Auch wenn EBV möglicherweise „nur“ als Trigger fungieren sollte, was weiterhin Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion ist, könnte eine wirksame Impfung das MS-Risiko potenziell deutlich reduzieren, indem sie die Primärinfektion verhindert.
Aktuelle große epidemiologische Studien zeigen eine sehr starke Assoziation zwischen einer EBV-Infektion und der späteren Entwicklung von Multipler Sklerose. Bislang wurde praktisch kein MS-Fall ohne vorherigen EBV-Kontakt dokumentiert. Dennoch bedeutet Assoziation nicht zwangsläufig Kausalität, auch wenn die Datenlage zunehmend für eine zentrale Rolle von EBV spricht.
Ein möglicher Grund dafür, dass es bisher keine kurative Therapie gibt, könnte in der Persistenz des Virus liegen. EBV verbleibt lebenslang im Körper, hauptsächlich in Gedächtnis-B-Zellen. Diese latente Infektion entzieht sich weitgehend der vollständigen Immunelimination.
In diesem Zusammenhang wird diskutiert, ob CD19-gerichtete CAR-T-Zelltherapien ausreichend sind, um alle EBV-tragenden Zellen zu eliminieren, insbesondere im ZNS, wo immunologische Besonderheiten bestehen. Bislang handelt es sich hierbei jedoch um Hypothesen und frühe theoretische Überlegungen.
Unabhängig davon wäre eine effektive EBV-Impfung nicht nur im Hinblick auf MS, sondern auch wegen der EBV-assoziierten Malignome und anderen Erkrankungen ein bedeutender medizinischer Fortschritt.