@Paulina212
mitfreu
SelbstfĂŒrsorge kann auch dazu fĂŒhren, dass man sich einschrĂ€nkt um nicht aufzufallen, sich nicht zu blamieren, nicht bedauert zu werden âŠich wohne auf dem Dorf und meide Situationen (Versammlungen z.B.) wo ich im Vorbeilaufen von anderen beobachtet werde weil ich weiĂ, wie da geredet wird:" oh, schau mal, die lĂ€uft heute aber arg schlechtâŠdann wird man bedauert und besonders freundlich behandelt
Ich mag nicht bedauert werden
Mich wĂŒrde mal interessieren, wie ihr euch philosophisch erklĂ€rt, in dieser âMS Situationâ zu stecken, und ob es von der vorigen Lebensphilosophie abweicht durch die KrankheitâŠ
Ich z.B. wĂŒrde sagen, auf der haben Seite hat diese Krankheit mir viel Demut und Gelassenheit gebracht⊠leider hat Sie auch einiges genommen, das mir wichtig ist -vielleicht bekomm ich ja noch etwas zurĂŒck - ach und wo wir dabei sind, Hoffnung und Tiefes Vertrauen - mir hat die Krankheit gezeigt, wie man mit Verzweiflung klarkommt, wie schön es ist, wenn der Regen sich verziehtâŠ
Ich wĂŒrde lieber ohne die MS leben, aber da das keine Option ist, arrangiere ich mich ganz gut - solange nicht gerade ein Totalausfall ins Haus steht 
FĂŒr mich bedeutet Philosophieren u.a. nachzudenken ĂŒber den Sinn des Lebens, was ist Freude, GlĂŒck, was ist wichtig fĂŒr ein erfĂŒlltes Leben, was schafft ZufriedenheitâŠ
âŠund Krankheiten allgemein bringen Menschen zum Nachdenken ĂŒber die Zukunft, Vergangenheit und die Gegenwart
âŠman fragt vielleicht warum
âŠwas kann ich tun
Und wer die Hoffnung, die Zuversicht, Geduld, Optimismus sowie Aufgeschlossenheit fĂŒr Neues nicht verliert ist ein echter GlĂŒckspilz
Beim Philosophieren ist mir eines bewusst geworden: es gibt sehr zufriedene, heitere, gelassene âKrankeâ ebenso wie permanent unzufriedene âGesundeâ
Ich denke aber manchmal auch, dass Menschen die schon vorher eine Null in Zwischenmenschlichkeit und der Verbindung mit dem eigenen Ich waren, es auch grundsĂ€tzlich schwerer haben, dann eine Krankheit wie MS zu akzeptieren - soll jetzt nicht so klingen, als wenn ich nie mit der Krankheit hadere, aber ich glaube, ich habe gelernt das unabdingbare ohne Groll zu akzeptierenâŠ
(gelegentliches Fluchen muss erlaubt seinâŠ)
Ja, ich sehe das auch so.
Aufgeschlossene, optimistische Menschen kommen mit Schwierigkeiten, SchicksalsschlĂ€gen viel leichter zurecht als PessimistenâŠaber ist es eine Frage der eigenen Entscheidung ob ich eher der eine oder der andere Typ bin?
Ich denke auch dass immer beides möglich istâŠ
hatte eine relativ starke Depression - da kann man vorher der optimistischte Mensch der Welt gewesen sein, Dunkel ist DunkelâŠ
Oder bei frischen Verschlechterungen ist es auch erstmal schwierig mit der Akzeptanz, aber wie schon geschrieben, irgendwann ist der Regen vorbei und die Sonne kommt durch - zumindest wenn man genĂŒgsam genug ist, um die Sonnenstrahlen auch wahrnehmen zu können.
Ja, wenn es dunkel ist, ist es schwer, schöne Dinge im eigenen Umfeld wahrzunehmen und was sonst noch passiert auf der Welt interessiert schon gar nicht
Ich habe mich schon vor MS ĂŒber kleine Dinge gefreut, bin mit offenen Augen durch die Welt marschiert, bin, vielleicht durch Alter und Vernunft, ruhiger geworden. Aber es war dann schon hart, dass diverse Möglichkeiten einfach nicht mehr da sind, auch wenn man sie vielleicht gar nicht mehr gemacht hat.
Nichtsdestotrotz bin ich zufrieden, geniesse gerade den FrĂŒhling mit dem Vogelzwitschern, versuche, soweit es mir möglich ist, fĂŒr andere da zu sein und gut zu mir selbst zu sein. Kann auch fremde Menschen, die ich nur vom Sehen kenne, in den Arm nehmen, wenn es ihnen nicht gut geht.
Ich Frage nicht nach dem Sinn, Frage nicht warum, habe ich nie, ich bin einfach da und versuche, das Beste daraus zu machen
Ein Gedicht fĂŒr dich @Briga von Rainer Maria Rilke
Du musst das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen von jedem Wehen
sich viele BlĂŒten schenken lĂ€sst.
Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hÀlt den lieben jungen Jahren
nach neuen seine HĂ€nde hin.
Und dieses Gedicht von Fontane fĂŒr @damncrazydude
Tröste dich, die Stunden eilen, und was all dich drĂŒcken mag,
Auch das Schlimmste kann nicht weilen, und es kommt ein andrer Tag.
In dem ewâgen Kommen, Schwinden,
wie der Schmerz liegt auch das GlĂŒck,
Und auch heitre Bilder finden ihren Weg zu dir zurĂŒck.
Harre, hoffe. Nicht vergebens zÀhlest du der Stunden Schlag:
Wechsel ist das Los des Lebens, und es kommt ein andrer Tag.
Danke, ich liebe dieses Gedicht, versuche, seit ich es kenne, mein inneres Kind zu bewahren. 
Das scheint dir auch gut zu gelingen

Ja, gerade als Mann, wo man ja teils massiv dazu gedrÀngt wird, besonders hart und frei von SchwÀche zu sein, ist es in meinen Augen besonders wichtig, sich den Kontakt zu seinem inneren Kind zu bewahren.
Ich habe diese BedĂŒrfnisse in meiner Jugend und den 20ern viel ignoriert, aber es ist schön seitdem wieder mehr mit diesem Teil des ichs in Verbindung zu sein und diesen Teil der GefĂŒhlswelt nicht auszublenden - im besten Fall lernt man viel ĂŒber seine Ăngste und BedĂŒrfnisseâŠ
Meine Schwestern und ich sind auch mit SĂ€tzen wie âein Indianer kennt keinen Schmerzâ etc aufgewachsen.
Als Erwachsener gilt man als emotional, wenn man die gesamte Bandbreite der GefĂŒhle zeigt. Klar gibt es Situationen, in denen man sich beherrscht zeigen sollte, aber es gibt doch nichts schöneres, als einfach los zu lachen, wenn man GlĂŒck verspĂŒrt. Vor GlĂŒck ein paar TrĂ€nen vergiesst. Genauso gut tut es, auch die sogenannten negativen GefĂŒhlen rauszulassen.
Hier im Ort lernen die Klöckner noch, Melodien mit den Kirchturmglocken zu spielen. Das ist so schön! Oder wenn in Köln der dicke Pitter (weiĂ nicht, wie der geschrieben wird) ertönt. Das ist GlĂŒck pur fĂŒr mich! Das ist mein inneres Kind, das fragt nicht nicht nach dem warum.
Hier eine neue Frage: âWas ist mein gröĂtes Talentâ?
Ich kann sehr witzig sein.
Darin hat sich die Weltbeste verliebt, ich habe sie immer zum Lachen gebracht.
Gerne mehr Antworten 
Ich kann Negatives ( Mangel, Verlust, EnttÀuschung, Frust) gut kompensieren, bin deshalb ziemlich schnell wieder guter Dinge
Ich kann kreativ sein. Nicht nur, was ich gestalterisch in jungen Jahren zum Beruf gemacht hab, sondern auch im Alltag, beim werkeln oder bei Problemen und wenn man am besten 5 HÀnde brÀuchte usw.
Ich bin sehr empathisch, habe aber gelernt, auch meinen BedĂŒrfnissen gerecht zu werden