Hallo Zusammen,

wie der Titel schon sagt, frage ich mich an Hand meines Verlaufs ob ich im Übergang zu SPMS bin und ich ggf. eine Zweitmeinung (Neuro) in Anspruch nehmen sollte. Dazu mal eine „kleine“ Zusammenfassung meines Verlaufs:

Ich bin nun seit 10 Jahren im Club und kriege seit Ende 2017 Tysabri (auch schon länger subkutan) und bin seitdem schubfrei. Auch das MRT ist stabil, keinerlei Veränderung erkennbar.

Bis dahin habe ich auch immer eine gute Schubrückbildung gehabt, teilweise sogar komplett symptomlos, bzw „nur“ Aufflackern von Kribbeln oder leichten Schmerzen in den Beinen. Die Probleme in den Beinen sind nun seit ca. 3 Jahren relativ oft ein Begleiter geworden. Mal kribbeln sie, mal zuckt und zwickt es und mal werden meine Beine schwer, hart und schmerzen auch.

Ich merke das vor allem auch im normalen Sitzen, bspw. im Zug wenn man relativ gerade sitzt. Laut meinem Neurologen ist es auch keine Spastik, die Nervenleitgeschwindigkeiten o.Ä. sind auch ohne Befund.

Seit 1-2 Jahren sind meine Probleme in den Beinen abhängig von der Tagesform jedoch eigentlich immer da und werden in den letzten Monaten auch deutlich spürbarer. Schmerzen nehmen vor allem nach Belastung zu und lassen mich auch schwerer einschlafen. Dann hilft mir auch nur noch mich hinzulegen, weil selbst das Sitzen im Stuhl sehr unangenehm ist.

Inzwischen bin ich auch vom Schlafen nicht mehr erholt oder wache müde auf, muss häufig meine Augen reiben und mich mehr und mehr durch die Tage durchkämpfen. Noch vor 1 Jahr konnte ich auch mal 2 Tage beruflich verreisen und kam einigermaßen entspannt wieder nach Hause. Heute ist es so, dass ich am zweiten Tag schon total fertig bin und froh bin zu Hause anzukommen. (wenige Stunden Autofahrt und zwei Arbeitstage im Büro).

Außerdem bin ich schneller erschöpft, brauche öfter Pausen und es dauert länger mich zu erholen. Eine verkürzte Gehstrecke habe ich zwar nicht, aber es wird immer anstrengender. Schon wenige Minuten Stehen und meine Füße brennen und schmerzen extrem.

Das alles wirkt sich leider auch immer häufiger auf mein Berufs - und Privatleben aus, da meine Konzentration und Gedächtnis nachgelassen haben. Ich kann einfachen Erzählungen schwerer folgen und mir deutlich weniger Details einprägen. Stress und Tagesform beeinflussen das auch immer mehr.

Und nun zum eigentlichen Thema meines Threads: Mein Neuro schenkt dem Ganzen recht wenig Beachtung. Er vermutet hier keinen direkten Bezug zur MS, sondern höchstens irgendeine Art „Reaktives Verhalten“ meines Körpers. Laut ihm passt das nicht richtig zur MS bzw. zu einer progredienten Verschlechterung, da es davor keinerlei Veränderung im MRT oder einen erkennbaren Schub gab. Und für SPMS müssten auch motorische Ausfälle/Einschränkungen vorhanden sein. Aber er möchte ein nächstes MRT abwarten…

Ich empfinde das als sehr frustrierend, da ich inzwischen deutliche Symptome habe, die mein Leben erschweren. Die meisten Probleme sind ja auch nicht messbar, aber sowas wie Gedächtnistests o.Ä. macht er aber auch nicht.

Wie seht ihr das? Klingt das nach einem „MS-typischen“ Verlauf oder einer schleichenden Verschlechterung auch ohne vorherigen Schub? Ich überlege einfach mal zum Hausarzt zu gehen, mich gründlicher durchzuchecken und damit zu einem anderen Neurologen zu gehen. Ich möchte auch gar nicht unbedingt von Tysabri weg sondern gehört werden. Sollte das immer mehr werden könnte ja auch mein bestehender GDB erhöht werden.

Viele Grüße
Walter

Ich prognostiziere, dass du jetzt zig Antworten bekommen wirst, die dir bestätigen, dass dies durchaus einen direkten Zusammenhang mit MS hat.

Das würde ich auch nich von der Hand weisen, ABER hier schaukelt man sich diesbezüglich gegenseitig gerne auf. Dann schreiben Leute, dass sie nach vielen Stunden Autofahrt nicht mehr ganz so aufmerksam seien (das passiert offenbar ausschließlich MSlern), wenn sie Bücher lesen, schweifen sie manchmal im Gedanken ab (hat offenbar nichts mit genereller Aufmerksamkeitsspanne, sondern ausschließlich mit MS zu), Leute werden vergesslicher (kann auch nur an MS liegen, aber nicht am Alter oder anderen Gründen …).

Du wirst jetzt einfach vieles lesen, was dir persönlich auch schon widerfahren sein kann, aber ich würde mich davor hüten alles auf die MS zu schieben und damit jegliche Kontrolle gefühlt abzugeben …

Wobei, wenn dein Neurologe dich einfach nicht ernst nimmt, dann ist natürlich ein Wechsel immer überlegenswert.

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Danke dir für deine Antwort.

Ja, davon gehe ich auch aus. Ich wollte auch gerne eine Diskussion, da ich natürlich weiß dass jede MS auch anders ist und vielleicht auch nur Teile damit zusammenhängen.

Vielleicht sollte ich noch ergänzen, dass ich erst 32 Jahre alt und somit noch nicht sooo alt bin um darüber alles erklären zu können. Gerade was jetzt meine Erschöpfbarkeit, Belastbarkeit und Vergesslichkeit im Laufe eines Jahres betrifft, kann ich mir einfach nicht vorstellen dass es jetzt am Alter liegt :slight_smile:

Es ist einfach nicht so, dass ich “mal” etwas vergesse was ich machen wollte, sondern wirklich gerade erst gesprochenes wieder vergesse. Der beste Freund erzählt einem etwas und man kann sich nicht an den genauen Inhalt erinnern. Nur: “Da war ja was” aber man weiß nicht was da war.

Ich finde es ist auch einfach schwer, seine Geschichte zu erzählen ohne direkt einen Roman zu schreiben :smiley:

Und ja der Neuro bezweifelt sogar, dass die Fatigue von der MS kommt.

Finde auch die Frage spannend, braucht es für Progredienz tatsächlich Schübe? Oder kann die MS auch nach Jahren ohne Schub plötzlich schlechter werden?

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Eine Zweitmeinung kannst du dir immer holen, ich würde das auch beherzigen. Allerdings solltest du vllt die Hoffnung runterschrauben, dass ein anderer Neuro da wesentlich einfühlsamer sein wird. Letztendlich ist die Frage, was du dir vorstellst? Du bist ja jetzt schon unter einer wirksamen Therapie und Schübe oder neue Herde hast du nicht. Dass es sich trotzdem kontinuierlich verschlechtert (gefühlt für dich) KANN tatsächlich schon der Übergang in SPMS sein, MUSS aber nicht. Ich verstehe auch nicht, wie man diesen genau feststellt. Da können vllt andere User was dazu schreiben. Alles auf die MS zu schieben sollte man natürlich nicht, da hat @Austrian_MS_Blogger schon Recht. Allerdings wird man mitunter auch von den Ärzten, sobald sie die Diagnose wissen, in diese Schubladen gesteckt.
Du kannst auch sonst einen Check-Up beim Arzt machen in Bezug auf Blutwerte/Vitamine etc.

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Ich würde gerne wissen, woher meine Verschlechterung (falls MS) oder Probleme herkommen. Es muss ja eine Ursache geben, dass ich nicht mehr so belastbar bin, mehr Pausen brauche, länger zum Erholen etc. Dann kann man auch gezielter vorgehen um es zu verbessern.

Und wenn es tatsächlich von der MS kommt, geht es mir auch um den Aspekt, dass es einfach bekannt ist und sollte es irgendwann viel schlimmer werden und ich bei der Arbeit kürzer treten muss ich etwas in der Hand hab, GBD etc.

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Neurologen tun sich oft schwer mit Symptomen, die man weder im MRT sehen noch auf irgendeine Weise messen kann. Bei Fatigue käme vielleicht auch eine Depression als Ursache in Betracht.

Ernst nehmen solltest du diese Verschlechterungen auf jeden Fall. Für gründliche Tests, die auch kognitive Fähigkeiten messen, wäre vielleicht eine MS-Ambulanz oder eine Reha besser als die Zweitmeinung eines “Feld-Wald-und Wiesen” Neurologen.

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Hallo Walter!

Zwischen den Schüben kann es auch schon eine schleichende Verschlechterung geben. Das nennt sich PIRA. Vielleicht ist das, was du bemerkt hast, am ehesten damit zu erklären.

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Ja richtig. Aber es sind die gleichen Mechanismen eigentlich. Später gibt es bei RRMS keine Schübe und Nichts neues im MRT sondern nur die Neurodegeneration, das ist dann SPMS. Letztendlich gibt es aber diese Neurodegeneration von Anfang an auch wenn man noch viele Schübe und neue MRT Aktivität hat.

Ja, auf jeden Fall

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Hi Walter,
hast du schon mal deinen TSH wert messen lassen und per Ultraschall deine Schilddrüsen beim Arzt gescannt?
Konzentrationsprobleme, Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, Abgeschlagenheit war bei mir ein weiteres Symptom von Hashimoto.
Ein wenig Aspirin kann auch nicht schaden das Ephedrin kommt durch die BHS und gibt Energie. Aber keine Empfehlung, Leistungssportler ist es untersagt die zu nehmen, da es unter Doping fällt.
VG gute Besserung :+1:

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Hallo, die Diagnose SPMS wird immer an der Gehfähigkeit festgemacht und kann daher nur in der Rückschau erfolgen. War Auskunft meines Neuros.
Problematisch finde ich sowas vorweg anzugehen, denn sobald Du den Wechsel schwarz auf weiß hast, müsste dann wohl ein Mediwechsel erfolgen? Mit off-Label Behandlungen tun sich KK schwer beim Bezahlen und Du willst ja bei Tysabri bleiben. Die Auswahl bei SPMS ist nicht groß, falls gar keine Schübe mehr vorhanden sind.
Um das zu erfahren, müsste man wohl absetzen und wer will einen neuen Schub riskieren, nur um ein paar Buchstaben auf nem Befund zu haben und vielleicht 10 mehr GdB?

Viele Grüße, Binci

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Hi Andy,
TSH wurde schon bestimmt, ist in der Norm. Ultraschall ist aber auch noch geplant. Werde ich als nächstes angehen, macht zum Glück die Hausärztin selbst.

Danke und LG Walter

Hallo Binci,

bei mir wäre der Sprung von GDB 40 auf GDB 50 was einen Schwerbehindertenausweis uvm. bedeuten würde. Das macht dann schon einen Unterschied wie ich finde. Ich möchte das auch eher für mich beurteilt wissen, ob jetzt SPMS, RRMS oder was anderes ist mir eigentlich auch egal. SPMS muss dann ja auch nicht irgendwo stehen wenn es noch nicht klar ist und ggf. Therapien erschweren würde (sofern sinnvoll). :slight_smile:

Hallo Walter,

ich finde mich in vielen Dingen wieder, die du beschreibst (Erkrankungsdauer, Therapie und Probleme).
Mir persönlich hat eine ambulante, neuropsychologische Therapie sehr geholfen. Wäre das etwas für dich?

VG
cran

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Hi Walter,

ich kann dir natuerlich keine definitive Antwort geben, da ich mich nicht so gut auskenne. Allerdings kann ich mir vorstellen, das so langsam das Alter mitreinspielt. 32 ist noch immer sehr jung, aber mit MS merkt man Veraenderungen einfach schneller und leichter. Abgesehen mal davon: Sizt du viel oder hast du eine schlechte Haltung? Vielleicht ist Physiotherapie eine gute Idee, mir hilft das sehr. Yoga/Pilates ist ebenfalls sehr hilfreich. Achte ansonsten auf Stressreduktion. Dauerhafter Stress macht muede und verschlimmert die Syptome.

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Ja,so isses

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Hallo Walter,

ich gebe meinen Vorrednern Recht - man muss aufpassen, dass man nicht alles der MS anlastet. Deshalb würde ich alle anderen „Verdächtigen“ checken lassen - Schilddrüse, Herz-/Kreislauf… Aber wenn da alles i. O. ist, kann es sich durchaus um Fatigue handeln als separates Symptom der MS, die sich allerdings nicht als Herd/Schub bemerkbar macht, sondern entwickelt. Ich habe das - nach jahrelangem „mehr Sport, mehr Fitness, ReissDichZusammen, etc.“ im Rahmen einer REHA (mit ausgewiesenem Leistungsangebot Fatigue) letzten Oktober mittels neuropsychologischer Test´s objektivieren lassen und hab darauf inzwischen einen GdB von 50.
Beste Grüsse
MiaH

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Hallo cran,
was kann man sich unter einer solchen Therapie vorstellen?

Bin Büroarbeiter und zwei mal die Woche 1Std einfach pendeln, also ja sehr viel Sitzen. Stressreduzieren ist zusätzlich mit einem Kleinkind natürlich nicht so leicht aber ich versuche schon viel Ausgleich zu schaffen. :slight_smile:

Hallo Mia,
hatte erst einen Checkup beim Hausarzt, aber da wird natürlich auch eher oberflächlich geprüft. Blutdruckmessung, Großes Blutbild inkl. Fette, Herz, Lunge abhören etc. Da war alles in der Norm. Aber sowas wie Schilddrüsen-Ultraschall, evtl. 24 Stunden Blutdruck oder so ist auf jeden Fall mal sinnvoll.
Würde auch gerne mal mehr Vitamine und Nährstoffe testen lassen.

LG Walter