Liebe MS-Gemeinde,
ich stehe gerade vor einer wirklichen schwierigen Entscheidung bzw… eigentlich bin ich schon entschieden… ich muss wohl einfach mal kurz raus lassen, wie es mir geht. Keine lange Krankengeschichte, nur kurz: Nach schwerem Schub mit erheblicher Gangstörung die sich zum Glück wieder vollständig zurückbildete nach Plasmapherese vor 1 1/2 Jahren bekomme ich Tysabri. Seitdem bin ich DAUER krank. Ich habe einen Infekt nach dem nächsten, Blasenentzündung oder Hals/Nase/Ohr - immer so leichte Infekte, bei denen man sich einfach matt fühlt und Halsschmerzen und so… das dauert nun schon so lange an, ich bin einfach nur am Ende, das ist kein Leben!! Ich bin 39, stecke mitten in der Endphase meiner Doktorarbeit, habe Familie, 3 Kinder, gerade das Kitesurfen gelernt… ich will noch so viel und ich kann das Leben so schwer ertragen, ich schleppe und kämpfe mich durch den Alltag. Nun entschieden: ich setze die Basistherapie ab, mein Arzt wollte mich zu Kesimpta wechseln… aber eine Garantie dafür, dass es dadurch besser wird, kann er auch nicht geben. Aber ehrlich, mein Körper hat einfach nicht die Kraft, nun auch noch einen Therapiewechsel. Heute war der Arzt fast sauer auf mich: “Ja was wollen sie dann? Sie brauchen eine Basistherapie…” und ich habe gesagt: Aber so will ich nicht leben. Da nehme ich Schübe in Kauf, auch hole ich den Rollator wieder aus dem Keller… ich hatte gerade einen tollen Kitesurfen-Urlaub, bei dem ich mich, jetzt wo ich seit 3 Monaten von Tysabri weg bin, das erste Mal wieder fit gefühlt habe. Vielleicht war es das auch und es kommen Schübe und bleibende Schäden… ja ich bin mir dessen bewusst. Aber mein Leben unter Tysabri war auch kein Leben. Ich bin also entschieden und will erstmal aufhören. Keine BT. Muss doch auch keine Entscheidung für immer sein, oder? Erstmal eine Pause und sollte es dramatisch schlimmer werden, könnte ich ja doch wieder starten, oder? Nun hat er mich genötigt, mir eine zweite Meinung in einer MS-Ambulanz einzuholen, werde ich wohl auch machen. Aber es ist doch Pest oder Cholera und Pest hatte ich gerade und denke: Vielleicht habe ich jetzt auch ein paar gute Jahre, wer kann das schon sagen. Ich fühle mich erleichtert, die Entscheidung getroffen zu haben, aber ich fühle mich auch schuldig. Wenn ich wieder einen schweren Schub bekomme und meine Familie darunter leidet, dann mache ich mir Vorwürfe. Vielleicht ging es euch schon ähnlich? Ich will jetzt auch keine BT ja oder nein - Diskussion starten, ich begrüße den medizinischen Fortschritt und die Möglichkeit der BT. Nur muss man sie eben auch vertragen… dann ist es eine Abwägung der Lebensqualität. Liebe Grüße aus dem Land zwischen den Meeren




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