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Zufriedener Lebensabend dank sozialem Engagement

Das fanden Wissenschaftler der Humboldt-Universität zu Berlin zusammen mit einem internationalen Team heraus. Ehrenamtliche, die Menschen mit Multipler Sklerose beraten, berichten immer wieder, wie sehr das Engagement auch sie selbst stärkt.

Wenn das Leben zu Ende geht, steht manchem eine Phase mit weniger Lebensfreude bevor. Krankheit, weniger Bekannte und Verwandte, die eine oder andere Einschränkung vielleicht, was Alltag und Hobbies angeht. Das ist alles nicht so schön.

Doch man kann dem entgegenwirken. Wie ? Ganz einfach: Indem man sich sozial engagiert, die eigenen sozialen Werte pflegt. Alles gemäß den individuellen Möglichkeiten natürlich. Ein Rheumakranker wird kaum eine Bergtour für kranke Kinder leiten, ein Mensch mit Multiple-Sklerose-bedingten Balanceschwierigkeiten wahrscheinlich auch nicht.

Doch wie wär's mit Lese-Nachhilfe für Grundschüler ? Oder mit Beratungsdiensten ? All das bringt einen unter die Leute und stärkt unser Wohlbefinden, das ganze Leben lang, und das gilt auch am Lebensende: Wer mit mehr sozialen Werten in die letzte Phase des Lebens geht und auch bei einem schlechten Gesundheitszustand sozial aktiv bleibt und wem soziale Werte wichtig sind, dem geht es besser, besagt eine aktuelle Studie.

Soziales Engagement stärkt

Neben dem gesundheitlichen Zustand, der für das Wohlbefinden gerade am Ende des Lebens zentral ist, spielen nämlich auch psychosoziale Faktoren eine Rolle. Wissenschaftler des Instituts für Psychologie der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) untersuchten in einer Studie, die in Kooperation mit der Längsschnittstudie Sozio-ökonomisches Panel (SOEP) entstand, den Zusammenhang zwischen sozialem Engagement und Wohlbefinden im letzten Lebensabschnitt.

2.910 verstorbene Personen nahmen vor ihrem Tod bis zu 27-mal an einer jährlich durchgeführten Erhebung teil, der Grundlage für die Studie. Das Durchschnittsalter zum Zeitpunkt ihres Todes lag bei 74 Jahren und das Verhältnis von Männern und Frauen war ausgeglichen.

Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl ein sozial aktives Leben als auch das Verfolgen von sozialen Zielen unabhängig voneinander das Wohlbefinden in der letzten Lebensphase steigern, und zwar unabhängig von anderen bereits bekannten Faktoren wie dem Gesundheitszustand, Behinderungen oder Krankenhausaufenthalten sowie beispielsweise dem Geschlecht, dem sozio-ökonomischen Status und dem Bildungsstand.

Gerade auch am Lebensende

Die Wissenschaft versucht, möglichst alles in Zahlen auszudrücken und so ermittelten die Forscher hier knapp 10 % mehr Wohlbefinden die Wissenschaftler bei sozial aktiven Menschen, die sich aktiv sozial engagierten. Und deren Wohlbefinden nahm um 20 % weniger ab in der Zeit kurz vor dem Tod.

"Wir fanden es erstaunlich zu sehen, dass die Zusammenhänge von sozialer Teilhabe und Wertschätzung mit dem Wohlbefinden – also wie zufrieden Menschen mit ihrem Leben sind – auch am Ende des Lebens so ausgeprägt sind. Das hätten wir so nicht erwartet", sagt Denis Gerstorf von der Humboldt-Universität zu Berlin, einer der Autoren der Studie. "Menschen mit sozialer Orientierung sind daran interessiert, anderen zu helfen und engagieren sich in sozialen und politischen Initiativen. Offensichtlich ist dies auch und gerade am Ende des Lebens für das eigene Wohlbefinden von Bedeutung", ergänzt Gerstorf.

Selbstwertgefühl steigern

Besonders interessant: Wenn die untersuchten Personen sowohl weniger sozial aktiv waren als auch soziale Ziele weniger wichtig fanden, verstärkten sich die an sich schon einzeln vorhandenen Effekte erheblich. Diese Menschen schätzten ihre Lebenszufriedenheit ein Jahr vor ihrem Tod besonders niedrig ein.

Außerdem konnte gezeigt werden, dass soziale Teilhabe nicht nur an sich wichtig ist, sondern dass es auch darauf ankommt, sozial aktiv zu bleiben. So war die Abnahme des Wohlbefindens vor dem Tod weniger ausgeprägt bei Menschen, deren hohes Niveau an sozialen Aktivitäten – trotz Krankheit und Behinderung – kaum abnahm.

"Sozial aktive ältere Menschen fühlen sich gut, wahrscheinlich weil sie etwas machen, was ihnen Freude bringt. Indirekt kann die allgemeine Lebenszufriedenheit dadurch gestärkt werden, weil das Selbstwertgefühl steigt ebenso wie das Gefühl, noch etwas bewegen zu können", erklärt Gert G. Wagner (DIW Berlin), einer der Koautoren der Studie.

Quelle: Pressemeldung, Humboldt-Universität zu Berlin

Redaktion: AMSEL e.V., 09.03.2016