Hallo Sonnenschein, schon wieder sollst du eine asymptomatische Bakteriurie mit AB behandeln? Bist du sicher, daß das immer sein muss? Neuester Stand in der Urologie ist m.W., daß asymptomatische Bakteriurien nur in Ausnahmefällen behandelt werden müssen. Asymptomatische Bakteriurien zu behandeln bedeutet sogar ein erhöhtes Risiko für eine erhöhte Harninfektionsrate. So heißt es im “Urologielehrbuch” (link siehe unten): “Teilweise zeigte sich in den Studien eine Erhöhung der Harnwegsinfektionsrate durch eine Therapie der Bakteriurie, dies spricht für eine Schutzwirkung der asymptomatischen Kolonisierung (Cai u.a., 2012).”
Wenn die Antibiotikagabe für dich okay ist, dann vergiss meinen Beitrag. Ich selbst lege großen Wert darauf, nicht so oft AB einzunehmen, schon allein wegen der Gefahr von Resistenzen. Deswegen schreibe ich hier über meine Bedenken.
Auszug aus dem Urologielehrbuch:
Management der asymptomatischen Bakteriurie
Die Prävalenz der asymptomatischen Bakteriurie ist hoch, sie liegt bei gesunden prämenopausalen Frauen (5%), bei alten gesunden Patienten (4–19%) und Patienten mit Risikofaktoren (Alter, Diabetes, neurologische Störungen) bis zu 90%. Nur ein geringer Anteil dieser Patienten wird in den nächsten Wochen bis Monate eine symptomatische Harnwegsinfektion erleiden. Teilweise zeigte sich in den Studien eine Erhöhung der Harnwegsinfektionsrate durch eine Therapie der Bakteriurie, dies spricht für eine Schutzwirkung der asymptomatischen Kolonisierung (Cai u.a., 2012). Für folgende Risikogruppen ist bei dem Fehlen von Beschwerden (Dysurie, Fieber, Schmerzen) das Screening (Veranlassung einer Urinkultur ohne Beschwerden) oder eine prophylaktische Antibiotikatherapie nicht indiziert (EAU Leitlinie):
Frauen ohne Risikofaktoren oder postmenopausale Frauen
Patienten mit Diabetes mellitus
Patienten in Pflegeeinrichtungen
Patienten mit neurologischen Harnblasenfunktionsstörungen
Patienten mit Dauerkatheter
Patienten nach Harnableitung
Nach Nierentransplantation
Patienten vor Implantation von Gelenkprothesen
Für zwei Risikogruppen konnten Studien einen Vorteil der prophylaktischen antibiotischen Therapie einer asymptomatischen Bakteriurie nachweisen:
Bakteriurie in der Schwangerschaft
Patienten vor urologischen Operationen mit Verletzung des Urothels (URS, PNL, TURP, TURB, Harnröhrenplastik…). Die prophylaktische Therapie schützt vor postoperativen symptomatischen Harnwegsfinfektionen (RR 0,20), Fieber und Urosepsis.