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Rolle der Darmflora bei Multipler Sklerose verdeutlicht

Ein deutsch-amerikanisches Forscherteam zeigt erstmals, dass die Darmflora von MS-Patienten im Tiermodell eine MS-ähnliche Krankheit auslösen kann.

In den vergangenen Jahren ist die Darmflora bei Multipler Sklerose ins Rampenlicht gerückt. Die jüngsten Forschungsergebnisse, nicht zuletzt auch bekannte Zwillingsstudien, bei denen ein eineiiger Zwilling MS hat, der andere – und das ist meist der Fall – nicht, unterstützen die These, dass neben einer genetischen Vorbestimmung mindestens ein weiterer Umweltfaktor hinzukommen muss, um eine MS auszulösen.

Vitamin-D-Mangel und Infektionen, zum Beispiel mit dem Epstein-Barr-Virus, stehen hier unter Verdacht und werden untersucht. Vielleicht liegt die Ursache der Multiplen Sklerose neben der Genetik aber (auch) im Darm.

Multiple Sklerose durch Mikrobiom ausgelöst

Die Darmflora unterscheidet sich von Mensch zu Mensch und man kann sie durch (Ess-) Verhalten beeinflussen. Längst gab es auch Studien, welche die Darmflora von MS-Patienten mit denen von Gesunden verglich. Hier gibt es jedoch keine eindeutigen Ergebnisse.

Sehr viel deutlicher fielen die Experimente nun aus. Die Forscher übertrugen Mikrobiom der MS-betroffenen Zwillingspartner auf keimfrei gehaltene Mäuse. Diese entwickelten daraufhin eine der menschlichen Multiplen Sklerose ähnliche Krankheit. Das Mikrobiom genügte also, damit die T-Zellen den eigenen Körper angriffen.

Nun müssen die Forscher den eigentlichen Verursacher in der Darmflora noch herausfinden, um ihn entsprechend bekämpfen zu können. Beteiligt an den aktuellen Forschungsergebnissen waren neben den Sobek-Preisträgern Hartmut Wekerle und Gurumoorthy Krishnamoorthy von den Max-Planck-Instituten (MPI) für Neurobiologie und für Biochemie deren Kollegen von der Ludwig-Maximilians-Universität München, dem MPI für Immunbiologie und Epigenetik und den Universitäten von California (San Francisco) und Münster.

Quelle: PNAS, 11.09.2017.

Redaktion: AMSEL e.V., 12.09.2017