Was ist Immunprophylaxe?
Unter Immunprophylaxe versteht man einen vorbeugenden Eingriff ins Immunsystem.
Die Ursachen der MS sind bis heute nicht letztlich geklärt. Deshalb ist eine Heilung noch nicht möglich. Die MS-Therapie orientiert sich an den Fakten, die erforscht sind. Dazu gehört die Erkenntnis, dass das Immunsystem bei der MS „aus der Rolle tanzt“. Deshalb kommt eine vorbeugend – prophylaktisch – ins Immunsystem eingreifende Therapie zum Einsatz.
Die Immuntherapie
In der Behandlung wird die Therapie des akuten Schubs (siehe dort) unterschieden von einer langfristigen Immuntherapie mit dem Ziel, die Schwere und Häufigkeit von Schüben zu verringern und das Ausmaß der fortschreitenden Behinderung günstig zu beeinflussen.
Zur Immuntherapie der MS sind in Deutschland zurzeit fünf Wirkstoffe zugelassen:
Beta-Interferon (IFN-beta), Glatiramerazetat, Azathioprin, Mitoxantron und Natalizumab.
Bei den Beta-Interferonen stehen vier Präparate zur Verfügung: Betaferon® (IFN-beta-1b), Extavia® (IFN-beta-1b), Rebif® (IFN-beta-1a) und Avonex™ (IFN-beta-1a).
Die Wirksamkeit der Immuntherapie
Bei der schubförmigen MS wurde die Wirksamkeit der Beta-Interferone in mehreren doppelt-blinden, plazebo-kontrollierten Studien der Evidenzklasse I nachgewiesen. Sie besteht in einer Schubreduktion um 30%, einem verlangsamten Fortschreiten der MS (Progression) und weniger krankhaften, im MRT sichtbaren Veränderungen im Gehirn – der Arzt spricht von verringerter Läsionslast in der kranialen MRT. Ähnliche Effekte fanden sich für Glatiramerazetat.
Bei der sekundär chronisch-progredienten MS sind die Studienergebnisse dagegen uneinheitlicher: Hier war zwar in der großen europäischen Betaferon®-Studie die Krankheitsprogression um neun bis zwölf Monate verzögert und die Schubrate reduziert. Allerdings konnten die Ergebnisse auf die Progression weder in der nordamerikanischen Betaferon®-Studie noch in der SPECTRIMS-Studie mit Rebif® bestätigt werden, wenngleich auch hier Schubrate und MRT-Läsionslast deutlich niedriger waren. In der IMPACT-Studie mit Avonex™ war zwar der MSFC, nicht aber die üblicherweise verwendete EDSS im Vergleich zur Plazebogruppe gebessert.
Diese Unterschiede in den Studien dürften am ehesten mit den verschiedenartigen Patientenkollektiven zu erklären sein und haben zu der Empfehlung geführt, Patienten nur dann mit einem IFN-beta-Präparat zu behandeln, wenn noch Krankheitsaktivität in Form von Schüben oder neuen MRT-Läsionen vorhanden ist.
EDSS (Expanded Disability System Status Scale) und MSFC
(Multiple Sclerosis Functional Composite) sind Systeme, mit denen der Behinderungsgrad durch MS gemessen wird.
Letzte Änderung: 19.10.2010
Multiple Sklerose Lexikon
Wissenschaftliche Betreuung
Priv. Doz. Dr. med. Peter Flachenecker
Chefarzt Neurologisches Rehabilitationszentrum Quellenhof Bad Wildbad.
Vorstandsmitglied des Ärztlichen Beirates der DMSG, Bundesverband e.V.
Vorsitzender des Ärztlichen Beirates AMSEL e.V.
Prof. Dr.med. Ralf Gold
Neurologische Klinik der Ruhr-Universität Bochum am St. Josef- Hospital.
Vorstandsmitglied des Ärztlichen Beirates der DMSG, Bundesverband e.V.







