Ich antworte mal auf dich, Paule, und auf Paulina212 und die Frage, ob man durch die MS(-Symptome) Freiheit verliert.
Ich kann das ganz stark nachempfinden, auch wenn ich körperlich noch etwas mehr kann, also z.B. 100m laufen mit 2 Stöcken. Oder mit Rollstuhl plus Zuggerät eigenständig Termine wahrnehmen und Freunde treffen. Oder auf eine normale Toilette gehen usw.
Trotzdem gibt es immer wieder Situationen, in denen ich mich notgedrungen hilflos fühle und teilweise völlig von Anderen abhängig bin. Ganz aktuell habe ich das Problem, dass in unserem Auto die Batterie schlapp gemacht hat. Ich fahre noch eigenständig 20-30 km und nehme meine Stöcke mit.
Jetzt bin ich völlig von meiner Frau abhängig, da ich zwar knapp 1 km von zuhause in einer freien Autowerkstatt eine neue Batterie einbauen lassen könnte, aber erst mal dahin kommen muss (die kommen nicht zu uns nach Hause zum Einbau). Dazu müsste ich einen Nachbarn fragen für die Überbrückung mit Starthilfekabel, um erst mal nur zu der Werkstatt zu kommen, weil die nicht wissen, ob sie eine passende Batterie auf Lager haben und erst mal die Batterie in unserem Auto sehen wollen (ein Problem: Start-Stopp-Automatik erfordert spezielle Batterie und spezielle Initialisierung beim Einbau). Dazu müsste ich Rollstuhl und Zuggerät einladen, um von der Werkstatt wieder nach Hause zu kommen.
Ich höre hier auf, aber ihr merkt ja schon, dass das Ganze so aufwändig und komplex für mich wäre, dass es de facto unmöglich ist und ich also auf meine Frau angewiesen bin, die aber noch halbtags arbeitet und selbst auch andere Termine hat. Ggfs, muss ich 2 Termine im Lauf dieser Woche absagen, wenn ich das Auto dann noch nicht zur Verfügung habe.
Ihr kennt das sicher auch in ähnlicher Form. Oder in den letzten 10 Tagen immer wieder die Frage, wie das Wetter am nächsten Tag sein wird (Schnee, Glatteis, überfrierende Nässe) und welche Therapie-Termine ich absagen muss, weil ich mit Rollstuhl und Zuggerät nicht hinkomme oder das Sturzrisiko mit 2 Stöcken zu groß ist. 10 Tage lang ängstliche Daueranspannung. Und eben das Gefühl, ganz massiv in meiner Freiheit und meinen Möglichkeiten eingeschränkt zu sein. Abhängigkeit, Hilflosigkeit, Ohnmacht. Das nenne ich für mich schon einen massiven Verlust an Freiheit. Als Gesunder wäre ich einfach mit dem Auto hingefahren.