Was meint ihr, sollte man den gestrandeten Wal erlösen?

Solange ich nicht einem Toten leben schenken kann, möchte ich mir auch nicht herausnehmen über den Tod eines anderen Lebewesens zu entscheiden - vor allem nicht über dessen Kopf hinweg…

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Und erlösen wir alle anderen Wale auch, die unter dem Lärm der mega Kreuzfahrtschiffe leiden oder durch unsere Verschmutzung der Weltmeere?

Dieser Wal hat sich entschieden vor unseren Augen zu sterben. Vielleicht sollte uns das zum Nachdenken anregen. Aber bestimmt nicht ob wir ihn erlösen sollen…

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ja, ich finde auch, in dem Zusammenhang von ‘Erlösung’ zu sprechen ist grenzwertig…

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Ja, das Geschehen führt uns vor und hoffentlich schaut der Mensch gut hin und begreift. Ich bezweifle es leider. Jetzt nur bei diesem einen Wal sentimental zu werden, gleicht einer Flucht.

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Das finde ich ein sehr schwieriges Thema, mit dem ich mich bei meinem Hund twangsläufig auseinandersetzen musste. “Darf ich das? Steht es mit zu?” habe ich mich oft gefragt. Ich habe mich dafür entschieden und das gegen die Stimme des Haustierarztes. Heute kann ich sagen: Wer, wenn nicht ich, sollte die Erlösung einleiten? Bin ich als Tierbesitzer nicht sogar verpflichtet, meinem treuen Begleiter zu helfen, wenn Behandlung aussichtslos wird? Ich bin mit mir ins Reine gekommen.
ABER, hier geht es um ein Wildtier, an dem sich mit großer Wahrscheinlichkeit sogar der Mensch versündigt und vielleicht durch die ganzen Hilfsmaßnahmen gestresst und geschwächt hat. Schade, wenn jetzt nur alle Welt zuglotzt, wie das Tier stirbt und dann zur Tagesordnung übergeht, ohne dass es was bewegt.

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Dazu hab ich eine komplett andere Einstellung, ich weiß, dass ein Tier rechtlich eine Sache ist, und man einen Besitzanspruch hat.

Ich kann nachvollziehen, wie schwierig es ist, sich diese Entscheidung abzuringen, sofern man der Meinung ist, diese treffen zu müssen.

Ich habe z.B. eine Freundin die ich sehr dafür bewundert hab, ihre Katze nicht einzuschläfern, obwohl der Ausgang gewiss und das Leid sichtbar war - aber die beiden haben es durchgestanden, so schwierig es war.

Ich finde es nur sehr schlimm, wenn die Entscheidung eher aus der Überlegung der eigenen Entlastung getroffen wird. Aber da wir die Sprache der Tiere nicht kennen, wissen wir auch nicht, wofür sie sich entschieden hätten - leidend die letzte Zeit mit uns verbringen oder das eigene Leid beenden.

Was mir dazu immer wieder einfällt, ist eine Reportage über einen ehemaligen Demenzforscher, der zur Zeit wo er praktizierte Meinungen vertrat, wie: “wenn, es mir mal so geht, beendet mein Leben, bitte.” Der ist dann selbst schwer an Demenz erkrankt im Alter, und stammelte nur noch was von “nicht totmachen, nicht totmachen”…

Wie gesagt schwieriges Thema, aber ich möchte diese Entscheidung nicht für andere treffen!

Wenn man ein Tier hat, leidet man jedes mal mit, wenn es leidet und man kennt es im Laufe der gemeinsamen Zeit in und auswendig. Man kann gegenseitig genau lesen. Die Natur machen lassen und jämmerlich krepieren lassen, geht vielleicht ineinander über. Bei einem Haustier greift der Mensch schon bei der Entstehung ein und man müsste fragen, ob einem das zusteht. Zuchttiere würde es dann gar nicht geben. Der Mensch greift ein und hat dann auch eine gewisse Verantwortung. Als Pferdehalter musst du dich außerdem mit der eintragung Schlachttierzulassung ja/nein auseinandersetzen, weil das dann so im Equiden-Pass steht und jenachdem behandelt wird. in der Theorie ist vieles einfacher, direkt konfrontiert sieht manches anders aus. Wenn ein Gaul mit Kolik vor dir steht, guckst du nicht zu und wartest.

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Klar, mein Dicker (ein Weißrotes Riesenbaby von Kater), hat nur 5 Jahre gelebt, hatte mehrere Harnwegs OPs. Leider ist er dann nach der dritten OP im Aufwachraum verstorben…

Das ist immer schlimm - aber ich glaube ich würde eher das Leid ertragen, anstatt mein Tier einschläfern zu lassen, zumindest theorhetisch - denn ich weiß durch welche Hölle man auch selbst geht, und wie oft man sich diese Frage dann stellt.

Ich glaube, man kann das nur immer in der jeweiligen Situation wirklich entscheiden und muss dann selber damit klarkommen. Mein Hund war chronisch krank und hatte mehrere Baustellen. Den hätte ich in seinem Zustand zum Schluss mit Schmerzen und total abgemagert nicht noch durch den Winter quälen wollen.
Mein Freund hat seine beiden Pferde als Schlachttiere im Pass stehen und würde sich, wenn es machbar ist, für den Bolzenschuss entscheiden, Wir hatten das Thema erst neulich wieder. Seit ich die genauen Hintergründe kenne, kann ich die Enrscheidung gut nachvollziehen. Ich bin aber froh, dass ich nicht entscheiden muss. Ich will sowas nicht nochmal entscheiden müssen und kann jedem nachfühlen, der da sein Tier durchbegleitet.

Mein Lieblingshund ist im Wald beim Spaziergang kollabiert. Ich habe sie dann zum Auto getragen( Stock unter dem Arm) und immer wieder gesagt “atme” Sie kam wieder zu sich und zuhause war alles wieder gut… Dachte ich. Am nächsten morgen sind wir zum Tierarzt, dort ist sie nochmal kollabiert. Tierklinik und dann hat der Ultraschall gezeigt sie hat innere Blutungen. Eine OP hätte sie nicht überlebt. Also musste ich entscheiden, verbluten lassen oder einschläfern.
Ich habe heute noch heulkrämpfe, das war am 4.12.24 zwei Tage vor ihrem 12 Geburtstag…

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Ja, das sind diese Situationen, wo man vielleicht alle Theorien und Vorsätze über Bord werfen und sofort entscheiden muss.

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Ich habe oben ja schonmal geschrieben, das ich einen Unterschied zwischen Haustier und Wildtier mache.
Beim Haustier haben wir uns dafür entschieden, die Verantwortung dafür zu übernehmen, die beim Wildtier bei der Natur liegt.

Ein Hund, der solche Schmerzen hat, das man ihn durch einschläfern “erlöst”, wäre in der freien Natur schon längst von selber gestorben. Wenn nicht an der Krankheit, dann weil er direkt vom nächsten Tier gefressen wird. Daher ist es schon irgendwie eine Pflicht, das der Besitzer das, was die Natur sonst erledigen würde, selber erledigt, auch wenn’s schwer fällt. Unangenehme Dinge akzeptiert man in dem Moment, wo man die Verantwortung für ein Haustier übernimmt. gehört nun mal dazu.
Die Grenzen der natürlichen Regelung dagegen liegt bei den letzten Tierarten in der Nahrungskette. Wale als größte Meerestiere und beispielsweise Elefanten gehören da dazu. Die haben einfach keine Fressfeinde mehr, die über ihnen stehen würden, daher dauert ihr Leid länger. Elefanten müssen zum Beispiel qualvoll verhungern, wenn ihre Zähne so abgenutzt sind, das sie kaum noch fressen können. Beutegreifer trauen sich an einen ausgewachsenen Elefanten einfach nicht ran, auch wenn er schon ziemlich schwach ist.
In dem Fall finde ich es in Ordnung, wenn der Mensch das Ende übernimmt, aber auch nichts was man moralisch tun müsste, die Natur läßt es ja auch so zu. Aber bitte laßt das Fleisch nachher den Aasfressern, die wollen auch von etwas leben.

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Da weißt du aber mal wieder etwas völlig falsches:

Tiere sind schon seit 1990 rechtlich keine Sachen mehr.
Das das fälschlicherweise immer wieder behauptetw wird, liegt daran, das das fühere Gesetz, wo sie noch Sachen waren, einfach im wesentlichen beibehalten wurde, es wurden nur die Stellen neu gefasst, dwo es auch einen Unterschied zum alten Gesetz gemacht hat.

Es stimmt aber, das Haus- und Nutztiere rechtlich Besitz sind, das heißt aber nicht, das man mit ihnen machen kann was man will, sie sind ja keine Sachen. Sie unterliegen weiterhin dem Tierschutzgesetz ("Keinem Wirbeltier darf grundlos und vorsetzlich Schaden zugefügt werden) und du übernimmst rechtlich eine Verantwortung, aus der nur wieder raus kommst wenn du das Tier einem anderen Besitzer überläßt.

Ein bisschens so wie ein Haus, das unter Denkmalschutz steht, Das ist rechtlich auch dein Besitz, aber du darfst nicht alles damit machen was du willst. Es gibt Gesetze die drüber stehen und dich einschränken.

Danke, das kannte ich nicht, aber solange man sich an Tierschutz hält, kann man leider mit “seinem” Tier machen was man will…

Und leider ist Tierschutz oft noch Auslegungssache und wird zu wenig geahndet und bestraft, finde ich.

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Mensch, wer bist Du schon?!
Erstmal vorweg:
Trotz aller ethischen Fortschritte gilt das Haustier vor dem deutschen Gesetz nach wie vor als „Sache“. Der Zusatz im § 90a BGB, dass Tiere „Mitgeschöpfe“ seien, ist kaum mehr als eine moralische Kosmetik. In der juristischen Praxis ändert es nichts daran, dass ein Tier am Ende wie ein Objekt gewertet wird. Die ehrlichste Antwort lieferte dazu einst eine Richterin: „Es atmet, es lebt, aber vor dem Gesetz ist es eine lebende Sache.“
Diese Kategorisierung ist eine juristische Krücke, die es uns erlaubt, biologisches Leben zu objektivieren, um es in unser System aus Schadensersatz und Eigentum zu pressen.

Doch bei diesem Wal geht es nicht um die „Sache“. Es geht darum, die Grenze dessen zu erkennen, was wir tun können und was wir uns anmaßen. Wir stehen vor 13 Tonnen Leben, die wir nicht einfach mit einer Spritze „einschlafen“ lassen können. Die bittere Realität der Euthanasie bei einem Tier dieser Dimension erfordert drastische Mittel – es müssten physische Zerstörungen, ja sogar kleine Sprengkörper installiert werden, um dem Leiden ein Ende zu setzen.
Wo bleibt da der Aufschrei? Die Öffentlichkeit poltert und fordert „Erlösung“, verschließt aber die Augen vor der technischen Brutalität, die unsere Ohnmacht gegenüber einem Giganten offenbart.

Er wird sterben. Nichts wird diesen Tod aufhalten. LEIDER! Es ist ein langer, tragischer Prozess, und wir sollten uns besser fragen: Wie lange wird man nach seinem Ende noch von ihm reden? Wahrscheinlich nur so lange, bis das nächste Ereignis unsere Aufmerksamkeit fesselt.
Doch jeder sollte diesen Tod ansehen, denn er ist kein Zufall.
Wir als Menschen haben dazu beigetragen – nicht einer, wir alle!
Durch Geisternetze, den Lärm der Kreuzfahrtschiffe und die Verschmutzung der Meere fordern wir diesen Tod jeden Tag aufs Neue heraus. Wir gerieren uns als Verwalter der Welt, sind aber letztlich nur der Störfaktor, der das Leiden verursacht.
Wir müssen begreifen: Die Natur braucht uns nicht. Sie erledigt ihre Prozesse auf ihre eigene, manchmal bittere und grausame Art und Weise – weit weg von unseren Gesetzbüchern und moralischen Debatten.

Am Ende bleibt nur die eine, alles erschütternde Frage an uns selbst: Mensch, wer bist Du schon?!

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Es ist halt Auslegungssache, was ein ‘vernünftiger Grund’ ist. Da besteht ein Interessenskonflikt zwischen Mensch und Tier.

Tierschutzgesetz: Was ist der „vernünftige Grund“ zum Töten von Tieren? https://share.google/5cP2WYkh964WcCxP6

Ganz so weit würde ich nicht gehen, Veganerin bin ich nicht.

@anon7671972
Alle sprechen von dem Wal. Wer spricht von den im Mittelmeer ertrunkenen und den in Kriegen getöteten und verletzten Menschen?

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Das ist in unserer Zeit mit Krieg und Elend schon alltäglich und “normal” geworden. Wir stumpfen ab. Darum bewegt uns ein großes Tier und weckt unser Mitgefühl.

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…das fragst Du mich jetzt nicht wirklich?!

​Es ist genau so, wie Daisy schrieb: Wir stumpfen ab. Doch ich gehe weiter – ich behaupte, der Mensch war schon immer STUMPF! Wir haben verlernt zu fühlen, was wirklich zählt, weil wir uns hinter Paragraphen und technischer Überlegenheit verstecken.

​Das Schicksal dieses Giganten berührt mich zutiefst. Es berührt mich mehr als all das Rauschen, das sonst auf dieser Welt passiert. Warum? Weil der Mensch sein Schicksal selbst in der Hand hat, während dieser Wal nur die Konsequenzen unseres Handelns trägt. In seiner grenzenlosen Arroganz meint der Mensch, sich über alles und jeden stellen zu können, getrieben von einem Egoismus, der vor nichts Halt macht.

​Wir sind die Verursacher, aber wir sind unfähig, die Verantwortung für das Leid zu tragen, das wir auslösen. Wir stehen vor 13 Tonnen sterbendem Leben und erkennen unsere eigene Ohnmacht, die wir mit Gesetzen und Arroganz zu übertünchen versuchen.

​Deshalb stelle ich sie wieder und wieder, diese eine Frage:

Mensch, wer bist Du schon?!

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Wer ist ‘der Mensch’, du ich, …? Wer hat sein Schicksal selbst in der Hand?
Solche Pauschalisierungen bringen uns nicht weiter.

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