“Chronische Erkrankung erzeugt ein spezifisches Wissen über Körper, Zeit und Endlichkeit, das Gesunde strukturell nicht haben.”
Epistemic privilege through suffering – ein Begriff aus der Disability Studies / Phenomenology (u.a. bei Havi Carel, Illness , 2008)

Das war eine der Antworten der KI auf meine Frage, weshalb ich es nicht schaffe den Menschen in meinem Umfeld zu erklären, sie sollen doch ihre noch guten Zeiten bewusst geniessen und nicht mit dem Erzwingen einer Totalheilung vergeuden.

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Ich weiß ja nicht, was und wie du genau gefragt hast, aber so wie ich als Mensch deinen Beitrag verstehe, ist die KI Antwort Quatsch.

Seit ich meine Diagnose habe, geht es mir richtig gut. Ich bin mir darüber bewusst, dass jeder halbwegs gesunde Tag ein Geschenk ist. So absurd das klingt: Ich bin viel selbstbewusster und lebensfroher geworden. Gesunde Menschen in meinem Umfeld machen sich über alles Sorgen, obwohl vieles völlig irrelevant ist. Ich habe einen Wissensvorsprung und lebe meinen Leben so wie ich es will.

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Wenn die Menschen in MO37s Umfeld ihre noch gute Zeit mit dem Erzwingen einer Totalheilung vergeuden, kann es sich nicht um Gesunde handeln.
Ich würde sagen, Thema verfehlt.

Wer ist heutzutage noch völlig gesund :melting_face: ?

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Hört sich alles gut an, solange die MS einen das Laufen nicht nimmt. Man kann nichts ändern wie es ist, aber viel daraus machen und selber an sich forschen was gut und weniger gut tut. Das kann auch herausfordernd sein und seinen Wissensstand erweitern.

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Eigentlich wären bestimmt viele lieber Gesund als von einer chronische Erkrankung betroffen zu sein. Nun hat es uns erwischt und machen wir nun das Beste daraus. Erst kam die MS und dann Lungenkrebs. Mein persönlicher Vorteil ist sehr gering - den Euro WC Schlüssel besitzen zu dürfen, das Wissen über diese Krankheiten ist gewachsen , bissel Steuervorteil und ab und an verbilligten Eintritt /Ermäßigung. Ansonsten fällt mir nichts ein ausser lieber Gesund zu sein.
So sag ich immer beschäftige dich so gut wie es geht - wie die Krankheit es zulässt und vergesse mal die chronische Erkrankung - geht auch nur wenn die Einschränkung noch nicht zu stark ist . Mehr Vorteile sehe ich nicht - könnte eher auf alles verzichten wenn ich wieder gesund wäre- passiert eben nicht.
Wichtig ist - Trau dich !!!

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Richtig, daher versuche ich jeden Tag zu nutzen. Ich denke jeden Tag daran, dass es langsam mit mir bergab geht. Wobei - wenn ich nicht mehr gehen kann…ist das wirklich das Ende? Ich glaube nicht. Da gibt es hier viele tolle Beispiele, das dem nicht so ist. Ich habe in den letzten Jahren sehr viel über mich gelernt und Prioritäten gesetzt. Das finde ich toll. Immer positiv denken :slight_smile:

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Bevor ich die Beschwerden bekam, die zu meiner MS Diagnose geführt haben, hielt ich mich für völlig gesund.
Auch jetzt, wo ich weiß, dass ich chronisch krank bin, habe ich gute Zeiten.

Ich kenne eigentlich niemanden, der völlig gesund ist. Ich wäre auch ohne MS nicht gesund. Ich habe keine Ahnung, wie sich “gesundsein” eigentlich anfühlt. Selbst diejeningen, die jetzt gesund sind, sind sehr wahrscheinlich bald krank. Krank zu sein ist eigentlich normaler als gesund zu sein.

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Ich fühle mich, obwohl ich eine chronische Erkrankung habe, gesund.

Ich denke, dass man bewusster lebt. Wenn ich sehe, wie gehetzt manche durchs Leben gehen, wie “Gesunde” oft ihre Prioritäten setzen… Das bin ich nicht. Ich erlebe oft, dass sie ihre Freizeit vollpacken als einfach zu sein.
Auch wenn ich meine Tiefpunkte habe, geniesse ich anders, kann die Kleinigkeiten schätzen.
Und ja, ich kenne meinen Körper, besser als mancher Arzt.
Aber auf der anderen Seite kann man das auch nicht verallgemeinern, ich war auch vor MS so, habe nie nach “höher, schneller, weiter” gelebt.

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Wenn man fast 40Jahre als Krankenschwester arbeitet, habe ich definitiv eine andere Sichtweise.
Ich finde in der Diagnose nichts Gutes/Positives, da hab ich zu viel davon gesehen. MS Patienten habe ich bedauert, wobei wir eben nur die ganz schweren Fälle hatten. Da wußte ich noch nicht, wie schön krank ich bin. Zum Schluß konnte ich sie nicht mehr betreuen…
Vielleicht entdecke ich noch Vorteile für mich in diesem Leben.
Es ist die Kunst, diese Krankheit anzunehmen, was ich nicht schaffe.
Dafür brauch ich Gott sei Dank noch keine KI…

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Also auch wenn mir die Bedeutung von Gesundheit bzw. der Abwesenheit von Beeinträchtigungen sicherlich deutlich bewusster ist als zu noch uneingeschränkten Zeiten, habe ich nicht das Bedürfnis, andere „gesunde“ Mitmenschen zu missionieren. Bekanntlich ist Wissen aus eigener gemachter Erfahrung Anderen, die diese Erfahrung noch nicht gemacht haben, auf theoretischem Wege nicht vermittelbar.
Insofern trifft für mich die Aussage der KI auf diese ungewöhnliche Frage schon den Kern.

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Ich stimme dir zu. Die Unterscheidung sollte aber nicht gemacht werden zwischen Gesunden und chronisch Kranken, sondern zwischen Menschen mit und ohne bestimmte Erfahrungen.
Da trifft der Unterschied auch auf ganz andere Bereiche zu als krank/gesund. Mit bestimmten Erfahrungen kann man einige Dinge ganz anders sehen und bewerten.

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Vielen Dank für eure Antworten.

Scheinbar verstehen wir „Gesundheit“ unterschiedlich, insofern war meine Wortwahl „Gesunde“ nicht optimal. Wenn wir das Wort „gesund“ mal weglassen dann würde ich mein Dilemma gerne anhand eurer Zitate genauer erklären.

  • Ihr beschreibt wie man trotz Krankheit glücklich sein kann:
  • Konny beschreibt das Dilemma in einem Satz:

Es ist nicht nur eine Kunst “diese” Krankheit anzunehmen sondern es ist überhaupt eine Kunst irgendeine Krankheit anzunehmen.

  • und MiaH trifft ins Schwarze:
  • und das bringt mich zur zentralen Frage:

“Warum will ich meinen Mitmenschen bei der Bewältigung ihrer Gesundheitsprobleme überhaupt helfen? Wieso mische ich mich da überhaupt ein?”

Ganz einfach: Es sind engste Blutsverwandte, die sich mit dem Akzeptieren sehr schwer tun. Und ich hatte echt die Hoffnung, mit meinen Erfahrungen ihnen den Weg ein wenig zu vereinfachen.

Jetzt erkenne ich den Widerspruch: Die Absicht war gut – aber der Ansatz ist zum Scheitern verurteilt. Genau weil meine Erfahrungen nicht übertragbar sind, kann ich sie ihnen nicht geben. Ich kann es nur vorleben.

Es scheint, dass ich genau das jetzt lerne.

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Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden… :wink:

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Klar, dass einen so eine Diagnose wie MS erst Mal schockt, wenn sie einen aus heiterem Himmel trifft.
Und dann gibt es auch hier im Forum Menschen, an die ich sofort denke bei deinem Eingangspost, denen du das sagen könntest, aber es nützt nichts. Vielleicht kommen sie im Lauf der Zeit von selbst zu der Erkenntnis.

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Witzig. Mir wurde kürzlich die Frage gestellt “Welche Vorteile oder “Annehmlichkeiten” bringt dir dein Behinderten Ausweis?” Hab ein paar Dinge aufgezählt und damit geschlossen, dass ich das sofort umtauschen würde gegen keine Behinderung. Kann mich gut erinnern, wie ich dachte “wenn ich erstmal die 50% habe, dann bin ich wenigstens Safe”. Als ich den Ausweis dann in der Hand hielt, drehte sich das Gefühl ins Negative. So “Mist, jetzt ist es auch noch amtlich.”

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Das Gefühl kenne ich :wink:

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