Hallo zusammen,

ich habe erst kürzlich die Diagnose MS erhalten. Seit einigen Monaten habe ich schubweise hohes Fieber, weswegen es angeblich nicht möglich ist, eine Therapie zu beginnen.

Allerdings wird es mit den MS-Symptomen immer schlimmer und ich bin schon jetzt kaum in der Lage, meine Pflichten auf der Arbeit ordentlich zu erfüllen.

Ich arbeite selbst in einem Krankenhaus und jeder Tag ist wie ein Spießrutenlauf. Die Neurologen bei uns warten nur darauf, dass ich mich von ihnen behandeln lasse, bis jetzt konnte ich mich davor aber immer wieder rausreden. Ich möchte ungern im System landen, wo fast jeder Zugriff drauf hat.

Nichtsdestotrotz: Ich bin noch in der Ausbildung und wenn sich nicht bald etwas findet, mit dem ich die Symptome behandeln kann, wird es schwierig. Die Zeit bis zur Abschlussprüfung rennt und ich habe nur noch 4 Monate bis dahin.

Woher die Fieberschübe kommen, konnte man bis jetzt noch nicht feststellen. Mit der MS wurden sie nicht in Zusammenhang gebracht.

Wäre nett, wenn jemand mir weiterhelfen könnte: Kontakt jederzeit gerne über 82schmidtc@googlemail.com.

Viele Grüße!!!

Hallo Tina,

du schreibst, du willst eine Therapie beginnen - dann schreibst du aber zweimal, du willst die MS-Symptome behandeln. Ja, was denn nun? Meinst du mit “Therapie beginnen” eine verlaufsmodifizierende Basistherapie oder meist du eine symptomatische Therapie?

Die verlaufsmodifizierenden Basistherapien sind zur symptomatischen Therapie nicht geeignet! Wenn du mit einer Interferon-Langzeitbehandlung anfängst, ist es im Gegenteil sogar möglich, dass du vor allem in der Eingewöhnungsphase unter Grippesymptomen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen leidest, darum würde ich damit an deiner Stelle bis nach der Abschlussprüfung warten.

Wenn du aber eine symptomatische Therapie meinst: welche MS-Symptome willst du denn therapieren? Es gibt so viele: Schmerzen, Spastik, Fatigue, Blasenprobleme, und ein “Rundumschlag”-Medikament gegen alles gibt es nicht!

Bis man seine persönliche Dauertherapie gefunden hat, kann es Monate dauern, da man bei vielen Medikamenten erst eine Eingewöhnungsphase durchstehen muss, ehe man feststellen kann, ob man das Passende gefunden hat. Ich habe z.B. mal nach vier Monaten das Gabapentin wieder abgesetzt, da ich davon zwar eine Linderung meiner neuropathischen Schmerzen verspürte, aber Gummibeine bekam.

Ein “Rundumschlag-Medikament” wäre am ehesten ein Glucocorticoid, das kann fast Tote aufwecken - aber um welchen Preis: Immunsuppression, Glaukom, Katarakt, Osteoporose, Gelenkkopfnekrosen, Cushing-Syndrom … darf’s noch etwas mehr sein? Ich nehme auch ab und zu eines, aber nur kurze Zeit und in Maßen.

Gegen eine Cortisontherapie spricht bei dir, dass du Fieberschübe ungeklärter Genese hast! Erstens, weil es sein kann, dass deine MS-Symptome sich durch die erhöhte Körperkerntemperatur verschlimmern (das allseits bekannte Uhthoff-Syndrom). Dann ist nicht die MS selbst die Ursache der gefühlten Verschlimmerung, sondern das Fieber, und wenn die Ursache des Fiebers gefunden und behandelt wird, können sich auch die MS-Symptome bessern. Nicht an allem ist die MS schuld.

Mit “schubweise hohem Fieber” würdest du von mir auf keinen Fall Cortison bekommen. Es könnte ja sein, du hast eine Infektion - z.B. eine Borreliose -, da müsste erst mal die Ursache gefunden werden. Ein Immunsuppressivum wie Cortison wäre bei einer Infektion wie Benzin ins Feuer gießen! Ich kann verstehen, dass man bei dir ohne genauere Untersuchung auf keinen Fall mit einer immunsuppressiven oder immunmodulierenden Therapie anfangen will.

“Fast jeder” hat wahrscheinlich keinen Zugriff auf deine sensiblen Daten. Da gehört schon mehr dazu als ein Laptop. Es gibt hierzulande auch datenschutzrechtliche Vorschriften. Wenn du in keinem System landen willst, musst du auch auf Ausweispapiere, Versicherungen und Konten verzichten und auf eine einsame Insel ziehen. Das wäre schlicht nicht praktikabel. Und so arg ist deine Angst vor Datenschnüffelei ja doch nicht, denn du veröffentlichst hier ohne Bedenken eine deiner Mailadressen.

Ich würde dir raten, dich erst mal ordentlich durchchecken zu lassen, um die Ursache des Fiebers herauszufinden. Das kann kein niedergelassener Arzt leisten, dazu braucht es eine gründliche Labordiagnostik. Weiß der Himmel, welche Erreger sich in deinem Organismus austoben, und jedes Mal, wenn eine neue Generation geschlüpft ist, kommt wieder ein Fieberschub (mal simpel ausgedrückt).

Wenn du das nicht willst, ist es dir unbenommen, auf die Symptome mit Paracetamol oder sonst einem NSAR draufzuballern, das wirkt fiebersenkend und damit bessern sich vielleicht auch die “uhthoff-bedingten” MS-Symptome. Aber in meinen Augen wäre das leberschädigender Pfusch. Daten geschützt, Leber im Eimer? Lieber nicht. Lass dich durchchecken, verschiebe notfalls die Prüfung, die Gesundheit ist wichtiger. Was hast du von einer bestandenen Prüfung, wenn du danach erwerbsunfähig bist.

Gute Besserung und alles Gute!
Renate

Hey,
die Bedenken bezüglich Deines “Kollegiums” kann ich verstehen, trotzdem hat Renate Recht und Du solltest die Untersuchungen im KH machen lassen… gibt es eine alternative Klinik mit einer neurologischen Station? Kannst Du ansonsten fragen, ob es in Deinem besonderen Fall (Angestellte vs. Patientin) Möglichkeiten gibt, aus Datenschutzgründen nicht oder nur eingeschränkt im System zu landen?
Viel Glück!

Hallo Tina!

Ich kenne Deine Sorge bezüglich des Datenschutzes.
Auch ich arbeite an einem Klinikum und habe die Diagnose in diesem Klinikum bekommen.

Es gibt die Möglichkeit, eine Datensperre zu aktivieren. Das kann man bei der Anmeldung direkt machen (aber selbstverständlich ist das auch später noch möglich). Damit stellst Du sicher, dass nicht jeder die Daten einsehen kann, sondern nur behandelnde Ärzte (wer genau Zugriff hat, kann Dir sicher der emand erklären, der Dir die Sperre einrichtet).

Ich hoffe, ich konnte Dir damit helfen.
Alles Gute und viele Grüße,
Jes