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Die dunkle Seite des Mondes

17.01.2016, 16:17, Kommentare (8)

Vergangene Woche startete in Deutschland der Film „Die dunkle Seite des Mondes“ mit Moritz Bleibtreu und Jürgen Prochnow in den männlichen Hauptrollen. Es handelt sich um die Action-Verfilmung des gleichnamigen Romans von Martin Suter. Bleibtreu spielt darin einen jungen und skrupellosen Anwalt, Prochnow seinen Gegenspieler.

Die Story ist insofern für uns interessant, als es um die Fusion zweier Pharmaunternehmen und die Verschleierungstaktiken bei der Zulassung eines Medikamentes geht. Der Inhaber der einen Firma hat sein ganzes Vermögen in die Entwicklung dieses Präparats gesteckt, um – so der Originalwortlaut – „seine Tochter zu retten“. Natürlich hat die junge Frau MS, natürlich sitzt sie im Rollstuhl, mit dem sie hin und wieder sportlich durchs Bild flitzt. Nach erfolgreicher Fusion, die um eine Privathaftungsklausel besagten Unternehmers ergänzt wurde, erscheint Flori in Bleibtreus Büro und jagt sich eine Kugel in den Kopf. Erst im Laufe des Films stellt sich heraus, dass die beantragte Zulassung des neuen Medikaments wegen zu vieler gefährlicher Nebenwirkungen abgelehnt wurde.

Während Bleibtreu als Urs Blank durch die Gegend v.gelt und sich mit seiner Geliebten auf einem Trip mit haluzinogenen Pilzen vergnügen will, starren seine Mitprotagonisten bedeutungsschwanger und mit halboffenem Mund in die Kamera- wird an den Schauspielschulen wirklich kein anderer Gesichtsausdruck gelehrt?

Da beschäftigte mich allerdings schon mehr die Tatsache, warum MS-Patienten in den Medien immer so dargestellt werden, als wenn man sie retten müsse? Bevorzugt sind sie auf den Rollstuhl angewiesen und müssen teure Medizin bekommen, um ihre heimtückische Krankheit „in den Griff zu kriegen“. Ich weiß nicht, wie es bei euch ist, aber meine Schübe kamen nur unter Vorankündigung. Meist hatte ich einfach monatelang geflissentlich jedes Anzeichen ignoriert, bis aus den Symptomen ein Schub wurde. Heute gehe ich achtsamer mit mir um, wenn ich Symptome bemerken würde, würde ich früher darauf reagieren und gegensteuern. Dafür brauche ich keine Basistherapie. Wieso dürfen Ärzte immer noch behaupten, dass man ohne das aber nicht klar kommen kann, obwohl ich Dutzende Menschen kenne, bei denen das nicht so ist, mich eingeschlossen? Selbst auf der Amsel-Seite muss man das lesen, dabei stimmt es einfach nicht. Und wieso wird dieses Bild in der Öffentlichkeit weiter gestärkt? Damit nicht noch mehr Patienten abtrünnig werden und den Pharmaunternehmen das Geschäft versauen?

Am Ende versucht Moritz Bleibtreu alias Anwalt Blank heldenhaft, die Markteinführung von „Tabufumerat“ zu verhindern, indem er das Gutachten öffentlich machen will. Das wiederum stört Pius Ott (J. Prochnow), der das Pharmaunternehmen erworben hat, um mit dem neuen Mittel richtig Geld zu machen. Das Schicksal der Patienten ist ihm dabei völlig egal: „Was kümmert es mich, wenn jeder dritte Leberkrebs kriegt?“ Es steht zu befürchten, dass der Film an diesem Punkt erschreckend nah an der Realität orientiert ist.

Bei der Vorpremiere des Films in der Lichtburg in Essen wurden die anwesenden Darsteller nach der Lehre gefragt, die sie persönlich aus dem Film gezogen haben. Für Doris Schretzmayer (im Film Blanks Ehefrau) war das „Was ist mir im Leben wichtig? Welchen Preis bezahle ich dafür?“ Jürgen Prochnow fasste seine Lehre kurz und knackig zusammen: „Wie man es nicht machen soll.“

Worauf er sich genau bezog, ob auf das Verhalten der Filmfiguren oder den Film selbst oder etwas anderes, ließ er offen. Und auch wir, die wir keine großen Fans dieses Genres sind, hüllen uns in beredtes Schweigen. Aber treffender hätte er es nicht sagen können…


Kommentare (8)


24.02.2016, 14:27, Eliza

ach ja (DMF nehme ich erst 1 Jahr, davor BT mit anderen Sachen...)


24.02.2016, 14:26, Eliza

ach ja, der Name ist klasse: Tabu-Fumerat... ich nehme es übrigens, ich mache seit 15 Jahren Basistherapie, und kenne viele Leute mit und ohne Basistherapie. Fans + Kritiker. Bin sehr erleichtert darüber, es wäre mir ein Graus nur mit Leuten Kontakt zu haben, die mich in meinen vorgefassten Einschätzungen bestätigen !


24.02.2016, 14:23, Eliza

Hallo, meine Schübe (an die 30 in mehr als 20 Jahren) haben sich niemals angekündigt. Mir war es nie möglich, sie durch Verhaltensänderungen leichter zu machen - nur, indem ich bei stärkeren Schüben Cortison nahm (= mir geben lies) , gab es zuerst eine Verbesserung. Ich habe meine Aktivitäten heruntergeschraubt, im Schub, aber das war auch weniger eine souveräne Entscheidung und mehr gesunder Menschenverstand. Nach dem Motto: was nicht geht, kann man nicht erzwingen. Wichtig ist, sich nach dem Schub nicht hängen zu lassen, es immer wieder anzugehen. Und 2.: auch die Symptomtherapie auszuschöpfen, wenn von den Schüben was zurückbleibt. Inzwischen bin ich sekundär progredient mit aufgesetzten Schüben, die Progredienz macht mir jetzt viel mehr zu schaffen als die Schübe...

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