Nach bestem Wissen und Gewissen sorgfältig abwägen, was für einen das Richtige sein könnte kann man aber auch nur, wenn man so viel Wissen wie möglich über die angebotenen Therapien sammelt.
Dazu gehören aber eben auch die Abhängigkeiten von Ärzten zu Pharmaunternehmen und deren Methoden zu Studien und Werbung.
Und bei deser Art der Patientenaufklärung hapert es mir mitunter etwas bei den heutigen Ärzten (zugegebenermaßen aber auch aus zeitlichen Gründen).
Das mein Neuro ständig versucht, mich möglichst schnell in irgendeine Basistherapie zu kriegen, ist halt einfach unübersehbar. Das war und ist das ständige Nummer 1 Thema, wichtiger als irgendeine Aufklärung darüber, was diese Diagnose für mein weiteres Leben eigentlich bedeutet oder die Tatsache, das es gar nicht mal so wenig Leute gibt, die ein Leben komplett ohne Basistherapie riskieren wollen, einfach nur mal zu erwähnen.
Das musste ich erstmal alles selber rausfinden, und das es ihm nicht so wirklich geschmeckt hat, als ich mich erstmal für das Zweite entschieden habe, hat man ihm schon deutlich angesehen.
Ob das nun wegen irgendwelcher finanziellen Vorteile ist, oder ob er tatsächlich so absolut von diesen Produkten überzeugt ist, lasse ich dabei durchaus mal dahin gestellt.
Das es keinerlei Verständnis für eine Lebensweise, die es erst mal mit der Alternative “Höheres Risiko, aber dafür habe ich länger meine Ruhe” versuchen möchte, ist eine Tatsache, ebenso das Nebenwirkungen und Bedenken bei der Medikation (fettige Dauerdurchfälle unter Aubagio, Juckender Ausschlag der nicht weg zu bekommen war und rasende Kopfschmerzen unter Copaxone, dadurch ein unwohles Gefühl bei dem Gedanken an noch stäkere Medis)) ständig mit der Argumentation “Da kann sich der Körper ja vielleicht noch dran gewöhnen” vom Tisch gewischt werden (bei wem war das eigentlich jemals schon so?).
Ebenso, das ich mir ständig so vorkomme, als würde ich für ein Dummchen gehalten, das nicht weiß was gut für es ist und man daher bei der Behandlung bevormunden müsste und das alles, was in den Papieren der Pharmafirmen an Positiven Wirkungen steht, für das Nonplusultra gehalten wird, was man ständig über den grünen Klee loben muss, auch wenn die doch eigentlich alle ganz genau wissen das das nicht auf jeden Patienten zutreffen muss, während schlechte Nebenwirkungen am Besten gar nicht genannt werden (Mir wurde sogar schon Nahe gelegt den Beipackzettel gar nicht zu lesen, um mich nicht unnötig zu ängstigen. Entschuldigung, aber ich bin durchaus in der Lage häufig von selten und lebensgefährlich von harmlos zu unterscheiden).
Meinen weiteren Weg habe ich mir mittlerweile reiflich überlegt und ihm wiederholt erklärt:
Erst will ich, das der Atlaswirblel gerichtet wird (ist mittlerweile geschehen und hat die Nackenschmerzen deutlich reduziert), dann will ich, das die, mittlerweile sehr stark gewordenen Hüftschmerzen mit Taubheitsgefühlen, orthopädisch abgeklärt werden (könnte ja theoretisch noch irgendwas mechanisch auf die Nerven drücken, da habe ich noch ein MRT Mitte Mai, dauert halt nur wieder leider sehr Lange, aber das ist ja nicht meine Schuld), sollte da nichts wesentliches gefunden werden, ziehe ich Muskelrelaxantien und etwas gegen die im Sommer todsicher wieder kommenden Restless Legs Symptome in Betracht, DANN erst werde ich eine Beratung in der MS-Ambulanz ins Auge fassen (denn was ich soll ich da, wenn ich nocht nicht alle Ergebnisse von Voruntersuchungen,Wirksamkeit von Medis etc. weiß?) und wenn das alles nichts Gescheites hervorbringen sollte, DANN ist eine weitere Therapie dran, die eventuell sogar Kesimptra heißen wird (aber auch dann mit den Vorimpfungen, die MIR sinnvoll erscheinen). Wenn das auch nichts ist, eventuell auch noch weitere und ganz am Schluss können wir auch noch versuchen zu ekalieren. Aber bitte alles mit Erhol-Pausen dazwischen.
Ich habe da, wie gesagt überhaupt gar nichts gegen einen Versuch einzuwenden. Aber erst, wenn alles andere erledigt ist. Ich bin es einfach Leid, immer alles gleich und sofort und möglichste noch alles auf Einmal machen zu sollen.
Es war bis jetzt nicht so rasend fortschreitend, das ein Jahr mehr das Kraut fett machen würde, es wird auch noch ein wenig länger aushalten. Punkt.
Denn was mir noch sehr missfällt ist es, das die Ärzte heutzutage darauf getrimmt zu sein scheinen, dem Patienten ein möglichst grausiges Bild seiner fortschreitenden Krankheit zu zeichnen, damit der Pharma-Rubel rollen möge ,statt sie mental aufzubauen und in ihrem gewählten Weg zu begleiten und zu unterstützen (gilt nicht nur für den Neuro. Auch bei anderen Ärzten muss ich mir mittlerweile eine Litanei an Vorsorgeunteruschungen anhören, die man ins Auge fassen könnte, man könnte ja, ganz versteckt, an irgendetwas absolut bösartigem leiden. Sei es nun der Gebärmutterhals-Krebs bei der Gynäkologin oder der Check 35 samt kostenpflichtigem Vitaminspiegel bei der Hausärztin. Ich mag mir gar nicht ausmalen was diese Horrorgeschichten bei älteren Personen mit labiler Psyche anrichten können. Und für die wirklich Kranken ist, oh Wunder, dann gar kein zeitnaher Termin mehr frei. Die können dann ja einfach gleich in die Notaufnahme).
Ein gutes Beispiel für das Problem, das ich mit Ärzten habe, ist der letzte Termin beim jährlichen Kopf-MRT:
Der zuständige Arzt in der Radiologie hatte eine winzige, neue Läsion entdeckt und mir erklärt, das ich das jetzt aber, um Gottes willen, bitte nicht überbewerten sollte, da diese eventuell auch schon vorher dagewesen sein könnte und nur übersehen wurde, da die Blder ja auch nicht immer 100% vergleichbar sind. Man hat hat ihm dabei angemerkt, das er mir das in einem sehr beruhigenden Ton beibringen wollte, damit ich auch ja nicht übereagiere.
Genau so habe ich es dann dem Neuro weiter gesagt und der HAT natütlich völlig überreagiert, die ganze Kesimptra- MS-Abulanz-sonstige Medikamente-Diskussion wieder lang und breit hervorgekramt und ich bin am Ende eilig aus der Praxis gelaufen, weil ich seinen bedauernden Blick in meinem Nacken, der ungefähr so aussah als würde ich gerade, sehenden Auges aber geistig verwirrt, in ein Minenfeld rennen, nicht mehr weiter ertragen konnte.
ICH bin nicht die, die ob der Diagnose ständig hysterisch zu werden scheint, noch muss man mich deswegen in Watte packen. Die Ärzte sind so.
Und wer sich jetzt denkt: Na da habe ich eventuell nur einen echt schlechten Neuro erwischt, den ich lieber wechseln sollte: Kann vielleicht sein, aber er ist deutlich näher als alle anderen und ich bin nicht mobil, noch gut zu Fuß für lange Bahnfahrten, noch sonderlich vermögend für lange Taxifahrten, ihr wißt ja, ich habe da so eine tückische Krankheit…
Ich könnte es zwar trotzdem mal mit einem Wechsel versuchen, aber mein jetziger Neuro nimmt schon jetzt gar keine Neupatienten mehr an, der Neue wird sicher auch ewig brauchen, bis ein Termin frei ist und am Ende kann es sein, das ich mir das dann nicht mehr überlegen und wieder zurück gehen kannn…