Ein klassischer Fehler: aus der eigenen individuellen Erfahrung eine allgemeine Regel abzuleiten.
Bei Multiple Sklerose verläuft die Krankheit extrem unterschiedlich:
Manche Menschen haben über Jahrzehnte nur milde Symptome.
Andere entwickeln ohne frühe Therapie relativ schnell bleibende Einschränkungen.
Wieder andere wirken äußerlich stabil, sammeln aber trotzdem stille Schäden im MRT an.
Wenn jemand sagt:
Ich habe 20 Jahre keine Therapie gebraucht und mir geht’s gut.
Glück gehabt - oder falsch diagnostiziert.
…dann kann das für diese Person tatsächlich stimmen. Daraus folgt aber nicht:
Deshalb ist einflussreiche Therapie in Frage zu stellen.
Das wäre ungefähr so logisch wie:
Mein Großvater hat geraucht und wurde 90, also ist Rauchen ungefährlich.
Ein weiterer wichtiger Punkt:
Vor 20 Jahren war die MS-Diagnostik und Therapie deutlich anders als heute. Viele ältere Patienten:
hatten mildere Verlaufsformen,
wurden später diagnostiziert,
oder auch falsch diagnostiziert.
oder hatten gar keinen Zugang zu den heutigen hochwirksamen Therapien.
Heute weiß man, dass frühe entzündliche Aktivität oft langfristige Schäden vorbereitet — auch wenn man sich subjektiv noch relativ gut fühlt. Deshalb empfehlen viele Neurologen mittlerweile eher ein frühes Eingreifen statt jahrelanges Abwarten.
Außerdem unterschätzen viele den sogenannten „stillen Verlauf“:
neue Läsionen ohne merkliche Symptome,
langsamer Hirnvolumenverlust - schleichende Atrophie
schleichende Fatigue oder kognitive Veränderungen.
Man kann also subjektiv „stabil“ wirken und trotzdem Krankheitsaktivität haben.
Das heißt nicht:
jeder MUSS sofort aggressive Therapie machen,
oder jede Therapie ist automatisch richtig.
Was weis man und ist bewiesen:
Mehr Frauen als Männer haben MS
Immunmodulation, Supression, Cortison wirken deutlich in der Akutizität.