Ich weiß nicht, ob solche Vergleiche sinnvoll sind, weil sie schnell dazu führen können, das Leiden anderer kleinzureden und oft Leuten an den Kopf geworfen wird. (“Stell dich nicht so an, anderen geht es viel schlimmer!”)

Ich bin behinderter als manche, die ihre Lebensqualität trotzdem schlechter bewerten würden als ich meine. Aber ich würde denen nicht sagen, dass es Menschen schlimmer haben, weil das schlimm ist, was man selbst als schlimm empfindet.

Freiheit ist etwas, das jeder für sich definiert. Ich fühle mich beispielsweise frei, wenn ich mit 70 km/h mit dem Rennrad Berge runterbrettere. Für andere wäre das gar nichts und ihnen wäre es egal, wenn sie das nicht könnten.
Dafür kann ich nicht rennen und kaum stehen, das wiederum wäre für manch anderen ein Freiheitsverlust, obwohl es mir persönlich egal ist.

Wie gesagt, ich glaube nicht, dass da Vergleiche zielführend sind. Wenn ich ein Bein verlieren würde, würde es mir z.B. nicht besser gehen mit dem Wissen, dass mein Nachbar ein Bein UND einen Arm verloren hätte.

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@Paule @Paulina212

Ich kann die Aussage von Frau Kottmann zur vermissten Freiheit nachvollziehen. Je stärker die Behinderung ist und je mehr Hilfe man benötigt, desto eingeschränkter ist man. Im Wort ‘Einschränkungen’ ist das Wort ‘Schranke’ enthalten, und Schranken begrenzen die Freiheit.

Frau Kottmann berichtet, sie bräuchte viel Hilfe, zum Beispiel durch ihren Mann. Das zum Beispiel beinhaltet schon mal, daß sie viele Dinge nicht alleine erledigen kann, zu dem Zeitpunkt, der ihr gerade passt, sondern sich dazu mit ihrem Mann koordinieren muss. Oder ein anderes Beispiel: Sie berichtet, so eben mal spontan und alleine an den Tegernsee düsen geht auch nicht. Vielleicht, weil sie dazu Hilfe benötigt oder aus anderen Gründen, die ich nicht kenne.

Das heißt nicht, daß man sich mit so einer Situation nicht arrangieren könnte. Wat mut dat mut… Aber wenn man die uneingeschränkte (Bewegungs)-Freiheit aus gesunden und unbehinderten Zeiten kennt, ist der Unterschied zwischen früher und heute spürbar.

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Das mal zum Thema Barrierefreiheit. Ist hier bei uns in der Nähe. Unglaublich.

Nach Poller-Streit in Krefeld: Provisorische Barriere macht Weg für Rollstühle wieder dicht

WDR Lokalzeit aus Düsseldorf | 08.01.2026 - hier anschauen :roll_eyes:

In unserem kleinen Ort sind auch nur Poller…

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Natürlich ist die Freiheit eingeschränkt aber nicht verloren

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@Paulina212

Okay. Vielleicht können wir uns darauf einigen:

Sie hat (nach ihrem Empfinden) einen guten und für sie wichtigen Teil ihrer Freiheit verloren…
??

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Das ist übergriffig

Warum könnt ihr der guten Frau nicht einfach ihr eigenes Erleben lassen??

Da gibt es doch nix einzuordnen. Jede(r) darf das für sich anders empfinden, was Freiheit ausmacht

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Ich habe doch oben geschrieben, daß ich die Aussage von Frau Kottmann nachvollziehen kann:

Aber ist jetzt egal…

Ich antworte mal auf dich, Paule, und auf Paulina212 und die Frage, ob man durch die MS(-Symptome) Freiheit verliert.
Ich kann das ganz stark nachempfinden, auch wenn ich körperlich noch etwas mehr kann, also z.B. 100m laufen mit 2 Stöcken. Oder mit Rollstuhl plus Zuggerät eigenständig Termine wahrnehmen und Freunde treffen. Oder auf eine normale Toilette gehen usw.

Trotzdem gibt es immer wieder Situationen, in denen ich mich notgedrungen hilflos fühle und teilweise völlig von Anderen abhängig bin. Ganz aktuell habe ich das Problem, dass in unserem Auto die Batterie schlapp gemacht hat. Ich fahre noch eigenständig 20-30 km und nehme meine Stöcke mit.
Jetzt bin ich völlig von meiner Frau abhängig, da ich zwar knapp 1 km von zuhause in einer freien Autowerkstatt eine neue Batterie einbauen lassen könnte, aber erst mal dahin kommen muss (die kommen nicht zu uns nach Hause zum Einbau). Dazu müsste ich einen Nachbarn fragen für die Überbrückung mit Starthilfekabel, um erst mal nur zu der Werkstatt zu kommen, weil die nicht wissen, ob sie eine passende Batterie auf Lager haben und erst mal die Batterie in unserem Auto sehen wollen (ein Problem: Start-Stopp-Automatik erfordert spezielle Batterie und spezielle Initialisierung beim Einbau). Dazu müsste ich Rollstuhl und Zuggerät einladen, um von der Werkstatt wieder nach Hause zu kommen.

Ich höre hier auf, aber ihr merkt ja schon, dass das Ganze so aufwändig und komplex für mich wäre, dass es de facto unmöglich ist und ich also auf meine Frau angewiesen bin, die aber noch halbtags arbeitet und selbst auch andere Termine hat. Ggfs, muss ich 2 Termine im Lauf dieser Woche absagen, wenn ich das Auto dann noch nicht zur Verfügung habe.

Ihr kennt das sicher auch in ähnlicher Form. Oder in den letzten 10 Tagen immer wieder die Frage, wie das Wetter am nächsten Tag sein wird (Schnee, Glatteis, überfrierende Nässe) und welche Therapie-Termine ich absagen muss, weil ich mit Rollstuhl und Zuggerät nicht hinkomme oder das Sturzrisiko mit 2 Stöcken zu groß ist. 10 Tage lang ängstliche Daueranspannung. Und eben das Gefühl, ganz massiv in meiner Freiheit und meinen Möglichkeiten eingeschränkt zu sein. Abhängigkeit, Hilflosigkeit, Ohnmacht. Das nenne ich für mich schon einen massiven Verlust an Freiheit. Als Gesunder wäre ich einfach mit dem Auto hingefahren.

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@Michael27
Es geht mir fast genauso, nur hat niemand in meinem Umfeld einen Führerschein…

Und mir wäre es mit der Batterie ebenso ergangen.
Und sicher, das ist objektiv keine Freiheit in einem bestimmten Sinne.
Aber ich fühle das in diesen Situationen nicht.
Ich fühle das im Restaurant ohne Toilette, auf nem Rolliplatz der völlig woanders ist als dort wo meine Begleitung sitzt usw.

Trotzdem fühle ich mich frei. Ich denke schon die ganzen Tage drüber nach.
Meine Freiheit ist in meinem Kopf. Da kommt nix ran.
Ist das verständlich?

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So halb. Ich persönlich fühle mich nicht grundsätzlich und immer unfrei. Aber es gibt halt immer wieder Situationen im Alltag, in denen ich z.T. sehr schmerzhaft meine Unfreiheit, Abhängigkeit, ja Hilflosigkeit spüre.

Aber es freut mich für dich, wenn du das weitgehend ausblenden oder ignorieren kannst. Toll für dich, da kannst du stolz sein !

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