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Auszeit für den gehobenen Zeigefinger

Was bringt die beste Medizin, wenn sie in der Schublade liegen bleibt? Nichts. Darum sucht Prof. Mäurer gemeinsam mit seinen Patienten nach dem Mittel, das passt.

Einen guten Arzt macht weit mehr aus als das geballte Medizinwissen, als jede Fortbildung und noch so agile Vortragstätigkeit. Ein guter Arzt sollte vor allen Dingen eines: seine Patienten verstehen. Und zwar auch und gerade dann, wenn sie seinen Empfehlungen nicht nachkommen.

Die junge Patientin sitzt im Behandlungszimmer vor Prof. Mäurer und räumt ein, dass sie ihre Interferonspritzen immer wieder auslässt. Bei (leicht) fortschreitender Krankheitsprogression, wohlgemerkt. Anstatt den Zeigefinger zu heben und auf adhärentes Injizieren hinzuweisen, stellt Professor Mäurer ganz andere Überlegungen an.

Individuell passende MS-Therapie

Schon für manche reifere Patienten mit Multipler Sklerose ist das mehrmals wöchentliche Spritzen eine Herausforderung, weiß der Chefarzt der Klinik für Neurologie und Neurologische Frührehabilitation am Klinikum Würzburg-Mitte. Auch ältere Patienten als die junge Dame ihm gegenüber, gerade 18 geworden, empfinden das Spritzen als lästig. Zeit also, nicht den Zeigefinger zu heben, sondern mit der jungen Patientin gemeinsam über eine alternative Therapie nachzudenken.

In diesem Fall lässt Prof. Matthias Mäurer Bequemlichkeit neben Wirkungsgrad und Sicherheit als ebenbürtiges Argument gelten. Denn nicht nur hilft ein Medikament, das in der Schublade liegen bleibt, niemanden. Auch ein Arzt, der seinen Patienten nicht versteht, wird ihm nicht angemessen helfen können.

Quelle: MS-Docblog.de; 08.02.2019

Redaktion: AMSEL e.V., 08.02.2019