Nun konnte ichs mir nicht verkneifen und habs auch an Axel Springer geschrieben…

Die sehen den Turm jeden Tag.

Dem Turmmanagement schrieb ich:

Sehr geehrte Frau A…,

Indem Sie einer bestimmten Personengruppe den Zutritt verweigern, verstossen Sie gegen unser Grundgesetz !

Der Turm muss für ALLE offen oder für ALLE geschlossen sein…da darf es keine Ausnahmen geben !

da bin ich neugierig


Sehr geehrte Frau Rassmann,

vielen Dank für Ihre Ausführungen.

Leider bin ich so nicht einverstanden.

Indem einer bestimmten Personengruppe der Zutritt verweigert wird, wird gegen unser Grundgesetz verstossen.

  1. Der Turm muss entweder für ALLE offen oder für ALLE geschlossen sein…da darf es keine Ausnahmen geben.

  2. Ohne Prüfung, ob alle andern Besucher in der Lage sind, die 1000 Evakuierungsstufen nach unten zu steigen, wird die Gruppe der Rollstuhlfahrer herausgepickt und gesagt: “Ihr dürft hier nicht rein”
    … und das an einem so geschichtsträchtigen Ort.

Martin Mann

Mit freundlichem Gruss

Berliner Fernsehturm

Sehr geehrter Herr xxxx,

Herr Dr. Schneider hat Ihr Schreiben vom 30.06.2011 zur Kenntnis erhalten und mich gebeten, Ihnen eine Antwort zu kommen zu lassen.

Es entspricht leider der Tatsache, dass es immer noch keine Möglichkeit gibt, Rollstuhlnutzern/innen den Besuch des Fernsehturm zu ermöglichen.

Schon seit vielen Jahren suchen wir mit Vertretern der Senatsverwaltung, der Berliner Feuerwehr, dem Eigentümer und dem Betreiber des Fernsehturms intensiv nach bautechnischen Lösungen, um den Fernsehturm auch für Rollstuhlfahrer zugänglich zu machen.

Das Thema „Behinderte“ spielte in den Phasen Konzipierung und Bau des Fernsehturms leider noch keine Rolle; sonst wäre sicherlich entsprechende Vorsorge getroffen worden. Bei der großen Rekonstruktion 1995 / 1996 stand die Frage der Rollstuhlfahrer daher ganz vorn in der Agenda.

Der frühere Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung, Herr Marquard, selbst Rollstuhlfahrer, war Zeuge einer Feuerwehrübung im Fernsehturm und konnte sich eine mögliche Rettungssituation vor Ort direkt anschauen. Dabei stellte sich ihm die Situation als kompliziert dar:

Im Falle eines Brandes in der Kugel schließen sich automatisch die Zugänge zu den beiden Aufzügen. Diese fahren unverzüglich nach unten zum auf der Rückseite des Turms gelegenen Feuerwehreingang. Die inzwischen eingetroffene Feuerwehr kommt mit ihren Geräten in den beiden Aufzügen wieder nach oben, öffnet die Türen und löscht.

In der Zwischenzeit müssen alle Besucher/innen (bis zu 300, die sich zugleich dort oben aufhalten können) durch einen engen Schacht über eine fast senkrechte eiserne Leiter zu einer der schätzungsweise etwa 10 bis 15 m unterhalb der Kugel existierenden Evakuierungsplattformen (das sind die beiden Ringe unter der Kugel) klettern.

Dass hier jemand einen behinderten Menschen, der nicht laufen kann, auf dem Rücken mit sich runter nimmt, erschien selbst Herrn Marquard äußerst schwierig bis fast unmöglich.

Wenn der Brand gelöscht ist, klettern alle wieder nach oben und können dann später mit den Aufzügen, falls sie von der Feuerwehr wieder frei gegeben werden, nach unten fahren; oder, und das wird der wahrscheinlichere Fall sein: Alle steigen über eine Treppe mit Hunderten von Stufen ganz nach unten. Herr Marquard beschrieb dies als eine Horrorsituation.

Einen brandsicheren Aufzug, wie er heute in allen Gebäuden ab einer bestimmten Höhe vorgeschrieben ist und auch im Brandfall zur Rettung von Menschen zur Verfügung steht, gibt es im Fernsehturm nicht und es ist auch in dem schlanken Schaft kein Platz, einen nachträglich einzubauen.

Somit bestehen leider auch weiterhin keine Möglichkeiten rollstuhlgebundenen Behinderten weder einen generellen noch einen Zugang im Einzelfall zum Berliner Fernsehturm zu ermöglichen.

Ich bedauere wirklich aufrichtig, Ihnen keine günstigere Auskunft erteilen zu können.

Mit freundlichen Grüßen

also ich fand den antwortbrief umfassend, freundlich, verständlich und ausführlich.

sorry, ich finde es doof wenn andere wegen uns rollifahrern auf etwas verzichten müssten. wenn meine frau und mein sohn auf den turm fahren könnten, gutgelaunt wieder - mit fotos bewaffnet - herunterkämen und mir begeistert davon erzählten, wäre der turmbesuch auch für mich ein riesen erfolg.

wir haben nunmal einschränkungen und manche bauwerke sind eben alt und rollstuhlunbeachtet.

howie