Hallo San!

Das freut mich! Und ich darf das Kompliment ehrlichen Herzens erwidern! Gerade eben hab ich, wie ich deine Beiträge durchgelesen hab, zu meinem Freund gesagt: “Schau, es gibt da draußen doch auch Leute wie mich, die diesem Medi-Zirkus kritisch gegenüberstehen.”

Ein paar Eckdaten zu meiner Person: Ich bin 45, Diagnose 2002. Zuerst hab ich Copaxone genommen (das ich anscheinend nicht optimal vertragen hab). Bin ca. 2006 übergegangen zu Avonex (Interferon; einmal wöchentlich i.m. Spritze; Anm.), das ich nach wie vor nehme. Meine Neuro sagt zwar, dass das nichts mehr bringt und dass ich es genauso gut bleiben lassen könnte. Das hab ich irgendwann für 2 Monate auch gemacht und bitter bereut, weil es mir schlagartig sehr viel schlechter gegangen ist. Also hab ich wieder damit angefangen. Meine MRTs weisen keine große Dynamik auf, was Läsionen betrifft, weshalb sie, meine Neurologin, sich mittlerweile zurückhält in Sachen “Eskalationstherapie”. Vor einigen Jahren trat ein Gehstock in mein Leben. Weil mein Gleichgewichtssinn wirklich sehr zu wünschen übrig lässt, hab ich mir vor etwa einem Jahr einen Rollator zugelegt, den ich zwar sehr hässlich finde mit dem ich aber ansonsten sehr glücklich bin.

Warum ich immer noch bei der uneinsichtigen Neurologin bin? Es macht keinen Unterschied, zu wem du/ich wer auch immer geht. Sie wollen uns mittlerweile alle - ausnahmslos - diese verflixten Eskalationstherapien andrehen. Unabhängig davon, wie es dir geht. Ob du ein “schwerer” Fall bist oder ob es dir im Moment eigentlich eh noch relativ gut geht. Ihr Totschlagargument schlechthin ist es, dass sich das ja alles jederzeit ändern könnte. Und deshalb (Totschlagargument Nr. 2): “Hit hard and early”. Wenn Leute sich dann mit Beschwerden (die sich aus den tatsächlich hammerharten Therapien ergeben haben) hilfesuchend an den/die Neuro wenden, heißt es meist schulterzuckend, dass die Beschwerden zwar durchaus bedauerlich seien, aber “sicher nichts mit dem Medikament” zu tun hätten. Wer’s glaubt wird selig.

Ich sage mir Folgendes: MS ist Mist. Aber ob eine unberechenbare Therapie, unter der Schübe ebenfalls vorkommen werden, darüberhinaus aber Risiken wie therapiebedingte Krebserkrankung (immerhin beruhen sämtliche dieser herrlichen Eskalationstherapien auf der massiven Dezimierung von Leuko- und/oder Lymphozyten) und - last but not least - PML (was “meist” tödlich verläuft) mein weiteres Leben ruhiger verlaufen lässt, wage ich zu bezweifeln.

Gerne geb ich zu, dass ich ein Problem mit der neurologischen Milchmädchenrechnung habe, die da besagt: “Bei MS verhält sich das hauseigene Immunsystem ein bisschen zu aggressiv gegenüber dem/der KörperinhaberIn. Na gut, dann knipsen wir es also einfach aus.” Wie die Leute “teilweise” auf dieses “Ausknipsen des Immunsystems” reagieren, kann man streng genommen nicht mehr unter “Nebenwirkung” subsumieren. Aber das ist nur meine unmaßgebliche Privatmeinung;)

LG Parichehr

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Ich bin zwar nicht Lucy, möchte aber hier mal ganz kurz einhaken.
“Und was hilft dir ganz konkret, ruhig zu bleiben, wenn Ärztinnen oder Ärzte deine Grenzen nicht ernst nehmen und weiter argumentieren.”

Ich übe mich dabei gerade mit dem "die Schallplatte hat n Sprung "-modell.
Also:. Ich wiederhole mein freundliches, aber klares Nein in Dauerschleife.

Muss ehrlicherweise hinzufügen, dass es mit der inneren Ruhe dabei noch hapert…

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Liebe San, ich kann dir nur sagen und wiederholen, was hier schon geschrieben wurde: du musst hinter deiner Entscheidung stehen und das Bauchgefühl ist dabei sehr wichtig! In meinen Augen ist auch die Psyche wichtig, um Nebenwirkungen in Schach zu halten. Mach nichts, was du nicht willst! Ich habe am Anfang meiner Diagnose nur gewusst, ich will etwas tun und fahre gut damit.
Mittlerweile führe ich die Gespräche, weil ich genau weiß, was ich will. Und wenn ich fragen habe, möchte ich diese auch klar beantwortet haben.
Ich habe das Glück eine Neurologin zu haben, die da auf meiner Wellenlänge ist, klar antwortet und mich und meine Meinung ernst nimmt.
Fakt ist, keiner kann dir sagen, wie es mit Medikament wäre, solltest du dich dagegen entscheiden, und auch nicht umgekehrt.
Du musst dich wohl fühlen!

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Ich hab die Schübe nicht einzeln gezählt, aber mal eine Auflistung gemacht:

Es „kann“ auch OHNE gehn:
ich bin seit '99 quer durch die Symptomenkiste* mit der TCM (Akupunktur, Medizintees, und
seit '09 Quigong) sehr gut gefahren.

  • Symptome der letzten 26 Jahre:
  • SNE (Remission)
  • Sensibilitätsstörungen (Remission) (Re Bein, re Seite von oben bis unten mitten durch den
    Körper mit allem was so in der Mitte ist)
  • Panzergefühl (Remission)
  • Doppelbilder
  • Ameisenlaufen (Remission)
  • Warm-kalt Probleme (Remission)
  • Gehstrecke (deutlich verbessert)
  • Fazialislähmung (Remission)
  • Polynykturie (nachts dauernd bieseln müssen) (Remission)
  • Stuhlgangprobleme (Remission)
  • Fatigue (deutlich verbessert)
  • Gleichgewichtsprobleme (deutlich verbessert)
    es ist (fast :wink: ) alles wieder weggegangen
    Die ganzen Jahre: OHNE Cortison und OHNE Nebenwirkungen und OHNE sogenannte
    Basistherapien

PS: Doch Nebenwirkungen: Muskelkater von der Physiotherapie , wenn wir es wieder mal zu
doll getrieben haben :wink:

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Ich mach seit 2010 wöchentlich Physiotherapie.

Ich hab alte, stille Herde in HWS und BWS und alte, inaktive im Kopf. Ich halte meine HWS und den Kopf warm und geschützt. Kapuzenpulli und/oder Schal.

Und ich hab die Freiheit weitgehendst mein Leben nach meinem Rhythmus zu leben. Z.b.
Ruhe wenn Ruhe nötig ist. Und ich hab eine wunderbare Partnerin die mich mit meinen Notwendigkeiten und Schwächen annimmt.

Letzter Schub 2009

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Hi San.

ich versuch die Emotionen bei solchen Entscheidungen immer außen vor zu lassen, einfach sachlich bleiben, kein Arzt kann die zu etwas zwingen.

Notfalls nimmst du dir ein Blatt Papier, schreibst die möglichen MS Medikamente (Wirkstoffe(-gruppen) auf), mach deine Notizen dazu und nimm die mit zum Arzt.

Das sollte die Basis für deine Entscheidung werden und der Arzt sollte dich dazu beraten, das kannst du auch dem Arzt sagen.

Mir hat das mal mein alter Neuro erklärt, wenn er Patienten von anderen Therapien überzeugen will, geht das nur mit viel vertrauen, gerade bei gut belesenen oder auch ängstlichen Patienten ist das wichtig.
Als Arzt muss er darauf auch vertrauen können, das der Patient seine Möglichkeiten kennt und der Patient muss dann auch das vertrauen in den Arzt haben, das seine Entscheidung respektiert wird und der Arzt die gewünschte Behandlung auch richtig durchführt.

Ich bin regellmäßig bei einem Immunologen, der ist in einer Praxis für Hämatologie und Onkologie, und er sieht es halt so, ich komme mit meinem Problem zu ihm, er sagt mir was geht und gibt mir die Infos und dann soll ich in Ruhe zuhause entscheiden und dann wieder kommen, wenn ich weiß was ich will.

Grüße
LucyS

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(c) Uli Stein +

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Manchmal, aber nur manchmal

Frage ich mich, gibt es dich auch in ernsthaft? :wink:

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Manchmal :no_mouth:

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Das reicht ja auch :wink:

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