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Symptome bei Multipler Sklerose: Spastik, Fatigue

Bei Fatigue am Morgen sollte man auch an eine Schlafapnoe oder schlafbezogene Bewegungsstörung denken, so Dr. Dieter Pöhlau im AMSEL-Expertenchat.

Moderator Patricia Fleischmann: Liebe Chatter, herzlich willkommen im Multiple Sklerose-Chat der AMSEL. Ab 19 Uhr antwortet Dr. Dieter Pöhlau. Wir sind gespannt auf Ihre Fragen !

Anke: Hallo, meine Frage: Wie wirkt sich Vi. K. auf eine schubförmig verlaufende MS aus? Ich spritze täglich Copaxone und nehme 1000IE Vit. D tgl.

Dr. Dieter Pöhlau: Vit D ist ein dieser Dosis völlig unbedenklich. Es wird zur Zeit systematisch untersucht, ob höhere Dosen von Vit D bei MS nutzen, vieles spricht dafür, ganz formal bewiesen ist es noch nicht.

Dr. Dieter Pöhlau

  • Seit 01.01.2001 Chefarzt der Kamillus-Klinik in Asbach, 120 Betten Akut-Neurologie mit überregionalen Schwerpunkt in der Behandlung der Multiplen Sklerose neben der Regionalversorgung für neurologische Patienten.
  • Mitglied im Ärztlichen Beirat der DMSG Bundesverband e.V.
  • immer wieder als Chatexperte im Multiple-Sklerose-Chat aktiv

Dr. Dieter Pöhlau

Daniela: Ich habe seit 2012 Schmerzen (keine Spastik kein Nervenschm) in den Beinmuskeln . Anfang war, dass ich ein Belastungs EKG nicht machen konnte. Musste ich abbrechen, da Muskelschm. Treppe hochgehen, kleinste Steigungen, über unebenes Gelände all das bereitet Schmerzen, so das ich den Vorgang immer unterbrechen muss. Gerade Strecken soweit ok. Durchblutungsstörungen, Neuropathie u. Muskelentzündungen wurden ausgeschlossen. Neuro sagt, dass die Schmerzen von MS kommen. Amitriptilin, Ibu, Tramal helfen nicht. Arme fangen, je nach Belastung, auch an. Bei MS bekannt? Was hilft? MS seit 2007, vermutl. jetzt SPMS da keine Schübe seit 2008.

Dr. Dieter Pöhlau: Wenn man beim längeren Gehen plötzlich Schmerzen in beiden Beinen bekommt und dann evtl. sogar stehen bleiben muss, kann das eine sog. "claudicatio spinalis" sein, also eine Enge des Spinalkanals im Bereich der Lendenwirbelsäule. Manche berichten, dass das bergab gehen mehr Schmerzen macht als das bergaufgehen (oder Treppensteigen). Ein MRT der LWS (Lendenwirbelsäule) kann da schnell Klarheit schaffen. 

Marry: Guten Abend Herr Dr. Pöhlau, ich leide seit ca. 3,5 Jahren unter chron. Spannungskopfschmerz, der täglich von morgens bis abends vorhanden ist. Könnte das vom Tysabri (seit 3,5 Jahren) kommen? Ich habe deswegen schon zwei Neurologen zu Rate gezogen, aber keiner konnte mir wirklich helfen. Unter Amitriptylin sind die Schmerzen etwas besser geworden. Aber noch nicht zufriedenstellend. Welche Therapie würden Sie mir raten? Vielen Dank!

Dr. Dieter Pöhlau: Spannungskopfschmerz kann viele Ursachen haben. Entsprechend gibt es auch nicht "die" Therapie. Wenn man mit dieser Diagnose sicher ist (es gibt ja auch sehr viele andere Ursachen von Kopfschmerzen), dann ist es sinnvoll, darüber nachzudenken, was von außen, im Leben Druck macht, wie man das ändern kann (oder die eigene Sichtweise ändern). Alles was "entspannt" von Joga bis zum autogenen Training kann evtl. helfen, auch Sport. Auch Antidepressiva können helfen. Es ist möglich, dass Tysabri zum Kopfschmerz beiträgt. Fragen Sie am besten Ihren Neurologen, der Sie besser kennt

Alex: Was kann man tun um eine bleierne Müdigkeit am morgen in den griff zugekommen. Multiple Sklerose bekannt seit 3 Jahren seit einem halben Jahr jetzt diese Müdigkeit. Das ist schwer in den Arbeitsplatz einzubinden . Nur noch spät Dienst ist aber auch nicht mein ziel.

Dr. Dieter Pöhlau: Also MS kann natürlich Fatigue hervorrufen. Aber wenn jemand am morgen noch müde ist, also der Schlaf nicht erholsam ist, muss man auch an eine schlafbezogene Atemstörung ("Schlafapnoe") denken oder an eine schlafbezogene Bewegungsstörung. Wir sehen bei uns im Schlaflabor immer wieder, dass ein Teil der Fatigue durch schlafbezogene Störungen hervorgerufen wird und dann auch behandelt werden kann. Es gibt die Möglichkeit, ambulant ein sog. Screening auch eine schlafbezogene Atemstörung durchführen zu lassen. Besonders wenn man nachts schnarcht oder der Partner gar von Atemaussetzern während des Schlafes berichtet, sollte man an eine solche Störung denken. 

Petra: Sehr geehrter Herr Dr. Dieter Pöhlau! Ich leide seit 2001 an einer sehr milden Form der MS d. h. 2 merkbare Schübe in den ganzen Jahren (Sensibilitätsstörungen)aber trotzdem immer neue Vernarbungen im Gehirn, seit 2001 Copaxone 20mg aber seit Juni 2015 keine Basistherapie mehr. Sehr ausgeprägt jedoch war bis vor einem Jahr die Fatique. Im Januar 2015 wurde ein sehr niedriger Vitamin D3 Wert von 4,5 festgestellt und nehme seitdem Dekristol 20000 1x wöchentlich, mein Vit. D Wert war schnell auf Normalniveau. Seitdem sind meine Ermüdungserscheinungen und die extreme Schlappheit zu 70 % besser geworden und es wurden im jetzigen MRT das erste mal keine neuen Herde gefunden. Kann es sein, dass der niedrige Vit. D3 Wert an der Fatique schuld war oder ist einfach zur Zeit alles besser und kann sich jederzeit wieder verschlechtern? Danke im Voraus für Ihre Antwort! Petra =

Dr. Dieter Pöhlau: Ich glaube, dass der niedrige Vit D Wert zumindest ein wichtiger Grund für ihre Symptome ist, vielleicht nicht der einzige. Aber alles spricht dafür, dass höhere Vita D Spiegel gut für die MS sind. Der Spiegel sollte mindestens in der Mitte des Normbereiches liegen. 

Elke: Guten Abend. Ich nehme Baclofen 10mg 1xmorgens, 1xnachmittags und 2xabends. Ich habe trotzdem kurz drauf und in der Nacht heftig Spastik. Sehr unangenehm. Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Spastik erst nach Einname der Baclofen los geht. Kann das sein? Was kann ich anders machen?

Dr. Dieter Pöhlau: Offenbar reicht die antispastische Therapie nicht. Ich glaube nicht, dass Baclofen die Spastik verstärkt. Wenn Sie Herde im Rückenmark haben, sollten Sie mit Ihrem Neurologen über eine sog. intrathekale Therapie mit Triamcinolonacetonid nachdenken. Ansonsten evtl. ein weiteres Antispastikum abends zusätzlich einnahmen, z.B. Tizanidin (Sirdalud), evtl. auch Nabiximols-Spray (Sativex) das nach unserer Erfahrung gerade bei nächtlichen Spastiken und damit verbundenen Schlafstörungen gut wirkt.

GünterG: Hallo Herr Dr. Pöhlau, mit zunehmender Müdigkeit, hauptsächlich während der Arbeit (Bürojob) verstärken sich meine Symptome (bspw. werden die Beine schwerer und steifer). Gibt es eine Möglichkeit dem entgegen zu wirken?

Dr. Dieter Pöhlau: Sie beschreiben Fatigue und evtl. Spastik. Da muss man sehr genau überlegen was hilft. Es kann im Einzelfall auch vorkommen, dass ein Antispastikum, das frührer gut geholfen hat später zu hoch dosiert ist und dann sollte die Dosis vermindert werden. Sie können Sie auch den Fatigue-Manager der DMSG schicken lassen, da finden Sie viele Infos über Fatigue

Tatjana: 1. Frage: Seit Mitte 2011 bin ich (33) nur noch zu 75% berufstätig (Diagnose 2010). Seit ca. 1 Jahr fällt es mir immer schwerer die 30 Stunden wöchentlich konzentriert zu arbeiten (Bürotätigkeit). Ich werde ab mittags sehr müde, teilweise so schlimm, dass ich mich kurz auf der Toilette zurückziehe um etwas die Augen zu schließen. Ich könnte mich dann an Ort und Stelle hinlegen und würde tief und fest einschlafen. Jetzt spiele ich mit dem Gedanken eventuell eine halbe Erwerbsminderungsrente zu beantragen, frage mich jedoch, wie diese Müdigkeit von Ärzten nachgewiesen und diagnostiziert werden kann, damit ich so einen Rentenantrag auch bewilligt bekomme. "Problematisch" ist, dass ich ansonsten sehr fit wirke und ich zwar schon weitere Einschränkungen habe, jedoch keine nach außen direkt sichtbar sind.

Dr. Dieter Pöhlau: Fatigue ist ein sog. unsichtbares Symptom der MS, das aber gerade im Berufsleben zu starken Einschränkungen führen kann. Sie sollten darauf bestehen, dass Sie von einem Neurologen begutachtet werden, der MS Erfahrung hat, z.B. in einer Klinik arbeitet, die das DMSG Gütesiegel führt oder der Mitglied im ärztlichen Beirate der DMSG im Landesverband oder Bundesverband ist. Fatigue kann man mit Fragebogen durchaus messen und quantifizieren. Vielleicht kann man Ihnen aber auch am Arbeitsplatz helfen, diesen so zu gestalten, dass möglichst wenig Fatigue auftritt. Vielleicht helfen ja auch feste Pausen, die sie in einen ruhigen Pausenraum, evtl. liegend verbringen und nicht auf einer Toilette. Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber, evtl. mit dem Betriebsarzt. Die DMSG hat sog. Job-Coaches ausgebildet, die sich auch mit solchen Fragen sehr gut auskennen.

Tatjana: 2. Frage: Nachts habe ich öfter das Problem, dass sich meine Beine für einen kurzen Moment stark verkrampfen. Dieser "Krampf" schiesst mir vom Bauch bis runter in die Beine, so das ich mich einmal komplett strecken muss damit dies nachlässt. Mein Neurologe meint, es handelt sich um Restless-Legs. Manchmal wenn ich tagsüber sitze und aufstehe, habe ich ein ähnliches Gefühl, dann muss ich meine Beine erst komplett "strecken" bevor ich loslaufen kann, als müssten sich meine Muskeln erst "positionieren". Kann das nicht eher eine Art Spastik sein? Und was könnte man tun, besonders für nachts?

Dr. Dieter Pöhlau: Das kann durchaus eine Spastik sein. Wenn man es ganz genaz wissen will, was da im Schlaf passiert, muss man sich in einem neurologischen Schlaflabor untresuchen lassen. Solche Spastiken trreten vermehrt dann auf, wenn im Rückenmark Herde sind. Ein Antispastikum zur Nacht kann da evtl. helfen. Besonders gut hat sich nach unserer Erfahrung Nabiximols (Sativex) dafür bewährt, das auch noch eine schlaffördernde Wirkung hat. 

Tatjana: 3. Frage In den letzten Jahren bekomme ich immer mehr Probleme mit Muskelschmerzen bzw. wie meine Physiotherapeuten sagt auch mit meinen Faszien. Es fühlt sich an als wäre besonders an den Unterschenkeln (aber auch an anderen Stellen) alles total hart und "verklebt". Ich werde dafür viel mit Massagen behandelt und mache auch Selbstmassage z.B. mit der BlackRoll, allerdings alles mit relativ geringeren Verbesserungen. Ist dieses Problem MS typisch? (Hatte ich früher nie und bin eigentlich recht sportlich) Was kann man da noch gegen tun?

Dr. Dieter Pöhlau: Dehnungen sind wahrscheinlich sinnvoll, das wird Ihnen Ihr Krankengymnast zeigen können. Wenn die Ursache dafür eine Spastik ist, dann können antispastische Medikamente helfen. Natürlich kann man auch mit einer MS (leider) noch andere Krankheiten bekommen, fragen Sie Ihren Neurologen ob sie eine Muskelerkrankung haben. Es gibt auch Bindegewebserkrankungen, damit kennen sich Rheumatologen gut aus.

Ellen: Guten Abend, mein Partner ist seit wenigen Tagen mit MS diagnostiziert worden. SEin Schub dauert nun schon über 6 Wochen und ist sehr wechselhaft mal besser, mal verstärkt (Symptomatik im linken Arm). Ab welchem Zeitpunkt kann man von progradientem Verlauf ausgehen? Wie und wann wird dies beurteilt? Die Cortisontherapie wurde letzte Woche abgeschlossen, hat (bisher) noch keine Besserung bedingt.

Dr. Dieter Pöhlau: Wenn ein Schub, der eine relevante Funktionbeeinträchtigt, z.B. die Handkraft oder Koordination sich nach 5 Tagen 1000mg Methylprednisolon (Kortison) nicht ausreichend zurückgebildet hat, dass sollte man einen zweiten noch höher dosierten Kortisonstoss (5*2000mg) durchführen, wenn das auch nicht reicht, dann eine "Blutwäsche" (Plasmapherese oder Immunadsorption). Sprechen Sie schnell mit Ihrem Neurologen darüber. 

für einen Bekannten mit MS: Seit dem letzten Schub ist mein Auge betroffen. Ich sehe Zeitweise nur noch durch einen Grauschleier, aber die Beeinträchtigung tritt unterschiedlich stark an verschiedenen Tageszeitpunkten auf. Die Werte der Gehirnstrommessung und das letzte MRT nach der Kortison-Stoßtherapie sind eigentlich OK. Lt. Augenarzt sind die Augennerven “ermüdet” oder schwach, Sehfeld ist OK genauso wie Sehschärfe wenn der Schleier nicht da ist. Das ganze geht nun schon 7 Wochen so. Können Sie zur vermutl. Erfahrungsgemäßen Dauer etwas sagen? Generelle Aussagen gibt es ja leider nicht. Oder Ansatzpunkte was man noch machen könnte? Vielen Dank.

Dr. Dieter Pöhlau: Auch für eine Sehnerventzündung gilt das was ich über die Therapie des akuten Schubes gesagt habe, evtl. sollt bei Ihnen schnell eine "Blutwäsche" durchgeführt werden. Sprechen Sie schnell mit Ihrem Neurologen darüber. 

Anna: Guten Abend Hr.Dr.Pöhlau, habe u.a. eine heftige Spastik des Beckenbodens, wodurch ich Probleme beim Entleeren von Blase ( Einmalkatetherisieren) und Darm habe. An Medis nehme ich Sirdalud und Valoron(wegen allgemein heftiger Schmerzen).Keine BT, da SPMS ohne Schübe( EDSS 6,0). Die Spastik des Beckenbodens belastet nicht nur mich, sondern auch meinen Mann.Er meint, ich müsse mehr dagegen tun. Aber laut Physiotherapeutin ist dies sehr schwierig und wenn ich mehr Antispastika nehme,kann ich überhaupt nichts mehr machen. Deshalb nun meine Frage an Sie: Haben Sie Patienten mit dieser Problematik und was kann ich tun? Ganz herzlichen Dank für Ihre Antwort!

Dr. Dieter Pöhlau: Stress kann natürlich auch Spastik verstärken. Also ist diese am geringsten in entspannter, liebevoller Atmosphäre. Das wird aber bei schwerer Spastik nicht reichen. Es gibt verschiedene antispastische Medikamente, die man alleine oder in Kombination ausprobieren kann (Baclofen, Tizanidin, Nabiximols). Wenn Rückenmarksherde die Ursache für eine Spastik sind, dann kommt auch eine intrathekale Therapie mit Triamcinolonacetonid in Frage. Generell gilt bei jeder Spastik, dass zunächst Triggerfaktoren (Rückenschmerzen, Harnwegsinfekte und vieles andere) ausgeschlossen bzw. behandelt werden müssen. 

Stefan1201: Guten Abend, bei mir wurde 2003 Nakolepsie festgestellt, da ich immer über Müdigkeit geklagt habe und zu jeder Zeit schlafen konnte auch morgens gleich wieder, ohne das ich umgekippt bin oder an Ort und Stelle eingeschlafen bin. Im Schlaflabor hatte man damals nur ein paar aussetzer festgestellt und mehr nicht. Seid September 2015 wurde jetzt bei mir MS festgestellt und da sagte man mir das ich wahrscheinlich damals falsch behandelt wurde da es sich eventuell um den ersten Schub gehandelt haben könnte laut den Schilderungen, kann das sein?

Dr. Dieter Pöhlau: Obwohl es Überlegungen gibt, dass auch die Narkolepsie eine Autoimmunerkrankung ist, sollte man diese schon von einer MS unterscheiden können. Offenbar haben Sie keine Kataplexien (d.h. dass z.B. bei Freude plötzlich die Beine wegknicken ohne dass man bewußtlos wird). Diese wind nämlich sehr typsich für eine Narkolepsie. Im Schlaflabor findet man bei Narkolepsie im sogenannten MSLT ("multipler Schlaf Latenz Test"), dass Narkolepsiepatienten schnell nach dem Einschlafen sog. REM Schlaf haben (sog. SOREM - sleep onset REM), das unterstützt die Diagnose. Auch der OREXIN Spiegel im Liquor kann evtl. weiterhelfen. "Ein paar Atemaussetzer" reichen definitiv nicht für die Diagnose einer Narkolepsie. Evtl. sollten sie sich mit dieser Fragestellung nochmal in einem neurologischen Schlaflabor vorstellen. Das hat insofern eine Bedeutung, als man die Narkolepsie durchaus behandeln kann. 

Moderator Patricia Fleischmann: @ alle: Liebe Chatter, erfahrungsgemäß ist bei einem Chat zu Symptomen viel los. Sie könnten uns helfen, indem Sie bereits gestellte Fragen nicht nochmals stellen. Daher hier ein Überblick, was bereits an Themen erfragt wurde: X Vit.K & MS, X Beinschmerzen unbekannter Ursache, X Spannungskopfschmerz & Tyssabri, X Fatigue imm Schichtdienst, X Fatigue wie behandeln, X RLS, X Muskelschmerzen & Faszien, X Grauschleier im Auge, X Markolepsie oder MS, X Baclofen & Spastik - DANKE !

Moderator Patricia Fleischmann: Das sollte natürlich Narkolepsie heißen :-)

Hanne: Hallo Herr Pöhlau, ich habe schon lange Probleme mit Spastik, aber kann das auch die Lunge bzw. die dortige Muskulatur betreffen? Ich habe das Gefühl meine Rippen stecken in einem Schraubstock. 06/2010 hatte ich eine Vitalkapazität von 2.100 ccm und 10/2015 nur noch 1.500 ccm, eigentlich sollte ich 4.400 ccm bzw 4.000 ccm sein. Besteht da ein Zusammenhang?

Dr. Dieter Pöhlau: Gut möglich, m.E. sehr wahrscheinlich, dass ein Zusammenhang besteht. Die von Ihnen beschriebenen Symptome sehen wir oft dann, wenn sich im Rückenmark MS-Herde befinden. Dann ist eine Behandlung mit dem langwirksamen Kortison Triamcinolonacetonid oft hilfreich, das dann mittels Lumbalpunktion ins Nervenwasser gespritzt wird. Wenn Sie solche Herde haben (auch wenn diese kein Kontrastmittel aufnehmen) würde ich eine solche Therapie empfehlen.

yvonne: Guten abend .....mein mann hat seid seinem letzten schub 11/2015 auch mit einer spastik mal mehr malnweniger zu kämpfen und dazu teilweise mit "schweren und kraflosen " Beinen was ihm das laufen teilweise wirklich erschwert ......er nimmt 3x10mg baclofen nach Bedarf auch 1 mehr seid November aber wirklixh einen positiven Effekt hat es nicht ...gibt es nochb weitere Medikamente die man dazu nehmen kann oder andere Medikamente !?!?

Dr. Dieter Pöhlau: Wenn die Beine mal zu weich und mal zu steif sind, dann wird es schwer, denn eine antispastische Therapie macht die Beine weicher und weniger steif, kann also auch Symptome verschlechtern. Evtl. gibt es einen Zusammenhang zu Tagezeiten oder Einnahmezeiten. Wenn klar ist, wann Spastik auftritt, kann man evtl. 1h vorher ein Medikament nehmen. Wobei meiner Erfahrung nach Antispastika öfter überdosiert sind. Erarbeiten Sie zusammen mit Ihrem Physiotherapeuten, welches Maß an Spastik für sie noch gut ist. Nicht wenige benötigen etwas Spastik um "darauf laufen zu können". Evtl. kann man andere antispastische Medikamente ausprobieren. Insbesondere das Nabiximols (Sativex), das über die Mundschleimhat aufgenommen wird und deshalb sehr schnell wirkt ist einen Versuch wert. Evtl. kann man dann ohne Antispastikum in den Tag gehen, damit die Beine nicht zu weich sind, und einen oder mehrere Sprühstösse nehmen, wenn Spastik behindernd wird. 

Moderator Patricia Fleischmann: @ GünterG: Die Fatiguebroschüre im Shop: http://www.amsel.de/shop/index.php?kategorie2=shopartikel&shopartcnr=40&shopartanr=104 

Stefan1201: Ich nehme seid 2,5 Wochen jetzt Tecfidera 120mg morgens und Abends und habe mal starkens Brennen und Jucken als wenn man ein heftigen Sonnenbrand hat und dann mal wieder kaum etwas. Es gibt darüber verschiedene Aussagen wie man die am besten Einnehmen sollte um die Nebenwirkungen so gering wie möglich zu halten, was würden Sie raten?

Dr. Dieter Pöhlau: Gegen die Hauptnebenwirkung, nämlich Magen- und Darmstörungen hilft die gleichzeitige Einnahme von Milchprodukten. Aber Ihre Schilderung klingt so als ob Sie entweder eine allergische Reaktion darauf haben oder einen ungewöhnlich auftretende "Flush" Reaktion, gegen diese hilft Aspirin (vor der Einnahme der Fumarsäure). Bitte sprechen Sie mit Ihrem Neurologen darüber.

 


 

Allgemein - Elke: @Tatjana: mir geht es genauso wie dir. Dieses krampfen schiesst mir so durch den Körper, dass ich voll ins Hohlkreuz gehe. Das geht auch nicht zuunterdrücken. Wenn ich im Bett liege, reicht schon der Gedanke, dass ich mich umdrehen will und schon geht es los. Was könnten wir nur dagegen tun?

 


 

 


 

Allgemein - Elke: Sorry. Wusste nicht, dass das auch hier steht��

 


 

Moderator Patricia Fleischmann: @ Elke, Tatjana hat sich schon ausgeloggt. Vielleicht findet sich unter den Angemeldeten jemand mit einem ähnlichen MS-Symptom ?

 


 

Allgemein - Filomena: @Elke. habe auch ähnliches gehabt, aber bei mir war es wohl ein Lhermitte Zeichen, das heißt sobald ich den Kopf irgendwie bewegt habe ist es mir bis in die Ferse geschossen. Habe CortisonInfusionen bekommen, seitdem ist es wesentlich besser geworden.

 


 

 


 

Allgemein - Elke: @Filomena: das ziehen bis zum großen Zeh kenne ich auch. Da muss ich mal mit meinem Neurologen reden.

 


 

 


 

Allgemein - Filomena: @Elke bei mir sollen es Läsionen im Stammhirn sein, die dafür verantwortlich sind und immer mal wieder "anklopfen"

 


 

 


 

Allgemein - Claudia: Hallo! Zu der Frage "Spastik im Beckenboden": haben Sie es mal mit Elektrotherapie mit einer Vaginal-Sonde probiert?

 


 

Moderator Patricia Fleischmann: @ alle: Liebe Chatter, wenn Sie prüfen wollen, ob Ihre Frage auch versendet wurde, dann können Sie nachschauen unter dem Link " Bereits gestellte Fragen (noch unbeantwortet) " ganz unten links. Es ist viel los heute. Danke für Ihre Geduld beim Warten :-)

Hanne: Danke für die Antwort, aber TCA geht bei mir nicht mehr. Das habe ich vier Jahre erhalten und jetzt schließt sich das Loch nicht mehr und ich habe nach jeder Lumbalpunktion postpunktionelle Kopfschmerzen usw, die erst durch ein Blutpatch verschwinden.

Dr. Dieter Pöhlau: ok. Schade. Es gibt auch Behandlungsversuche mit Elektrotherapien, sogar lokale Injektionen mit Botulinum-Toxin sind denkbar, aber das kann nicht empfohlen werden, ohne Sie genau zu kennen

Moderator Patricia Fleischmann: Wo hier einige zu Vitamin D gefragt haben: Heute ist auch ein aktueller Bericht unter www.amsel.de/multiple-sklerose-news/medizin/Vitamin-D-das-Sonnenvitamin_6282 über das Sonnenvitamin.

Stefan1201: Kann es sein, wenn man einen Belastungstag in der Reha nach ca 4 Stunden abbrechen musste wegen Erschöpfung und Kraftlosigkeit des linken Beines und der Hand seinen Beruf als LKW Fahrer mit einem 12 Stunden Tag eventuell nicht mehr ausüben kann ( ist wie Paketausliefern, mit Treppen steigen ohne Fahrstuhl )

Dr. Dieter Pöhlau: Je ähnlicher die Anforderungen des Belastungstages in der Reha Ihrer normalen Berufstätigkeit sind, desto besser kann man Rückschlüsse auf die Arbeitsfähigkeit ziehen. Wenn Sie nach 4 Stunden schon völlig erschöpft sind, dann befürchte ich, dass Sie die 12 Stunden nicht schaffen. Wobei ein 12h Tag generell problematisch ist, auch für Gesunde.

Moderator Patricia Fleischmann: Liebe Chatter, das war es für heute - herzlichen Dank für Ihre Fragen ! Ein ganz großes DANKE geht abermals an Dr. Dieter Pöhlau für sein Engagement im Multiple Sklerose-Chat !

Redaktion: AMSEL e.V., 02.02.2016