Man kann ja über Trump und Kennedy Jr. geteilter Meinung sein. Auch ich spüre bei mir eine reflexartige Voreingenommenheit.
Aber die neue amerikanische Ernährungsrichtlinie hat mich sehr nachdenklich gemacht weil sie etwas sehr Sympathisches an sich hat.

Aber bitte macht euch selbst ein Bild und lasst die Vorgängerleitlinie (Biden-Administration) sowie die aktuell gültige Leitlinie (Trump-Administration) auf euch einwirken.

Welche von beiden Leitlinien spricht euch mehr an, einerseits in Bezug auf die optische Erscheinung und andererseits in Bezug auf den Inhalt?

LG
MO

A Dietary Guidelines for Americans 2020-2025
B Dietary Guidelines for Americans 2026-2030

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Interessante Idee von dir, beide Richtlinien zu vergleichen. Die Unterschiede interessieren mich auch.

Kann aber noch ein bisschen dauern, bis ich mich durch beide englischsprachigen Texte durchgekämpft habe. Wenn es so weit ist, gebe ich ggf. noch ein Statement.

Hmm, optisch ist die FDA Pyramide wohl auf den Kopf gefallen…

Vorher:

Nachher:

Jetzt sind die “bösen” Früchte also weiter unten und die bisher „unterdrückten“ Proteine haben endlich wieder ihren Platz oben damit Fleischliebhaber wieder ohne schlechtem Gewissen zuschlagen können…

P.S.: Vielleicht nützlich zu erwähnen, dass das FDA Komitee dieses Jahr zur Hälfte von Vertretern der US Fleischindustrie besetzt wurde…

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Ich habe eine interessante Stellungnahme zur Änderung der US-Ernährungsrichtlinien in Form eines Videos auf YouTube gefunden. Der als “Kult-Physio” gefeierte Ralf Blume kommentiert die neuen Richtlinien und bezieht sich dabei auf Ausführungen eines amerikanischen Arztes.

Beide, Herr Blume und der Arzt, äußern sich sehr positiv über die erfolgte Neuschreibung. Sie heben vor allem drei Punkte hervor.

Zum einen kritisieren sie die ihrer Meinung nach zu große Dominanz von Kohlenhydraten in der alten Fassung. Dort werden sechs bis elf Portionen Getreideprodukte pro Tag empfohlen. Das sei ihrer Meinung nach viel zu viel und fördere die Insulinresistenz und Diabetes. In der neuen Fassung haben Getreideprodukte einen geringeren Stellenwert und außerdem heißt es dort explizit “whole grain”, also Vollkorn, was vorher nicht der Fall war. Vorher hieß es nur “Bread, cereal, rice and pasta”.

Zum zweiten kritisieren beide in den alten Richtlinien eine zu geringe Zufuhr an Proteinen, was zu Mangelzuständen in der Bevölkerung führen würde. Die Proteinzufuhr dürfe deutlich gesteigert werden. Physio Ralf Blume ergänzt zu Recht, daß es dafür nicht immer tierische Proteine sein müssen. Es gibt auch verschiedene pflanzliche Möglichkeiten wie Hülsenfrüchte und Samen.

Und zum dritten ein für mich mega wichtiger Punkt: Hoch- bzw. ultraverarbeitete Lebensmittel werden in den neuen Ernährungsrichtlinien explizit und klar als Feind der Gesundheit genannt. Das hat schwerwiegende Bedeutung, wenn man bedenkt, daß sowohl in den USA als auch hier in Deutschland hochverarbeitete Lebensmittel weit verbreitet sind. Ein Blick in die Supermärkte, in die Krankenhäuser und Pflegeheime, teils auch Schulen, Kindergärten und -horte zeigt das. Würde die neue Richtlinie in diesem Punkt konsequent umgesetzt, wäre das eine enorme Umwälzung in den Ernährungsgewohnheiten in beiden Ländern.

Für mich hört sich die Stellungnahme von Ralf Blume gut und nachvollziehbar an.

Genauere Ausführungen hier: (19 Minuten, die sich lohnen)

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Ich möchte mein gestriges Posting noch mit zwei Anmerkungen ergänzen.

Zum einen der unterschiedliche Stellenwert von Fetten in den beiden Richtlinien. In der alten Richtlinie sind die Fette pauschal in der “Schmuddelecke” angesiedelt, gemeinsam mit den Süßigkeiten. In den neuen Richtlinien findet man die gesunden Fette im Bereich von Proteinen und Gemüse und Obst, also bei den als wertvoll eingestuften Nahrungsmitteln.

Das ist positiv hervorzuheben. Denn wie wichtig gesunde Fette sind, braucht man uns hier im MS-Forum nicht sagen … Stichworte Gehirn, Myelinscheiden, Nervenregeneration…

Und zum zweiten: Um die neuen Richtlinien nicht nur zu loben, hier noch ein Punkt, den ich mit Fragezeichen versehen würde. Ich frage mich, ob die tierischen Proteine in der neuen Ernährungspyramide wirklich so hoch angesetzt werden sollten und so häufig verzehrt wie dort empfohlen. Nach meinem Verständnis von gesunder Ernährung sind die tierischen Proteine zwar nicht ungesund, dürfen aber zurückhaltender verwendet werden als in der Pyramide empfohlen. Aber da werden die Meinungen sicher auseinander gehen und das kann diskutiert werden.

Ich denke, was die tierischen Proteine betrifft, muss man zwischen Tierwohl-/Umwelt- und ernährungsphysiologischen Aspekten unterscheiden.

Ernährungsphysiologisch sind tierische Eiweiße, wenn keine Unverträglichkeit vorliegt, wertvoll. Das ist ja nicht nur Fleisch, sondern auch Milch(Produkte), Eier, Fisch, Krabben.
Nur pflanzlich ist der hohe Eiweißbedarf, der heutzutage empfohlen wird, schwer zu erreichen, wenn man keine Proteinshakes trinkt.
Ob weniger Proteinzufuhr spürbare negative Folgen hat, wenn man nicht gerade intensiv Sport treibt, weiß ich nicht und kann ich bei mir eigentlich auch nicht feststellen.

Meine Tochter, die Diätetik studiert hat, nimmt im Vergleich zu mir sehr viel Protein zu sich, hauptsächlich in Form von Magerquark, Eiern, Proteinshakes. Sie meint, die Meisten seien unterversorgt.
Mir scheint diese empfohlene hohe Proteinzufuhr auch ein Trend zu sein.

Ich bin mir in der Proteinfrage (auch) unsicher. Auf der einen Seite habe ich auch den Eindruck eines derzeitigen Trends zum Protein, auf der anderen Seite brauchen wir natürlich auch eine ausreichende Versorgung. Ich weiß auch nicht, ob es mir besser ginge und ob ich kräftiger wäre, wenn ich mehr Protein zu mir nehmen würde. Keine Ahnung.

Aber ich weiß auch von einigen Naturheilkundlern, daß sie ein Zuviel an tierischem Protein als entzündungsfördernd ansehen und so entzündliche Erkrankungen wie Rheuma (und vielleicht auch MS) begünstigt werden. Und sind nicht Proteine auch in Nüssen, Kartoffeln und bestimmten Gemüsen enthalten?

Zur Proteinfrage habe ich keine abgeschlossene und fundierte Meinung. Ich muss noch recherchieren…

Für mich zeigen die beiden Guidelines": es existiert keine allgemeingültige Ernährungsempfehlung für den Menschen".

Vor dem Hintergrund, dass beide der erwähnten amerikanischen Ernährungsempfehlungen nebst wissenschaftlich anerkannten Fakten auch eine sehr offensichtliche politische Seite haben (Demokraten sind eher Vegetarier und verzetteln sich im Detail, wogegen die Republikaner als Fleischkonsumenten zur groben Vereinfachung tendieren), frage ich mich natürlich sofort, welche Lobbyisten bei unseren europäischen Empfehlungen im Hintergrund mauscheln.

Und wie nachhaltig sind solche Empfehlungen überhaupt, wenn sie politische Ansichten anstatt “ernährungsphysiologische Wahrheiten” verbreiten? (Stichwort Fett-Bashing der 1980er Jahre und der Höhenflug der angeblich gesunden light-Produkte. Genauso denken zukünftige Generationen in der Zukunft über unsere aktuellen Guidelines.)

Wäre vor diesem Hintergrund nicht eine Empfehlung vorteilhaft, die uns Werkzeuge zur Hand gibt, mit deren Hilfe wir die für uns optimale Ernährung bestimmen können?

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Die Feststellung, dass es keine universell „richtige“ Ernährung für alle Menschen gibt, ist korrekt – und genau hier scheitert auch der YouTube-Kommentar weiter oben. Anstatt Ernährungsrichtlinien als das zu behandeln, was sie sind (nämlich bevölkerungsweite Instrumente zur Vermeidung von Risiken), werden jede sprachliche Anpassung und jede Schwerpunktverschiebung als Beweis dafür verkauft, dass „die Ernährungswissenschaft vorher falsch lag“. Das ist kein Erkenntnisgewinn, sondern eine Kategorieverwechslung. Kommunikationsänderungen als wissenschaftliche Kehrtwenden zu inszenieren, bedient unterschwellig wieder Mal nur das Verschwörungsnarrativ von Manchen.

Will auch nicht heissen, dass Guidelines wie diese über jeden Zweifel erhaben sind. Die Betonung von „echten Lebensmitteln“ und die klare Abgrenzung zu hochverarbeiteten Produkten ist weitgehend wissenschaftlicher Konsens und längst überfällig. Auffällig ist aber auch, wie konsequent hier die ökonomische Realität ausgeblendet wird. Empfehlungen zu frischen, wenig verarbeiteten Lebensmitteln klingen gut – solange man nicht erklären muss, wie das bei heutigen Lebensmittelpreisen, knappen Haushaltsbudgets oder in Großküchen von Krankenhäusern, Schulen und Pflegeheimen praktisch funktionieren soll. Ohne diese Debatte bleibt das Ganze wohlfeiles Wunschdenken.

Und zum Umfeld, in dem diese Leitlinien entstehen habe ich schon geschrieben. Die finale Fassung ist ein politisches Dokument, kein reiner Wissenschaftsbericht. Starke Interessengruppen aus Agrar- und Lebensmittelindustrie, inklusive großer Fleischverarbeiter wie JBS, mischen hier strukturell mit – über Lobbyarbeit, Spenden und regulatorische Nähe. Das bedeutet nicht, dass die Wissenschaft „gekauft“ ist. Es bedeutet aber, dass Prioritäten gesetzt werden. Das eigentliche Problem ist also nicht eine angebliche geheime Kehrtwende, sondern dass Gesundheitsempfehlungen weiterhin zwischen Evidenz, Politik und wirtschaftlichen Interessen austariert werden – auf Kosten von Ehrlichkeit und Umsetzbarkeit.

https://www.meatpoultry.com/articles/31799-pilgrims-pride-donated-5-million-to-trump-inauguration

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Ob Julia Klöckner die nächsten Danone Leitlinien schreiben wird?

Landwirtschaftsminister Rainer (Bauernbub und Metzger) macht ja auch grad nen U-turn bei Landwirtschaft und Ernährung :woozy_face:

Da können wir gewiss sein: Bei allen Entscheidungen von Regierungen in westlichen Staaten mauscheln Lobbyisten im Hintergrund - und das nicht wenig.

Wie sollten denn diese Werkzeuge aussehen? Wie auch immer - im Zweifel verlasse ich mich lieber auf mich selbst und meine Fähigkeit zu Recherche und Beobachtung, um die für mich optimale Ernährung selbst bestimmen zu können.

Eine optimale Ernährung ist gar nicht mein Ziel, sondern eine praktikable einigermaßen gesunde, bekömmliche Ernährung, die mir schmeckt.
Die kann bei jedem anders aussehen.

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