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Karo

25.12.2018, 16:42

Weihnachtsgeschichten
@Barocke

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Das Interview könnte auch aus den Siebzigern stammen. Da waren die Linken schon genauso miesepetrig, vor allem, wenn es um Weihnachten ging ("es gibt kein richtiges Leben im falschen").
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Nein, es könnte nicht aus den 1970ern stammen, weil die Kommodifizierung und Eventisierung von Weihnachten damals noch längst nicht so weit fortgeschritten war wie heute.

Außerdem gab es damals noch kein Forschungsfach namens Kulturethnologie. Es hieß Volkskunde und hatte ganz andere thematische Schwerpunkte und vor allem andere Forschungsmethoden, Verfahren und Quellen.

"Es gibt kein richtiges Leben im Falschen" stammt nicht aus den 1970ern, sondern von Adorno in den Minima Moralia, entstanden in den 1940er-Jahren.

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Die meisten Menschen verbringen an den Weihnachtstagen einfach ein paar schöne Tage mit ihrer Familie. Wer sich der religiösen Dimension des Festes öffnen will, hat dazu reichlich Gelegenheit. Durch Gänsebraten und Christstollen wird jedenfalls niemand daran gehindert.
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Im Text geht es darum, dass die Weihnachtstage nicht mehr einfach nur Weihnachtst a g e sind, sondern ein ganzer Zeitabschnitt, der bereits im Spätsommer beginnt, in den klassischen Weihnachtstagen seinen Höhepunkt findet und im Januar abgeschlossen wird - also ein Jahreszeiten-Volksfest, das lange vor Weihnachten beginnt und hohe soziale Verbindlichkeiten und Verpflichtungen bedeutet (Weihnachtsfeiern im Betrieb etc.).

Und selbstverständlich hat die Kommodifizierung des Weihnachtsfestes sowie dessen Transformation in ein Jahreszeiten-Volksfest Auswirkungen auf die Wahrnehmung der religiösen Dimension - in den Hauptkirchen wird mittlerweile beklagt, dass die Besucher mit Glühwein, Handy und Blinkmütze zum Gottesdienst kommen und Handy-Filmaufnahmen machen wie bei einer Popshow - Weihnachten als Event.

Wie "die meisten Menschen" Weihnachten verbringen, weiß ich nicht.

Und ob die klassischen Weihnachtstage im Schoß der Familie immer so "schön" sind - da habe ich erhebliche Zweifel. Ich halte das vielmehr für ein sorgsam gepflegtes Klischee, das zur Marke "Weihnachten" gehört.

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Dass ein linker Kulturanthropologe die Säkularisierung beklagt, ist allerdings neu. Und irgendwie auch lustig.
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Der Interviewte Gunther Hirschfelder ist Kulturethnologe (nicht: Anthropologe) mit Schwerpunkt Esskultur. Ob er politisch links ist, weiß ich nicht. Aus dem Text kann ich es jedenfalls nicht erschließen.

Überdies "beklagt" er nichts, sondern beschreibt lediglich eine Entwicklung, die zu beobachten offenkundig zu seinem Forschungsschwerpunkt gehört.

"Geschichte des Massenkonsums" ist ein längst etabliertes, seriös beforschtes Thema der Kulturwissenschaften, das hat mit der "politisch linken" Konsumkritik der 1970er-Jahre nichts zu tun.

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PS. Bei den Buddenbrooks wurde übrigens auch schon üppig getafelt an Weihnachten. Und das war im 19. Jahrhundert
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Ja, Gunther Hirschfelder bestätigt im Interview, dass die Transformation des Weihnachtsfastens inklusive der "literarischen Erhöhung" des Festessens im 19. Jahrhundert begann. Im Interview heißt es:

"Das Weihnachtsfest an sich spielt aber schon ab dem 19. Jahrhundert eine immer wichtigere Rolle. Eigentlich war Ostern im Kirchenjahr immer das herausgehobene Ereignis gewesen. Mit der literarischen Erhöhung bekam Weihnachten als Topos für deutsche Bürgerlichkeit und Familie eine Aufwertung - und es gab die ersten Festessen. Aber die Zeit der großen Völlerei beginnt eigentlich erst in den 1950er Jahren."

P.S.: Ich habe eben mal in der Suchmaske des einfachsten Bibliothekskatalog einfach nur den Namen "Gunther Hirschfelder" eingegeben. Wenn man sich die Titel anschaut, wird deutlich, was sein Forschungsthema ist.

https://beluga.sub.uni-hamburg.de/...ype=AllFields

Er hat tatsächlich eine Geschichte des Bieres von der Steinzeit bis heute geschrieben, unter anderem.

:)
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