Suche im Blog
Inhaltsbereich
Disability Studies
14.03.2007, 18:51, Kommentare (4)
Was sind Disability Studies?
Die wirklichen Probleme behinderter Menschen bestehen nicht in ihrer individuellen Beeinträchtigung sondern in den ausgrenzenden gesellschaftlichen Bedingungen, dem eingeschränkten Zugang zu gesellschaftlicher Teilhabe und den massiven Vorurteilen gegenüber Behinderung.
Es wird infrage gestellt, dass es einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Vorliegen einer Beeinträchtigung und dem Behindert-Werden gibt. Vielmehr geht das soziale Modell davon aus, dass sich die Erfahrung von Behinderung für verschiedene Menschen, auch wenn sie ganz ähnliche medizinische Ausgangslagen haben, sehr unterschiedlich darstellt.
Die gesellschaftliche Benachteiligung, die mit einer Beeinträchtigung verbunden ist, ist demnach nicht vom Individuum abhängig sondern ist das Resultat gesellschaftlicher Prozesse. Entsprechend muss sich nach dem sozialen Modell nicht der einzelne Mensch sondern die Gesellschaft ändern, damit behinderten Menschen eine uneingeschränkte gesellschaftliche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben möglich wird.
Voraussetzung für die Veränderung gesellschaftlicher Rahmenbedingungen zugunsten behinderter Menschen ist jedoch, dass Wissen darüber existiert, welche gesellschaftlichen Prozesse behinderte Menschen als ausgrenzend erleben und welche Bedingungen sie benötigen, um ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen zu können – hierüber können behinderte Menschen selbst am besten Auskunft geben.
Dr. Gisela Hermes
Projektleiterin im Bildungs- und Forschungsinstitut zum selbstbestimmten Leben Behinderter – bifos - e.V.
- Vorheriger
- Bookmark:



- Nächster



Kommentare (4)
20.03.2007, 11:13, edss
Hallo, interessant finde ich, dass eine körperliche (medizinische) Macke unterschiedliche Behinderung nach sich zieht, die hauptsächlich durch das Umfeld veranstaltet wird. Wenn zu mir jemand sagt: "Sie sind ja immer noch da!", verstehe ich zunächst, dass ich möglichst schnell verschwinden solle. Das eigentliche Drama liegt aber darin, dass gewisse Grundsätze der Höflichkeit in der mitteleuropäischen Gesellschaft bei manchen Zeitgenossen nicht üblich sind, dass das Umfeld eine Macke hat und eher nicht die Angesprochene. Es gibt also viel zu tun. - Und Opfer dürfen unterwegs den Humor nicht verlieren. Grüße von edss
19.03.2007, 12:10, Martina
Hallo, ja es ist wirklich beruhigend, wennman spürt, daß sich jemand versucht, in die lage von behinderten zu versetzen und das von einer anderen seite reflektiert, als es sonst so üblich ist. Sehnen wir uns nicht alle danach, daß endlich mal wer begreift, was es heißt, so zu sein, so zu leben?Martina
15.03.2007, 09:12, edss
Tja, wir betreiben indessen fleißig Feldstudien. Ist es nicht trotzdem beruhigend, wenn ein paar auf einer anderen Ebene darüber gründlich reflektieren?
Alle Kommentare zeigen