Eine flämische Kollegin, die nach der Lesung der Flämischen Dichterinnen und Dichter im Leipziger Theater “Neue Szene” langsam neben mir her zum Restaurant Telegraf lief und meinen hinkenden Gang studierte, sagte unvermittelt, dass sie so nicht leben könnte.
(Jan Kuhlbrodt: Krüppelpassion)

Was soll das heißen? Dass sie sich umbringt, wenn sie nur noch eingeschränkt, hinkend gehen könnte?
Ich habe mir die MS auch nicht ausgesucht. Früher hatte ich die Vorstellung, in der Rente über die Alpen zu wandern.

Mir macht es Mut, Menschen zu treffen, die behinderter sind als ich und mir zeigen, dass man auch ‘so’ leben kann. Vor ein paar Tagen habe ich einen Blinden getroffen, der alleine mit dem Zug zu einer Tagung gefahren ist.

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Das sagen viele und wenn sie dann betroffen sind, geht es doch irgendwie. Keine Ahnung, warum das manche sagen. Haben die so wenig Selbstvertrauen in ihre Fähigkeiten? Der Mensch kann sich in der Regel sehr gut und schnell anpassen.

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Viele wissen gar nicht, wie stark sie wirklich sind, bis sie es sein müssen…
Das Leben verläuft nicht immer wie geplant. Wenn man es schafft sich mit den neuen Begebenheiten zu arrangieren und sie vielleicht sogar akzeptiert und allem zum Trotz dankbar sein kann, dann ist es möglich glücklich zu sein.

Ok, vielleicht erstmal ein Kaffee nachdem aufstehen…
Bin nicht ganz wach :wink:

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Meine Meinung: Unempathisches Dahingeplappere… :roll_eyes:

Manchmal, je nach Person und Situation, sage ich in so einer Situation so etwas wie: Vor einer Krankheit oder Behinderung ist niemand im Leben sicher geschützt. Wenn es einen erwischt, muss man damit umgehen lernen… (oder so ähnlich)

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Den Autor, der an MS erkrankt ist, scheint das ja getroffen zu haben, wenn er in seinem Buch darüber schreibt.

Er beschreibt auch andere Situationen, die ihn verletzt haben, über die man als Nichtbetroffener gar nicht nachdenkt.

Ich finde solche Aussagen schwierig, da darin für mich immer eine Wertung der Situation mitschwingt die nur ein Betroffener und auch nur für sich selbst vornehmen sollte. Das passiert auch ohne böse Absicht ist aber meiner Meinung nach unangemessen. Das gilt auch für die ewige Vergleicherei, die man viel zu oft zu hören bekommt. “Also ich kenne XY der/die lebt seit Jahren mit MS und ist ganz normal oder der/dem geht es viel schlechter…” Auch hier findet ja eine Wertung statt.
Ich freue mich immer über eine direkte und ehrliche Nachfrage (Sag mal, wie geht es Dir damit…) oder ein ehrliches Angebot darüber zu sprechen, wenn mein Gegenüber etwas beizutragen hat.
Wenn man so gar nichts sinnvolles weiß sollte man sich überlegen einfach nichts zu sagen.

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Ja natürlich ist das direkt oder indirekt verletzend. Deshalb nutzte ich den Begriff “unempathisch”.

Es ist immer irgendwie verletzend, wenn jemand anderes offen zu einem sagt, er oder sie könne nicht so leben wie man selbst. Das muss sich nicht unbedingt auf Krankheit oder Behinderung beziehen, sondern kann auch andere Lebensbereiche betreffen: in so einer Wohnung…, mit so wenig Geld…, so als Single…, in so einem Beruf…, in diesem langweiligen Ort… usw und so fort…

Da bei solch einer Äußerung immer auch eine Wertung mitschwingt, wie @Chris_Hawk ganz richtig schreibt. Und zwar keine neutrale, sondern eine abschätzige Wertung.

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Ich frage solche naiven Menschen dann immer nach ihrer “Zufriedenheits- Gelassenheitsscala” also nach dem Langzeitwert nicht dem jetzigen Augenblick…von 0 = zu Tode betrübt bis 20 = himmelhochjauchzend, dann kommt oft die Antwort:11, 12…dann sage ich komisch, ich bin meist bei 17 oder 18…
Selbst wenn sie einem höheren Wert angeben…Es geht darum, dass ich mir meine gute Laune von solchem Geschwätz nicht verderben lasse

“Glücklich ist nicht, wer anderen so vorkommt, sondern wer sich selbst dafür hält” Seneca

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Das ist ein guter Ansatz. Generell sollte man sich das eigene Sein nicht von den negativen Gedanken Anderer verhageln zu lassen. Dafür ist das Leben zu kurz und meistens zu schön.

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Das geht in die Richtung wie bei den gutgemeinten Tipps

Und diese Szene schildert etwas sehr Ähnliches, die Kollegin stellt sich vor wenn sie so eingeschränkt wäre und schlussfolgert “so kann ich nicht leben”, ehrlicher wäre “so will ich nicht leben”. Aber ganz offensichtlich lässt sie es erst gar nicht so nah an sich ran kommen und schiebt es im übertragenen Sinne zur Seite, das nennt man auch Verdrängen. Damit erübrigen sich für sie sämtliche weiteren unangenehmen Vorstellungen. Problem gelöst.

Ich verstehe beide Seiten sowohl den zutiefst getroffenen Autor als auch die unempathisch wirkende Kollegin.
Menschen sind halt unterschiedlich (das macht es auch schön) und nicht alle sind maximal empathisch. Verdrängen als Strategie ist völlig akzeptabel, ich erachte das nicht als Charakterfehler.

Wenn mir ein Mensch, so wie er ist, nicht passt, dann muss ich mir halt andere Menschen suchen.

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Ich finde das, was die Kollegin sagt, nicht unempathisch, sondern dumm oder völlig gedankenlos.
Der Autor hat sich nicht ausgesucht, ‘so’ zu leben.
Was soll er denn jetzt anderes machen als so zu leben? Die Alternative wäre nur, gar nicht zu leben. Das wird sie ja wohl nicht ernsthaft gemeint haben.

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Die Aussage spricht eher für eine Überforderung. Ich glaube das es wirklich Menschen gibt, die ihr Leben mit der Diagnose beenden. Ich behaupte, das Viele diese Gedanken schon mal hatten, zumindest am Anfang.
Es ist eben ungünstig oder “dumm” in dieser Situation.
So sehe ich es.
Krank sein, vor allem chronisch, verändert. Uns hat es zum Teil stark gemacht.

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