Mitglied werden

Deutsche Wissenschaftler entdecken Angreifer der grauen Substanz

Bisher war man davon ausgegangen, dass bei Multipler Sklerose hauptsächlich die weiße Substanz des Gehirns betroffen ist. Das könnte sich nach den Entdeckungen von Göttinger Wissenschaftlern ändern.

In der grauen Substanz, lateinisch  Substantia grisea, sitzen die Nervenzellkörper. Hier ist relativ wenig Myelin enthalten. Das Myelin wiederum sorgt dafür, dass die weiße Substanz weiß aussieht. Das Gehirn ist von einer grauen Substanz umgeben, im Innern findet sich die weiße Substanz mit den Nervenfortsätzen. Mediziner bezeichnen die graue Substanz auch als Schaltzentrale des Gehirns, weil hier fast alle Signale gestaltet, berechnet und abgespeichert werden.

Einige Symptome der Multiplen Sklerose lassen sich nicht oder kaum allein durch die Schädigung der weißen Substanz erklären. Dazu gehören kognitive Störungen wie das Erinnern und Fatigue. Wird die graue Substanz beschädigt, schrumpft das Gehirn (Gehirnatrophie).

T-Zellen greifen Eiweiß der grauen Substanz an

Die Göttinger Forscher um Prof. Dr. Alexander Flügel suchten gezielt nach Angreifern der grauen Hirnsubstanz. Fündig wurden sie im Mausmodell bei Immunzellen, welche das in Nervenzellen vorhandene Eiweiß beta-Synuklein zerstören. Sie wandern gezielt in die graue Substanz und lösen dort Entzündungen aus. Dadurch kommt es zu nicht regenerierbaren Ausfällen.

Beim Mausmodell alleine blieb es nicht. Die Göttinger Wissenschaftler fanden zudem heraus, dass diese Art den eigenen Körper zerstörender Immunzellen besonders bei Multiple-Sklerose-Patienten mit progredientem Verlauf erhöht sind.

Besonders schwere Schäden in der grauen Substanz

Was man schon längere Zeit über die graue Substanz bei MS weiß, ist, dass gerade hier Schäden oft nicht wieder rückgängig zu machen sind. Es gelang bisher jedoch nicht, den Mechanismus der Beschädigung systematisch zu erforschen. Meist wurden in Studien bisher Immunzellen untersucht, die sich gegen die Markscheide, gegen das Myelin richten. Hier gingen die Göttinger Wissenschaftler einen neuen Weg. Sie untersuchten T-Zellen des Immunsystems, die sich gegen einen Bestandteil der Nervenzellen selbst, eben das bereits genannte beta-Synuklein richten.

Kennt man den Angreifer und sein Ziel, dann ergeben sich daraus auch neue Ziele für die Therapie. Man darf davon ausgehen, dass dies als nächster Schritt erfolgen wird.

Quellen: Nature, 20.02.2019; Universitätsmedizin Göttingen, 07.03.2019.

 

 

Redaktion: AMSEL e.V., 11.03.2019