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Ayurveda und MS

30.01.06 - Gabriele Lenk, selbst MS-Patientin, über ihre Erfahrungen mit der fernöstlichen Heilmethode.

Ayurveda beschreibt ein umfassendes System, das viele unterschiedliche gesundheitsfördernde Maßnahmen und Therapieverfahren für die verschiedenen Aspekte des Lebens nutzt, um Gesundheit und ein langes Leben zu erreichen. Die Aufzeichnungen der klassischen Texte der Ayurveda sind ca. 3.000 Jahre alt. Seit Jahrtausenden wurden die verschiedenen Wissenstraditionen jedoch schon mündlich überliefert und sind somit älter als jede andere medizinische Wissenschaft.

Harmonischer Fluss
Wie auch bei anderen asiatischen Heilmethoden betrachtet die Ayurveda den Menschen als Einheit von Körper, Geist und Seele und sieht einen harmonischen Energiefluss als Ziel der Behandlung und als Grundvoraussetzung für einen gesunden Menschen. Grundlage der Ayurveda ist diese ganzheitliche Betrachtungsweise des Menschen, die davon ausgeht, dass bei einem kranken Menschen die drei Doshas (Vata, Pitt, Khappa) im Ungleichgewicht sind. Verursacht wird das Ungleichgewicht durch Ablagerung von Schlacken im Körper. Das Ziel besteht darin, ein ausgewogenes Gleichgewicht aller drei Doshas, den ständig ändernden äußeren Einflüssen anzupassen.

Sanfte Therapie
Die Therapien der Ayurveda sind sanft und die Behandlungen natürlich. Die ganzheitlichen Methoden sind in den letzten Jahrhunderten leider teilweise zerfallen und in Vergessenheit geraten. Erst Mitte der 70er Jahre haben ayurvedische Ärzte begonnen, die Pusselsteine wieder zu einer funktionierenden Ayurveda zusammenzusetzen - in einer sinnvollen Kombination mit westlichen Erkenntnissen. Dazu zählen zum Beispiel Reinigungskuren (Panchakarma).

Durch die ayurvedische Panchakarma-Kur wird der Körper entschlackt und wieder ins Gleichgewicht gebracht. Zu den Therapien zählen ebenfalls, mineralische und pflanzliche Arzneien, Ölmassagen, Meditation und Yoga. Mit Ayurveda kann man viele Krankheiten mit natürlichen, bewährten Mitteln lindern. Eine weitere Stärke der Ayurveda liegt in der Prävention durch die Entschlackung.

Ayurveda & MS

Die Zeitschrift "Wellness und Gesundheit" berichtet über Erfolge in der ayurvedischen Behandlung der MS. In der Regel hat der ayurvedische Heilungsansatz eine positive Auswirkung. Dazu gehören eine Diät, Massagen, heilende Nahrungsergänzung, Yoga und Ayurveda-Therapien, die das Nervensystem hegen und stärken.

Was kann Ayurveda bei MS leisten?
Das Ziel einer Ayurvedabehandlung besteht darin, den Krankheitsprozess zu stoppen und die Auswirkungen der Symptome zu mildern.

Hier meine Empfehlungen:

1. Vermeiden Sie Glutin (Gluten), d.h. Sie sollten auf Getreide wie Weizen, Gerste, Hafer und Roggen verzichten und auf alle Speisen, die mit diesen Zutaten zubereitet werden, wie Pudding, Müsli etc. Essen Sie statt dessen Indischen Basmati Reis.
2. Vermeiden Sie raffinierten Zucker.
3. Vermeiden Sie tierische Fette. Essen Sie statt Fleisch Fisch.
4. Vermeiden Sie Molkereiprodukte und Margarine.
5. Vermeiden Sie Coffein, Alkohol und Rauchen; sie alle haben einen negativen Effekt auf das Nervensystem.
6. Benutzen Sie Oliven– oder Kokosnussöl zum Kochen.
7. Essen Sie, wenn möglich, nur frisches Essen und nichts aus der Tiefkühltruhe.
8. Essen Sie viel Rohkost, wie Kohl, Karotten und Rote Beete.
9. Essen Sie viel grünen Salat, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen.
10. Essen Sie frische Früchte jeden Tag.

Nahrungsergänzungsmittel
Ayurveda empfiehlt für jeden Typ verschiedene Nahrungsergänzungsmittel aus Kräutern, um dem Körper Kraft zu verleihen. Für Personen, die an MS leiden, empfiehlt sich die Konsultation bei einem approbierten Ayurveda-Arzt, der zuerst eine gründliche Diagnose machen wird und die Medizin entsprechend der physischen Konstitution des Patienten verschreiben wird. Nahrungsergänzungsmittel, die Sie in der Apotheke bekommen, sind ebenfalls zu empfehlen, wie

1. Fish oil supplement
2. Multivitamin supplement täglich
3. Vit C täglich
4. Vit E täglich

Ayurveda vor Ort
Viele Länder bieten inzwischen Ayurveda-Kuren an. So ist es auch in Spanien, Sri Lanka, den Malediven, Malta und in Deutschland möglich, eine Ayurveda-Kur zu buchen. Ich finde es dennoch persönlich schöner, eine Kur direkt in Indien zu machen, als sechs Wochen in dem doch eher ungemütlichen Deutschland. Dazu kommt noch, dass die Kuren in Indien bezahlbar sind. So kostet eine Kur in Indien höchstens 30 Prozent einer Kur in Deutschland. Wenn man mit Kuwail Airlines fliegt, ist man in neun Stunden in Kerala, einem wunderschönen, freundlichen und gemütlichen Bundesstaat von Indien. Nicht die Armut, die ich vermutet hatte, kaum Bettler, keine nervenden Händler, aber dafür freundliche lächelnde Menschen, gutes Klima, wunderbares, preiswertes Essen und ein Ambiente zum Erholen.

Die ruhige, freundliche Art der Inder
Dazu habe ich sehr angenehme Erfahrungen mit den ayurvedischen Ärzten gemacht. Diese bekommen ihre Erfahrungen über Ayurveda von den Vätern und Großvätern überliefert und studieren zusätzlich Medizin an den Universitäten des Landes. Damit haben Sie die allgemeinen medizinischen Kenntnisse, die gepaart mit den ayurvedischen Anwendungen zu einer sehr hohen Behandlungseffektivität führen. Die ruhige, freundliche Art der Inder und die wunderbaren Behandlungsmethoden führen dazu, dass man sich in diesem Land einfach gesund fühlen muss.

Therapien nur von erfahrenen Ärzten
Eine Reihe von Multiple Sklerose-Patienten, die in Indien mit den ayurvedischen Methoden wie "pizhichil" und "sirodhara" behandelt wurden, zeigten erstaunliche Resultate, und Fälle, bei denen Patienten mit Marutha Öl behandelt wurden, zeigten sofortige Wirkung im Hinblick auf eine Verminderung der Symptome. Diese Therapien sollten jedoch nur in einer zugelassenen Ayurveda-Klinik unter der Aufsicht eines erfahrenen Ayurveda-Arztes durchgeführt werden.

Bei fast jeder Ayurveda-Kur wird auch Yoga angeboten und Yoga-Atemübungen (Pranayama), die unter anderem MS Erkrankten helfen, ihre Situation zu verbessern, in dem die tiefe Atmung, die durch das Pranayama entsteht, die Nerven beruhigt.

Autorin: Gabriele Lenk, selbst an MS erkrankt, vermittelt Ayurveda-Reisen nach Indien.

Redaktion: AMSEL e.V., 28.08.2007