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Beziehungsweise

Ist es nicht möglich, sich täglich nahe zu sein, ohne alltäglich zu werden -
voneinander entfernt zu sein, ohne sich zu verlieren…?

Beziehungsweise
sich maßlos zu lieben, ohne sich lieblos zu maßregeln -
einander gewähren zu lassen, ohne die Gewähr zu verlieren…?

Beziehungsweise
einander sicher zu sein, ohne sich abhängig zu machen -
einander Freiheit zu gewähren, ohne sich unsicher zu werden…?

Beziehungsweise…

Jochen Mariss

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Das Fräulein stand am Meere
Und seufzte lang und bang,
Es rührte sie so sehre
Der Sonnenuntergang.

Mein Fräulein! sein Sie munter,
Das ist ein altes Stück;
Hier vorne geht sie unter
Und kehrt von hinten zurück.

Heinrich Heine

Vor fast 200 Jahren der gleiche Kreislauf wie heute

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Die Made

Hinter eines Baumes Rinde
wohnt die Made mit dem Kinde.

Sie ist Witwe, denn der Gatte,
den sie hatte, fiel vom Blatte.
Diente so auf diese Weise
einer Ameise als Speise.

Eines Morgens sprach die Made:
„Liebes Kind, ich sehe grade,
drüben gibt es frischen Kohl,
den ich hol. So leb denn wohl!
Halt, noch eins! Denk, was geschah,
geh nicht aus, denk an Papa!“

Also sprach sie und entwich. -
Made junior aber schlich
hinterdrein; und das war schlecht!
Denn schon kam ein bunter Specht
und verschlang die kleine fade
Made ohne Gnade. Schade!

Hinter eines Baumes Rinde
ruft die Made nach dem Kinde …

-Heinz Erhardt-

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Schwebende Füsse in pathetischem Glanze.
Ich selbst,
Auch ich tanze,
Befreit von der Schwere
Ins Dunkle, ins Leere.
Gedrängte Räume vergangener Zeiten,
Durchschrittene Weiten,
Verlorene Einsamkeiten
Beginnen zu tanzen, zu tanzen.

Ich selbst,
Auch ich tanze.
Ironisch vermessen,
Ich hab nichts vergessen,
Ich kenne die Leere,
Ich kenne die Schwere,
Ich tanze, ich tanze
In ironischem Glanze

Hannah Arendt, Traum, Winter 1923/24

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www.instagram.com/anke.b

Meine Miniaturprosa. :two_hearts:

Danach

Ich reiste alleine durch die Tropen,
sah Affen, Gnus und Antilopen
und – leider viel zu spät – den Tiger!
Er kam von hinten und blieb Sieger! -
Nun sitze ich hier im Paradiese
mit anderen Engeln auf der Wiese.
Man ist sich noch ein wenig fremd.
Zwei Flügel wachsen durch mein Hemd …

Heinz Erhardt

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(c) Bettina Schipping

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Mir gefällt die Vorstellung, das wir alle eine Sonne in uns haben :sun_with_face::muscle:t2:

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JUGEND

Jugend ist kein Lebensabschnitt – sie ist eine Geisteshaltung.
Sie ist keine Frage von roten Wangen, roten Lippen und geschmeidigen Knien.
Sie ist eine Regung des Willens, eine Eigenschaft der Vorstellungskraft, eine Lebendigkeit der Gefühle;
sie ist eine Frische aus den tiefen Quellen des Lebens.
Jugend bedeutet das Überwiegen von Mut gegenüber Ängstlichkeit,
von Abenteuerlust gegenüber einem bequemen Leben.
Dies findet sich oft eher bei einem Fünfzigjährigen als bei einem Zwanzigjährigen.
Niemand altert bloß durch das Verstreichen von Jahren;
man altert, indem man seine Ideale aufgibt.
Jahre mögen die Haut runzeln, doch der Verlust der Begeisterung runzelt die Seele.
Sorge, Zweifel, Misstrauen gegen sich selbst, Furcht und Verzweiflung –
das sind die langen, langen Jahre, die das Haupt beugen
und den aufstrebenden Geist zu Staub zerfallen lassen.
Ob siebzig oder sechzehn: Im Herzen eines jeden Menschen wohnt die Liebe zum Staunen;
das süße Staunen über die Sterne und sternengleiche Dinge und Gedanken;
die unerschrockene Herausforderung durch die Ereignisse,
die unermüdliche, kindliche Neugier auf das, was kommt,
und die Freude am Spiel des Lebens.
Du bist so jung wie dein Glaube, so alt wie dein Zweifel;
so jung wie dein Selbstvertrauen, so alt wie deine Angst;
so jung wie deine Hoffnung, so alt wie deine Verzweiflung.
Im tiefsten Inneren deines Herzens gibt es eine Funkstation.
Solange sie Botschaften von Schönheit, Hoffnung, Zuversicht, Größe, Mut
und Kraft empfängt – von der Erde, von Menschen und aus dem Unendlichen –, solange bist du jung.
Wenn die Leitungen unterbrochen sind und das Innere deines Herzens bedeckt ist
vom Schnee des Pessimismus und dem Eis des Zynismus,
dann bist du wahrlich alt geworden!

Samuel Ullman (Youth… aus dem Englischen übersetzt))

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“Manche Menschen wollen immer glänzen, obwohl sie keinen Schimmer haben.”

-Heinz Erhardt-

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Hundddahchs Schdimmunk (Lene Voigt)

De Hiddse zerweechd noch‘s Gehärne.

Wie ausgeschdorm liecht dr Augustusbladds,

Gee Leibzcher gommd driewr gezohchn,

Bevor een de Sonne so gliehd uffn Ladds,

Da machd mr schon liewer ä Bohchen.

Mir Gobbarbeeder verzweifln schon bald,

Da siddsd mr, dem Fädrhalder umgralld,

Un schdindlich wärd schwärer de Bärne.

Dr Mänsch mechde färmlich ä Goldfisch sin,

Där in ä Bassäng wärd gehaldn.

Mr gondelde dann ämal här, ämal hin,

Un war eechal drinne im Galdn.

Quelle: Neue Leipziger Zeitung vom 26.07.1925

“Ich möchte ein Eisbär sein…” kennt ja jeder. Lene Voigt möchte an Hundstagen ein Goldfisch sein. BLUBB

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Ein Mensch, der spürt, wenn auch verschwommen,
er müsste sich, genau genommen,
im Grunde seines Herzens schämen
zieht vor, es nicht genau zu nehmen.
Eugen Roth

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Ein Mensch fühlt oft sich wie verwandelt,
Sobald man menschlich ihn behandelt!
Eugen Roth

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Ein Mensch erlebt den krassen Fall,
es menschelt deutlich, überall
Und trotzdem spürt man weit und breit
oft nicht die Spur von Menschlichkeit
Eugen Roth

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Deine Texte sind immer sehr schön, regen zum Nachdenken an und sind zum schmunzeln… :hugs:

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Dankeschön :smiley: :kissing_heart:

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Sehr gerne :kissing_heart: Aber hau nicht wieder ne Antwort raus :joy:

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