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Krankengeld bei Multipler Sklerose – das sollten Sie wissen

Das Wichtigste ist eine lückenlose Krankschreibung und sämtliche Fristen einzuhalten. AMSEL e.V. beleuchtet ein komplexes Thema.

Multiple Sklerose kann wie andere chronische Erkrankungen zu längeren Krankheitszeiten führen, in denen man seine berufliche Tätigkeit wegen Arbeitsunfähigkeit nicht ausüben kann. Dann zahlt die Krankenkasse Krankengeld. Ein fast alltäglicher und selbstverständlicher Vorgang. Allerdings gibt es auch hier einige Dinge zu beachten, um Nachteile zu vermeiden. Nachfolgend deshalb einige wichtige Hinweise, damit die Zahlung des Krankengeldes problemlos klappt.

Wer bekommt Krankengeld?

Berufstätige, die in einer gesetzlichen Krankenkasse pflichtversichert und wegen Krankheit arbeitsunfähig sind, erhalten von ihrer Krankenkasse Krankengeld. Die Arbeitsunfähigkeit muss ärztlich attestiert und der Krankenversicherung gemeldet werden. Während des Anspruchs auf Lohnfortzahlung durch den Arbeitsgeber ruht der Anspruch auf Krankengeld.

Auch Arbeitslose können Anspruch auf Krankengeld haben, wenn sie während des Bezugs von Arbeitslosengeld arbeitsunfähig werden. Der Anspruch auf Arbeitslosengeld ruht dann. Läuft der Anspruch auf Arbeitslosengeld während der Arbeitsunfähigkeit aus, besteht der Anspruch auf Krankengeld weiter.

Beginn und Dauer des Krankengeldanspruchs

Der Anspruch auf Krankengeld beginnt erst einen Tag nach der ärztlichen Feststellung der Arbeitsunfähigkeit. Bei Anspruch auf Lohnfortzahlung direkt nach Ablauf der Lohnfortzahlung.

Die Dauer des Krankengeldbezugs wegen derselben Krankheit (z.B. wegen Multipler Sklerose) ist befristet auf 78 Wochen innerhalb eines Dreijahreszeitraums. Tritt Arbeitsunfähigkeit wegen einer anderen Erkrankung ein (z.B. als Folgen eines Unfalls), ergibt sich für diese Erkrankung ein neuer Anspruch auf Krankengeld, es sei denn die neue Erkrankung tritt während einer bestehenden Arbeitsunfähigkeit auf. Nach Ablauf des Dreijahreszeitraums entsteht ein neuer Anspruch auf Krankengeld wegen derselben Krankheit erst dann, wenn Versicherte 6 Monate lang wegen dieser Krankheit nicht arbeitsunfähig waren.

In der Praxis zahlen die Krankenkassen das Krankengeld nur selten anstandslos über die kompletten 78 Wochen aus. Häufig werden die Versicherten nach einigen Wochen oder Monaten der Arbeitsunfähigkeit aufgefordert, innerhalb von 4 Wochen einen Rentenantrag oder einen Antrag auf stationäre Rehabilitation zu stellen. Dieser Aufforderung sollte man unbedingt nachkommen, da sonst die Streichung des Krankengeldes wegen mangelnder Mitwirkung droht. Wenn medizinische oder andere wichtige Gründe gegen einen solchen Antrag sprechen, kann man der Aufforderung durch die Kasse widersprechen. Möglichst unter Vorlage eines ärztlichen Attestes.

Ende des Krankengeldanspruchs

Der Anspruch endet grundsätzlich mit dem letzten Tag der Krankschreibung. Es passiert aber auch immer wieder, dass die Krankenkasse ihren Medizinischen Dienst (MdK) beauftragt zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine Krankschreibung noch bestehen. Dann kann es vorkommen, dass man vom MdK "gesundgeschrieben" wird und die Kasse die Krankengeldzahlung einstellt. Gegen eine solche "Gesundschreibung" kann man rechtlich vorgehen und Widerspruch einlegen.

Läuft der Anspruch auf Krankengeld nach 78 Wochen aus und man ist immer noch arbeitsunfähig, dann erfolgt eine sogenannte Aussteuerung. Mit der Aussteuerung verliert man nicht nur seinen Anspruch auf Krankengeld, sondern es endet auch die Mitgliedschaft in der Krankenversicherung. Man muss sich dann freiwillig oder im Rahmen einer Familienversicherung weiterversichern.

Es ist deshalb in vielen Fällen sinnvoll ca. 3 Monate vor Ablauf des Krankengeldanspruches einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente zu stellen. Nach Ablauf des Krankengeldes hat man dann bis zur Entscheidung über den Rentenantrag Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung und sollte dies rechtzeitig bei der Arbeitsagentur beantragen.

Höhe des Krankengelds

Die Höhe des Krankengeldes beträgt 70% des erzielten regelmäßigen Arbeitsentgelts (Bruttoentgelt). Es darf jedoch 90% des Nettoeinkommens nicht übersteigen. Das Krankengeld errechnet sich in der Regel aus dem Arbeitsentgelt des letzten vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit abgerechneten Lohnabrechnungszeitraums von mindestens 4 Wochen. Bei Bezug von Arbeitslosengeld wird Krankengeld in Höhe des Arbeitslosengeldes gezahlt.

Lückenloser Nachweis der Arbeitsunfähigkeit

Für die ununterbrochene Zahlung des Krankengeldes ist die lückenlose ärztliche Feststellung der Arbeitsunfähigkeit erforderlich. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn das Arbeitsverhältnis während der Dauer des Krankengeldbezugs endet. Nur bei lückenloser Arbeitsunfähigkeitsfeststellung bleibt in diesen Fällen der Versicherungsschutz mit Anspruch auf Krankengeld bestehen.

Dabei ist unbedingt darauf zu achten, dass die weitere Arbeitsunfähigkeit am letzten Tag der bisherigen Arbeitsunfähigkeit festgestellt werden muss. Eine Feststellung am darauffolgenden Tag reicht nicht aus. Dies ist häufig nicht bekannt und führt immer wieder dazu, dass arbeitsunfähige Personen ihren Anspruch auf Krankengeld verlieren. Dies ist dann besonders bitter, weil wegen der bestehenden Arbeitsunfähigkeit oft auch kein Anspruch auf Arbeitslosengeld besteht.

Krankengeld und Erwerbsminderungsrente

Wird während eines Rentenantrages Krankengeld bezahlt, dann muss das Krankengeld bei Bewilligung der Rente zumeist nicht in voller Höhe zurückgezahlt werden. Oft entsteht bei Bewilligung der Rente ein Anspruch auf Nachzahlung für die Zeit der Bearbeitung des Rentenantrags. Diese Nachzahlung wird in der Regel mit dem gezahlten Krankengeld verrechnet und von der Rentenversicherung direkt an die zuständige Krankenversicherung überwiesen. Da die Höhe des Krankengeldes die Höhe der Rente meist übersteigt, erhält der Antragsteller selbst dann keine Nachzahlung mehr. Der übersteigende Betrag des Krankengeldes muss aber nicht zurückgezahlt werden.

Autor: Jürgen Heller

Redaktion: AMSEL e.V., 23.01.2015