Immer wieder schreiben hier einige, dass es mit MS unter allen Umständen Stress zu vermeiden gilt, weil der schädlich sei. Ich war da schon immer skeptisch, weil das entgegen der Meinung einiger hier nicht immer nur meine Entscheidung ist.

Die letzten Wochen/Monate habe ich als extrem stressig erlebt. Sie waren belastend für mich, ich habe schlecht/wenig geschlafen und war gleichzeitig erschöpft und unter Strom. Das habe ich auch in einer ähnlichen Situation (aus anderen Gründen) vor der MS Diagnose so erlebt. Auf MS Symptome hatte es keinen Einfluss.
Ich habe mir die Situation nicht ausgesucht. Wenn ich vorher gewusst hätte, dass es so kommt, hätte ich gesagt, ich kann das nicht. Aber ich konnte nicht nichts machen.

Jetzt, wo es zu einem vorläufig guten Ende gekommen ist, bin ich stolz, dass mit viel Unterstützung etwas erreicht wurde, was ich für nicht möglich gehalten habe.

Ich würde es wieder so machen, denn ich bin ein Mensch, der tut, was er kann und nicht eine Kranke, die zuerst an ihre MS denken und unter allen Umständen Stress vermeiden muss.

5 „Gefällt mir“

Stress ist ja auch eigene Definition.
Für manche ist schon morgens aufstehen und Frühstück Stress… Ist wie mit Schmerzen. Jeder empfindet das anders.
Und dann kann man Stress auch relativieren.
Es gibt Dinge die müssen sein, andere bei Gelegenheit und manche gar nicht.
Wie gehst du mit Aufgaben um. Wo sind deine Prioritäten :wink:
Also ist Stressvermeidung bei MS genauso schwierig wie ohne.

4 „Gefällt mir“

Ich freue mich mit dir :heart: Schön das du etwas erreicht hast und gut das du vorher nicht gewusst hast wie anstrengend es wird :smile:
Am Ende zählt, du hast es durchgezogen! Sei stolz auf dich!

3 „Gefällt mir“

Ich sehe es ein bisschen anders und formuliere mal meine Sicht.

Stress kann für MS-Patienten schädlich sein. In den neuesten Leitlinien wurde diesem Thema (Mentale Gesundheit und Stress) ein eigener Abschnitt gewidmet. Dort heißt es unter anderem:

Traumatische Lebensereignisse und posttraumatische Belastungsstörungen sind ein Risikofaktor für die Entstehung von Autoimmunerkrankungen und auch für die MS (Review bei von Drathen et al. 2024).

Für Stressbelastungen als Auslösefaktor von Schüben liegt eine gewisse Evidenz vor.

Erste Kohortenstudien zeigen ferner, dass traumatische Lebensereignisse sich möglicherweise auf die Progression der Erkrankung auswirken (von Drathen et al. 2024).

Außerdem soll Stress sogar Entzündungen fördern. Dazu habe ich aber gerade keine passende Quelle.

Wenn die negativen Auswirkungen von Stress im eigenen Erleben schon erfahren wurden, ist es (für mich) sinnvoll, den eigenen Lebensstil entsprechend anzupassen. Es ist gut, seine eigenen Stressoren kennen zu lernen und das Leben entsprechend umzugestalten. Man kann nicht jedem Stress entkommen, aber man kann den Stress mit geeigneten Maßnahmen reduzieren. Und alleine das Reduzieren ist schon viel wert.

Wieviel Stress ein jeder in seinem Leben zulässt, muss dieser für sich selbst entscheiden. Stress wird außerdem unterschiedlich erlebt (wie Daisy auch schon schrieb) und auch die Risikobereitschaft ist unterschiedlich.

Ich kenne meine Stressoren inzwischen ganz gut und weiß, wann Gefahr besteht, auch die Gefahr eines Schubs. Muss ich mich dem immer aussetzen? Nein, denn ich nutze gerne diese Möglichkeit einer “natürlichen” Schubreduktion durch Anpassung des Lebensstils.

Dabei möchte ich vermeiden, daß ich mehr und mehr abbaue, weil ich mich keinen Belastungen mehr aussetze. Ich denke aber, es ist möglich, hier einen akzeptablen Mittelweg zu finden: Belastung trainieren und dabei gleichzeitig das Risiko überschaubar halten.

5 „Gefällt mir“

Ich denke, bezogen auf die hier angeführten Auszüge, dass es schon zu unterscheiden gilt zwischen „traumatischen Ereignissen“ als Stressor und zwischen alltäglichem Stress, wie er z. B. durch zeitweise hohe Arbeitsbelastung etc. entsteht.

4 „Gefällt mir“

Zumal man sich traumatische Ereignisse kaum selbst aussucht, sondern sie brechen über einen rein.

Ich schreibe nicht über traumatische Ereignisse, die mich selbst betreffen, denen kann man nicht entkommen, sondern über Situationen, wo ich mich theoretisch dem Stress entziehen könnte, wenn ich andere im Stich lasse, obwohl ich genau weiß, alleine ist er verloren.
Man braucht Unterstützung, aber die muss man ja auch erst Mal suchen und sich dafür einsetzen um sie (manchmal überraschend) zu bekommen.

Im Alltag versuche ich schon, Stress zu reduzieren, indem ich mir z.B. möglichst nur eine Aktivität am Tag vornehme oder zumindest eine Ruhepause zwischen mehreren Aktivitäten.

4 „Gefällt mir“

Tournesol, ich zumindest weiß, was Du meinst.

Hab 5 Jahre meinen Vater betreut. Klar hätte ich das auch an Institutionen weiterschieben können, sicher habe ich phasenweise gemerkt, dass ich mich eigentlich übernehme - aber nach einem sehr würdig zu Ende gebrachten Vorhaben habe ich mich riesig gefühlt.
Und ich würde es immer wieder so machen, trotz des bewusst in Kauf genommenen Stresses.

8 „Gefällt mir“

Wenn du das Pech hast, einen narzisstischen Haustyrannen als Vater zu haben, ist es nicht so leicht, sich dem permanenten Psychoterror zu entziehen.

Zwei Jahre nach meinem Auszug von “zu Hause” (= aus dieser Hölle) wurde bei mir mit 21 Jahren MS diagnostiziert. Zufall? Kein Zufall?

Gut hat mir das jahrelange Zusammenleben mit diesem Kretin jedenfalls nicht getan.

2 „Gefällt mir“

Das hat dir sicher nicht gut getan. Ich würde es als eine Folge von traumatischen Ereignissen sehen, denen du dich als Kind/Jugendliche nicht entziehen konntest.
Womöglich waren das die Puzzleteile, die deine MS hervorgebracht haben.

Mir ging es um Situationen, wie MiaH sie beschreibt, die man sich so nicht ausgesucht hat, sich aber trotz MS, wo Stressvermeidung angesagt ist, ‘freiwillig’ dem Stress aussetzt.

2 „Gefällt mir“

Zum Thema Traumatisierungen in der Kindheit und Jugend gibt es inzwischen einige interessante Studien die einen Zusammenhang nahelegen.

Ich rede jetzt nur von Menschen deren Eltern das dritte Reich erlebt haben.

Deren Nachkommen sind fast immer dadurch mit traumatisiert. Und dabei spielt es nur eine untergeordnete Rolle ob die Eltern/Großeltern auf der Täter oder Opferseite das überlebt haben. Dazu gibt es auch massenhaft Bücher und Forschung.
(Entschuldigung für den kurzen Ausflug zu dem Thema)

1 „Gefällt mir“

Ich denke auch es gibt “guten” und “schlechten” Stress, und wie es einem damit geht ist individuell der Situation geschuldet.
Meine Großeltern haben vor vielen Jahren ein Sanitätshaus gegründet. Das lief mehrere Jahrzehnte recht gut.
Anfang der 2000er ging es dann langsam aber stetig immer schlechter mit dem kleinen Familienbetrieb.
2015 rum mussten wir dann einsehen, dass es einfach nciht mehr geht und Insolvenz anmelden. Bis zu dem Zeitpunkt war mein Opa immer noch voll mit drin aktiv am arbeiten. Er war da 82. Wenige Monate nachdem der Betrieb geschlossen hatte, hatte er einen schweren Schlaganfall, wurde dann noch fast ein Jahr bei meinem Vater zuhause gepflegt und ist dann verstorben.
Ihn hat wahrscheinlich der Stress der Arbeit und sein “Baby” weiter am laufen zu halten offensichtlich “fit” gehalten. Nun gut, er hatte keine MS. Aber der Schlaganfall hätte ja auch schon früher kommen können durch den ganzen Reform-Stress und mit den Kassen ect :wink: Er kam aber erst, als der Stress weg war, weil plötzlich auch der Sinn weg war.
Du, liebe @tournesol , hast da etwas worin du bei all dem Stress einen guten Sinn siehst. Vielleicht schadet es deiner MS, vielleicht hält es dich aber auch fit. Wer weiß das schon. Hauptsache es fühlt sich für dich richtig an :slight_smile:

6 „Gefällt mir“

Ich denke auch, daß man zwischen verschiedenen Stressbelastungen unterscheiden muss. Dazu gehört auch die Unterscheidung nach der Stärke der Belastung.

Ich denke mir die Stressbelastungen auf einer langen Skala mit fließenden Übergängen. Traumatische Lebensereignisse stehen sicher als große Stressbelastungen am oberen Ende der Skala. Und leichter, kurzfristiger Stress am anderen Ende der Skala.

Zum Thema “Stress mit geeigneten Maßnahmen reduzieren”: Das ist sehr individuell. Jede, jeder muss das für sich selbst bestimmen, je nachdem, welche schädlichen Stressoren man für sich identifizieren konnte. So etwas wie Tournesol schreibt ist schon ein (erster) wichtiger Schritt:

Auch ich hatte in meinem Leben schon Ereignisse und Pflichten, bei denen ich wusste, es könnte in punkto Stress und Belastung für mich schwierig werden. Zum Beispiel ging es zwei Mal um eine wichtige und anstrengende, auch körperlich anstrengende Familienpflicht, wobei ich auch reisen musste. Aber ich musste das machen, es ging nicht anders, und ich wollte das auch machen. Tatsächlich hatte ich jedes Mal in Folge, also zwei Mal, einen Schub. Zum Glück waren es nur zwei eher leichte Schübe mit guter Rückbildung. Aber einige Tage schweres Herumhängen mit deutlich reduzierten Alltagsaktivitäten hat mich das jedes Mal gekostet. Naja, passiert halt, c’est la vie…

Für mich geht es um ein bestmögliches Reduzieren des Stresses. Reduzieren heißt aber, daß es in einigen Fällen leider auch nicht klappt…

3 „Gefällt mir“

Ich persönlich finde das der Umgang mit Stress ausschlaggebend ist.
Ein in der Vergangenheit erlebtes Trauma, sehe ich auch als möglichen Auslöser bestimmter Erkrankungen. Unser Körper ist nicht “blöd”.
Ein Heilpraktiker hat mich mal gefragt, warum sind Sie ihrem Leben davongelaufen? Ich war ambitionierte Läuferin. Heute kann ich nicht mehr joggen, leider.

3 „Gefällt mir“

Ich finde Gesagtes von BlackMug ziemlich treffend: dieFrage der Sinnhaftigkeit. Wenn wir in Etwas für uns einen starken Sinn empfinden, kann das durchaus positiv aktivierend sein - und auch damit verbundenen negativen Stress etwas abpuffern.
Mein Vater starb nach der langen Betreuungszeit 2019. Bis dahin bin ich relativ rund gelaufen. Der merkliche Abbau begann ab Mitte 2020 bei mir - ab da begann ich die MS richtig zu merken.

5 „Gefällt mir“

Mich stresst es mittlerweile, wenn mehrere Sachen gleichzeitig auf mich ein prasseln, z. B. ich muss eine wichtige Mail beantworten, mein Freund schaut Fernsehen und erzählt dabei.
Zuviel! Auch wenn er es nicht versteht, er muss dann warten. Ich kann es einfaach nicht mehr. Aber man kann reden und eins nach dem anderen machen.
Auch bei der Arbeit habe ich fast bis zum umfallen alles gemacht, habe abends vor Erschöpfung geheult, die Kollegen haben sich Sorgen gemacht. Aber es musste sein, und ich hatte nach 2 Wochen durchpowern 2 Wochen Ruhe gehabt.
Dennoch würde ich es jetzt anders angehen, es war einfach zu viel.

5 „Gefällt mir“

Es ist für mich in bestimmten Situationen ‘alternativlos’
zu tun, was ich kann, egal ob mit MS. Auch wenn ich nicht weiß, ob ich das schaffe, kann ich es nicht nicht versuchen, wenn es sonst keinen gibt, der es tut.

4 „Gefällt mir“

Dein Engagement in allen Ehren, es wird immer jemanden geben der es tut. Du bist nicht unersetzbar :wink: und das meine ich nicht böse. Im Gegenteil. Du musst auch auf dich selber achten.
Wenn du nein sagst, hat ein anderer die Chance ja zu sagen :rainbow:

5 „Gefällt mir“

@Parichehr Klar kann man sich als Kind oder Jugendliche in einer so schwierigen familiären Situation nicht bewusst gegen Stress entscheiden. Meine von dir zitierte Aussage bezog sich auf unsere Situation heute: Wir als Erwachsene, viele mit einiger Lebenserfahrung, wie wir hier stehen mit dieser Erkrankung im Schlepptau und dem Wissen, daß uns Stress und Überlastung möglicherweise schaden kann…

4 „Gefällt mir“

Ich halte mich keineswegs für unersetzbar oder besonders kompetent.
Nein, es war jetzt und auch schon bei stressigen Situationen früher kein anderer da, der es gemacht hätte. Dann wäre er halt abgeschoben worden.
Ich bin ganz bestimmt niemand, die alles an sich reißt, sondern ich lasse gern andere machen.

1 „Gefällt mir“

Ich denke auch dass es im Leben manchmal einfach notwendig ist, etwas zu tun. Und es ist leider eben nicht immer möglich, sich alles vom Hals zu halten

5 „Gefällt mir“