Ich bin durch die Erkrankung dankbarer geworden. Und, auch wenn das jetzt vielleicht kitschig klingt, demütiger.

Dankbarer, weil: Vor der Erkrankung habe ich vieles als selbstverständlich genommen und gar nicht so geschätzt. Sogar im Gegenteil, durch ein perfektionistisches Streben wollte ich immer mehr und mehr. Die Krankheit hat mir gezeigt, wie schnell das alles vorbei sein kann (zum Beispiel durch einen schweren Schub). Nun habe ich gelernt, auch diese Dinge sehr zu schätzen, die früher für mich selbstverständlich waren. Ich freue mich auch über kleinere Dinge, dIe ich früher gar nicht so wahrgenommen habe.

Demütiger, weil: Ich habe gesehen, wie schnell alles vorbei sein kann, wenn einen ein Schicksalsschlag ereilt.

Ansonsten finde ich mich in manchem wieder, was @Daisy und @damncrazydude schrieben:

Habe mehr zu mir selbst gefunden, weiß mehr, was mir wirklich Freude bereitet, mehr bei sich selbst angekommen sein, die Prioritäten haben sich verschoben, Glück bedeutet nicht, VIEL zu erreichen, keinen Krieg (mit dem Körper) führen, die Situation annehmen, wie sie ist.

Vielleicht hätte ich mich auch ohne Erkrankung in diese Richtung entwickelt, wegen zunehmender Lebenserfahrung und zunehmendem Alter. Da mich aber die Erkrankung streckenweise schwer gebeutelt hatte und ich schwere Stöße hinnehmen musste, bin ich sicher, daß die Erkrankung ein wesentlicher Impuls war.

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Ich bin auf allen Ebenen bewusster geworden. Emotional bin ich ein anderer Mensch geworden durch Reflektieren, Reden, sich immer wieder neu finden und akzeptieren lernen, zu sich stehen, egal was andere davon halten.

Das ist gar nicht rücksichtslos gemeint, sondern als ein bei sich bleiben.
Ich bin fairer und viel entspannter geworden.
Als Mensch hat mir die MS geholfen.

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Das hast du sehr schön formuliert :+1:t2:

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Ersetze ich MS durch ME.CFS, nähere ich mich inhaltlich den Beiträgen von @damncrazydude und @Daisy und @Nalini.

Durch den Kontakt mit Menschen mit MS lernte ich zunehmend mehr über Selbstfürsorge (die war mir bis dato fremd gewesen), und auch zu verstehen und zu akzeptieren, was mir nicht geläufig und fremd war.
Erst durch die selbst erlebte Verschlimmerung meiner ME.CFS verstand ich z.B. , was es bedeutete, wenn mir gesagt wurde “Ich fühle mich mit mir selbst überfordert”.
Auch fand ich es befremdlich (“Mensch, kannst du nicht wenigstens vorwarnen???”), dass jemand im Gespräch plötzlich “verschwand”, weil einschlief… Jetzt verschwinde ICH plötzlich und unerwartet, was wiederum mein bisheriges Umfeld als sehr “strange” empfindet. :hushed::wink:

Auf manche Erfahrungen hätte ich gerne verzichtet, aber gelernt habe ich ne Menge.

Mehr schaffe ich in meinem Crash jetzt nicht (Thema Selbstfürsorge! :sweat_smile: )- mentale/emotionale Belastungen/Herausforderungen sind wohl mein ärgster ME.CFS-Feind.

Danke für eure Nachsicht und Geduld mit mir, falls ich ins “Tüddeln” geraten bin. :see_no_evil::relieved:

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Ja, sogar recht viel.

Ich bin entschleunigt, dankbarer und auch demütiger. Nehme Vieles bewusster wahr, schätze und genieße schöne Momente.

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Ich habe noch einen Nachtrag zu meinem Beitrag oben:

Warum bin ich so sicher, daß die Erkrankung ein Impuls für die Veränderungen war? Meine Erkrankung begann mit einem schweren Schub, der mich aus meinem bisherigen Leben und aus meinem “Hamsterrad” herausgehebelt hatte. Plötzlich hatte ich genug Zeit, um nachzudenken, zu reflektieren und die Dinge aus einer anderen Perspektive, einer “Vogelperspektive” zu sehen. In dieser Zeit, aber natürlich auch noch im folgenden, wurde mir so einiges klar…

Als Mensch gefalle ich mir heute besser als damals. So kann ich mich @Paule anschließen: Als Mensch hat mir die MS geholfen.

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Welche Gründe gibt es für dich die Beziehungen zu einem Menschen der dir wichtig ist zu beenden?

Mit einem Wort: Vertrauensverlust!

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Verrat oder rechtes Gedanken(gut)

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Gut, dann trag ich zu meinem lapidaren “Nö (hat mir nichts gebracht)” auch noch eine Kleinigkeit nach, wenn’s gestattet ist:

Dadurch, dass ich die famose Sklerose schon so verdammt früh bekommen hab, hatte ich im Grunde kaum Gelegenheit, festzustellen, wer ich eigentlich bin und inwieweit ich mich bzw. die MS mich verändert hab/hat.

Zu Hause (bei der lieben “Familie”) war Selbstfindung nicht vorgesehen. Es gab Wichtigeres zu tun: Papa-Pleasing. Mit knapp 19 raus aus dem Irrenhaus. Mit 21 - inmitten von “Wer bin ich? Was gefällt mir? Wohin geht der Weg?” - zack: Diagnose. Zuerst hat sich Papa nach Kräften bemüht, mir das Leben zur Hölle zu machen, bis schließlich - wie bei einem verrückten Staffellauf - die MS übernommen hat.

Was könnte ich dennoch gelernt haben? Vielleicht diese beiden Dinge: “Schlimmer geht immer.” bzw. “Den eigenen Frust nie an anderen auslassen.”

Für diese fulminante Erkenntnis hätte Psychopapa alleine eigentlich gereicht. Da hätte es das sklerotische Sahnehäubchen gar nicht gebraucht, wenn ich’s recht bedenke…

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@Parichehr Muss ja nicht bei jedem so sein wie bei mir und anderen.
Jeder Lebensweg ist anders und unterschiedlich. Das gilt auch für die die geistig-seelische Entwicklung. Imho :wink:

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darf ich bitte nachfragen: Wenn du das Vertrauen in das Gegenüber verlierst oder wenn dir vom Gegenüber kein Vertrauen (mehr) entgegengebracht wird?

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Hmm, wenn ich mich verarscht, hintergangen nicht mehr ernstgenommen oder betrogen fühle…

Meine Erfahrung hat gezeigt, dass ein Verzeihen in solchen Fällen bei mir von 11 bis Mittag hält, da ich nach sowas nie wieder richtig vertrauen kann, selbst wenn ich es versuchen würde.

Die Zweifel sind dann einfach zu groß um nochmal echtes Vertrauen aufzubauen - heute ziehe ich dann lieber weiter, als zu versuchen das tote Pferd bis zum Ende zu reiten…

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Wenn er mir nicht mehr gut tut, nicht mehr glücklich macht und darüber reden nichts bringt, kann er gehen, egal, wie viel Liebe ich empfinde.
Hatte auch meine Tante und meinen Vater aus diesen Gründen aus meinem Leben verbannt.
Als meine Tante dann verstarb, war ich auch nicht da. Einschulung meiner Nichte, wo auch mein Vater dran teilnahm, fragte er mich, warum. Ich habe nur geantwortet, was mir nicht gut tut, kann weg, auch wenn es Familie ist.
Das hat er sich sehr zu Herzen genommen, sich sehr um mich bemüht. Ich war lange skeptisch, aber hat sich verändert, und ist jetzt der Vater, den ich brauche

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Das nenne ich stramme Konsequenz… Oder schlicht Selbstfürsorge.
Ob ich solchen Level auch mal erreiche?

Irgendwann war ein Punkt erreicht, da ging es nicht mehr anders, ich wäre sonst untergegangen…

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Wie empfindest du es, wenn dir wiederholt “Gute Besserung/Genesung” gewünscht wird, wo dein Gegenüber genau weiss, dass deine Krankheit chronisch und keine Genesung in Sicht ist?
Mal nehme ich es als “SmallTalk” hin, mal als hilfloses Bemühen, überhaupt was zu sagen- und mal nervt es mich ohne ende🤯

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Anfangs hat mich das sehr verletzt, mittlerweile denke ich nur, ja, klar, danke… Schöner fände ich, wenn mir alles Gute gewünscht wird

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Ich versuche immer wieder, Aussagen von anderen nicht auf die Waagschale zu legen, manchmal wünschte ich mir schlagfertiger zu sein…ich überlege gerade, wie das Gegenüber reagieren würde, wenn ich antworten würde: “danke, das wünsche ich dir auch!”

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Kommt drauf an - wenn ich nur von der Erkrankung erzähle, aber eigentlich gut drauf bin nervt es mich oft…

Aber wenn ich selbst von mir aus kommuniziert hab, dass es mir schlechter als normal geht find ich das volkommen in Ordnung :+1: