
Fachvortrag zu antientzündlicher Ernährung bei MS: Wege zu mehr Wohlbefinden und Lebensqualität
Am 25.03.2026 fand in der Waldhornhalle in Krauchenwies ein Fachvortrag zu “Antientzündliche Ernährung bei Multipler Sklerose” statt.
Der Vortrag „Ernährung bei multipler Sklerose“ von Juliane Isbrecht, Ernährungswissenschaftlerin und Ernährungstherapeutin aus dem Therapiezentrum alb.gesund verdeutlicht, welche wichtige Rolle die Ernährung im Umgang mit der Erkrankung spielt. Multiple Sklerose (MS) ist eine Autoimmunerkrankung, bei der es zu Entzündungen im zentralen Nervensystem kommt. Diese Entzündungsprozesse führen zur Schädigung der Myelinscheiden, also der schützenden Hüllen der Nervenfasern, wodurch die Signalweiterleitung gestört wird. Typische Symptome sind unter anderem Koordinations- und Sensibilitätsstörungen, Müdigkeit (Fatigue) sowie Sehstörungen. Ein zentraler Aspekt der Erkrankung sind chronische Entzündungen, die eine entscheidende Rolle im Krankheitsgeschehen spielen.
Genau hier setzt die Ernährung an. Auch wenn sie MS nicht heilen kann, hat sie dennoch das Potenzial, entzündliche Prozesse im Körper zu beeinflussen und somit unterstützend zu wirken. Bestimmte Lebensmittel können entweder entzündungsfördernde Botenstoffe verstärken oder entzündungshemmende Mechanismen unterstützen. Besonders stark verarbeitete Lebensmittel, die reich an Zucker, ungesunden Fetten und Zusatzstoffen sind, tragen zur Förderung von Entzündungen bei. Im Gegensatz dazu wirkt eine pflanzenbetonte Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Nüssen und hochwertigen Ölen entzündungshemmend, da sie reich an Antioxidantien und wichtigen Nährstoffen ist.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Darmmikrobiom. Etwa 70 Prozent des Immunsystems befinden sich im Darm, weshalb die Darmgesundheit eng mit immunologischen Prozessen verknüpft ist. Eine ballaststoffreiche Ernährung fördert die „guten“ Darmbakterien, die wiederum entzündungshemmende Stoffe produzieren. Dadurch kann das Immunsystem positiv beeinflusst und reguliert werden.
Auch oxidativer Stress spielt bei MS eine Rolle. Dabei entstehen im Körper schädliche Moleküle, die Zellen angreifen können. Antioxidantien aus Lebensmitteln wie Beeren, grünem Gemüse, Nüssen oder Gewürzen wie Kurkuma und Ingwer können diesen Prozessen entgegenwirken und die Nervenzellen schützen. In diesem Zusammenhang empfiehlt sich das Prinzip „Eat the rainbow“, also eine möglichst bunte Auswahl an Lebensmitteln, um ein breites Spektrum an schützenden Pflanzenstoffen aufzunehmen. Eine besonders wichtige Rolle nehmen die Vitamine E, D, K und A sowie Zink und Selen ein.
Besonders hervorzuheben sind außerdem Omega-3-Fettsäuren, die entzündungshemmend wirken. Sie können die Bildung entzündungsfördernder Signalstoffe reduzieren und gleichzeitig entzündungshemmende Prozesse im Körper unterstützen. Gute Quellen hierfür sind fettreiche Fische wie Lachs oder Makrele sowie pflanzliche Lebensmittel wie Leinsamen, Walnüsse oder Chiasamen. Dabei ist zu beachten, dass pflanzliche Quellen, wie beispielsweise Pflanzeöle allein oft nicht ausreichen, um den Bedarf an Omega-3-Fettsäuren vollständig zu decken.
Ein weiterer Aspekt ist das Körpergewicht. Fettgewebe ist hormonell aktiv und kann entzündungsfördernde Botenstoffe produzieren. Übergewicht kann daher bestehende Entzündungen verstärken. Wichtig ist jedoch, auf extreme Diäten, sog. Crash-Diäten, zu verzichten und stattdessen langfristig eine gesunde Lebensweise anzustreben.
Für die praktische Umsetzung empfiehlt es sich, entzündungsfördernde Lebensmittel wie Zucker, stark verarbeitete Produkte, gesättigte Fette und frittierte Speisen zu reduzieren. Stattdessen sollten vermehrt ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte sowie Nüsse und Samen in den Speiseplan integriert werden. Auch eine ausreichende Versorgung mit wichtigen Mikronährstoffen wie Vitamin D, Vitamin B12 oder Magnesium spielt eine Rolle, wobei eine gezielte Supplementierung nur nach ärztlicher Kontrolle erfolgen sollte.
Juliane Isbrecht macht deutlich, dass Ernährung ein wichtiger Bestandteil im Umgang mit MS ist, jedoch keine medizinische Therapie ersetzt. Die besten Effekte zeigen sich in der Kombination aus medizinischer Behandlung, regelmäßiger Bewegung, effektivem Stressmanagement und einer angepassten, antientzündlichen Ernährung. Kleine Veränderungen im Alltag, wie eine bewusste Lebensmittelauswahl, gute Planung und ein positiver Umgang mit der eigenen Situation, können dabei bereits einen großen Unterschied machen. Zertifizierte Ernährungstherapeuten, die mit den Krankenkassen zusammenarbeiten, finden Sie auf www.e-zert.de
Ernährungsseite des AMSEL e. V. : https://www.amsel.de/multiple-sklerose/ms-themen/ms-und-ernaehrung/


