Mitglied werden

Verlaufsmodifizierende MS-Therapie

Als Patient muss man weitreichende Entscheidungen treffen, was nicht immer leicht ist, so Dr. Martin Rösener im Expertenchat.

Moderator Jutta Hirscher: Liebe Chatter, herzlich willkommen zum heutigen Chat. Dr. Rösener ist bereits aktiv bei der Beantwortung Ihrer Fragen.

Birgit: Sehr geehrter Herr Dr. Rösener, auf der Homepage der DMSG wurde heute ein Artikel veröffentlicht, in dem steht, dass die EMA eine Überprüfung von Tysabri gestartet hat. Es sollen neue Erkenntnisse (STRATIFY 2 Studie) vorliegen, die auf ein höheres PML-Risiko deuten, als bisher angenommen. Sind Ihnen Zahlen bekannt? Herzlichen Dank!

Dr. Martin Rösener: Das Risiko unter der Behandlung mit Tysabri eine PML zu bekommen ist bekannt und steigt mit zunehmender Behandlungsdauer in Abhängigkeit von den Vorbehandlungen und dem Antikörperstatus. Die Zahlen zur statistischen Wahrscheinlichkeit unter Tysabri eine PML zu bekommen, variieren je nach Datengrundlage und werden immer mal wieder neu berechnet. Für die Behandlungsentscheidung im Einzelfall helfen sie leider wenig, weil eben über diesen Einzelfall keine Aussage getroffen werden kann.

David: Guten Abend Herr Dr. Martin Rösener, ich nehme nun seit längerer Zeit Gilenya gegen die hochaktive, schubförmige MS. Das Medikament an sich vertrage ich gut. Denoch habe ich gelegentlich Schmerzen in verschiedenen Körperteilen oder kurzzeitige Aussetzer mit z.B. Sprachstörungen. Ich kenne aus der Vergangenheit die Wirkung von gelegentlichem Cannabiskonsum. Obwohl es im Übermaß z.B. Depressionen auslösen kann, wirkte der kontrollierte, gelegentliche Konsum eher positiv auf die Psyche. Seit der Fingolimod-Therapie und auch vorher habe ich vom Kosum jedoch abgelassen. Meine Frage bezieht sich darauf, ob zwischen der Verbindung von Fingolimod und Cannabis bzw. THC Erfahrungen bestehen oder eine Kombination eher nicht empfohlen wird. Gegen die Schmerzen oder um auf andere Gedanken zu kommen, käme der gelegentliche Konsum wieder in Frage. Wenn Ihnen in dieser Richtung schonmal was "zu Ohren gekommen" ist, würde ich mich über eine Einschätzung freuen. Vielen Dank und einen schönen Abend David

Dr. Martin Rösener: Gilenya und Cannabis können kombiniert werden, wesentliche Wechselwirkungen sind nicht zu erwarten. Ausdrücklich muss darauf hingewiesen werden, dass Cannabishandel und -besitz in Deutschland (noch) verboten ist. Eindeutig verboten ist auch das Führen von Kraftfahrzeugen unter dem Einfluss von Cannabis.

Dr. Martin Rösener

Studium der Medizin in Würzburg und London.

Neurologische Ausbildung an den Neurologischen Universitätskliniken Würzburg und Tübingen.

Langjährige wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Multiplen Sklerose.

Aufbau und Führung einer Ambulanz für Patienten mit Multipler Sklerose an der Universität Tübingen.

Seit 2000 niedergelassener Neurologe in Stuttgart mit Schwerpunkt Multiple Sklerose. Häufig als Referent und Chatexperte für die AMSEL aktiv. Seit 2006 Mitglied des Ärztlichen Beirates der AMSEL.

wiederholt als Experte im AMSEL-Chat

Lars: Hallo Herr Rösener, aktuell ist ein PML-Fall unter Gilenya veröffentlicht worden, der keinerlei Symptome hatte. Dies soll bei einer Routinekontrolle im MRT entdeckt worden sein. Wissen Sie, ob der Patient den JC-Virus hatte? Danke!

Dr. Martin Rösener: Guten Abend Chatgemeinde, ich hoffe es wird ein interessanter Abend. Zur Frage: Die PML ist eine Infektion mit dem JC Virus. Ein Patient mit einer PML muss also immer das JC Virus in sich getragen haben.

elly: Guten Abend Herr Dr. Rösener, welches Medikament würden Sie nach dreijähriger (stabiler, auch im MRT) Behandlung mit Tysabri zur Deeskalation empfehlen / bevorzugen?

Dr. Martin Rösener: Alle zur Basistherapie der schubförmigem Multiplen Sklerose zugelassenen Medikamente (es sind inzwischen acht) kommen dann in Frage. Die Entscheidung für ein Medikament sollte ausführlich mit Ihnen an Hand von Applikationsform und Nebenwirkungen besprochen werden.

Voltaire: Hallo Herr Dr. Rösener, ist MS durch Sex, Oralverkehr oder Küssen auf einen anderen Menschen übertragbar. Ich habe eine Frau kennengelernt mit MS und diesbezüglich recheriert und widersprüngliche und verunsicherende Ergebnisse gefunden. Gerade im Bezug auf Viren/Bakterien und der Studie auf den Färörer-Inseln. Vielen Dank.

Dr. Martin Rösener: Die Multiple Sklerose ist nach allem was bisher bekannt ist ausdrücklich keine ansteckende Erkrankung. Geniessen Sie den Sex!

Hauke: Hallo Dr. Rösener, wie stehen Sie zur Deeskalation (Gilenya oder Tysabri) auf ein Medikament für milde Verlaufsformen? Gibt es eine offizielle Empfehlung in den Leitlinien? Würden Sie stabile Patienten unter diesen Therapien zurückstufen, obwohl es keinen triftigen Grund (JC-Virus usw.) gibt?

Dr. Martin Rösener: Üblich ist, dass nach jeder Eskalation eine Deeskalation folgen sollte. Bei einer milden Verlaufsform der Erkrankung gibt es zunächst wenig Grund, eine Eskalationstherapie zu beginnen. Das Risiko für bedrohliche Nebenwirkungen z. B. mit Tysabri steigt mit zunehmender Therapiedauer. Deshalb wird man bei einem milden Krankheitsverlauf eher eine Basistherapie ohne das Risiko potentiell tödlicher Nebenwirkungen wählen.

Elke: Tag, ich habe inzwischen den Chronisch-Progredienden -Verlauf und möchte gerne wissen, ob eine BT sinnvoll ist, wenn ja, welche? MfG Elke

Dr. Martin Rösener: Die immunmodulatorische Basistherapie wirkt vor allem, wenn Entzündungsaktivität vorhanden ist. Patienten mit einer progredienten Multiplen Sklerose ohne entzündliche Aktivität oder aufgelagerte Schübe profitieren von einer solchen Behandlung nicht oder nur sehr wenig.

Nora: Sehr geehrter Herr Dr. Rösener, ich hätte gern Ihre Meinung, ob in meinem Fall eine Therapie sinnvoll ist. Ich bin 50 Jahre;Vor 25 Jahren hatte ich einen Schub (Doppelbilder), aber keine Diagnose. Vor 2 Jahren traten dann gehbeschwerden auf, die zur Diagnose MS führten. Bis heute habe ich keine Basistherapie begonnen, obwohl mein Neurologe mir zu Betaferon geraten hat. Bisher habe ich alle 3 Monate Kortison 3X1000 mg., bzw. 3X500mg.erhalten. Meine Symptome: schwere und unruhige Beine, kribbeln und brennen in Bauch, Beine, Füße, Gehstrecke ca. 1000 m. Letztes MRT 12/14 zeigt viele alte Läsionen in Kopf und Rückenmark, auch black holes, aber keine Kontrastmittel aufnehmende Läsionen. Wenn ich eine chronisch progredient Form habe, macht es jetzt überhaupt noch Sinn eine BT zu beginnen? Vielen Dank für Ihre Antwort Nora=

Dr. Martin Rösener: Wenn Sie keine Schübe und keine aktiven Läsionen in der Kernspintomographie haben, ist der Nutzen durch eine immunmodulatorische Therapie begrenzt. Bei häufiger Gabe von Kortison ist sorgfältig auf die Entwicklung einer Osteoporose zu achten. Im Vordergrund der Behandlung sollten symptomatische Maßnahmen stehen.

Anne: Sehr geehrter Herr Dr. Rösener, habe SPMS und nehme Gabapentin 1200mg, Liorisal 75mg täglich, für Schmerzen Palexia 50mg und Amneurin 10mg tgl. Bin laut Uniklinik austherapiert. Habe unerträgliche Mißempfindungen in Händen und besonders in Beinen und Füßen, so daß ich oft selbst leichte Schuhe nicht tragen kann und mit den Händen nichts fassen kann fällt mir alles hin. Bin an Rollstuhl gebunden, schwerstbehindert. Kortisonstoßtherapie alle 3 Monate hilft nicht. Was kann ich machen, damit die Mißempfindungen etwas erträglicher werden. Gruß

Dr. Martin Rösener: Gabepentin ist geeignet, Mißempfindungen zu lindern. Wenn 1200 mg am Tag nicht ausreichend wirksam sind, sollte die Dosis bis zur Höchstdosis oder bis zur Verträglichkeitsgrenze gesteigert werden.

Bo: Hallo zusammen, sollte der PML-Fall einen dazu bewegen die Überprüfung durch MRT etc häufiger durchzuführen? Oder ist eine Überwachung 2* jährlich weiterhin ausreichend? Danke

Dr. Martin Rösener: Die PML ist eine schwere und potentiell lebensbedrohliche Nebenwirkung einer eingreifenden, immunmodulatorischen Behandlung. Jeder PML Fall sollte Anlass sein, die Indikation für eine solche Behandlung zu überprüfen. Überwachung verhindert eine PML nicht.

Hauke: Meine Erkrankung war zu Beginn gleich hochaktiv. Lediglich ein halbes Jahr Copaxone. Viele Herde. Meine Ärztin sagt immer "never change a winning team". Sie befürchtet einen Rebound. Deshalb hat Sie mir auch über die 2 Jahre hinaus zu Tysabri geraten. Als Patient nicht einfach zu entscheiden, was richtig und was falsch ist!?

Dr. Martin Rösener: Sie haben Recht, als Patient muss man weitreichende Entscheidungen treffen und das ist nicht immer leicht. Sie sollten sich möglichst umfassend informieren, z. B. bei der AMSEL, dann können Sie eine informierte Entscheidung treffen und sind dann damit auch zufrieden.

Voltaire: Ergänzend zu meiner Frage: Die Frau hat zudem noch das Bloch-Sulzberger-Syndrom und ich habe rezidivierende Aphten. Ich erwähne das mal, weil Aphten auch die Folge autoimmuner Prozesse sein können, es wurden nie Keime gefunden. Danke :-)

Dr. Martin Rösener: Das Bloch-Sulzberger-Syndrom ist eine genetisch vermittelte Hauterkrankung und wie die Multiple Sklerose ausdrücklich nicht ansteckend.

elly: Sie würden aber nicht sagen, mit einem Medikament klappt die Deeskalation besser als mit anderen, bzw. mit einem Medikament klappt es gar nicht?

Dr. Martin Rösener: Dafür, dass die Deeskalation mit einem der zur Verfügung stehenden Medikament besser klappt als mit einem anderen, gibt es bislang keine Hinweise.

David: Vielen Dank, die Gesetzeslage ist mir bekannt und wird natürlich nicht gebrochen. Die mehrfach-Sendung kann ich mir nicht erklären, entschuldigen Sie dennoch.

Dr. Martin Rösener: Hallo David, das Mehrfach-Senden von Fragen erschwert das Antworten. Ansonsten nicht weiter schlimm. Und da dieser BEitrag eigentlich keine Frage ist, habe ich die Frage aus dem Fragepool herausgefischt und für Dr. Rösener beantwortet. J. Hirscher

Voltaire: "nach allem was bisher bekannt ist" d.h. 99% ausschließen kann man eine Ansteckung nicht?

Dr. Martin Rösener: Doch, man kann eine Ansteckung bei der Multiple Sklerose ausschließen.

Herr Zor: Bei mir heisst es "Verdacht auf MS". Die behandelnde Ärztin mag sich nicht oder kann sich nicht auf eine genaue Diagnose festlegen, rät mir aber dazu, eine Basistherapie zu beginnen. Ich lehne diese jedoch ab, bis keine genaue Diagnose gestellt wird. Ich hatte im September 2014 eine NNO am rechten Auge. Was halten Sie daon, eine Basistherapie ohne genaue Diagnose zu beginnen?

Dr. Martin Rösener: Wir unterscheiden inzwischen verschiedenen Stufen der Diagnosestellung einer Multiplen Sklerose. Vor der endgültigen Diagnose der Multiplen Sklerose gibt es ein Stadium, welches wir 'Klinisch isoliertes Syndrom' nennen. Da ist das Kriterium der sogenannten zeitlichen Dissemination noch nicht erfüllt. Man kann bereits in diesem Stadium mit der Immunmodulatorischen Behandlung beginnen und damit den Zeitpunkt bis zur endgültigen Diagnose statistisch signifikant hinausschieben.

Charlotte: Hallo Herr Dr. Rösener, ich nehme seit etwa 4 Jahren Extavia (mit Unterbrechung von einigen Monaten). Nach dem Pausieren waren die Nebenwirkungen sehr moderat, leider nehmen sie in den letzten Monaten wieder zu - die Schmerzen werden stärker, auch habe ich wieder Fieber + Schüttelfrost. Woran kann das liegen? Könnte es evtl. mit der Bildung von Antikörpern zusammenhängen?

Dr. Martin Rösener: Die Nebenwirkungen durch die Betainterferone variieren im Verlauf. Bei Fieber und Schüttelfrost können sie Ibuprofen einnehmen. Die Bildung neutralisierender Antikörper geben Betainterferone würde eher zu einer Verminderung von Nebenwirkungen führen.

Hauke: Wie bewerten Sie den L-Selektin Test? Kann man den Test in die Entscheidung über eine Therapie einfliessen lassen?

Dr. Martin Rösener: Mit dem L-Selektin Test soll das Risiko für die Entwicklung einer PML abgeschätzt werden. Bislang wird dieser Test v. a. in wissenschaftlichen Fragestellung untersucht, Eingang in die klinische Routinediagnostik hat er bislang noch nicht gefunden.

Stefan: Sehr geehrter Herr Dr Rösener, mein Neurologe rät mir angesichts von zwei Schüben (jeweils Missempfindungen in den Extremitäten) binnen vier Jahren sowohl unter Rebif als auch unter Aubagio zum Wechsel auf Gilenya. Als Laie etwas provokant-flapsig gefragt: Das Präparat muss ja angesichts der erheblichen kardiologischen Erstüberwachung nicht ganz ohne sein. Gibt es in irgendeiner Weise (Analogieschlüsse von vergleichbaren Präparaten usw.) Anhaltspunkte, dass das Herz sehr langfristig „geschwächt“ werden kann?

Dr. Martin Rösener: Richtig ist, die Indikation zu einer Eskalationstherapie muss sehr sorgfältig geprüft werden. Wegen der potentiell tödlichen Nebenwirkungen auf das Herzreizleitungssystem muss die Erstgabe von Gilenya unter kardiologischer Überwachung erfolgen. Hinweise für eine langfristige Herzschädigung durch Gilenya gibt es bei den bisher behandelten Patienten nicht.

Voltaire: Aber es werden immer wieder infektiöse Ursachen diskutiert. Was ist ihre Meinung zu dieser Hypothese: Für die Annahme, dass Multiple Sklerose ansteckend sein könnte, gibt es keinerlei Beweise. Jedoch wird ein indirekter Zusammenhang mit infektiösen Erkrankungen vermutet. Aufgrund der auf den Färöer-Inseln beobachteten Epidemie (siehe Abschnitt "Epidemiologie") wurde folgende Ereigniskette bzw. die im Folgenden dargestellten Grundvoraussetzungen vermutet: Es existiert eine spezielle, weit verbreitet vorkommende, jedoch noch nicht identifizierte Infektion, "Multiple-Sklerose-Primäraffektion" genannt. Bei der Multiple-Sklerose-Primäraffektion handelt es sich um eine chronisch verlaufende, im Körper des Betroffenen nicht ausheilende Infektion, die von Mensch zu Mensch übertragen wird. Ein kleiner Prozentsatz derjenigen Personen, die von der Multiple-Sklerose-Primäraffektion betroffen sind, entwickeln später Symptome einer Multiplen Sklerose. Es ist ein länger andauernder Kontakt mit infizierten Personen notwendig, um mit der Multiple-Sklerose-Primäraffektion angesteckt zu werden; man geht von mindestens 2 Jahren aus. Nur Personen in einem Alter zwischen 10 und 45 Jahren können überhaupt mit der Multiple-Sklerose-Primäraffektion infiziert werden. Personen, die mit der Multiple-Sklerose-Primäraffektion infiziert wurden, sind nur so lange ansteckend, bis sie eventuell an Multipler Sklerose erkranken (was nicht auf jeden Infizierten zutrifft, siehe oben). Quelle: www.medizinfo.de/kopfundseele/multiplesklerose/

Dr. Martin Rösener: Im Verlauf der letzten hundert Jahre sind sehr viele Theorien zur Entstehung der Multiplen Sklerose entwickelt worden. Auch Infektionen wurden immer wieder diskutiert. Einen Beweis für eine infektiöse Genese durch ein Virus oder Bakterium gibt es allerdings bislang nicht.

Herr Zor: Ich habe nur Angst, dass die NNO eine einmalige Sache ist/war. Soll ja schon vorgekommen sein. Wäre es nicht klüger einfach abzuwarten ohne schon eine Basistherapie zu beginnen?

Dr. Martin Rösener: Die Entscheidung für oder gegen eine Basistherapie ist schwierig und nur im Einzelfall zu treffen. Richtig ist, dass es einmalige Sehnervenentzündungen gibt, die sich nie zu einer Multiplen Sklerose entwickeln. Ich bespreche das in der Regel ausführlich mit den Patienten und wenn die Patienten der Behandlung gegenüber skeptisch bleiben, werden sie regelmäßig klinisch und kernspintomographisch kontrolliert. Eine Behandlung wird dann erst begonnen, wenn sich tatsächlich Krankheitsaktivität zeigt.

Voltaire: Infektiöse Ursachen werden aber immer diskutiert. Was sagen Sie zu folgender Hypothese? Für die Annahme, dass Multiple Sklerose ansteckend sein könnte, gibt es keinerlei Beweise. Jedoch wird ein indirekter Zusammenhang mit infektiösen Erkrankungen vermutet. Aufgrund der auf den Färöer-Inseln beobachteten Epidemie (siehe Abschnitt "Epidemiologie") wurde folgende Ereigniskette bzw. die im Folgenden dargestellten Grundvoraussetzungen vermutet: -Es existiert eine spezielle, weit verbreitet vorkommende, jedoch noch nicht identifizierte Infektion, "Multiple-Sklerose-Primäraffektion" genannt. -Bei der Multiple-Sklerose-Primäraffektion handelt es sich um eine chronisch verlaufende, im Körper des Betroffenen nicht ausheilende Infektion, die von Mensch zu Mensch übertragen wird. -Ein kleiner Prozentsatz derjenigen Personen, die von der Multiple-Sklerose-Primäraffektion betroffen sind, entwickeln später Symptome einer Multiplen Sklerose. -Es ist ein länger andauernder Kontakt mit infizierten Personen notwendig, um mit der Multiple-Sklerose-Primäraffektion angesteckt zu werden; man geht von mindestens 2 Jahren aus. -Nur Personen in einem Alter zwischen 10 und 45 Jahren können überhaupt mit der Multiple-Sklerose-Primäraffektion infiziert werden. -Personen, die mit der Multiple-Sklerose-Primäraffektion infiziert wurden, sind nur so lange ansteckend, bis sie eventuell an Multipler Sklerose erkranken (was nicht auf jeden Infizierten zutrifft, siehe oben). Quelle:http://www.medizinfo.de/kopfundseele/multiplesklerose/ Ich habe die Frage nochmal editiert, damit sie leichter zu lesen ist.

Dr. Martin Rösener: Nochmal, Spekulationen gibt es viele, einen Beweis für eine infektiöse Genese der Multiplen Sklerose gibt es bislang nicht.

Syke: Guten abend. Was ist mit Copaxone und Schwangerschaftswunsch? Danke für ihreAntowrt.

Dr. Martin Rösener: Grundsätzlich sollten in der Schwangerschaft so wenig Medikamente wie möglich gegeben werden. Es sollte vermieden werden, das ungeborene Kind mit Medikamenten zu belasten. Ich empfehle, wenn möglich, jede immunmodulatorische Therapie, also auch Copaxone, vor Eintritt einer Schwangerschaft abzusetzen.


Allgemein - Voltaire: Wer von euch hat alles Partner ohne MS? :)



Allgemein - Sally: Oder wer hat hier alles ms? ;-)



Allgemein - Voltaire: Ich nicht, aber habe eine Frau kennengelernt die MS hat und jetzt mache ich mich schlau.


Stefan: Und noch eine Nachfrage verbunden mit Dank für Ihre Geduld: Es gab ja in 2008 einen Todesfall unter Gilenya durch Windpocken. Zwar wird angeführt, dass der Patient zeitgleich mit hohen Glucocorticoid-Dosen behandelt wurde. Aber ist das nicht insofern etwas besorgniserregend, als das der Kortison-Puls doch Mittel erster Wahl im Schub ist? D. h., unter Gilenya das Immunsystem durch Kortison noch weiter herunterzufahren muss sorgfältiger abgewogen werden als bei Basistherapeutika?

Dr. Martin Rösener: Das Ziel einer immunmodulatorischen Behandlung ist, möglichst wenig Schübe mit Kortison behandeln zu müssen. Für eine besondere Zurückhaltung bezüglich der Behandlung mit Kortison bei Patienten, die Gilenya erhalten, im Vergleich zu Patienten unter Basistherapie gibt es bislang keine Notwendigkeit.

Syke: Ich habe Angst vor einem Schub wenn ich das medikament absetze.

Dr. Martin Rösener: Sie sollten das Medikament nur in einer stabilen Krankheitsphase absetzen und dann möglichst schnell schwanger werden. Während der Schwangerschaft sind Sie natürlicherweise vor Schüben geschützt.

Voltaire: Herr Dr. Rösener, was ist Ihre persönliche Hypothese zur Krankheitsentstehung. Würde mich sehr interessieren.

Dr. Martin Rösener: Da bewege ich mich ganz auf der Grundlage der wissenschaftlichen Evidenz. Auf dem Boden einer bestimmten genetischen Konstellation muss ein Umweltfaktor einwirken, damit eine Multiple Sklerose entstehen kann. Sowohl die genaue genetische Konstellation als auch der einwirkende Umweltfaktor sind bislang wissenschaftlich nur teilweise bekannt.

Maria: Eine ganz allgemeine Frage mit der Bitte um Ihre Einschaetzung: Ich finde es immer etwas schwierig, wenn Neurologen sehr einseitig im Sinne „nur“ der MS pro oder contra bestimmte Medikamente argumentieren. Wie bewerten Sie ganz persoenlich die nicht unerheblichen Einschraenkungen der Lebensqualitaet durch „klassische“ Nebenwirkungen wie eine hoehere Infektanfaelligkeit usw.

Dr. Martin Rösener: Jedem Beginn einer Behandlung muss eine Abwägung von Nutzen und Risiken voraus gehen. Zu den Risiken zählt immer auf die Einschränkung der Lebensqualität. Wenn der Nutzen die Risiken nicht eindeutig überwiegt, sollte eine Behandlung nicht begonnen werden.

Sally: Wie sieht es denn mit Tecfidera und Schwangerschaft aus (vorher absetzen oder nach pos. Test?..) Danke!

Dr. Martin Rösener: Ich empfehle in der Schwangerschaft so wenig Medikamente wie möglich zu nehmen. Gerade in der Phase der Organentwicklung im ersten Drittel der Schwangerschaft ist das ungeborene Kind besonders empfindlich. Wenn möglich, sollte deshalb auch Tecfidera vor Eintritt der Schwangerschaft abgesetzt werden.

maike: Guten Abend. Sommer 2014 CIS, März 2015 2. Schub - ich nehme jetzt Aubagio. Wo liegt die Grenze zwischen mildem/moderatem Verlauf und hoch-aktivem Verlauf ? Danke für Ihre Antwort.

Dr. Martin Rösener: Ein hoch aktiver Verlauf ist durch häufige schubförmige Verschlechterungen, die zu Behinderung führen, gekennzeichnet.

Charlotte: Noch eine Frage: Wegen der NW wurde schon ein Wechsel zu Tecfidera angeraten. Ich scheue mich jedoch, zu den neuen Medikamenten zu wechseln. Grundsätzlich kann man schon sagen, dass man mit den 'alten' Medikamenten auf der sichereren Seite steht, was die möglichen langfristigen NW/Folgen angeht, oder? Vielen Dank!

Dr. Martin Rösener: Für die Betainterferone und Copaxone, die seit vielen Jahren im Einsatz sind, gibt es sehr gute Daten zur Langzeitsicherheit. Bei diesen Medikamenten gibt es keine überraschenden, bedrohlichen Nebenwirkungen.

Maja: Danke für die Antwort. Wie sieht es denn aus,wenn ich eine Schwangerschaft plane und ich weiß, dass ich akt. keinen ausreichenden Rötelnimpfschutz habe. Würden sie mir unter allen Umständen von dieser Impfung abraten?

Dr. Martin Rösener: Das ist eine Frage, die ich in der letzten Zeit des Öfteren gehört habe. Wenn Sie keinen Rötelnschutz haben und sich in der Schwangerschaft infizieren, besteht die Gefahr, das das ungeborene Kind eine Rötelnembryopathie bekommt und schwer behindert geboren wird. Wenn Sie sich gegen Röteln impfen lassen, besteht die Gefahr einen Schub auszulösen. Zwischen diesen beiden Möglichkeiten müssen Sie sich entscheiden. Alle Frauen, die ich bisher beraten habe, haben sich für die Impfung entschieden.


Allgemein - Maja: Gibt es Erfahrungen mit Schüben im Urlaub (Fernreisen..). Was habt ihr gemacht? Ausgesessen, zurückgeflogen...?



Allgemein - Voltaire: Wo soll`s hingehen, Maja? Südamerika?



Allgemein - Maja: Das wär doch was....ein Ziel wird sich dann schon finden...das ist das kleinste Problem :)



Allgemein - Voltaire: Also ich habe zwar kein MS, aber Erfahrung mit Fernreisen. Und mir hat schon ein übelster Durchfall im Regendwald von Malaysia gereicht (fast abgeschnitten von der Außenwelt) und nach all dem was ich über MS gelesen habe, stelle ich mir das nicht spaßig vor! Aber nur du kennst deinen Körper und wie du reagierst, kann nur sein, dass du in der Situation extrem unter Stress geratest was nicht so toll ist für MS denke ich. Also gut überlegen und auf alle Fälle nicht alleine Reisen.


Maja: Das habe ich befürchtet (Frage zur Rötelnimpfung). Kann man sagen,dass so ein "Schub" in Folge einer Lebendimpfung evtl auch psychisch bedingt sein kann (weil ich quasi darauf "warte" nach einer Impfung einen Schub zu bekommen?) Wieviele Ihrer Patientinnen hatten nach so einer Rötelnimpfung tatsächlich einen schub?

Dr. Martin Rösener: Ich habe es noch nie erlebt, dass nach einer Impfung ein Schub aufgetreten ist. Die Schubauslösung durch eine Rötelnimpfung ist ein theoretisches und sehr kleines Risiko. Schübe können mit Kortison behandelt werden und bilden sich meist gut zurück. Tatsächlich gibt es seelische bedingte 'Pseudoschübe' Diese sollten allerdings nicht mit Kortison behandelt werden.


Allgemein - Maja: Danke Voltaire..


Moderator Jutta Hirscher: Liebe Chatter, der Chat wird nun geschlossen. Herr Dr. Rösener hat alle heutigen Fragen beantwortet. Ich danke allen Teilnehmern für ihre Fragen und Herrn Dr. Rösener für seine Antworten. Am 2. Juni startet der nächste Chat zum Thema Ernährung. Einen schönen Abend für alle.

Voltaire: Danke Doc!

Dr. Martin Rösener:


Allgemein - Maja: Danke für heute!


Redaktion: AMSEL e.V., 19.05.2015