Hallo zusammen,
heute ging es mir psychisch richtig schlecht dabei, völlig fremdbestimmt zu sein bei einer Spaziergang durch den Wald. Mein Mann und mein Sohn hatten Zoff über den Weg, mein Mann ist einfach da lang gegangen, wo er wollte, mein Sohn ist uns dann heulend gefolgt und ich konnte nicht mit ihm einfach geradeaus gehen! Ich bin seit 8 Jahren im Rollstuhl, so krass war ich noch nie wütend darüber!
Und in zwei Wochen fahren wir eine Woche nach Paris. Da bin ich dann eine Woche lang meistens fremdbestimmt unterwegs. Ich habe ein mega schlechtes Gefühl bei dem Gedanken.
Ich denke, das einzige das helfen kann, ist mit meinem Mann darüber zu reden. Er wird meine Empfindungen wahrscheinlich als Nichtigkeit abtun bzw. sagen, dass ich selber Schuld bin, weil ich ja sagen könnte, was ich will. Nur wenn es etwas wäre, das er nicht will, würde er es wahrscheinlich auch nicht machen😐.
Liebe Verena,
ich denke, ohne daß Du sagst, was DU möchtest, wird´s nicht gehen und somit hat Dein Mann auch keine Chance, darauf einzugehen. Mit Deiner Annahme, welche Reaktion folgen könnte, tust Du ihm möglicherweise unrecht. Vielleicht nimmst Du den heutigen Vorfall zum Anlass für solch ein Gespräch, indem Du schilderst, in welchen emotionalen Zwiespalt Dich das gebracht hat.
Schließlich bist Du keine Zweijährige, die man im Kinderwagen nach eigenem Gutdünken durch die Gegend karren kann.
Mein Tipp: such das Gespräch und beginne damit, Dich zu bedanken für seine Fürsorge und bisherige Unterstützung und bleib bei Dir und dem Schildern, was Situationen wie heute mit Dir machen und verfalle nicht in Vorwürfe.
Alles Gute dabei und Grüße.
MiaH
Wie alt sind die Beteiligten
Liebe Verena, wie sieht es sonst mit der Abhängigkeit aus? Kannst du eine E Rolli alleine bedienen, hast du eine fremde Pflegekraft für Pflegehandlungen? Warst du einfach mal ohne deinen Mann im Urlaub? Oder hast du ein eigenes Auto, dass du fahren kannst?
Egal wie alt du bist, wie wünscht du dir das Leben, deine Eigenständigkeit?
Wenn ich was ändern wollte in dieser Situation, dann bräuchte ich Hilfe von außen, außerhalb der Familie, z. b. von einem Alltagshelfer. Alles Gute
Mit welchem Rollstuhl fährst du? Fährst du eigenständig oder schiebt dein Mann?
Mein Gedanke ist nämlich folgender: Ich selbst habe auch einen Rollstuhl, den ich eigenständig fahre (Rollstuhl mit elektrischem Zusatzantrieb in den Rädern). Wenn ich mich mit meiner Begleitung (in deinem Fall wäre das dein Mann) nicht einigen könnte, könnte ich die von mir bevorzugte Tour auch selbständig machen. Alleine im Wald wäre für mich nichts, aber zum Beispiel eine kleine Tour in Paris. Oder ähnlich.
Ich meine also folgendes: Vielleicht wäre ab und zu eine Trennung auf Zeit, zum Beispiel für ein paar Stunden, eine Lösung. Du könntest deine Tour machen, dein Mann seine. Und später trifft man wieder zusammen und hat sich was zu erzählen.
Hallo Verena
Ich bin auch im Rolli unterwegs und kenne das Gefühl, fremdbestimmt dadurch zu sein.
Das ist das übelste überhaupt. Ich tue alles dagegen.
Mir stellen sich einige Fragen:
Warum konntest du nicht einfach mit dem Rolli geradeaus fahren? Bist du im Wald durch den Rolli auf schieben angewiesen?
Dann niemals in den Wald. Kann dich keiner zwingen.
Was @Nalini sagt, stimmt absolut.
Wenn die Weltbeste und ich unterwegs sind, sie will durch die Kopfsteinpflaster-Hölle in irgendeiner Altstadt, sage ich viel Spaß dabei. Ich warte beim besten Konditor der Stadt gerne auf ihre Rückkehr, lass mir Fotos zeigen und bin damit zufrieden.
Beide müssen mit der Art und Weise der Ausflüge gut klar kommen und das vorher kommunizieren.
Noch ganz praktisch: kannst du dich gut selbstständig im Rolli bewegen? Wenn nicht, brauchst du etwas anderes.
Danke fuer deine Antwort.
Auf diesen Routen schiebt mich mein Mann.
Ich habe auch einen Rollstuhl mit elektrischem Zusatzantrieb (emotion-Räder), der ist ja nur leider sehr schwer und da es in Städten häufiger Situationen gibt, in denen er mich im Rollstuhl irgendwelche Barrieren schiebt/ Treppe hoch und runter schiebt (er sagt immer "wir sind geländegängig"
), sind die Räder für Paris nicht geeignet. Alleine schon, da wir mit einem ICE hin fahren und in dem Zusammenhang gehe ich auch nicht von kompletter Barrierefreiheit aus.
Aber in anderen Situationen sollte ich vielleicht häufiger mal darauf bestehen, dass wir den mitnehmen, auch wenn er mit ~40kg viel schwerer aus dem Kofferraum zu heben ist. Ach, ist alles nicht so einfach. Wenn ich mit dem emotion-Rollstuhl fahre, schiebt mein Mann mich ungerne, weil er da immer gegen die Rueckfallstuetzen detscht. Nur manchmal, wenn die Strecke zu lang wird, kann ich nicht mehr und es geht nicht anders… Muss dann vorher ziemlich genau planen, wir die Situation werden wird. Wenn wir mit unseren Kindern in einem Freizeitpark sind, nehme ich den Rollstuhl auf jeden Fall mit, um da autark zu sein, und da faehrt man ja nicht 500m am Stück.
Hallo Paule,
du hast recht, ich muss dann einfach mal sagen, “mach das so, viel Spaß dabei, aber ich bleibe hier”, statt mich in die totale “Schiebeabhaengigkeit” zu begeben.
Im Wald konnte ich nicht alleine fahren. Auch wenn ich es im Wald eigentlich mag (die Natur), ich lasse es zuliebe lieber. Es war eigentlich nie toll, wenn ich dahin mit war. Irgendwas hat mich heute geritten, so dass ich vorschlug, mitkommen.
Das ist die hohe Kunst, zu erkennen, was geht für mich heute.
Ist es okay, abhängig zu sein?
Wenn das mit dem Mann geklärt ist, kannst du darauf verweisen, wenn er meint sich wie ein Arsch benehmen zu müssen und ihn zurück zu pfeifen.
Versuch doch mal, mit ihm zu sprechen ohne gleich zu erwarten
Ihr könnt doch die Räder kurz ab und später wieder dran machen… dann ist alles vieeel leichter
Klein, leicht, handlich.
Ein Stück Unabhängigkeit?
Wenn ich den Rollstuhl im Auto transportiere, nehme ich immer die Räder ab. Wenn man die Steckachsen der Räder regelmäßig ölt, geht das schnell und unkompliziert. Ohne die Räder abzunehmen, würde ich es nicht schaffen, den Rollstuhl ins Auto zu hieven und wieder heraus, denn mein Rollstuhl wiegt zusammen mit den (auch e-motion-) Rädern ungefähr 30 oder 31 Kilo. In die drei Einzelteile zerlegt geht es aber relativ leicht.
Ich sehe, du hast ganz unterschiedliche Voraussetzungen und Bedingungen für die verschiedenen Aktivitäten, die ihr vorhabt. Ist wohl nicht so einfach… Ich drücke dir die Daumen, daß du es trotzdem irgendwie schaffst, etwas mehr Unabhängigkeit bei deinen Touren umzusetzen.
Danke, wird schon Irgendwie klappen.
Ich glaube, ich muss meine Erwartungen da auch einfach runterschrauben.
Ich war als Fußgängerin schon 2x in Paris und es war beide Male sooo toll! Dieses Mal wird es einfach anders werden. Alleine schon, weil wir jetzt mit unseren (fast)Teenager-Zwillingen (12) fahren
Kannst du noch den einen oder anderen Schritt selbständig machen?
Dann würde ich mir Shitmans Link aber genauer zu Gemüte führen!!
Mit dem Rollator zum Glück schon noch. Bei meiner KG gehe ich mit ihrer Unterstützung sogar immer die Treppe in den 1. Stock hoch💪.
Dann ist der Travelscoot ne feine leichte Lösung.
Ich habe für größere Touren ein Rollstuhlzuggerät von Batec. Bei dem ist super, dass man den Rollstuhl abkoppeln kann und dann auch unproblematisch Innenräumen betreten kann. Mit dem Travelscoot stelle ich mir das nicht so einfach vor… Mal angenommen, ich bin zuerst in irgendeiner Innenstadt unterwegs und möchte dann in ein kleines Café, wird das schwierig, oder?
Warum nimmst du denn nicht das Batec für den Wald?
Genau dafür habe ich es, es ist wunderbar geländegängig.
Vielleicht ist das Problem ja nicht an erster Stelle ein Problem des Hilfsmittels.
Wie meinst du das genau?
Vielleicht magst du das nochmal genauer erklären.
Fürs erste kann ich dir jedenfalls sagen, dass der Travelscoot ideal für deinen Paris-Trip wirkt.
Da wirst du dann komplett selbstständig herumflitzen.
Du wirst damit sicher gut umgehen können, denn ich selbst schaffe es kein ganzes Stockwerk mehr zu Fuß hoch, aber mit dem Travelscoot war ich trotzdem alleine in China, Südkorea, England und Estland.
Ging alles (meist) problemlos.
Mir hat mal jemand erzählt, dass seine Frau und er total froh sind über den Travelscoot während dem Sightseeing.
Er hatte zwar überhaupt kein Problem damit, seine Frau im Rollstuhl zu schieben.
Aber seit sie im Travelscoot neben ihm fahren kann, sei das ein ganz anderes gemeinsames Erleben.
Das geht aber auch mit einem Rollstuhl mit e-motion-Rädern oder mit einem Rollstuhl mit Zuggerät, beides Geräte, die Verena bereits hat.
Ich fahre mit meinem Rollstuhl (mit e-motion-Rädern) auch oft neben meinen Gesprächspartnern, und seit ich die Geschwindigkeitserhöhung habe
muss ich aufpassen, diesen nicht zu schnell zu werden…