Ich habe an Frau Staffler geschrieben. Gestern bekam ich eine Antwort:
"Sehr geehrte Frau tournesol,
vielen Dank für Ihre E-Mail, in der Sie mir Ihre Enttäuschung über meine Aussage zum Pflegegrad 1 mitteilen.
Gern möchte ich Ihnen die zu Grunde liegenden Informationen und Gedanken zu meiner Äußerung darlegen. Für mich ist klar:
Wer Unterstützung braucht, soll sie auch bekommen, auch mit Pflegegrad 1. Doch Hilfe darf nicht beliebig sein. Sie muss passgenau, unterstützend und vor allem vorbeugend wirken.
Passgenau heißt für mich: die richtige Hilfe zur richtigen Zeit – auch im Haushalt oder bei den alltäglichen Hilfen.
Wichtig sind vor allem aber auch Prävention und Gesundheitsförderung: grundsätzlich und in jedem Alter. Der Pflegegrad 1 wurde 2017 mit dem Ziel eingeführt, dass Menschen zu einem möglichst frühen Zeitpunkt gezielte Hilfen und Präventionsangebote erhalten. Ich wünsche mir, dass wir die Potentiale durch Reha und Prävention in der Versorgung noch viel stärker nutzen. Gerade im Bereich der häuslichen Pflege, wenn nur ein geringer Pflegegrad vorliegt, gibt es oft viel Spielraum, die Selbstständigkeit und Beweglichkeit langfristig zu erhalten und zu fördern. Ziel ist, auch im Alter und trotz Einschränkungen, so lange wie möglich selbstbestimmt und aktiv, möglichst im eigenen zu Hause leben zu können.
Sicherlich gibt es dabei auch Menschen im Pflegegrad 1 bei denen eine Haushaltshilfe durchaus sinnvoll ist.
Ich möchte noch einmal betonen, dass ich mir der Lebenssituation und der besonderen Herausforderungen von Menschen mit Pflegebedarf aus eigenem Erleben sehr bewusst bin.
In meiner Aussage zur Diskussion um den Pflegegrad 1 geht es vor allem darum, stets den Einzelfall zu betrachten, zu erörtern und zu entscheiden, was für die Betroffenen ganz individuell und nachhaltig am meisten Sinn macht.
Sehr geehrte Frau tournesol, sicherlich wird in der öffentlichen Berichterstattung oftmals überzeichnet, um ein bestimmtes Bild zu erzeugen. Seien Sie jedoch gewiss, dass ich Menschen im Pflegegrad 1 definitiv nicht als passiv oder untätig darstellen wollte. Im Gegenteil, ich sehe mit individueller Hilfe großes Potential in der Prävention, um Selbstständigkeit zu erhalten und weitere Pflegebedürftigkeit aufzuhalten.
Ich hoffe, ich konnte ihnen mit diesen Informationen helfen, meine Aussage besser einzuordnen.
Mit freundlichen Grüßen
Katrin Staffler, MdB"
Der Inhalt dieses Schreibens, ist ja im Prinzip was sie im Interview gesagt hat.