“Und verdammte scheiße, jetzt bin ich auch zu alt um jung zu sterben.”
Das ist ein tolles Lebensmotto! 

Der langjährige Forist @DaumenHoch (schade, daß er sich hier zurückgezogen hat…) hat eine interessante Definition von Fatigue, die mir spontan eingeleuchtet hat und die für mich am besten verständlich ist. Er schreibt, Fatigue ist etwas, von dem man sich nicht erholen kann, im Gegensatz zur normalen Erschöpfung, die sich durch Ausruhen, Schlafen, Essen oder mit aufputschenden Mitteln wie Kaffee beheben lässt. DaumenHoch meint, die normale Müdigkeit sei eben eine körperliche Erschöpfung aufgrund von Energieverlust, die sich erholt, das andere eine Erschöpfung, die sich nicht erholt.
In diesen zwei Beiträgen kann man das nachlesen:
Ich selbst kenne Fatigue nicht in dem Sinn, wie es von vielen beschrieben wird, nämlich als solch eine ungewöhnliche Erschöpfung, die einen einfach so überkommt und der ich mit nichts begegnen kann. Bei mir ist Erschöpfung ein Energieverlust wegen Anstrengung, der sich durch Ruhe und Pausen beheben lässt. Aus diesem Grund finde ich die Definition von DaumenHoch so einleuchtend.
De gustibus non disputandum est😉
Apropos: Hast du dir das “kastrierte” Schubert-Lied im Musik-Thread schon angehört?
Bin ganz bei dir: Fatigue infolge von Energieverlust durch eine vorangegangene Anstrengung.
ABER: Die Anstrengung steht eben in keinem vernünftigen Verhältnis zur darauffolgenden Erschöpfung.
Es fühlt sich an, als ob ich - weiß Gott - was unternommen hätte, dabei war’s in Wahrheit nur eine Kleinigkeit im Haushalt, Duschen, ein längeres Telefonat mit einer Freundin…
Duschen muss ich so planen, dass ich mich danach ausruhen/schlafen kann, kochen geht kaum noch, war ein grosses Hobby inklusive Backen, meine gesamte Energie geht für die Arbeit drauf.
Selbst telefonieren kann zu anstrengend sein.
Im privaten klappt das Pacing ganz gut, mittlerweile auch halbwegs bei der Arbeit.
Treffen mit meiner besten Freundin? Oft zu anstrengend.
Körperlich wie geistig…
Hallo zusammen, bin neu dabei hier und lese schon eine Weile mit.
Vor meiner MS Diagnose Ende Januar hatte ich schon Jahre das Gefühl überdurchschnittlich müde und erschöpft zu sein. Trotz Pausen und sehr gutem Schlaf bin ich nie erholt aufgewacht. Als hätte ich gar nicht geschlafen. Ich war oft mit diesem Anliegen beim Hausarzt und er hat viel probiert und gesucht. B12 und Eisenspiegel wurden angepasst. Er tippte irgendwann auch auf eine milde Form der Fatique, wie man sie auch nach anderen Infekten als Corona bekommen kann.
Mit der Diagnose MS kann ich nun endlich mit dem Grund ein bisschen Frieden finden. Ich dachte immer, es kann nicht sein, mit Mitte 30 so wenig leistungsfähig zu sein.
Am meisten nervt mich, dass alltäglichen Dinge schwerer werden und auch die Muskeln schneller müde sind. Und ich große Anstrengungen, ob nun körperlich oder psychisch, dann eine Weile “büßen” muss. Wünsche mir dann die Zeit zurück, als man ausdauernder und stärker wurde, wenn man etwas oft und regelmäßig gemacht hat, wie z.B. beim Sport. Aber es wird eher alles immer beschwerlicher.
Ein weiteres Symptom ist bei mir das fast tägliche Gefühl richtig krank zu werden. Drücken im Hals mit Halsschmerzen, bleierne Schwere und fast wie Gliederschmerzen. Monatelang dachte ich, irgendetwas macht mich krank… z.b. Zugluft im Büro, eine Allergie… Aber ich denke es kommt auch von der Fatique? Kennt ihr solche Symptome auch?
Pacing fällt mir schwer, ich versuche immer noch mein Leben 1:1 so weiter zu leben wie vor der Diagnose aber bin mir oft unsicher ob das auf Dauer gut ist oder ob ich es einfach so lange weiter mache wie ich es eben im Moment gerade schaffe. Oft leider mit viel zu wenig Schlaf, irgendwie ist jeder Tag einfach zu kurz. Haushalt bleibt bei mir gerade auch mehr liegen als früher…aber auch weil ich lieber andere Sachen priorisiere.
Ich möchte so viel machen aber weiß eigentlich, dass das nicht immer geht. Und die Aussichten dass es vielleicht schlechter wird und ich meine Energie einteilen muss und bestimmte Tätigkeiten dann für den Tag sein lassen muss, belasten mich.
So eben genau nicht…
DaumenHoch meint, Fatigue ist etwas, von dem man sich nicht erholen kann, im Gegensatz zur normalen Erschöpfung, die sich durch Ausruhen, Schlafen, Essen oder mit aufputschenden Mitteln wie Kaffee beheben lässt. Laut DaumenHoch ist die normale Müdigkeit eine körperliche Erschöpfung aufgrund von Energieverlust, die sich erholt, das andere eine Erschöpfung, die sich nicht erholt. Der springende Punkt ist also, ob man sich von der Erschöpfung erholen kann. Wenn man sich erholen kann, ist es laut DaumenHoch eben keine Fatigue.
Ich bin nicht sicher, ob es sinnvoll ist, das jetzt weiter auseinanderzudröseln. Vielleicht kann ich auch gar nicht richtig mitreden, da ich glaube, daß ich keine Fatigue im klassischen Sinn habe. Vielleicht schreibe ich später noch etwas dazu.
@Nalini Dann hab ich dich wahrscheinlich missverstanden.
Augenblicklich ist bei mir zB alles ok. Ich bin ausgeschlafen, neben mir steht der aromatisch duftende Guten-Morgen Kaffee (dessen Zubereitung wie immer die erste Herausforderung des Tages bedeutet, aber: “Ohne Fleiß kein Preis” (bzw. Kaffee)).
Wenn ich gleich nachher zur Komposition meines Müslis übergehen werde, wird die Welt im Handumdrehen anders ausschauen:
Das “lange” Herumstehen beim Herrichten der Körnchenmischung, das Mörsern der Nüsse, das Zerkleinern von Apfel und Banane - ich will dir die restlichen, öden Details ersparen.
Aus “entspannt, alles ok” wird in nur 20 Minuten aufgrund eines eigentlich minimalen Kraftaufwands “erschöpft; muss mich hinsetzen” werden.
Ja, das Krafttanken “Hinsetzen” bewirkt, dass ich mich eine halbe Stunde später wieder einer anderen “diffizilen” Aufgabe zuwenden kann.
Deiner und “Daumenhochs” Auffassung nach ist das, was mich zwingt, mich nach jeder Kleinigkeit zumindest kurz auszuruhen, keine Fatigue (weil effektives Ausruhen Wirkung zeigt).
Ob sich der enervierende Zustand nun “Fatigue” oder nicht “Fatigue” nennt: An der faktischen Mühsal, die er verursacht, ändert der Name schlussendlich auch nichts…
Ich schlage vor, wir einigen uns auf den Namen "MS"
Mein Körper zwingt mich dazu, heute fast auf den ganzen Tag auf der Couch zu liegen. Er ist wie Blei. Habe keine Kraft. Ich kann heute eigentlich gar nicht denken. Eben habe ich aus Versehen was per WhatsApp geschickt, was ich gar nicht schicken wollte. Heute morgen habe ich beim Physio angerufen. Morgen früh werde ich den Hausarzt anrufen. Im April war ich beim Geburtstag meiner kleinen Nichte. Das war absolut laut, weil alle durcheinander geredet haben. Danach war mir schlecht vor Erschöpfung. Hat erstmal ein paar Tage gedauert, bis es wieder ging. Doch auch ich möchte am sozialen Leben teilnehmen.
@cdeckel Das zu hören, tut richtig weh.
Falls es dir hilft: Es geht mir sehr ähnlich.
Habe mich vor kurzem aus dem Berufsleben zurückgezogen (noch warte ich auf Antwort von der zuständigen Stelle; keine Ahnung, was ich mache, wenn die “Nein” sagt), habe bis auf meinen Freund de facto keine sozialen Kontakte mehr, die ich auch zu Gesicht kriege, weil mir das Rausgehen einfach zu anstrengend ist.
Sozial unterversorgt hin oder her: Einen Kindergeburtstag würde ich mir, glaub ich, trotzdem nicht antun.
Fühl dich geherzt von einer Leidensgenossin😉
Alles Liebe
Ja, würde ich so sagen, das ist nicht Fatigue im eigentlichen Sinn.
Ich möchte meine Auffassung mit zwei Beispielen begründen. Mein erstes Beispiel, ein Mann mit inkompletter Querschnittlähmung. Da die Lähmung inkomplett ist, ist er in der Lage zu laufen, aber nicht mehr lange Strecken. Wenn er mit Unterarmgehstützen 350 m läuft, merkt er deutliche Ermüdung und braucht eine Pause. Ist das nun Fatigue (deiner Definition nach) oder einfach eine Schwäche der Beine aufgrund der gestörten Nervenverbindungen zu den Muskeln?
Als zweites Beispiel wähle ich eine Frau, die wegen Schwäche im Alter (die auf uns alle irgendwann zukommt) ihren Haushalt nicht mehr schafft. Sie braucht viele Erholungspausen und daher bleibt viel liegen, der Grund, warum sie sich um eine Haushaltshilfe bemüht. Ist das Fatigue?
Meiner Meinung nach ist beides keine Fatigue, obwohl deine Definition:
zutreffen würde. Nicht jede Körperschwäche ist mit Fatigue gleichzusetzen.
Das ist meine Meinung, aber ich kann andere Meinungen durchaus stehen lassen. Und vielleicht liege ich auch falsch.
Können wir gerne tun, aber dann bleibt das Rätsel, was Fatigue nun wirklich ist und wie sie definiert werden kann, weiterhin ungelöst …

Das ist die Definition der Deutschen Fatigue-Gesellschaft:
Definition Fatigue
Körperlicher, geistiger und seelischer Erschöpfungszustand.
Kommt infolge oder zusammen mit Krebs oder anderen chronischen Erkrankungen vor.
Tritt unabhängig von Belastungen auf.
Ruhe- und Schlafphasen bringen keine Erholung.
Dort schreiben sie also auch, daß Fatigue unabhängig von Belastungen auftritt. Und daß Ruhephasen nicht helfen.
Bringt uns das bei der Erklärung weiter? Oder ist das alles viel zu komplex, um es in eine kurze Definition hineinzupressen?
Hmmmh 
Das eine ist die fachliche Beschreibung, das andere das eigene empfinden… 
Naja, nach so einer strengen Definition hätte hier kaum einer der postenden Fatigue.
Wenn ich mal die ersten Monate nach meinem Schub als Extrem-Beispiel bringen darf: Ich lag fast komplett flach, viel zu schwach um die banalsten Dinge zu machen. Im Schnitt habe ich alle 6 Tage genug Kraft zusammengekratzt bekommen, mich in die Dusche mit Duschhocker zu schleppen um da ein bisschen Körperhygiene zu betreiben, um danach wieder ins Bett zu kollabieren.
Nach der Definition hätte ich da auch keine Fatigue gehabt. Immerhin hat fast eine Woche ausruhen geholfen dass ich es überhaupt wieder in die Dusche geschafft habe 
Bevor wir uns in Kaisers Bart verheddern…
Die Medizin hat uns mit dem Terminus “Fatigue” etwas an die Hand gegeben, das, so scheint’s, gewollt vage ist. Einerseits, um einen gewissen Interpretationsspielraum zu gewährleisten, andererseits, um von der ganz “normalen” Müdigkeit unterscheiden zu können.
Der Grund, warum man zu dem MS-spezifischen Erschöpfungszustand (kurzfristig(!) eliminierbar durch Ruhepausen oder auch nicht) nicht einfach “müde” sagt (was “fatigue” ja bedeutet), ist, weil er weit mehr umfasst und uns, MSler*innen, anders “überrascht”/“überfällt” als “gesunde” Menschen.
Was hältst du von dem Versuch einer Annäherung an das schlüpfrige Scheißerchen “Fatigue” ex negativo?
Unter “Fatigue” leidet man, wenn einem/einer nie zum Bäume-Ausreißen zumute ist.
Ich find aber auch, wer es mit 27 nicht geschafft hat im Vollsuff an der eigenen Kotze zu ersticken, muss einfach einsehen dass er verkackt hat und jetzt halt durchziehen muss…
Absolut meine Meinung 

Ich kenne solche Schwächezustände in Folge von Schüben aus eigener Erfahrung sehr gut. Ich definiere das für mich als große körperliche Schwäche während und nach einem Schub, aber nicht als Fatigue. Unter anderem deswegen, weil sich auch die Kraft mit zunehmender Schubregeneration wieder verbessert.
Stimme dir zu
Langwieriges Verheddern in tausenden von Details muss jetzt nicht sein…
Das hast du schön formuliert. Es bleibt ein wie du sagst schlüpfriges Scheißerchen 
Nee, so richtig zufrieden bin ich damit nicht. Das Scheißerchen will schlüpfrig bleiben 
Weil: Ich kannte eine MSlerin mit ausgeprägter Fatigue, richtig krass. Aber auch sie hatte ihre schwungvollen Momente, indem sie schöne Unternehmungen durchgezogen hat, Dinge in die Hand genommen und fertiggemacht hat usw.
Ich selbst bin beim Thema Fatigue wahrscheinlich nicht die richtige Ansprechpartnerin. Ich bleibe (zunächst?) bei meiner Meinung: Ich selbst bin zwar durch die Erkrankung und vor allem durch die Gehbehinderung geschwächt, interpretiere das aber nicht als typische Fatigue.