Ich merke das an mir auch, das ich ungeheuer sensibel geworden bin, bin aber auch unsicher inwieweit das an der MS liegt. Ein wenig sensibel war ich schon immer und die Umstände sind, sowohl intern als auch extern, ja nicht besser geworden.
Ich denke aber schon, das die Leute um mich rum auch ummer rücksichtloser werden. Durcheinanderreden, den anderen nicht zu Wort kommen lassen, dann plappert noch der Fenseher dazwischen, da kann ich mittlerweile aus der Haut fahren.
Ungerechtigkeiten springen mich regelrecht an, wenn ich irgendwelche Medien anmache, gab es zwar schon immer, aber irgendwie nicht in dieser frechen Unverblümtheit von heute.
Alleine beim einkaufen kommt es mir so vor, als würde einem jeder nur noch rücksichtlos vor die Füße laufen, die Menschen haben keine Zeit mehr, obwohl ihnen nichts wegläuft und jeder glotzt nur noch auf sein Handy.
Mit mir mach das durchaus was und ich neige bestimmt auch dazu dann bei Kleinigkeiten gleich überzureagieren und weitgehend Unschuldige mit anzuschnauzen, weil es mir einfach manchmal bis dorthinaus steht.
Das ich eine blöde Krankheit habe, mit der Perspektive komme ich mittlerweile ganz gut zurecht, wenn Ärzte mich aber nicht ernst nehmen oder über meinen Kopf hinweg bestimmen wollen oder Angehörige auch nach der dritten Erklärung nicht kapieren wollen, was MS jetzt genau bedeutet, dann bin ich schnell auf 180. Ich weiß es wird nicht besser werden, ich werde damit leben müssen, aber bitte seid doch da draußen dann wenigstens so nett und legt mir nicht noch weitere Steine in den Weg.
Genauso schnell beruhige ich mich aber auch wieder. Eine freundlich lächelnde Kassiererin ist in der Regel genug, um mich wieder runterzubringen. Ein kurzes Gespräch mit einem völlig fremden, irgendwo online in einer Kommentarspalte, über ein Franchise das wir beide mögen, und ich meine manchmal, das ich die positive Energie, die Fans einer bestimmten Sache verbindet, in der Luft schwingen fühle.
Nicht nur die negativen, auch die postiven Erlebnisse scheinen gesteigert zu sein und ich kann mich sehr leicht an Kleinigkeiten, wie einem leckeren Essen oder einer witzigen Bemerkung, erfeuen. Teilweise höre ich in solchen Situationen noch eine ganze Weile in mich hinein, lausche dem kurzen Glück hinterher und zehre davon.
Sonne vs. Dunkelheit kann da auch noch viel ausmachen.
Wenn ich zu depressiv bin, zwinge ich mich entweder dazu, mich mit etwas zu beschäftigen was ich mag, weil ich weiß das mich das schnell wieder ablenkt, oder, wenn ich alleine bin, suhle ich mich auch mal so richtig egoistisch im Selbstmitleid über die Ungerechtigkeit der Welt und heule mich so richtig aus. Am nächsten Tag geht’s dann wieder besser.
Wer mich kennt, sieht es mir mittlerweile, denke ich, nach, die guten Begegnungen nehme ich dankbar mit und der Rest kann mich dann auch einfach mal gepflegt gerne haben.