Hallo Karo,
schön, dass du dich selbst zu Wort meldest. Du schreibst: Wenn ich dich richtig verstanden habe, zitierst du aus Eckermanns Gesprächen mit Goethe, um deine Trennung von Arbeit und Privat zu begründen.

“Wenn ich dich richtig verstanden habe, zitierst du aus Eckermanns Gesprächen mit Goethe, um deine Trennung von Arbeit und Privat zu begründen.”

Ich wollte eher begründen, warum die MS nicht in mein Schreiben einfließt. Das man aus dem Subjektiven Literatur machen kann, ist mir klar (und das habe ich auch gemacht). Irgendwann war es damit aber auch mal gut und ich habe mich anderen Themen zugewandt. Welche das sind und wie ich das tue ist natürlich wiederum von meiner Person abhängig.

Eckermann: Mir ist klar, dass die Gespräche von ihm gestaltet sind, es sich alsoum sein Werk handelt und nicht das Goethes. Aber er hat das meiste davon immerhin Goethe zur Prüfung vorgelegt und der war einverstanden. Ansonsten weiß ich nie, ob ich Eckermann bemitleiden oder beneiden soll.

PS. Was du hier als stilistisch von mir wahrnimmst, ist vermutlich meiner juristischen Sprache näher als meiner literarischen.

“Scheitern ohne aufzugeben”, das faßt für mich deine regelmäßige Flaschenpost hier recht treffend zusammen!

Ich danke Dir für das Angebot der Kontaktaufnahme und freue mich!

"»Die Manier«, sagte Goethe, »will immer fertig sein und hat keinen Genuß an der Arbeit. Das echte, wahrhaft große Talent aber findet sein höchstes Glück in der Ausführung. Roos ist unermüdlich in emsiger Zeichnung der Haare und Wolle seiner Ziegen und Schafe, und man sieht an dem unendlichen Detail, daß er während der Arbeit die reinste Seligkeit genoß und nicht daran dachte fertig zu werden.

Geringeren Talenten genügt nicht die Kunst als solche; sie haben während der Ausführung immer nur den Gewinn vor Augen, den sie durch ein fertiges Werk zu erreichen hoffen. Bei so weltlichen Zwecken und Richtungen aber kann nichts Großes zustande kommen.«"

Damit geht es wohl um ein Hier und Jetzt, ein "Scheitern"vorprogrammiert oder unmöglich.

Interessanter Text.

Ah, okay, jetzt ist mir klarer, worum es dir ging. - Ja, das Juristische in deinen Texten, das scheint natürlich durch, aber ich finde das auch literarisch interessant und manchmal faszinierend. Als ob du da ein Spiel spielst, dem du dich zugleich verweigerst. - Na ja, man kann viele Metaphern dafür finden.

Vor einigen Wochen habe ich mich ein bisschen mit Eckermanns Gesprächen beschäftigt, dabei bin ich zufällig auf schöne neuere Texte gestoßen.

Zum Beispiel hier:

"Wer Eckermann genau liest, nimmt nicht […] an platter Goetheverehrung teil, sondern kann die allmähliche Entwicklung der Frage nach den Bedingungen künstlerischer Innovation verfolgen. Weil diese Frage […] spätestens seit der Mitte des 18. Jahrhunderts nicht mehr mit dem Hinweis auf feste Regelwerke beantwortet werden kann, muss man auch für die Beobachtung und Beschreibung kreativer Prozesse etwas Neues erfinden, das sich – eben so wie es das Kunstwerk […] seit dieser Zeit selbst tun soll – die Regeln selber setzt, denen es zu folgen gilt.

Dass sich die Poetiken seit dieser Zeit wandeln, um nach angemessenen Formen der Beobachtung und Beschreibung für die neuen Ordnungen der Prozesse zu suchen, ist bekannt. Dass Eckermann (und mit ihm Goethe) einen Entwurf für eine neue Form der Poetik vorlegt, ist dabei übersehen worden.

Zu Eckermanns Nachteil. Durchaus auch zum Nachteil der Goethe-Forschung. Auf jeden Fall zum Schaden der weiteren Entwicklung des Autorengesprächs."

Aus: Stephan Porombka: Der Eckermann-Workshop. Die Gespräche mit Goethe als Einübung in die Literatur der Gegenwart. In: Politische Künste. Jahrbuch für Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis. Tübingen 2007, S. 183-218. (Die Leerzeilen im Text habe ich eingefügt).

Die Software hier ist sehr schlecht, das ist ja bekannt. Mir fällt es schwer, auf Beiträge zu antworten, wenn ich nicht den ganzen Beitrag sehen kann. Während ich jetzt auf einen Aspekt antworte, vergesse ich das, was ich mir zu einem anderen Aspekt noch überlegt hatte. Ziemlich doof.

“Eckermann: Mir ist klar, dass die Gespräche von ihm gestaltet sind, es sich alsoum sein Werk handelt und nicht das Goethes. Aber er hat das meiste davon immerhin Goethe zur Prüfung vorgelegt und der war einverstanden. Ansonsten weiß ich nie, ob ich Eckermann bemitleiden oder beneiden soll.”

In dem schon zitierten Aufsatz schreibt Stephan Porombka ein paar Sätze, die man vielleicht als Antwort auf den letzten Satz in deinem Beitrag lesen kann:

“‘Das ist m e i n Goethe’, heißt es bekanntlich in der Vorrede zu den Gesprächen. Und das klingt dann […] tatsächlich nach Ermächtigung, vielleicht sogar nach Rache. So gelesen, sind es die sadistischen Tendenzen des Masochisten, die er nur deshalb eine Zeit lang unterdrückt, weil er später die Macht gewinnen will, mit der er den Herrn nach eigenem Willen handeln und sprechen lassen kann. Damit dreht Eckermann, der jahrelang von Goethe kontrolliert wurde, den Spieß einfach um und etabliert ein ,durch die physische Gegenwartsnähe legitimiertes Informations- und Interpretationsmonopol’. Und so scheinen die Gespräche und das damit verbundene jahrelange Schweigen vor allem auf diese Ermächtigung ausgerichtet zu sein.” (Quelle siehe oben)

Wer weiß, vielleicht hat der arme Eckermann doch gar nicht so sehr gelitten?

Hallo Stefan, um ehrlich zu sein: Mein Angebot zur Kontaktaufnahme gilt nur für Karo. Im Gegensatz zu Amy gehe ich nach wie vor davon aus, dass ihr zwei verschiedene Personen seid.

“Die reinste Seligkeit” beim Schreiben. Manchmal ja. Aber oft auch nicht. Das Schreiben ist Fluch und Segen zugleich. Nach jedem Buch nehme ich mir vor, nun endlich damit aufzuhören. Bis sich dann wieder etwas in meinem Kopf breit macht, was unbedingt geschrieben werden will. Dieser Quälgeist geht mir dann so lange auf die Nerven, bis ich es endlich anpacke. Aber nach dem nächsten Buch gehe ich definitiv in Rente!

Mehr als Eckermann hat jedenfalls seine langjährige Verlobte gelitten (Name vergessen). Die musste zunächst jahrelang darauf warten, dass Eckermann endlich eine Stelle bekam, von der eine Familie leben konnte (was Goethe nicht wollte, da er ihn nicht entbehren konnte; anständig bezahlt hat er ihn aber auch nicht). Als es dann schließlich soweit war, ist sie bei der Geburt des ersten Kindes gestorben. Im Rückblick waren die Wartejahre davor also ihr eigentliches Leben. Ganz schön bitter.

Keine Sorge, das hatte ich genau so verstanden.

Über andere offensichtlichst irrige Vorstellungen besser den Mantel des Schweigens

Die Rente, ich geh jetzt erstmal nach Hause. Bislang eilt es mir damit nicht.

Ich wünsche Dir viel Freude mit dem nächsten Buch!

@Barocke

Die “ewige Braut” hieß Johanne Bertram, gerade im Nachwort meiner Eckermann-Ausgabe nachgelesen.

Goethe konnte Eckermann nicht entbehren und hat sich daher nicht besonders engagiert um die finanzielle Absicherung seines hilfreichen Freundes gekümmert. Aber er soll auch die Italienreise für Eckermann bezahlt haben (das war natürlich eine Dienstreise).

Gleichzeitig aber, so das Nachwort, hat Eckermann wohl auch nicht besonders engagiert verhandelt, auch nicht, wenn es um Jobs als Erzieher oder Lehrer anderer Standespersonen ging.

Das war schon ein merkwürdiges Verhältnis zwischen den beiden.

Du machst mich neugierig Barocke!

Hätte ich nicht schon so viele Bücher gelesen, würde ich dich nach einem konkreten Titel fragen, aber ich kann mich gerade noch so beherrschen!

:wink:

“Vielfach sitze ich selbst wohl eigenen Borniertheiten auf.”

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Die Morgendämmerung beginnt ?

Gestern z.B. (übrigens noch bevor ich seine “Flaschenpost” las), habe ich einfach mal wieder bei Wolfgang angerufen. Ich war neugierig, wie es ihm wohl geht…, was er zur Ammerseekreuzfahrt zu erzählen hat… Das war, wie ich finde, ein sehr interessantes, wertschätzendes Telefonat.

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Du plauderst ungezwungen mit Wolfi?
Bin beeindruckt…

:wink:

Hallo Amy,

lies lieber Goethe, da hast du mir von. Und es kostet fast nichts, außer der Bereitschaft, sich auf eine versunkene Welt einzulassen, die durch Goethes kristallklare, in allen Farben schimmernde Sprache wieder lebendig wird.

Falls du die Kindle-App hast:

https://www.amazon.de/Sämtliche-Werke-Über-Titel-einem-ebook/dp/B0166ZNO9G/ref=pd_cp_351_1?_encoding=UTF8&pd_rd_i=B0166ZNO9G&pd_rd_r=504f9d19-abc2-11e8-b7f7-33d0f6fc033c&pd_rd_w=1H2T0&pd_rd_wg=yZGF3&pf_rd_i=desktop-dp-sims&pf_rd_m=A3JWKAKR8XB7XF&pf_rd_p=e3d2b971-8ce7-438b-ac68-8836384e190a&
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Du könntest zum Beispiel mit “Wilhelm Meisters theatralische Sendung” beginnen. Oder, da du mit der Schweiz verbunden bist, mit den Briefen aus der Schweiz.

Danke für den absoluten Geheimtipp Barocke, Goethe kannt’ ich gar noch nicht…

:wink:

Wo bleibt nur Frau S.?

Wenn es um Literatur geht, müsste sie bald zur Stelle sein…

Sie schrieb einmal, sie sei im Besitz von ca. 7000 Büchern, die sie sogar alleine umgezogen hat. Eine beachtliche Leistung!