In der ZEIT gibt es einen Artikel dazu:

https://www.zeit.de/gesundheit/2022-01/epstein-barr-virus-ms-studie/komplettansicht

Für uns käme diese Erkenntnis allerdings ohnehin zu spät.

Überhaupt nicht zu spät. Die Zerstörung von EBV Zellen im Liquor zur Behandlung von progredienten Formen der MS ist mittlerweile ein etablierter Behandlungsansatz in manchen Ländern.

„…Erwiesen, dass diese Behandlung gut verträglich ist und klinische Verbesserungen bewirken kann, die bis zu drei Jahre nach der Behandlung anhält.“

Aktuell laufen Phase 2 Studien. Vielleicht kommt der Ansatz bald nach Europa.

Hallo Marc,

danke für den Hinweis. Ich hatte den Artikel in der ZEIT so verstanden, dass sich aus den neuen Erkenntnissen lediglich eine Impfung gegen MS ergeben kann. Aber wenn es auch eine Behandlung gegen die Progression gäbe, wäre das natürlich klasse.

Das ist ebenfalls richtig. Man versucht halt dieses Thema aus verschiedenen Richtungen anzugehen.

Die gängige Hypothese zur EBV bedingten MS Pathogenese ist jedenfalls daß aufgrund einer verspäteten Mononukleose in der Jugend ein paar B-Zellen „falsch programmiert“ werden und diese später im Leben durch bestimmte externe Faktoren getriggert werden so dass sie autoimmune Eigenschaften annehmen.

Diese Vermutung könnte dadurch bestätigt werden indem man im Kindesalter durch Impfung bereits auf den EBV Virus sensitiviert wird und dann prüft, ob dadurch später im Leben eine MS vermieden werden könnte.

Dafür bräuchte man also zunächst eine EBV Impfung, eine ausreichend große Kohorte und und etwa 1-2 Generationen Lebenszeit. Das wird also sicherlich noch etwas dauern…

Zumindest macht man Fortschritte bei der EBV Impfung. Der Moderna mRNA Impfstoff ist bereits in klinischen Studien.

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Diese Ursachenhypothese ist übrigens recht gesichert durch Kohortenstudien wie diese:

„… Das MS-Risiko stieg nach einer Infektion mit EBV um das 32-fache, nicht aber nach einer Infektion mit anderen Viren, einschließlich des ähnlich übertragenen Cytomegalovirus. Der Serumspiegel der Neurofilamentkette, eines Biomarkers für neuroaxonale Degeneration, stieg nur nach einer EBV-Serokonversion an. Diese Ergebnisse können durch keinen bekannten Risikofaktor für MS erklärt werden und deuten auf EBV als Hauptursache für MS hin.…“

Man fragt sich daher machmal, wie andere Schreiber auf die Floskel kommen: „Die Ursache der MS ist nicht mal ansatzweise bekannt“ …
Haben sich wohl nicht mal ansatzweise zum Thema informiert…

Hallo Marc,

ich habe mit verschiedenen Ärzten (Neurologen) über diesen Ansatz und die darauf aufsetzenden Behandlungsoptionen gesprochen, aber das Feedback war spärlich. Leider ist “bald” ein ziemlich dehnbarer Begriff…

Viele Grüße, SWR

Bei 70 Millionen EBV infizierter in Deutschland und lediglich 250.000 MS-lern kann man nicht von einer Haupursache von EBV sprechen.

Die wirklichen Ursachen der MS sind nicht mal ansatzweise verstanden.

So long
Uwe

Dann wurde offensichtlich etwas hier falsch verstanden.
Es steht nirgends, dass DIE MS durch EINE EBV ausgelöst wird.

Soviel zum Glauben, dass man sich ausführlich mit einem Thema beschäftigt hat.

Das wird für manche Neurologen sicherlich ein Umdenken bedeuten.
Andererseits ist wohl auch noch nicht klar, wie diese Therapie später angeboten werden soll

Die IP zu dieser Therapie wurde vom Prof. erstmal an ein börsennotiertes Biotech übertragen mit dem Auftrag der Vermarktung. Wie die damit umgehen werden, weiß noch niemand.

Lieber Marc

die ganzen Medien spielen wieder einmal mit uns und manipulieren aufs Gröbste. Sätze wie dieser werden dann mit einem “wohl” oder “womöglich”, gut versteckt im Titel, oder einem Konjunktiv entsprechend entschärft, damit es auch juristisch allglatt bleibt.

Zitat: Bisher war es nur ein Verdacht – doch nun zeigt eine Studie, dass das Epstein-Barr-Virus die Hauptursache von Multipler Sklerose ist.
Hier steht ganz deutlich: eine Studie zeigt, dass EBV die MS verursacht"
Quelle: Multiple Sklerose: Epstein-Barr-Virus wohl wichtigste Ursache - [GEO]

Und von solchen Artikeln gibt es einige.

Schlussendlich ist es nur wieder eine Sau, die durchs Dorf getrieben wird, und erst noch eine alte!

Warum macht man das? Aufmerksamkeit? Preis vom Startup pushen? Klicks generieren?
Ich kann es nur erahnen.

LG
MO

@Marc696 Ich frage mich, ob eine solche Therapie in Richtung “Reset” des Immunsystems geht. Und dazu gibt es ja jetzt schon einen praktizierten Ansatz.

Hi MO,

es geht nachwievor um Hypothesen, die irgendwann nach der Jahrtausendwende entstanden sind und für welche die Belege sehr schleppend bis garnicht bisher geliefert wurden da kein Geld/Druck durch Pharma.

Das Problem hier ist nicht die eigentliche Hypothese sondern die Berichterstattung, die ohne Hintergrundwissen kontextfrei zum Thema berichtet/kommentiert - dabei wahllos mit Begrifflicheiten wie “Ursache”, “Hauptursache” etc. um sich wirft - und dadurch offensichtlich die Leserschaft verwirrt.

Wie schon geschrieben, der Beweis für diesen Ansatz wird vermutlich noch Jahrzehnte dauern. Man kann allenfalls hoffen, daß durch solche Diskussionen das öffentliche Interesse und der wissenschaftliche Fokus etwas mehr in diese Richtung gelenkt wird, damit das Vorgehen etwas beschleunigt werden kann.

Ist ist weniger ein allgemeines Reset als eine Umprogramierung der T-Zellen denen erklärt wird, wo das eigntliche Problem im ZNS herrscht.

Die Ursachen sind nicht verstanden

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Und diese Epstein Barr Viren, die haben jetzt also einen Quecksilberkern der von der Proteinhülle umschlossen ist ? Hinterhältige kleine Dinge, die.

Da der Zusammenhang auch in dem Artikel als nur eine mögliche Ursache neben anderen wie Vit D Mangel, Genenik etc. gesehen wird, ist die Forschung nach einem Impfstoff gegen den EBV als mögliche Verhinderung einer MS nicht etwa wagemutig. Oder ist es zukünftig so, dass die Impfstoffe entwickelt werden und durch die massenhafte Verimpfung die Wirksamkeit erst nachgewiesen wird? G… Jakobine

Die Hypothese, nach welcher eine verspätete Mononukleose notwendige Vorraussetzung für eine spätere MS ist, sollte - wie weiter oben bereits beschrieben - dadurch bestätigt werden, indem man im Kindesalter durch Impfung bereits auf den EBV Virus sensitiviert wird und dann prüft, ob dadurch später im Leben eine MS vermieden werden könnte.

Dafür müsste man nunmal zunächst eine ausreichend große Kohorte mit dem zukünftigen Impfstoff verimpfen und etwa 20-30 Jahre warten. Ich glaube nicht, dass man das als eine „massenhafte Verimpfung“ bezeichnen kann.

Die Teilnahme wäre jedenfalls sicherlich freiwillig.

Wäre ein interessanter Outcome.
Was ich mich aber frage, würde die Impfung (Aufgrund der Antikörper) nicht das gleiche auslösen

Eigentlich wird schon deutlich länger vermutet, dass EBV zu den Protagonisten gehört, die eine MS ud andere Krankheiten auslösen. Die Untersuchung beim US Militär hat dies lediglich statistisch belegt. Und da EBV in den B-Lymphozyten persistiert, funktionieren die CD20-AK-Therapien bei allen Risiken besonders gut bei MS.

Mich wundert nur, dass ich bisher nichts über Ansätze zu einer EBV-Eradikationstherapie gelesen habe. Insbesondere, weil das bekannte Aciclovir wohl nicht gegen EBV wirkt, obwohl es sich ebenfalls um ein Herpesvirus handelt. Einige Neurologen und Neurobiologen haben bereits schlüssige Thesen aufgestellt, wer die anderen Bösewichte sind, ohne die eine EBV-infizierte B-Zelle keine Nervenschäden anrichten würde.

Ich habe mich noch einmal mit dem Thema MS + Epstein-Barr-Virus beschäftigt. Die wichtigste – alltagsrelevante – Botschaft der besagten MS/EBV-Studie (Science.org Jan '22) findet sich versteckt im letzten Absatz des Haupttextes:

„… that EBV, in addition to causing MS, contributes to MS clinical course, which could thus be potentially modified by antivirals.“

Heißt: mit „Antivirals“ also antiviralen Medikamenten kann der Verlauf der MS positiv beeinflusst werden. Heißt: B-Zellen ohne EBV greifen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit das Nervengewebe nicht mehr an. Genau dazu sollte es aktuell eine Studie geben, mit Tenofovir als Add-On zu Ocrevus:

Auch wenn die Studie leider kurzfristig abgesagt wurde (guess why), ist die Study Description SEHR aufschlussreich. Erstens: mein Neurologe hat mich über diese Details der CD20-Antikörper-Medis nicht aufgeklärt. Zweitens: keine Neuroprotektion oder Reparatur, bevor nicht sämtliche B-Zellen entschärft sind (nicht nur die CD20-Zellen).

Ich habe jedenfalls beschlossen, nicht auf die Studie zu warten. Alles weitere wird sich weisen …

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