Hallo,
ich war letzte Woche bei meinem Neurologe und habe ihn auf Mavenclad Cladribin angesprochen.
Er empfiehlt das nur bei ppms als Eskalationstherapie.

In meinem Fall ist es inzwischen (seit Beginn Wechseljahre) von schubförmig in spms übergegangen.

Es sollte Nutzen/Wirkung/Risiko abgewägt werden und bei mir würde er das Risiko der Nebenwirkungen bei Mavenclad Medikament nicht befürworten.
Auch unter Beachtung meines Alters, wo das Immunsystem sowieso schwächer wird.
Auch liegt inzwischen mein Edss Wert über 6 und da sagt die Statistik keinen wirklichen Nutzen mehr…

Aber mein Bauchgefühl will es mit marvenclad probieren…

Bekommt es jemand von euch, auch wenn er schon im Rollstuhl sitzt und um die 60 Jahre ist ?

Wie war damit eure Erfahrungen ?

2 „Gefällt mir“

Ich würde ggf. eine Zweitmeinung einholen. Am besten bei einer MS-Ambulanz, dort sitzen MS-Spezialisten! Egal wie lang ich den Neuro bereits kenne und vielleicht auch schätze. Die eigene Gesundheit hat Vorrang. Du musst mit MS leben, dein Neuro nicht und du kennst deinen Körper auch besser als jeder Arzt.

Hab es vor drei Jahren auch so gemacht. Meine Neurologin war mir sehr sympathisch, wollte mir aber kein Kesimpta verschreiben. Die MS-Ambulanz hatte dagegen Verständnis und sah kein Problem mir meine Wunschtherapie zu verschreiben. Die meinten sogar, dass ihre Erfahrung zeige, dass ich genau richtig handle.

Die von @Elisabeth89 verlinkte Studie vom international anerkannten MS-Profi Giovannoni würde ich ausdrucken, meinem Neuro vorlegen und ggf. auch zur MS-Ambulanz mitnehmen. Demnach zeigt Mavenclad/Cladribin auch bei PMS (SPMS & PPMS) Wirkung und das auch bei höherem EDSS.

“Cladribine has shown efficacy at all stages of MS.”

“Personalised dosing of cladribine avoided severe lymphopenia in all but one patients and was very well tolerated across a large spectrum of disease severity.”

1 „Gefällt mir“

Eigentlich der verkehrte Ansatz. Eskalation bei starker Aktivität sollte CD20 sein. Cladribin ist deutlich besser für eine langfristige Stabilisierung geeignet mit vergleichsweise geringen Nebenwirkungen. Das beweisen mittlerweile auch entsprechende Studien.

Es ist ein sinnvoller Ansatz, gerade wenn man in die Progredienz übergegangen ist, da es liquorgängig ist und sowohl B- als auch T-Zellen im ZNS absenkt.

2 „Gefällt mir“

Hallo,
ich danke euch sehr für die hilfreichen Antworten. Das bestärkt mich und macht mein Bauchgefühl noch stärker :+1:t2:
Nach dem MRT Termin spreche ich meinen Neurologe nochmal an und wenn er es immer noch nicht befürwortet werde ich versuchen eine Zweitmeinung zu holen

2 „Gefällt mir“

:+1:

Mavenclad ist in deinem Fall genau das richtige Bauchgefühl. Etwas muss dazu den Ausschlag gegeben haben. Also woher dieses Bauchgefühl? Zugegeben, bin von Natur aus neugierig! :wink:

BTW: Ich selbst plane auch einmal Mavenclad zu nehmen. Hab vor damit zu deeskalieren (bin hochwirksam mit Anti-CD20 gestartet, verfolge das “Hit hard and early Prinzip” und “Flipping the pyramid”). Cladribin hat sowohl kurz-, als auch langfristig ein sehr überzeugendes Risikoprofil (langfristig deutlich weniger riskant als Anti-CD20-Therapien, siehe u. a. hier). Es überwindet die Blut-Hirn-Schranke (was neben Teriflunomid sonst kein anderer, zugelassener MS-Wirkstoff kann) und das Immunsystem kann sich mit Mavenclad immer wieder erholen bzw. rekonstituieren (keine ununterbrochene Immunsuppression). Insbesondere sehr gut geeignet für MS nach der besonders aktiven und entzündlichen Frühphase.

3 „Gefällt mir“

Ich hab keine Ahnung warum das jetzt mein Bauchgefühl ist. Es macht da ja was will :joy:

2 „Gefällt mir“

In nordeuropäischen Ländern wie in Norwegen wird bei den Vorgaben zur therapeutischen Patientengersorgung übrigens kommunikativ weniger rumgeeiert. Dort sind die Empfehlungen durch klare Kosten-Wirkung Berechnungen entanden und sehen entsprechend vor, dass den Patienten zunächst die CD20 Therapie empfohlen werden soll. Wenn diese aufgrund von Nebenwirkungen oder anderen Umständen abgesetzt werden muss, ist die klare Empfehlung, danach mit Cladribin fortzufahren.

Eigentlich erfrischend zu sehen, wie andere Länder die Patientenversorgung angehen in Zeiten von Problemen bei der Finanzierung der Gesundheitssysteme. In anderen Ländern wird der einen Seite die Grundversorgung reduziert, auf der anderen Seite bleibt es aber völlig ok, wenn Neurologen mit Patienten ergebnisoffene Gespräche zu möglichen Folgetherapien führen können, die jährlich Kosten in 6-stelliger Höhe verursachen.

Niemandem wird dort die Möglichkeit genommen, eine individuell angepasste Therapie zu erhalte basierend auf den persönlichen Umständen. Diskussionen sollten aber eher so ausgerichtet sein, dass man begründet, wieso abgewichen wird von einer Versorgung, die aus Sicht der Gesamtheit am Sinnvollsten ist und nicht zunächst über individuelle Preferenzen oder persönliche Vorstellungen zu möglichen Nebenwirkungen referiert.

Es wird aber ausschließlich Rituximab gegeben. Die jährlichen Kosten liegen in Deutschland dafür dann bei 3.000 €-4.000€, wenn man voll auf Generika geht, geht dass dann für weniger als 1.000€ im Jahr…

Vielleicht kommen die bei uns auch mal daruf, das nur noch Rituximab gegeben wird, anstelle der teuerern CD-20 Therapien wie Ocrevus, Briumvi und Kesimpta…

Auch Cladribin gibt es noch als Onkologische Therapie als 10mg Injektion, die nur ein 1/4 kostet, im Vergleich zur MS 10mg Tabletten Variante.

So gibt es noch weitere Wirkstoffe, die bei MS oder anderen Krankheiten um einiges mehr kosten, als die Therapie in der Onkologie (wo die ursprünglich herkommt).

Grüße
LucyS

Nicht mal ein Viertel. Merck verkauft das Generikum für €161/100 mg und macht damit dennoch einen Profit…

Die skandinavischen Länder haben von Angang an auf die generischen Alternativen wie Rituximab gesetzt was die Nutzung der anderen Therapien nicht ausschließt. Die Diskussionen sind dort einfach anders gelagert.

In Deutschland fängt man langsam an mit einfachen Wirkstoffen wie 4-Aminopyridin. Für Fampyra gibt‘s z.B. keine Zuzahlungen mehr obwohl der Hersteller den Preis mittlerweile auf ein zehntel des ursprünglichen gesenkt. Bei Tecfidera und anderen Therapien bald ohne Patentschutz sollte es nicht anders ablaufen.

Man sollte aber an beiden Seiten der Handelskette ansetzen um eine wirkliche Wirkung zu haben: beim Angebotspreis und der Nachfragesteuerung.

Hi Marc696,

die rechtliche Lage in Skandinavien ist eine andere, als in Deutschland.

Hier muss mein Medikament für eine Krankheit zugelassen sein, damit die Krankenkassen es bezahlen, dort ist das anders geregelt,auch die Haftungsgrundlagen sind andere.

Daher können die Ärzte auch viel kostenorientierter Arbeiten als in Deutschland.

Grüße
LucyS

Ist dem so? Ich kann keine Hinweise darauf finden, dass in Norwegen Ocrevus, Kesimpta oder Briumvi nicht angewandt würden.

Hoffentlich nicht!

Die haben jeweils ihre Vorteile und daher auch eine Berechtigung ggü. Rituximab.

Höhere Preise für weiterentwickelte Medikamente sind nicht ungewöhnlich. Die Krankenkassen sparen dennoch enorme Summen wenn moderne CD20-Therapien verschrieben werden, anstelle nicht mehr zeitgemäßer und nur schwach wirksamer Uralt-Präparate, die zum Teil drastisch teurer sind als moderne CD20-Therapien.

Rituximab ist nicht für MS zugelassen. Außerdem ist bekannt, dass der Antikörper zu schweren, sekundären Immundefekten führen kann. Es ist auch nicht das Gleiche wie Ocrevus. Im Gegensatz zum chimären Maus-Protein-Antikörper Rituximab ist Ocrevus zu 90 % humanisiert, was dazu führt, dass der Antikörper vom menschlichen Immunsystem weniger als fremd erkannt wird, was die Gefahr einer Zerstörung des therapeutischen CD20-Antikörpers durch das Immunsystem deutlich reduziert. Außerdem hat Ocrevus einen optimierten ADCC/CDC Depletionsmechanismus und bindet an anderem Epitop an CD20. All diese Optimierungen führen zu höherer Verträglichkeit bei gleichzeitig verbesserter Depletion.

Kesimpta und Briumvi haben jeweils ebenfalls ihre ganz eigenen Optimierungen / Weiterentwicklungen ggü. Rituximab.

Das hochwirksame Kesimpta kostet mit 15.960,04 € pro Jahr erheblich weniger als z. B. das nur schwach wirksame Rebif Interferon 44 mit 28.809.47 € Jahreskosten. Außerdem ist Kesimpta deutlich verträglicher als Rituximab, da es a) ein zu 100 % voll humaner Antikörper ist, b) durch die monatliche Gabe eine um Größenordnungen niedrigere Dosierung ausreichend ist (der Organismus wird entsprechend weniger mit fremden Antikörpern belastet) und c) keine Prämedikation benötigt wird, die ihrerseits zu Unverträglichkeiten und Nebenwirkungen führen kann.

Nein, man sollte nicht auf bald 30 Jahre alte, überholte Off-Label CD20-Antikörper aus der Krebsbehandlung zurückgreifen, wenn es heute auf MS spezialisierte, deutlich verbesserte CD20-Therapien mit höherer Wirksamkeit, höherer Verträglichkeit und weniger Langzeitrisiko gibt. Die Krankenkassen würden trotzdem unmittelbar enorme Kosten sparen, wenn sie direkt mehr CD20-Therapien finanzieren, als überholte und überteuerte Basismedikation mit viel weniger Wirkung auf die MS-Erkrankung. Zudem senken CD20-Therapien weitere Kosten, weil dank ihrer hohen Wirksamkeit deutlich weniger behandlungsbedürftige MS-Folgeerscheinungen auftreten.

Es ging ursprünglich zunächst darum festzuhalten, dass Therapiegruppen entsprechend ihrer Wirksamkeit in einer bestimmten Sequenz den Patienten vorgeschlagen werden.

Ja, die Erstattungslogik läuft anders bei Rituximab da es kein Generikum, sondern ein Biologikum ist, das off-label eingesetzt wird.

In Deutschland der Arzt beim Off-Label-Einsatz die volle haftungsrechtliche Verantwortung und die GKV-Erstattung ist an sehr strenge BSG-Kriterien geknüpft, und der G-BA-Prozess zur Aufnahme in die Arzneimittel-Richtlinie ist langwierig.

Skandinavische Ärzte können dagegen pragmatischer vorgehen, weil die Haftungsstruktur und die Erstattungslogik ihnen mehr Spielraum lassen.

Wenn man die Strukturen umorganisieren wollte, dann müssten natürlich bewährte off-label Biologika entsprechend schneller in die Erstattungsfähigkeit übergeführt werden und Haftung auf mehrere Schultern verteilt werden, und Registerdaten – die Deutschland übrigens auch hat – endlich als Entscheidungsgrundlage nutzen. Schweden macht es vor.

Hi Cosmo,

lies dir doch einfach den Artikel durch den Marc696 gepostet hat.

Dort geht es um die Kosten-Nutzen Bewertung von unterschiedlichen MS Therapien.
(Nutzen = Schubreduktion)

Als CD20 Therapie wurde dabei ausschließlich Rituximab betrachtet.

Andere CD-20 Therapien würden wahrscheinlich in der Kosten-Nutzen Analyse deutlich schlechter ausfallen als Rituximab (und Biologika).

Es gibt etliche Gesundheitssysteme, da fließen in die Auswahl der Behandlung die Kosten mit ein, zudem werden auch das Alter und die Lebenserwartung mit berücksichtigt.

Grüße
LucyS

Woher der Rückschluss, dass andere CD20 Therapien in Norwegen nicht mehr möglich sind?

Es bestehen klare Vorgaben zur Behandlung von möglichen Nebenwirkungen. Wenn es sich um ein Therapieversagen handeln würde wäre es sowieso zunächst angebracht zu prüfen, ob Cladribin in Frage kommen kann.

Es wäre daher eher interessant zu verstehen, wie oft derart starke Nebenwirkungen auftreten, dass sämtliche Möglichkeiten zur Behandlung versagen und dass dann trotz therapeutischer Wirkung keine weiteren CD20 Therapieoptionen genehmigt werden.

Die Abbrecherquote liegt im niedrigen einstelligen Bereich und das beinhaltet sowohl Abbruch wegen NW als auch wegen Therapieversagen.

Wenn das jedenfalls ein ernsthaftes Problem in den vergangenen 20 Jahren gewesen wäre, hätte man es sicherlich mitbekommen.

Ich hatte Marcs Beitrag gelesen. Aber die moderneren CD20-Therapien fallen mitunter eben schon auch sehr gut aus, was Kosten-Nutzen anbelangt.

Bei den Kosten für Rebif 44 hatte ich mich sogar noch schwer verrechnet. Die Jahreskosten des Beta-Interferons belaufen sich nicht auf 28.809,47 €, sondern auf unfassbare 86.428,42 € (12 Patronen reichen 4 Wochen und kosten 6.648,34 €).

Damit kostet ein Rebif-Anwender die gesetzlichen Krankenkassen allein für die Immuntherapie jedes Jahr mehr als dreimal so viel wie ein Ocrevus-Anwender und mehr als fünfmal so viel wie ein Kesimpta-Anwender! Im Gegenzug sind beim Rebif-Anwender Schubrate und Behinderungsprogression höher, was zu weiteren, erhöhten Kosten führt. Irre!

Kesimpta ist nicht viel teurer als z. B. Aubagio oder Tecfidera, reduziert aber Kosten für Schubbehandlungen, Krankenhausaufenthalte, Reha-Maßnahmen, Physiotherapie etc., da die MS effektiver gebremst wird. Man müsste mal nachrechnen, was Patienten mit Eskalationstherapie im Schnitt auf 10 Jahre an Kosten verursachen versus Patienten, die von Anfang an eine CD20-Therapie machen. Letztere kommen für das Gesundheitssystem wahrscheinlich günstiger. Würde ich zumindest vermuten.

In dem Artikel / Studie ging es ausschließlich um Rituximab und was dann im Anschluss das beste Kosten-Nutzen Verhältnis hat…

Hier geht es aber NUR um Rituximab und welche Therapie im Anschluss ein gutes Kosten-Nutzen Verhältnis hat.
Als Anschlusstherapie gab es Fingolimod, Ponesimod, Cladribin-Tabletten oder Natalizumab.

" Abstract

Background:

The Norwegian guideline recommends highly effective disease-modifying therapies (DMTs) as the first line treatment for multiple sclerosis (MS), with rituximab preferred in clinical practice. While rituximab is effective, patients may discontinue due to side-effects or develop disease activity. Limited guidance exists on optimal switches following first line rituximab.

Objectives:

To estimate the costs and effects of different treatment sequences following first line rituximab in relapsing remitting MS patients in Norway.

Design:

A microsimulation model adapted to the Norwegian setting estimated outcomes for different treatment sequences following first line rituximab. Four neurologists were interviewed using a structured expert elicitation tool to inform switching behavior. The model allowed for three treatment lines after rituximab, with switches possible to fingolimod, ponesimod, cladribine tablets, or natalizumab."

Oder von google ins deutsche:
"Hintergrund:

Die norwegische Richtlinie empfiehlt hochwirksame krankheitsmodifizierende Therapien (DMTs) als Erstlinienbehandlung für Multiple Sklerose (MS), wobei Rituximab in der klinischen Praxis bevorzugt wird. Während Rituximab wirksam ist, können Patienten aufgrund von Nebenwirkungen abbrechen oder eine Krankheitsaktivität entwickeln. Begrenzte Führungen bestehen auf optimalen Schaltern nach der ersten Zeile rituximab.

Ziele:

Um die Kosten und Auswirkungen verschiedener Behandlungssequenzen nach der ersten Zeile Rituximab bei rezidivierenden remittierenden MS-Patienten in Norwegen abzuschätzen.

Design:

Ein Mikrosimulationsmodell, das an die norwegische Einstellung angepasst ist, schätzte die Ergebnisse für verschiedene Behandlungssequenzen nach der ersten Zeile Rituximab. Vier Neurologen wurden mit einem strukturierten Experten-Erziehungswerkzeug interviewt, um das Schaltverhalten zu informieren. Das Modell erlaubte drei Behandlungslinien nach Rituximab, mit Schaltern, die auf Fingolimod, Ponesimod, Cladribin-Tabletten oder Natalizumab möglich waren."

Ist im Original ganz informativ, vor allem, weil es auch etwas über das norwegische Gesundheitssystem aussagt.

Grüße
LucyS

Jetzt wäre es interessant zu Wissen, welche Vorgaben das norwegische Gesundheitssystem mit Corona ausgegeben und angewendet hat.
Ob @Cosmo da auch den Lobpreis singt??

In Norwegen läuft wegen der unterschiedlichen Kosten eine Vergleichsstudie zwischen Rituximab und Ocrevus, wenn ich den norwegischen Text für Patienten richtig verstehe, noch bis 15.10.2026 für 18- bis 60-Jährige mit einem EDSS unter 4.

The OVERLORD-MS study - Neuro-SysMed English The OVERLORD-MS study - Neuro-SysMed English

Kleiner Denkfehler,

Eine Patrone Rebif44 enthält 3x44µg Interferon Beta 1a.

12 Patronen reichen also 12 Wochen!

Grüße
LucyS