Da bin ich ganz deiner Meinung – niemand sollte sich ins Sofa zurückziehen und auf Besserung warten.
Aber „Kampf dem inneren Schweinehund!" ist eben nicht dasselbe wie „Treibt so viel Sport wie irgend möglich."
MS ist eine ausgesprochen heterogene Erkrankung. Je nachdem, wo die entzündlichen Läsionen lokalisiert sind, brauchen Menschen mit MS sehr unterschiedliche Ansätze. Wer beispielsweise Läsionen im Bereich des autonomen Nervensystems hat, riskiert mit einem gutgemeinten Hochintensitäts- oder Intervalltraining ein Übertrainingssyndrom – das Gegenteil von dem, was beabsichtigt war.
Deshalb ist ein individuelles Pacing – also ein bewusstes Energiemanagement, das die eigenen Grenzen ernst nimmt, ohne sie zu zementieren – für viele der sinnvollere Kompass als eine pauschale Maximierungsempfehlung. Der Schweinehund darf ruhig verlieren, aber der Körper sollte dabei mitreden dürfen.
Weil ich mehrmals selber in verschiedenen Rehas im Übertraining landete, weiss ich, dass auch die beste Physiotherapeuten oder Ärzte keine Ahnung hatten, wo meine Grenzen liegen und nur ich diese bestimmen bzw. herausfinden kann. Das ist eine der schwierigsten Aufgaben, weil alle eine Meinung dazu haben inklusive dem familiären Umfeld. Und häufig endet es in subtilen Schuldzuweisungen in der Form “mir ginge es besser wenn ich dies und jenes täte”.
Es ist eine anspruchsvolle Gratwanderung, seine persönlichen Grenzen zu finden, zu akzeptieren und schlussendlich selbstbewusst durchzusetzen.