ihrem Namen und Fragen sind gar nicht zu sehen, sondern nur die Antworten.

Patricia Fleischmann: Hallo anni, nein kein Problem, inzwischen stehen die Antworten von Frau Dr. Lichtenstein auch unter ihrem Namen. Im Protokoll ordne ich das später korrekt zu. Aber danke für den Hinweis !

tertio: Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen einem Leaky-Gut-Syndrom und der MS?

Dr. Silke Lichtenstein: siehe gerade gesendetet Antwort

Kati: Sehr geehrte Frau Lichtenstein, was halten Sie von einer Zufuhr von Vitamin D? Ich kenne viele MS-Patienten, die 20000I.E pro Woche nehmen. Auf Anraten von deren Ärzte. Mein Arzt hält nicht viel davon. Wie stehen Sie dazu? Ist es erwiesen, dass Vitamin D den Verlauf der MS positiv beeinflusst? Genauso sagt mein Arzt, dass eine ausgewogene Ernährung besser ist, als eine "MS-Diät"!? Danke!

Dr. Silke Lichtenstein: Liebe Kati, es gibt keine Strategie für die Gabe von Vitamin D - und unter Ärzten ist die Gabe von Vitamin D auch sehr umstritten. Das beschreiben Sie auch sehr schön. Prinzipell: es gibt keine Wirkung ohne Nebenwirkung. Und es gibt sehr leckere Quellen für Vitamin D: Fische, insbesondere die fetten Fische. Und diese liefern auch die Omega-3-Fette, für die es postive Erfahrunge gibt. Ihrem Arzt geben wir also uneingeschränkt recht!

tertio: Welche Lebensmittel raten Sie zu meiden, wenn man MS-krank ist?

Dr. Silke Lichtenstein: Lieber Tertio, diese Frage ist inzwischen wohl beantwortet. tierische Fette, Eigelb, Fleisch - meiden muss aber nicht sein. Reduzieren, so weit es zu Ihren Vorlieben passt, ist ein guter Weg. Viel sinnvoller wird es aber sein, den Lebensmittel Beachtung zu schenken, die positiven Einfluss versprechen: oft Fisch, täglich Vollkorn, Nüsse, Öle, Gemüse, Hülsenfrüchte und Früchte. Ergänzen mit weniger fettreichen Milchprodukten bzw. Käse. Und am allerwichtigsten: Es sich schmecken lassen, geniessen, Lebensmittel kaufen, mit denen Sie sich wohl fühlen. Verzicht allein ist selten eine Lösung.

Kati: Hallo Frau Lichtenstein, in MS-Foren wird Alpha-Liponsäure immer wieder positiv erwähnt. Können Sie sagen, ob und was es bewirkt? LG

Dr. Silke Lichtenstein: Liebe Kati, auch hierzu nur: Alle positiven Behauptungen sind rein spekulativ und für die MS nicht erforscht bzw. bewiesen,. Im besten Fall keine negative Nebenwirkung, sehr wahrscheinlich kein Vorteil.

anni: Liebe Frau Dr. Lichtenstein, was genau beinhaltet denn die antientzündliche Diät? Die Empfehlungen der letzten Zeit erscheinen leider etwas widersprüchlich.

Dr. Silke Lichtenstein: Liebe Anni, Ihre Frage dürfte sich aus den vorangegangenen Antworten beantworten: Ausgewogen, maßvoll, viel Gemüse/Obst, regelmäßig Vollkorn, Kartoffeln und Hülsenfrüchte, wenig Fleisch und Eigelb, viel Fisch, Nüsse, Saaten mit hohem Anteil Omega-3-Fette, Milchprudkte mit moderatem Fettgehalt. Und vor allem: keine strengen Diäten, keine Verbote, sondern Muße und Genuss beim Essen.

Carin: Hallo Fr. Dr. Lichtenstein! Könnten Sie vlt. kurz aufzählen, was also zu meiden und was ohne Bedenken zu essen ist i.H.a. entzündungsarme Ernährung? Kann eine entsprechende Ernährung den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen? Danke

Dr. Silke Lichtenstein: Liebe Carin, ja viele Menschen haben gute Erfahrungen damit gemacht. Zudem entsprechen alle Vorgaben auch den Ernährungsempfehlungen für eine allgemein gesunderhaltende Ernährung, so dass Sie ggf. unausgewogene Essgewohnheiten auch gleich mit verändern. Aber jeder Mensch und jeder Krankheitsverlauf ist unterschiedlich und die Ernährung nicht die Ursache für die Erkrankung. Eine pauschale Vorhersage gibt es daher nicht.

Lisa: Guten Abend Frau Dr. Lichtenstein, grade vorhin habe ich den neuen Artikel auf der Seite der Amsel bzgl. der möglichen Mitbeteiligung des Darms bei der MS gelesen. Ich habe diese Vermutung schon sehr lange, wobei ich natürlich nur von mir ausgehen kann. Probleme mit der Verdauung habe ich schon seit ich denken kann. Habe insbesondere kurz vor den ersten MS-Symptomen sehr viel Antibiotika bekommen, was natürlich alles noch mehr aus dem Gleichgewicht gebracht habe. Jetzt habe ich in den letzten Jahren meine Ernährung komplett umgestellt. Wenig zusätzlichen Zucker (vor allem kein Fruktose-Glukose-Sirup), kaum Fertignahrung (Glutamat, etc.), täglich Obst und Rohkost, Müsli oder Porridge, eigentlich kein Alkohol, max. 1 Tasse Kaffee am Tag, frische Kräuter, wenig Fleisch, etc. Ich habe schon das Gefühl es nützt etwas und manchmal fühlt sich meine Verdauung auch über einige Zeit normal an, trotzdem denke ich es ist noch nicht wirklich alles im Lot. Wie kann man durch Ernährung seine Darmflora in die richtige Richtung lenken? Und was halten Sie von dem Verzicht auf Gluten? Verzicht auf Milch? Bekomme ich Vitamin B12 wirklich nur durch tierische Produkte? Veganer würden dies ja abstreiten. Fragen über Fragen... ;-)

Dr. Silke Lichtenstein: Liebe Lisa, der Darm ist (auch) ein wichtiges Organ unseres Immunsystems. Weshalb ein Zusammenhang mit Vorgängen im Darm zu Auto-Immunerkrankungen zunächst einmal plausibel sind. Dazu ist aber noch viel zu wenig bekannt, als dass man daraus Ernährungsstrategien mit bestimmten Wirkungen für den Menschen ableiten könnte. Auch die vorliegende Studie liefert wichtige Hinweise, dennoch sind Ergebnisse aus einzelnen Studien nicht über zu bewerten. Zumal an Labortieren. Was man auch weiß, es wirken sich Ernährungsweisen in ihrer Gesamtheit auf die Gesundheit aus, nicht einzelne Lebensmittel oder gar einzelne Inhaltstoffe. Auch bekannt ist, dass Unausgewogenheit - wie etwa der Verzicht auf ganze Produktgruppen wie Getreide der Milchprodukte, die zu unserer deutschen Esskultur gehören - Probleme und Risiken mit sich bringt. Davon ist immer abzuraten, sofern nicht andere Gründe wie Allergien den Verzicht erfordern. Gerade die Darmflora freut sich auf ballaststoffreiche aber auch abwechslungsreiche Nahrung. Hafer (enthält fast immer Gluten), Gemüse, Obst sind diesbezüglich top. Zu viel Verzicht schränkt außerdem oft den Spaß beim Essen ein - und das ist nie gesund. Essen und Trinken ist Kultur und Gemeinsamkeit, "Mittel zum Leben". Nahrungsmittel als "Mittel zum Zweck" zu behandeln, macht keinen Sinn. Grundsätzlich sind alle Lebensmittel im richtigen Maß mit einer gesunden Ernährung vereinbar. Positiven Einfluss haben zudem gesäuerte Milchprodukte wie Joghurt und milchsauer vergorene Gemüse wie etwa Sauerkraut. Die Versorgung mit Vitamin B 12 ist für Veganer früher oder später ein Thema, denn nur tierische Lebensmittel liefern Vitamin B 12. Nicht ohne Grund gibt es eine vegane Zahnpasta mit Vitamin B12-Zusatz.
Siena: Eine Nachfrage im Zusammenhang mit Fleisch und Arachidonsäure: Hat eine Hühnchenbrust ohne Haut viel Arachidonsäure? Welches Fleisch ist das "beste" puncto Arachidonsäure? Danke!

Dr. Silke Lichtenstein: Liebe Siena, die Betrachtung einzelner Analysewerte ist nicht sinnvoll. Naturprodukte schwanken in Irher Zsuammensetzung. Sinnvoll ist: Essen Sie wenig Fleisch und dann das, was Ihnen am besten schmeckt. So schaffen Sie die Umstellung am leichtesten.


Allgemein - Lisa: Was ist ketogene Ernährung? *frag dumm*



Allgemein - Siena: @ Lisa: So genau weiss ich es auch nicht, aber ich glaube, man isst nur ganz wenige Kohlenhydrate, damit der Körper seine Energie aus dem Fett ziehen muss. Irgendwie so. :-) Irgendjemand weiss da sicher besser Bescheid?


Suse: Sehr geehrte Frau Dr. Lichtenstein, wie lange dauert es bitte, bis sich eine Ernährungsumstellung auswirkt? Gibt es da rein zeitlich gesehen Unterschiede, je nach dem, auf welches Produkt verzichtet wird (z. B. Gluten, Kasein ...)?

Dr. Silke Lichtenstein: Liebe Suse, Sie sprechen Nahrungsinhaltstoffe an: Gluten, Casein an, für deren Vorteil eines Verzicht bei MS es keinerlei Beweis gibt. Glutenhaltige Getreide und Milchprodukte (enthalten Casein), gleich zwei wichtige Bestandteile einer ausgewogenen Ernährung, wegzulassen bedeutet, auch auf wichtige Ballaststoff-, Vitamin-, Mineralstoff-Quellen zu verzichten. Vor allem aber auf hochwertige, Eiweißquellen, die Ihnen zudem eine fleischärmere Ernährung erleichtern. Und die hat sich bei vielen MS-Kranken als vorteilhaft erwiesen. Außerdem bieten Sie eine tolle kulinarische Vielfalt - und sind leckere Geschmackserlebnisse! Sofern keine Allergien und persönliche Abneigungen vorliegen, kann ich Ihnen von derart einseitigem Essen und Trinken nur abraten. Bei der Umstellung im Rahmen der oben erwähnten Anti-Entzündlichen Diät berichten Betroffene meist nach einigen Wochen von spürbaren Effekten. Daher ist die dauerhafte Umstellung auch in kleineren Schritten meist effektiver, als viel auf einmal zu ändern und nur kurz durchzuhalten.


Allgemein - Lisa: Wikipedia weiß alles... :-) aber war so wie ich das verstehe schon ganz richtig...


Axel: liebe Frau lichtenstein, wie kritisch sehen Sie die Paleo Ernährung in Bezug auf die Arachidonsäure? schließlich werden hier viele Eier verzehrt...

Dr. Silke Lichtenstein: Lieber Axel, alle einseitigen Ernährungsformen sind kritisch zu betrachten, die Gründe habe ich mehrfach angesprochen. Weder gibt es kaum gesicherte Kenntnisse darüber, wie sich der Steinzeitmensch wirklich ernährt hat und auch die starre Sichtweise auf die menschliche Physis, ungeachtet völlig anderer Lebensbedingungen zu kurz gegriffen. Nun gibt es verschiedene Formen der Paleoernährung (oder Steinzeitdiät) auch vegane. Die, bei denen ein hoher Fleischkonsum vorgesehen ist, sind aufgrund der erheblichen Zufuhrmengen an Arachidonsäure besonders bei MS kontraproduktiv, aber auch für gesunde Menschen nicht zu empfehlen. Prinzipiell können Sie aber auch die Paleoernährung mit einigen Zielen der anti-entzündlichen Ernährung übereinbringen: Wenn Sie rohen Fisch, Nüsse und Saaten essen, kommen Sie zu erfreulich hohen Zufuhrmengen an vorteilhaften Omega-3-Fetten. Immer noch problematisch ist der Verzicht auf Getreide, Milch, Hülsenfrüchte, Kartoffeln und, und, und. Und dann ist die Frage, ob Ihnen das auf Dauer schmeckt und welchen Sinn das macht. Es gibt keinen erwiesenen Vorteil von Paleo, aber sehr wahrscheinliche Nachteile.

Carsten: Hallo! Was halten Sie von dem Ansatz gesättigte Fettsäuren zu reduzieren und den Konsum von ungesättigten Fettsäuren zu verstärken?

Dr. Silke Lichtenstein: Lieber Carsten, diese Strategie empfiehlt die Ernährungsmedizin seit vielem Jahrzehnten aus gutem Grund, vor allem mit Blick auf die Herzgesundheit. Immer mal wieder ergeben sich neue Diskussionen, aber diese ändern nichts an der Empfehlung, die Fettzufuhr mit möglichst hohem Anteil an pflanzlichen Ölen und Fetten, bzw. Nüssen und Saaten, sowie häufig und gerne fettreichen Fisch zu gestalten. So kommen Sie automatisch zu einem geringen verzehr gesättigter sowie einem höheren Anteil ungesättigter Fettsäuren, von denen einige essentiell sind - die wir also essen müssen. Und jetzt kommt das Aber: Es gibt auch ungesättigte Fettsäuren, die negative Auswirkungen haben können, vor allem, wenn Sie im Übermaß verzehrt werden: Arachidonsäure (Omega-6-Fettsäure). Diese zu verstärken wie Sie schreiben, wäre nicht ratsam. Deshalb empfehlen wir nicht Fettsäuren, sondern lieber Lebensmittel - pflanzliche Fette/Öle und Fischöle sind hier klar im Vorteil. Auch für die Herzgesundheit und bei MS, eine ausgewogene Mischung und ein vernünftiges Maß vorausgesetzt.

Rene: Hallo! Ausser an den Augen habe ich keine weiteren Symptome. Diagnose seit 12'. MUSS ich Fleisch, sprich alles was tierische Fette enthält meiden? Oder ist das ein Mythos? Welche Nahrungsmittel sollte man ganz vermeiden? Und wenn ja, wie kann ich es ausgleichen? Da es mir auf die Augen schlägt interessiert es mich welche Nahrungsmittel den Augen gut tun würden.

Dr. Silke Lichtenstein: Lieber Rene, Nein, kein Mythos. Und Nein, Sie müssen nicht ganz verzichten. Wenn Ihr Herz nicht daran hängt, macht es Sinn, auf Innereien, Speck, Schmalz und sehr fette Wurst bzw. Fleischteile besser ganz zu verzichten. Wenn nicht, sollten Sie diese Dinge zur seltenen Ausnahme machen. Zum Zweiten: auch Eigelb, Butter, Sahne, sehr fette Käse, Mascarpone und Co, selten bis sehr selten essen. Das Ziel als Faustregel: 2 x die Woche Fleisch/Wurst je etwa 100-140g, täglich fettmoderate Milchprodukte und Käse bis 45% wie oben beschrieben. Ausgleich schaffen fettreiche Fische wie Makrele, Lachs, Sardinen, Hering usw. , und die oben genannten Öle, Saaten, Nüsse. Für die Sehkraft haben Vitamin A und viele "Sekundäre Pflanzenstoffe" wichtige Funktionen, die Sie am besten und leckersten aus bunten Gemüsen und Früchten zu sich nehmen: 3 Handvoll Gemüse oder mehr und 2 Portionen Obst pro Tag sind top.

Beate: Hallo, ich habe gelesen, je mehr Arachidonsäure im Angebot ist, desto mehr entzündungsfördernde Stoffe(Eicosaniode) werden gebildet. So das eine reduzierte Zufuhr von Arachidonsäure und Linolsäure, also von tierischen Fetten, empfehlenswerte ist. Wäre da eine vegetarische oder vegane Ernährung nicht optimal (vorausgesetzt, dass auf ausreichende Versorgung von Vitaminen und Eisen geachtet wird). viele Dank

Dr. Silke Lichtenstein: Liebe Beate, die Frage beantwortet sich aus den vorangehenden Antworten. Tatsächlich berichten viele MS-Kranke von einem positiven Einfluss vorwiegend oder ganz vegetarischen Ernährungsweise - mit Milchprodukten und moderatem Ei(gelb)verzehr. Linolsäure ist eine essentielle Fettsäure, die der Mensch nicht selbst herstellen kann, weshalb er sie essen muss. Aus Linolsäure kann aber im Stoffwechsel Arachidonsäure aufgebaut werden. Aus Arachidonsäure werden im Körper Entzündungsstoffe (Eicosanoide) gebildet. Diese scheint aber durch Linolsäure bzw. bei Eigenproduktion daraus, in der Praxis weniger negativen Einfluss gezeigt, wie aus der Nahrung aufgenommene Arachidonsäure. Daher ist ein allzu vorsichtiger Verzehr von Linolsäure keine Lösung, wohl aber ein vernünftiger Genuss. Mein Tipp dazu: linolsäurereiches Distelöl, Traubenkernöl, Sonnenblumenöl nicht übertreiben und nach Geschmack mit Rapsöl, Walnussöl, Leinöl, Margarine, Nüssen, Saaten bunt gemischt, ergänzen. Zu beachten: kaltgepresste Öle sind nicht zum Erhitzen geeignet. Besser sind dann Rapsöl oder auch Oliven- und Sojaöl - diese sind neutral bis positiv, also auch geeignet.


Allgemein - Lilli1: Hallo an Alle Ich bin übrigens Lilli und Lilli1, die erste Anmeldung klappte nicht! ;-)


emma: Ich bin, seit der Einführung der Energiesparlampen besorgt, dass bei Zeiten zunehmend Quecksilber in unser Trink- und Grundwasser gelangt - denn ich denke viele Bürger entsorgen Sonder-Müll bequem im Restmüll...gibt es eine Filtermethode die zu leisten ist?

Dr. Silke Lichtenstein: Liebe Emma, richtig ist, dass Umweltgifte wesentlich größere Ernährungsrisiken darstellen, als einzelne Nahrungsinhaltstoffe. Dennoch die Wahrnehmung ist genau anders herum. Deshalb kontrollieren die Behörden die Trinkwasserqualität auch streng. Fest steht, dass man zur Ursache von MS noch keinen Einzel-Auslöser identifizieren konnte. Ob und welche Rolle Schwermetalle spielen, ist nicht sicher zu sagen. Allgemein genießt das deutsche Trinkwasser höchstes Ansehen, es gibt aber auch laute Stimmen, die dagegen sprechen. Im Handel gibt es daher Bio-Mineralwasser. Dieses muss viele wesentlich strengeren Qualitätskriterien erfüllen, u.a. auch ökologische und soziale. Und: es wird wesentlich strenger auf Rückstände und Schadstoffe kontrolliert. Eine andere Sicherheit als diese gesetzliche bzw. freiwillige Kontrolle haben wir nicht. Im Handel erhältliche Filtersysteme sind aktuell u.a. aufgrund fehlender Vorteile bzw. der Keimbelastung sehr umstritten.

Barbara: Sehr geehrte Frau Dr. Lichtenstein ! Ich habe seit 1969 MS und die Erkrankung zeitweise "vergessen". Erst 2003 trat sie mit Macht in mein Leben zurück --> Rollstuhl, nicht mehr stehen können. Meine Frage: Ich habe mich immer fisch- und gemüsereich ernährt. Was kann ich jetzt zusätzlich zu mir nehmen, damit ich etwas "wacher" (ständig müde) bin (Vit.D, Zn werden genommen)? Herzlichen Dank für die Beantwortung. Grüße

Dr. Silke Lichtenstein: Liebe Barbara, den gewünschten Effekt durch die Ernährung kann man Ihnen in Aussicht stellen, indem Sie allgemein ausgewogen und abwechslungsreich essen und trinken. Anders herum: müde macht Ernährung dann, wenn sie nicht ausgewogen ist. Dann merken Sie einen Effekt. So klingt es aber für mich nicht. Die Müdigkeit ist sehr viel wahrscheinlicher Symptom der Krankheit (Fatigue). Aus der Ferne kann ich nur weitergeben, womit sich die meisten Menschen vitaler fühlen: viel Frisches, Gemüse und Obst, je bunter je besser und nach Saison. Auch säuerliche Milchprodukte wie Buttermilch, Joghurt, Kefir bzw. Sojaalternativen, wenn Sie mögen, können erfrischen. Und last but not least: Gaumenkitzel wie z.B. frische Kräuter, Ingwer, Galgant,Cumin, Curries usw., "wecken" Appetit und Geschmacksnerven.

tertio: Wichtig ist doch vor allem die Vermeidung schlechter Fette wie Margerine, Raps- und Sonnenblumenöl. Kokosöl, Ghee und Olivenöl sind singegen sehr zu empfehlen. Oder was meinen Sie, Frau Lichtenstein?

Dr. Silke Lichtenstein: Lieber tertio, besonders postive Omega-3-Fette sind wie beschrieben in fetten Seefischen, Leinöl, Rapsöl, Walnüssen/Öl enthalten, für Experimentierfreudige und Veganer auch Chiasamen und Hanföl. Kokosöl enthält diese nicht, ist neutral, Ghee ist Butterreinfett, ist also nicht positiv. Sonnenblumenöl ist in Kombination mit den anderen Ölen wie Raps oder Walnuss okay, enthält aber viel Omega-6-Fette, die den Vorteil der Omega-3-Fette abpuffern. Oder Lachs darin braten,der Omega-3-Fette enthält.

Moderator Patricia Fleischmann: Hallo Lilli1, kann sein, Dein Nickname war schon "besetzt" ;-) Schieß einfach los, wenn Du eine Frage hast - oder wolltest Du nur mit den andern plaudern. Das geht nämlich auch über das 2. Schreibfeld.

emma: Wie steht es mit Gewichtsschwankungen und körpereigener Cortisolausschüttung? Ist viel Cortisol bei MS gut oder contraproduktiv?

Dr. Silke Lichtenstein: Liebe Emma, zur Cortisolausschüttung kommt es z.B. bei Stress - und dieser beeinträchtigt das Immunsystem. Somit kann dieser negative Einfluss, Stress, auch relevant bei Autoimmunerkankungen. werden.

katrinchen: Liebe Dr. Lichtenstein, es gibt ja die "alten" Ernährungstipps von Dr. Adam. Inzwischen gibt es viele neue Erkenntnisse. Mein Schluß aus sämtlichen Ernährungstheorien ist. Viel Gemüse/ weniger Ost, mageres Fleisch, viel Fisch, kein Dosen- und Tütenfutter wenig Zucker/ Salz... Was halten Sie davon...

Dr. Silke Lichtenstein: Liebe Kathrinchen, das "alte" können wir in "alt-bewährt" umformulieren. Auch die neuen Erkenntnisse, bzw. die Essenz daraus, hinterlässt, generell betrachtet, nahezu keine neuen Weisheiten. Viel Gemüse und mehr Gemüse als Obst, Ei und Fleisch in Maßen (daran hat sich nichts geändert), weißes Fleisch und Fleisch von hoher Qualität bevorzugen. Auch Dosen-/Tütenfutter ist eine Sache der Qualität. es gibt auch tolle Tütenware und Dosenware, man denke an schöne, manufaktürlich hergestellte Nudeln oder vorbereitete Speisen aus dem Kühlregal. Das ist pauschal nicht zu verurteilen. Zucker ist im Übermaß nicht gut, diese Erkenntnis ist nicht neu und das Salz muss man ím Einzelfall sehen. Daher auch hier: beides in Maßen.

katrinchen: Hat ein übersäuerter Körper Auswirkungen auf die MS?

Dr. Silke Lichtenstein: Liebe Kathrinchen, auch hierzu können für MS keine Aussagen gemacht werden. Für die meisten der weit verbreiteten Behauptungen rund um die "Übersäuerung" als Krankheitsauslöser, gibt es nicht einmal für Gesunde eine haltbare Grundlage. Von Übersäuerung spricht man landläufig aber im Zusammenhang mit sehr fleischlastigen Essgewohnheiten. Fleisch liefert viel Arachidonsäure wie bereits beschrieben, also kann eine basische Ernährung, die wenig Fleisch und viel Pflanzenkost beinhaltet, ein guter Weg sein.

emma: Wann öffnen sich Neurologen endlich der Vit. D Hypothese? Wir alle haben wahrlich keine Zeit darauf zu warten, dass dieses Wissen Einzug in die Leitlinien findet...und sooooo viele Hausärzte haben das bereits verstanden.

Dr. Silke Lichtenstein: Liebe Emma, wie beschrieben: wenn es haltbare Hinweise gibt, wird aus der Hypthese eine Richtlinie oder Empfehlung. Bis dahin entspricht es der verantwortungsvollen Medizin, von allem Abstand zu nehmen, das nicht bewiesen ist und für das die Risiken nicht abgeschätzt werden sollen. In anderen Ländern wird damit anders umgegangen. Meines Erachtens führt aber keinen Weg an diesem Verantwortungsbewusstsein vorbei. Dennoch, gibt es viele Ärzte die sehr geneigt sind, der Hypothese zu glauben und auch entsprechend verordnen.

Regina: Liebe Frau Lichtenstein, eine Ernährungsberaterin hat mir wegen chronischer Verstopfung die Ernährung von Dr. Brucker empfohlen (Vollwert, Vollkorn, Butter, Sahne, Rohkost). Sie legt großen Wert auf Butter, die leicht verdaulich sei, die Leber nicht belastet. Margarine sei schädlich. Würden Sie mir wegen Arachidonsäure empfehlen auf die Butter zu verzichten und lieber gute Pflanzenmargarine zu nehmen?

Dr. Silke Lichtenstein: Liebe Regina, ja das würde ich unbedingt empfehlen können. Butterfett ist leicht verdaulich. Der Vorteil bezgl. der Leber bzw. Galle ist aber nur gegenüber Schmalz erwähnenswert. Darum geht es weder bei der Verstopfung noch bei MS. Für die Verstopfung gilt: die Ursache herausfinden und diese behandeln, Möglicherweise können auch die Medikamente der Auslöser sein, Es helfen Bewegung, Ballaststoffe und ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Die Fettzufuhr ist für die MS relevant und hier gilt ganz klar. pflanzlich besser als tierisch. Die Behauptung, Margarine sei schädlich ist reine Spekulation. Der Rat zu Butter möglicherweise sogar kontraproduktiv. Und übrigens: komplette Verbote sind in einer Ernährungstherapie nur in einem Fall zielführend: bei Allergien

katrinchen: Wo laufen Studien zum Thema Ernährung und MS? Kann man Parallelen zu anderen entzündlichen Erkrankungen ziehen. Warum wurde die Wirkung von Ernährung auf eine Erkrankung in anderen Bereichen untersucht und nicht bei MS.

Dr. Silke Lichtenstein: Liebe Kathrinchen, geforscht wird z.B. in Neurologischen Abteilungen/Zentren in Universitäskliniken. Gegenstand sind jedoch meist nicht Ernährungsformen, sondern oft geht es um Nahrungsergänzung. Grundsätzlich ist aber die Ernährungsmedizinische Forschung bei Erkrankungen äußerst lückenhaft. Dafür gibt es viele Gründe, ein wichtiger sind ethische. Um einen Ernährungseinfluss zu beweisen, brauchen Sie eine Gruppe, mit Ihrem Einfluss und eine Kontrollgruppe, die diesen nicht erhält. Wenn Sie die Hypthese aufstellen, wiederspricht das dem Vorenthalten. Außerdem ist Ernährung immer nur einer von ganz vielen Einflüssen, wenn auch ein wichtiger. Und Ernährungsbedüfnisse sind so unterschiedlich, wie jeder Mensch -der Einfluss von außen sehr schwer messbar.

tertio: Thema Gluten: Was halten Sie von dem vermuteten Zusammenhang zwischen MS und Weizensensitivität?

Dr. Silke Lichtenstein: Lieber Tertio, auch hierzu gibt es nur Hypothesen, aber keinerlei haltbare Beweise auf einen Zusammenhang bzw. den positiven Einluss einer glutenreier Ernährung bei MS. Vor dem Hintergrund der möglichen Unausgewogenheit, die glutenfreie Ernährung mit sich bringen kann, ist eine glutenfreie Ernährung nur bei bekannter Glutensensitivität ratsam, bei Zöliakie sogar zwingend notwendig.

Coco: Hallo Frau Lichtenstein, ich habe eine Frage noch zu den Fetten.Ich habe irgendwo gelesen, daß Omega 6 Fette vermieden werden sollen. Laut dem Chat Verlauf klingt es nicht ganz danach? Ist da etwas dran?

Dr. Silke Lichtenstein: Liebe Coco, richtig, wir haben nur kurz die Omega-6-Fette angesprochen, ich habe aber schon oft davon geschrieben: Arachidonsäure ist eine Omega-6-Fettsäure, mit wie erwähnt, negativem Einfluss auf Entzündungen, nämlich entzündungs-fördernd. Eine andere Omega-6-Fettsäure ist z.B. Linolsäure, die diesen entzündungsförderlichen Efekt nicht, bzw. schwächer zu haben scheint. Omega-3-Fette können diesem Effekt entgegenwirken. Am besten, wenn man gleichzeitig Omega-6-Fettsäuren reduziert. Ob dies einen Effekt auf den Verlauf der MS hat, kann man nicht sicher vorhersagen. Viele positive Erfahrungswerte sprechen aber dafür. Und, sofern sie Omega-3-Fette über normale Lebensmittel im Rahmen einer allgemein ausgewogenen Ernährung essen (Fisch, Öl, Nüsse bzw. Saaten) kommen Sie automatisch zu einer allgemein gesunden Ernährung. Um es nicht zu kompliziert zu machen: Fisch, Raps-, Lein, Walnussöl, ergänzen mit Sonnenblumenöl und anderen omega-6-reichen Ölen (z.B. Distel-, Kürbiskern-, Traubenkernöl) - diese schaden aber nicht, haben aber ein so "gesundes" Image, das man bei MS anders darstellen muss: "mit Vorsicht zu geniessen" bzw. in die Kürbissuppe mit Kernöl ein paar Walnüsse geben.


Allgemein - Regina: Wie geht es Euch denn mit der Ernährung? Könnt Ihr einen Zusammenhang zwischen dem was Ihr esst und dem Fortschreiten der MS oder Eurem Befinden feststellen? Ich danke Frau Lichtenstein für die Beantwortung unserer Fragen, Frau Fleischmann für Ihre Betreuung und wünsche Euch allen noch einen schönen Abend.


Moderator Patricia Fleischmann: Liebe Chatter, die Ernährung bei MS ist vielen wichtig, das zeigte auch dieser Chat wieder. Danke für Ihre Beiträge und ein besonders großes DANKE geht an Dr. Silke Lichtenstein für ihr Engagement im Multiple-Sklerose-Chat heute. Ihnen allen einen schönen restlichen Abend.

Redaktion: AMSEL e.V., 03.06.2015