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Uhthoff lässt grüßen

04.06.09 - Es ist mal wieder so weit: Die Temperaturen steigen und die Symptome werden stärker. Rund 80 Prozent aller Multiple Sklerose-Patienten leiden am sogenannten Uhthoff-Phänomen.

Ist das etwa ein Schub? Bei sommerlichen Temperaturen verstärken sich die Symptome dermeisten MS-Patienten. Gerade jüngere MS-Betroffene mit einer kürzeren Krankheitserfahrung geraten manchmal in Panik, denken an einen Schub, wo in Wirklichkeit "nur" die erhöhte Temperatur schuld hat am schlechteren Sehen, Stehen oder Gehen. Man spricht von einem "Pseudo-Schub". Der Unterschied zu einem richtigen Schub: Sinkt die Temperatur, dann werden auch die Symptome schnell wieder schwächer.

Definition

Das sogenannte Uhthoff-Phänomen beschreibt eine bei Patienten mit Multipler Sklerose auftretende Verschlechterung neurologischer Symptome oder der allgemeinen Leistungsfähigkeit im Rahmen erhöhter Umgebungs- oder Körpertemperatur (Fieber), die im Extremfall zu vorübergehenden kompletten Lähmungserscheinungen führen kann. Die Symptome bilden sich immer wieder zurück.

Nicht nur eine hohe Außentemperatur kann Uhthoff auslösen. Bei manchen Betroffenen reicht ein heißes Bad, eine Dusche, ein Saunabesuch. Oder das Fieber im Rahmen eines Infektes.

Abhilfe

Das beste Mittel gegen das Uhthoff-Phänomen ist, die Auslöser zu meiden: Also kein heißes Vollbad, eher kühl duschen, auf die Sauna verzichten. Im Sommer kühle Plätze aufsuchen, so gut es geht, Klimaanlage im Auto, ein Ventilator am Arbeitsplatz. Bei Fieber in Absprache mit dem Arzt fiebersenkende Medikamente einnehmen.

Gerade im Sommer, wenn man nicht auf die Sonne verzichten kann oder möchte, kann Kühlkleidung Abhilfe schaffen, die eigene Körpertemperatur drosseln. Diverse Anbieter verkaufen Kühlwesten und Hosen und manche MS-Betroffene haben schon gute Erfahrung damit gemacht.

Auch die "klassischen" Kühlmittel sind nicht zu verachten: So kühlt ein großer Eisbecher von innen (jedenfalls für eine gewisse Zeit), genauso wie Eistee, Eiskaffee, Säfte und gekühlte Früchte. Wer eine hat, stellt sich unter die Gartendusche, doch schon ein Eimer kaltes Wasser, eventuell um ein paar Eiswürfel ergänzt, in den man die Füße taucht, kann helfen, die Körpertemperatur wieder herunterzufahren.

Planung ist hier wie in vielen Siuationen die halbe Miete: Also die notwendigen Dinge am besten abends, wenn es draußen kühl ist, für den kommenden Tag vorbereiten (Eimer bereitstellen, Gartenschlauch anschließen, Kühlkleidung oder Eiswürfel ins Gefrierfach geben) und nicht abwarten, bis die Mittagshitze am größten ist.

Hintergrund

Der Augenarzt Wilhelm Uhthoff (1853–1927) beschrieb das Phänomen erstmals als eine nach körperlicher Anstrengung auftretende vorübergehende Verschlechterung der Sehschärfe bei Multipler Sklerose. Ursache ist eine Blockierung der Leitfähigkeit des vorgeschädigten Sehnervs als Folge einer Erhöhung der Körpertemperatur, die mit Normalisierung der Temperatur wieder zurückgeht.

Im weiteren Sinn gilt die vorübergehende Verschlechterung generell neurologischer MS-Symptome bei einer Erhöhung der Körpertemperatur als Uhthoff-Phänomen. Vermuteter Grund ist auch hier die verschlechterte Leitfähigkeit demyelinisierter Axone aufgrund einer Temperaturerhöhung. Das Uhthoff-Phänomen betrifft auch andere demyelinisierende Erkrankungen.

 

Redaktion: AMSEL e.V., 04.06.2009