Sagt mal, wann habt ihr beschlossen in der Öffentlichkeit zu eurer MS zu stehen und einen Gehstock oder Rollator zu nutzen? Was war der Auslöser bei euch?

Die blöde Email begleitet mich jetzt seit gut 28 Jahren. Ich laufe schon lange nicht, weil ich eh langsam bin und es keinen Sinn hat irgendetwas hinterherzulaufen, wenn es in 20-30 Minuten oder so nochmal kommt, ABER… :thinking:
Seit meinem letzten Schub 11.2024 schwächelt meine Rumpfstabilität und Staubkörner oder Wind können mich zu Fall bringen, wenn ich nicht aufmerksam auf Stolperfallen achte und glaube, dass ich ganz normal laufen kann. Wenn ich genau darüber nachdenke, bin ich in den letzten 6 Monaten viermal gestürzt, einmal Schürfwunden am Kinn, einmal eine kaputte Brille und erst letzte Woche musste ich mich beim Müllwegbringen zwischen Mülltonnen sitzende sammeln bis ich wieder aufstehen und mit aufgeschürfter Handfläche gehen konnte. Einerseits will ich kein Mitleid in meiner neuen Nachbarschaft erregen und lieber weiter so tun als wäre ich blöde wegen der Schlaglöcher im Weg gestolpert. Andererseits könnte ich den Müll auch mit meinem Rollator wegfahren oder mit meinem Gehstock wegbringen, natürlich nur auf Rasen gehend, der neben dem Gehweg verläuft, und so vielleicht meiner Jeanshose ihr Überleben sichern.

Mir ist bewusst, dass ich das für mich selber entscheiden werde, nur würde mich interessieren, ob und wenn was bei euch der “Auslöser” für die Nutzung der Gehhilfe war.

Ich will (noch?) keine Schutzkleidung wie bei Inlinern oder Rollschuhen tragen. :pleading_face:

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Ich war von Anfang an offen mit meiner MS, da man meine Einschränkungen schon bemerkt hatte. Meinen Rollator habe ich von Anfang an “geliebt”, weil er mir Freiheit gibt. Auch wenn ich ihn nicht täglich brauche, ist er dabei, wenn ich mich unsicher fühle.
Ich habe ihn schon sehr früh bekommen, von Stock wurde mir abgeraten wegen meiner Gleichgewichtsprobleme.
Ich bin dankbar, dass es diese Hilfsmittel gibt, ich meinen Körper gut einschätzen kann und bisher nur einmal gekippt bin, vor dem Rollator. Ich persönlich muss nicht warten, bis ich mir etwas breche, um meinen Rollator zu benutzen.

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Hallo Meine,

also bei mir war der Auslöser, dass ich im Rahmen einer Verschlechterung vor der Wahl stand: Rollator/Gehhilfe oder das Haus nicht meh verlassen.

Wie andere das finden, hat mich herzlich wenig interessiert. Und meine Mitmenschen hat das, glaub ich, auch nicht interessiert, wie ich daherkomme. Soo sehr stehen wir nicht im Focus der anderen.

Grüsse MiaH

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Moin, nachdem ich oft mit Ausfall Schritten und “hoppla” Stürze knapp verhindern konnte und festgestellt habe, das ich mir immer etwas zum festhalten suche war mir klar das ich wenigstens einen Stock zum gehen brauche.
Er gibt mir Sicherheit und verlängert meine gehstrecke.
Online habe ich dann meinen lila Stock gefunden der mich nicht nur unterstützt sondern auch noch ein Hingucker ist :sunglasses:
Ok, mittlerweile ist er ein schickes Accessoire und nicht mehr alleine…
Hilfsmittel sind Helfer im Alltag, genau wie mein Duschhocker.
Und wenn ich angesprochen werde ergibt sich immer ein nettes Gespräch :wink:

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Da mein erster Schub schwer war (Gehbehinderung) und dadurch meine Einschränkungen beim Gehen allseits offensichtlich waren, konnte ich ohnehin nichts verbergen. Ich musste mich von Anfang an mit Rollator oder Gehstützen in der Öffentlichkeit präsentieren. Das, was du “pragmatische Ignoranz” nennst, war mir von Anfang an sozusagen aufgezwungen.

Finde ich aber nicht so schlimm. “Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert” - das meine ich natürlich im übertragenen Sinn, nicht im Sinn von Behindertenfeindlichkeit (falls jemand auf die Idee kommen sollte…). Aber jetzt ganz ohne Spaß: Am Anfang gucken die Leute, fragen einen auch mal. Und in den meisten Fällen positiv und angenehm im Sinn eines positiven Interesses. Aber irgendwann haben sie sich daran gewöhnt und es ist völlig normal und es interessiert keinen mehr. Man hat dann eben einen Stock, Rollator oder Rollstuhl und basta. Ansonsten ist man ganz normal die Nachbarin, Kollegin oder was auch immer im jeweiligen sozialen Kontext.

Mir ist meine körperliche Unversehrtheit wichtiger als meine Eitelkeit. Mein Motto war schon immer: Lieber ein Hilfsmittel zuviel mitnehmen als eins zu wenig. Wichtig ist, nicht unangenehm zu stürzen. Wenn man den Stock dann doch nicht braucht, kann er auch in der Hand getragen werden. Aber für alle Fälle ist er da.

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Ich bin von Anfang an offen damit umgegangen. Da wurde ich viel bedauert. Ob das immer gut war, weiß ich nicht.
Heute sieht man, das ich nicht mehr so fließend laufen kann. Wenn ich länger geh, dann mit der Bioness. Dafür sammle ich viele Blicke und ab und an werde ich bedauert für ein kaputtes Knie. Dann sag ich, das das eine Fußfessel ist und die so weit oben sitzt, weil ich so dünn bin. Dann ergibt das ein Lachen und meist erklär ich dann, wie “schön” krank ich bin.
Ich würde mich immer für eine bessere Lebensqualitt entscheiden.

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Guten Morgen,

bei mir war der “Auslöser” eine Mitpatientin in der Reha.

Diese war in meinem Alter, wie ich noch voll berufstätig und benutzte ihren bunten Gehstock ganz selbstverständlich.

Eine Aussage von ihr:

Durch den Gehstock hat meine MS jetzt auch ein “Gesicht” bekommen und die Mitmenschen reagieren häufig verständnisvoller.

Ich besitze nun einen schönen blauen und einen bunten Gehstock. :grinning:

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Als mich die Fußheberschwäche sprichwörtlich ausgebremst hat. Meine Runden wurden kürzer, das Stolpern häufiger.

Bei Treffen mit Familie oder Bekanntschaft konnte ich nicht mehr so mitlaufen, wie ich es gerne wollte.
Das war eigentlich der Ausschlaggeber.

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Mir geht es genauso!!

Man kann förmlich die Fragezeichen über den Köpfen sehen, was ich das am Unterschenkel habe.

Wenn sich jemand traut zu fragen, ist es auch meist nach dem Knie! Unfall?

Das prägendste Erlebnis war aber die Frage, was ich auf dem Kerbholz habe? Weswegen ich gesessen habe? :joy:

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Ich schliesse mich vielen Vorrednern an.

Da ich mich nicht unterfordern möchte, habe ich 2 faltbare Stöcke, einmal Carbon, einmal geblümt für den Sommer. Die sind immer dabei im Rucksack, so fühle ich mich an guten Tagen, wenn ich die ohne Stock starte, trotzdem sicher, falls Bedarf aufkommt.

Und mein neuer Rollator ist in „racing red“ - wenn schon, dann richtig dolle.

Also nur Mut, gönn Dir nach Möglichkeit auch ansehnliche Gehilfen, das hilft am Anfang vielleicht etwas über Unsicherheiten hinweg, vor allem wenn Du merkst, wie viel einfacher dann vieles wird.

Ich hab damals gedacht: blöde Nuss, hättste alles schon viel eher haben können.

Grüsse MiaH

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Also bei mir war das so, zuerst habe ich meine Nordic Walking Stöcke benutzt. Irgendwann ging das denn nicht mehr, ich habe ja starke Probleme mit dem Gleichgewicht. Ich bin einmal komplett zur Seite gekippt, ist aber zum Glück nichts passiert. Wenn du in den letzten Monaten schon mehrere Male gestürzt bist, würde ich mir auf jeden Fall ein Hilfsmittel organisieren. Eitel ist ja schön und gut. Lass doch die anderen schauen. Das kann dir doch egal sein. Ich habe bis jetzt übrigens nur hilfsbereite Menschen erlebt. Seit 24 habe ich einen Rollator in rot und Gehstützen habe ich auch. Die benutze ich aber gar nicht mehr, weil die mir keinen Halt mehr geben. Ich benutze den Rollator auch oft so, dass ich mich nur auf der einen Seite festhalte. Je nachdem wie es mir geht bzw. der hat halt die Sitzfläche. Ist halt auch wichtig für mich.

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Ich danke euch für eure bisherigen Geschichten. :heart_eyes:
Ich habe bereits Gehhilfen, meinen Geh-Ferrari in Ferrari rot und meinen Standard-Kassen-Stock habe ich mir niedlichen Monster-Stickern und gelben Klebeband versehen. Mit meinen 1,83m und Gehhilfe bin ich so nicht zu übersehen, dass ich beschlossen habe aufzufallen, das bedeutet neongrüner Wintermantel und bunte Sommerjacke goa-Stil.

Ihr habt mir gezeigt, dass ich mich in meiner neuen Nachbarschaft nicht verstecken muss. Dass ich wenigstens dort auf mich aufpassen sollte und werde. Danke.
An meinem neuen Arbeitsplatz, wo ich bisher nur befristet bin, wissen zwar alle Bescheid, aber richtig “beweisen” möchte ich es ihnen noch nicht. Dafür waren anderthalb Jahre Jobsuche zu lang und doof.

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Boa - nach Deiner Beschreibung ist ja hinsichtlich Optik schon mal alles am Start. Und Du musst Dich NIRGENDS verstecken. Also ich erfahre eher AHA-Effekte a la „toll, was es inzwischen für coole Hilfen gibt“.

Da finde ich „krampfhaft durch die Gegend stolpern und sich ggf. hinpacken“ deutlich peinlicher.

Auf geht´s…

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Ich hatte auch nicht wirklich eine Wahl. Mein Diagnoseschub hat meine Gehfähigkeit direkt so beeinträchtigt dass ich direkt den Rollator brauchte.
Die ersten 2-3 mal war es vielleicht ein komisches Gefühl, so von meinen Nachbarn gesehen zu werden. Aber dann nicht mehr, und komische Reaktionen kamen auch nicht.
Ich finds nun eher amüsant wenn ich damit meine Runden drehe, wie mir fußfitte Senioren regelmäßig zulächeln und zunicken, die sich vielleicht fragen, wie sie mit 70+ noch fit sind und ich Jungspund schon Unterstützung brauche :laughing:

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Ja, ich kenne das. Die Senioren rauschen an mir vorbei.

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Genau. Wenn man ein angemessenes Hilfsmittel benutzt, ist das ein Zeichen für:

Sie (oder er) sieht die Dinge klar, hat die Lage richtig analysiert, macht sich nichts vor und ergreift adäquate Maßnahmen. Auch wenn es erst mal Überwindung kostet.

Wenn ich jemanden so krampfig, wackelig und mühsam gehen sehe, denke ich mir immer, warum macht er oder sie es sich so schwer.

Und übrigens: Ein Hilfsmittel bedeutet nicht, daß man sich nun “aufgegeben” und in die Abwärtsspirale begeben hat. Trotz Hilfsmittel kann weitertrainiert werden, und wer weiß, wenn man Glück hat, kann es sich sogar wieder verbessern.

PS zum Thema: Eine ältere Bekannte von mir, früher Trainerin und Yogalehrerin, hat sich nach einem unangenehmen Sturz nun zu einem Rollator durchgerungen. Nun hat sie mit dem Rollator Frieden geschlossen und ist mit ihm sehr glücklich. Und schwärmt öfter, welch große Spazierrunden sie nun schafft und was das für ein tolles Trainingsgerät sei. Also alles eine Frage der Perspektive…

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Sobald ich feststellte, dass ich unvermittelt Stürze, hatte ich mir nordic walking Stock geholt. Rollator empfinde ich als schweren und unnützten Klump, den man nur auf geraden Strecken nutzen kann und es meine schnelle Erschöpfung nicht nenneswert bessert. E-Rollstuhl empfinde ich als “Segen”, da es mir wieder ermöglicht mehr als nur einige Meter mit Gehstock zu stolpern.

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Mit fällt gerade ein Artikel ein, den ich irgendwo irgendwann gelesen habe, in dem es ungefähr hieß, dass die natürliche Fortbewegungsweise des Menschen nicht das Gehen ist und wir eigentlich nur durch das Leben stolpern. :laughing:
Irgendwann später las ich einen anderen Artikel, der sagte, dass der Mensch Milliarden Jahre Durchfall und Verdauungsstörungen hinter sich gebracht hat, nur damit er heute Milch zu sich nehmen kann. :crazy_face:

Es gibt Überschriften, die ich einfach nur schön finde.
Oh ja, heute habe ich eine wunderschöne Formulierung in einem Vertrag gelesen: “fernmündliche Kommunikation”. :heart_eyes: TRAUMHAFT

Heute bin ich mit Stocki durch die Innenstadt zum Optiker gehetzt. Erfolgreich ohne Stolpern angekommen. Brille in Sicherheit. :laughing:

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Ich benutze seit ein paar Monaten einen Gehstock. Zwar nicht wegen der MS, sondern wegen eines richtig miesen Bänderrisses vor einem Jahr, aber mit Mitte 20 wird man da trotzdem nicht selten schief angeschaut.

Ich bin bestimmt schon 10 Mal pro Jahr irgendwo hingefallen wegen meiner Gelenkinstabilitäten, aber was mich letztlich zur Gehhilfennutzung bewegt hat, war eine andere junge Frau in der Bahn mit Stock zu sehen.
Irgendwie war das so ein „Aha“-Moment, dass ich auch als junger Mensch eine Gehilfe nutzen kann. Klingt vielleicht etwas doof, ist aber so. :sweat_smile:

(Und ich habe mir einen sehr hübschen Stock geholt, damit der auch meine Outfits ergänzt. :blush:)

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Ein großer Teil der Welt ist immer noch laktoseintolerant :smile:

" Während die Inzidenz in Afrika und Ostasien bei 65 bis über 90 % der Erwachsenen liegt, sind es etwa 5 bis 15 % unter Europäern und ebenfalls 5–15 % bei hellhäutigen Menschen in Australien und Nordamerika." Quelle Wiki

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