Nachdem ich mich heute schon über einen Senioren-Chor informiert habe stelle ich fest dass ich definitiv auch hier zu den Senioren gehöre! 
Ich bin im Sommer 58 geworden, MS-Diagnose gab’s zum 40. Geburtstag wobei ich es mit hoher Wahrscheinlichkeit schon 20 Jahrd länger hatte. Ich bin schon früh immer gefallen und war immer schlecht zu Fuß, hab es aber immer auf Unsportlichkeut, Ungeschicktheit und Übergewicht geschoben und hatte auch niemanden der mich mal an die Hand genommen hätte um zum Arzt zu gehen und dem mal auf den Grund zu gehen.
Mein Vater war beruflich immer sehr beschäftigt und meine Mutter war ein Toralausfall. Magersüchtig, Alkoholikerin, Tablettenabhängig und nach ihrem Schlaganfall als ich so 13 war war sie dann ein Pflegefall.
Magersüchtig wie sie war hat sie mir schon als Säugling meine erste Diät verpasst, halb Milch halb Möhrensaft. Das war die erste von gefühlt 10.000 Diäten und von dem Geld was ich bei den Weight Watchers gelassen habe hätte ich sicher ein schönes Häuschen bauen können… 
Egal wie sehr ich gehungert und wieviel ich mich bewegt habe, ich nahm günstigstenfalls nicht zu.
Mein Höchstgewicht lag bei über 200kg, damals war ich Anfang/Mitte 30. Irgendwann holte ich mir dann einen Termin in der endokrinologischen Sprechstunde des UKE (Hamburg), dort wurde eine Grundumsatzbestimmung vorgenommen und gleich nochmal unter Aufsicht wiederholt weil sie das Ergebnis nicht glaubten… Das Ergebnis lautete 560 kcal. Grundumsatz pro Tag bei 163cm Körpergröße und 200+kg Gewicht.
Der Arzt kam jovial ins Sprechzimmer gestürmt und sagte: " Frau S. Früher bei den Jägern und Sammlern hätten Sie es gut gehabt, nach einem langen harten Winter wären Sie die einzige Überlebende gewesen!" 
Mal abgesehen davon dass ich das auch nicht so prickelnd gefunden hätte wenn alle außer mir tot wären, hilft mir diese Aussage natürlich gar nicht weiter! 
Fazit war, um abzunehmen muss ich meine Nahrungszufuhr auf weniger als 500kcal. beschränken.
Ich machte zunächst ein gutes Jahr Modifast, aber statt 5 Drinks gab es für mich nur 3 pro Tag, wegen meines reduzierten Grundumsatzes.
Ich habe das echt eisern befolgt, selbst am Silvesterball in der Tanzschule waren alle am Buffet während ich mir in der Damentoilette einen Eiweißshake anrührte. 
Irgendwann konnte ich das Zeug echt nicht mehr sehen!
Der nächste Schritt war dann ein Magenband was ich ca 18 Jahre hatte und was mein Gewicht auf 180kg senkte. Aber natürlich korrigierte sich der Grundumsatz im Laufe der Jahre noch weiter nach unten.
Kurz vor meinem 40. Geburtstag konnte ich plötzlich auf dem rechten Auge alles nur noch undeutlich sehen und als nach 2-3 Tagen plötzlich auf dem rechten Auge auch noch die Farben weg waren bekam ich einen Riesenschreck, schloss meinen Laden und ging zum Augenarzt. Der hat mich gleich ins UKE geschickt mit dem Verdacht auf eine Sehnerventzündung. Er sagte ich müsste wahrscheinlich 3 Tage Cortison i.V. bekommen…
Ich war dann zunächst 5 Tage völlig unbehandelt im UKE und jeden Tag sagte die behandelnde Ärztin sie tippe ja immer noch auf einen erhöhten Nervenwasserdruck weil das bei jungen Frauen mit deutlichem Übergewicht häufiger vorkäme als eine Sehnerventzündung…
An Tag 5 platzte mir der Kragen und ich erinnerte sie nochmal daran dass der Neurochirurg bei der Punktion der Wirbelsäule gesagt hatte, dass das da kaum tropft wenn er rein sticht und dass das absolut kein erhöhter Druck ist! ^^
Ich hab ihr gesagt sie möchte die Symptome doch bitte einmal unabhängig von meinem Gewicht betrachten! Sie hatte ein halbes Dutzend Studenten im Schlepptau als ich sie mir vornahm… nachmittags gab es dann die 1. Cortison-Infusion und nach 3 Tagen konnte ich wieder einigermaßen gucken.
Abschließend wollte sie dann ein MRT machen, worauf ich sie fragte ob ich denn da rein passe… 
Das konnte sie mir auch nicht sagen also probierten wir es… langsam fuhr der Tisch in die Röhre bis es plötzlich weder vor noch zurück ging. Die Elektronik hatte sich ausgeschaltet weil der Reibewiderstand zwischen meinem Körper und der Innerwand der Röhre zu groß wurde. 
Zum Glück gab es eine Handkurbel so dass sie mich wieder befreien konnten. Um mich herum nur betretene Gesichter. 
Ich fragte dann freundlich ob sie nicht vielleicht ein Kooperationsabkommen mit Hagenbeck hätten? Was für Dumbo gut ist kann mir ja vielleicht auch helfen…
Den bloßen Gedanken fanden sie ethisch mehr als fragwürdig - ich fand meinen Gedanken naheliegend.
Kurzum, es gab kein Ergebnis weil kein MRT möglich war und ich wurde endlich entlassen.
14 Tage später bekam ich dann einen Arztbrief, in der letzten Zeile stand “Wir empfehlen ein MRT zum Ausschluss einer MS” 
Das Wort MS war nie gefallen während meines Krankenhausaufenthaltes!
Ich kriegte es dann doch mit der Angst und fand südlich von Hamburg ein offenes MRT wo ich Aufnahmen von Kopf und Halswirbelsäule machen ließ. 
Der Neurologe den ich mir dann suchte guckte einmal auf die Bilder und meinte dann dass das MS ist hätte er mir auch bei der Sehnerventzündung schon sagen können, das sei typisch für MS. 
Es folgten dann noch weitere Schübe binnen eines Jahres und mir wurde dann Copaxone verschrieben.
Ich hab das immer gut vertragen und hatte auch 10 Jahre keine nennenswerten Schübe mehr.
Ich brauchte meistens meine Unterarmgehstützen um nicht zu fallen (wenn ich fiel brauchte ich immer mehrere kräftige Männer um mir aufzuhelfen wegen meines Gewichts)
Meinen Laden in Hamburg musste ich aufgeben, mein Wohnhaus sollte abgerissen werden und mein Freund und meine Familie wohnten eh in Kiel und meine Mutter, die zwischenzeitlich verstorben war hatte mir etwas Geld hinterlassen. In Hamburg hätte ich dafür maximal eine Garage bekommen aber in Kiel reichte es für eine 2-Zimmerwohnung im Erdgeschoss ohne Stufen im Eingangsbereich.
Zwar ist der Stadtteil nicht meine 1. und auch nicht meine 10… Wahl aber was solls! 
Ich habe das Badezimmer umbauen lassen, Badewanne raus, bodengleiche Dusche rein und alles war fein! 
Nachdem ich mich in Kiel eingelebt hatte - inzwischen war ich auf einen Rollstuhl angewiesen und auf meinen Freund der mich schiebt - ging ich in die Adipositas-Sprechstunde im UKSH wo man überzeugt war dass mir ein Systemwechsel helfen würde.
Also begann das ganze wieder von vorne, ein paar Monate Modifast um zu beweisen dass es mir ernst ist, dann wurde das Magenband entfernt, danach musste das einige Monate heilen weil das Magenband und der Port im Laufe der Jahre sehr mit dem umgebenden Gewebe verwachsen war. 
Nachdem alles gut verheilt war bekam ich einen Mini-Bypass und habe binnen 2 Jahren 100kg abgenommen. Mein niedrigstes Gewicht danach waren 78kg aber im Laufe der letzten 5 Jahre kamen jedes Jahr so 2kg wieder dazu - immer über Weihnachten 
Jetzt waren es bei der jährlichen Untersuchung 88kg aber zwischendurch waren es auch schonmal 93kg 
Ich esse zum Frühstück entweder einen Dinkelvollkorntoastie, eine Hälfte mit Rindersalami und eine mit Geflügelwurst oder eine Oberhälfte von einem Mohn- und einem Sesambrötchen. Diese schneidet mein Freund dann so dass ich etwa 1/3 von jedem der beiden Brötchen bekomme. 
Mittags gibt es einen Joghurt oder einen Quark und abends entweder 120g mageres Fleisch manchmal mit einer Handvoll Gemüse oder mageren Quark mit Früchten.
Wenn es ab und zu Nudeln gibt bekomme ich 1-2 Gabeln voll und viel Sauce. Wobei “viel” sehr relativ ist, ich esse aus einer kleinen Glasform 10x10x2cm.
Um die Kilos die von Plätzchen gekommen sind wieder loszuwerden ersetze ich das Abendbrot ca. 2x die Woche durch eine 2/3 Portion MetaFlow.
Morgens gibt es einen Milchkaffee, ansonsten trinke ich quasi kalorienfreie Limonaden. 
Seit 4 Wochen habe ich einen elektrischen Rollstuhl der meinen Leben sehr erleichtert und der zusammen geklappt sogar in den Kofferraum meines Smarties passt! 
In den letzten 10 Monaten habe ich den Impfplan meines Neurologen abgearbeitet damit ich in 14 Tagen mit Kesimpta starten kann. Copaxone habe ich immer gut vertragen, aber im vorletzten Jahr hatte ich 3 Schübe so dass mein Neurologe den Wechsel auf Kesimpta vorschlug.
Tja, was gibt es sonst noch zu sagen… Ich habe nie geheiratet, habe leider keine Kinder, habe Mathematik studiert und früher Computeranimationen gemacht. Ich bin sehr musikalisch und werde Donnerstag mal eine Chorprobe besuchen, jetzt wo ich mit dem neuen Rollstuhl unabhängig bin! 
Das hat mir die letzten Jahre seit ich in Kiel bin sehr gefehlt! Mein Freund musste mich immer schieben wenn ich irgendwo hin wollte und er ist selber krank und muss 3x die Woche zur Dialyse, da wollte ich ihm nicht noch einen zusätzlichen Termin pro Woche zumuten.
Keine Ahnung ob jemand bis hierher gelesen hat… 