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Mit MS leben – MS-Symptome erleben Aktionstag 2006

Am Dienstag, den 18. Juli 2006, fand in der Stadtparkhalle in Bretten ein Aktionstag unter dem Motto "Möglichkeiten trotz Handicaps" statt. Der Aktiontag wurde von der Vorsitzenden des Behindertenclubs Bretten und Stadträtin von Bretten, Frau Brigitte Schick, die selbst blind ist, organisiert.

Veranstaltet wurde der Aktionstag als Rahmenprogramm für die offizielle Präsentation des Behindertenführers der Stadt Bretten. Der Behindertenführer beinhaltet alle in Bretten niedergelassenen Ärzte und Therapeuten, öffentliche Einrichtungen und Behörden sowie alle in Bretten ansässigen gastronomischen Betriebe. Sie alle wurden auf ihre "Behindertentaug-lichkeit“ hin geprüft und mit entsprechenden Symbolen für ihre jeweilige Tauglichkeit gekenn-zeichnet.

Zum Festakt anlässlich der offiziellen Übergabe des Behindertenführers waren der Oberbür-germeister der Stadt Bretten, Paul Metzger sowie der Bundestagsabgeordnete der SPD für den Wahlkreis Karlsruhe-Land, Jörg Tauss, gekommen.

20 Aussteller nutzten diesen Tag um zu zeigen, wie Rollstuhlfahrer, Blinde und andere Behin-derte ihren Alltag bewältigen und auf welche Hindernisse sie dabei stoßen. Sie wollten zeigen, wie mit technischem Verstand Behinderten das Leben erleichtert werden kann, welche Be-ratungsmöglichkeiten Behinderte und deren Angehörige in Bretten haben und dass man trotz Behinderung sehr viel Spaß am Leben haben kann. Die Palette der Aussteller war sehr viel-fältig: ein Sanitätshaus, mehrere Behindertenschulen, eine Kranken- und eine Altenpflege-schule, eine Physiotherapeutenschule, aber auch verschiedene Selbsthilfegruppen mit den unterschiedlichsten Schwerpunkten waren mit eigenen Informationsständen vertreten.

Es gab die verschiedensten Aktionen: So konnte man sein Gehör in einem so genannten „Hörtest-Mobil“ genauso testen lassen wie die eigene Sehkraft in einem „Sehtest-Mobil“. Ein Rollstuhl-Parcour war aufgebaut worden, bei dem sich Fußgänger in einen Rollstuhl setzen konnten und versuchen mussten, sich damit vorwärts zu bewegen und die unterschiedlichsten Hindernisse wie z.B. Kopfsteinpflaster oder gar Stufen, zu überwinden. Zur Simulation von Sehbehinderungen war ein Blindenparcours aufgebaut worden. Auch ein behindertengerecht umgebauter PKW wurde ausgestellt. In einer Video-Ecke wurden außerdem den ganzen Tag über Videos und Kurz-Filme über Behinderte, ihre Chancen und Schwierigkeiten gezeigt.

Selbstverständlich war auch die AMSEL-Kontaktgruppe Bretten/Bruchsal an dem Aktionstag mit einem eigenen Stand vertreten. Zum einen wollten wir durch unsere Teilnahme am Aktionstag zeigen, dass eine örtliche Selbsthilfegruppe und damit eine Anlaufstelle für MS-Erkrankte im Raum Bretten existiert. Zum anderen wollten wir die Öffentlichkeit ein wenig darüber aufklären, was es bedeutet, an MS erkrankt zu sein und aufzeigen, wie sich einzelne Symptome der MS „anfühlen“ können.

Dies versuchten wir den interessierten Besuchern mit einer so genannten „Fühlstraße“ näher zu bringen. Diese wurde von der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) speziell für solche Veranstaltungen konzipiert. Mit einer Vielzahl von Materialien und Gegenständen aus dem Alltag kann eine Abfolge von Stationen aufgebaut werden, an denen die verschiedensten Behinderungsvarianten der MS simuliert werden können. Dadurch soll für gesunde Menschen nachempfindbar gemacht werden wie es sich anfühlt, wenn z.B. die Beine den Dienst ver-sagen, wenn das Gefühl und die Feinmotorik in den Händen verloren gehen oder wenn die Augen nur noch verschwommene Bilder zeigen.

Die „Fühlstraße“ beinhaltet insgesamt 9 Stationen: Störung des Gleichgewichts, Taubheit und Missempfindung in Händen und Füßen, Sehstörungen, Hörprobleme, Schluckstörung, Tremor, Spastik und Gelenksteife, Kopfdruck und schwere Beine und schließlich Lähmungen. Am Aktionstag beschränkten wir uns allerdings nur auf 4 Stationen:Taubheit und Missempfindungen in Händen und Füßen:

  1. Taubheit und Missempfindungen in Händen und Füßen: Hier mussten die Besucher Ski- oder Einmalhandschuhe anziehen und damit dann die verschiedensten Tätigkeiten verrichten. Beispielsweise sollten sie Zahnstocher vom Tisch aufheben, Schleifen binden, einen Knopf auf- bzw. zuknöpfen oder einfach nur mit den dicken Handschuhen etwas schreiben.
  2. Sehstörungen: Mit speziellen Papp-Simulationsbrillen, durch die man beim Hindurchschauen alles verschwommen sieht, mussten die Interessierten versuchen, Geschriebenes in ver-schiedenen Schriftgrößen zu lesen oder selbst etwas schreiben.
  3. Spastik und Gelenksteife: An dieser Station wurde dem Besucher eine Ellenbogen-Gelenkstütze, die kaum eine Bewegung zulässt, straff angelegt. Nun musste dieser mit dem versteiften Gelenk versuchen, sich die Schuhe zuzubinden oder die Haare zu kämmen. Um eine Streck-spastik in den Knien zu simulieren, wurde den Besuchern mit einer Elastikbinde das Kniegelenkt straff bandagiert. Anschließend musste dieser dann damit versuchen zu Laufen bzw. Treppen steigen.
  4. Kopfdruck und schwere Beine: Wie es sich anfühlt, wenn man den ganzen Tag einen schweren Kopf hat und sich damit auch noch konzentrieren soll, wurde dem Besucher vermittelt, indem man ihm einen Sandsack auf den Kopf legte. Das Gefühl der schweren Beine wurde mit dem Anlegen von Gewichtsmanschetten an den Knöcheln simuliert. Damit sollten die Besucher dann gehen, rennen, springen oder auch Treppen steigen.

Nach dem Aufbau der Stände ging es dann offiziell um 9.00 Uhr los: Schüler im Alter von 6 bis 16 Jahren aus den in Bretten ansässigen Schulen besuchten gemeinsam mit ihren Lehrern den Aktionstag. Nach anfänglicher Scheu gingen die Schüler recht neugierig ans Werk und „probierten“ die einzelnen Stationen unserer „Fühlstraße“ aus. Sehr schnell wurde allen klar, dass sich vieles leichter anhörte, als es tatsächlich war. Viele waren sehr verblüfft darüber, dass man als MS-Erkrankter viele Beeinträchtigungen bei der Bewältigung seines Alltages haben kann ohne dass man ihm seine Behinderung auf Anhieb ansieht.

Am Nachmittag nahmen dann auch viele der Aussteller selbst die Gelegenheit wahr, die Infor-mationsstände der anderen Aussteller zu besuchen. Zwei angehende Physiotherapeutinnen meinten nach ihrem „Durchgang“ der Fühlstraße, dass es doch ganz interessant gewesen sei, die einzelnen Behinderungen, die sie von der Behandlung ihrer MS-Patienten her kennen, auch einmal am eigenen Leib zu spüren. Vor allen konnten sie sich nicht vorstellen, wie be-einträchtigend Gefühlstörungen sein können. Sie hätten sich bei ihrer Therapie bisher aus-schließlich auf die motorischen Einschränkungen ihrer Patienten konzentriert. Zukünftig wollen sie nun auch den Sensibilitätsstörungen ihrer Patienten mehr Aufmerksamkeit schenken.

Die Veranstaltung endete schließlich gegen 17.00 Uhr. Und so ging ein langer und anstreng-ender aber auch sehr wichtiger und erfolgreicher Tag in Bretten zu Ende.

Vielleicht konnten wir mit unserer Teilnahme an diesem Aktionstag einen kleinen Beitrag zum Umdenken und zur Sensibilisierung für die Nöte und Belange von Behinderten, in unserem speziellen Fall für die der MS-Betroffenen, in unserer Gesellschaft leisten.

Ein herzliches Dankeschön nochmals an alle helfenden Hände aus unserer Kontaktgruppe:

„Ohne Euch wäre die Teilnahme an diesem Aktionstag nicht möglich gewesen!“

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Was ist MS

Multiple Sklerose (MS) ist die häufigste entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems. Aus bislang noch unbekannter Ursache werden die Schutzhüllen der Nervenbahnen an unterschiedlichen Stellen angegriffen und zerstört, Nervensignale können in der Folge nur noch verzögert oder gar nicht weitergeleitet werden. Die Symptome reichen von Taubheitsgefühlen über Seh-, Koordinations- und Konzentrationsstörungen bis hin zu Lähmungen. Die bislang unheilbare, aber mittlerweile behandelbare Krankheit bricht gehäuft zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr aus. Weitere Informationen:

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