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Die Ursache der MS ist noch nicht geklärt. Es wird angenommen, dass mehrere Faktoren zusammentreffen müssen, um die Krankheit auszulösen, und die MS durch eine komplexe Wechselwirkung von genetischen (endogenen = angeborenen) Faktoren und (exogenen = erworbenen) Umwelteinflüssen begründet ist. Gesichert ist, dass das körpereigene Immunsystem eine zentrale Rolle spielt. Teile dieses Abwehrsystems, das eigentlich vor körperfremden und gefährlichen Eindringlingen schützen soll, richten sich gegen den eigenen Körper und greifen die Schutzhüllen der Nervenfasern an. 

MS zählt daher zu den sogenannten Autoimmunerkrankungen. 

 

Immunologie

Das Immunsystem – bestehend aus dem angeborenen und dem erworbenen Immunsystem -ist das Abwehrsystem des Körpers. Es schützt vor Krankheitserregern, indem es diese unschädlich macht, wenn sie in den Körper eindringen. Bei der MS werden aufgrund einer Fehlprogrammierung von Zellen Strukturen des eigenen Körpers als fremde Erreger identifiziert und angegriffen.

 

Vererbung

Multiple Sklerose ist keine Erbkrankheit im klassischen Sinne. Es kann aber das genetische Risiko für eine MS vererbt werden. Forscher haben bisher unter den rund 20.000-23.000 Genen rund 230 identifiziert, die dazu beitragen können, eine MS zu entwickeln. 

Genetisches MS-Risiko in Zahlen:

  • Risiko in der Gesamtbevölkerung Deutschlands: ca. 0,3%.
  • Risiko mit einem an MS-erkrankten Elternteil: ca. 3%.
  • Risiko mit beiden an MS-erkrankten Elternteilen: 20-30%.
  • Risiko bei eineiigen Zwillingen: 25%.
  • Risiko bei zweieiigen Zwillingen: 3%. 

In 4% der MS-Familien findet man mehr als einen Fall, da Mitglieder einer Familie sich in der Regel sowohl endogene (angeborene) wie auch exogene (erworbene) Faktoren teilen. Damit gibt es MS häufiger in einer Familie, in der es einen MS-Erkrankten gibt, als in der Gesamtbevölkerung. Dies trifft allerdings auch für andere Krankheiten zu. 

 

Virus-Infektionen

MS ist keine Infektionskrankheit, auch wenn Viren immer wieder mit der Entstehung einer MS in Zusammenhang gebracht werden. Bisher wurde allerdings kein eindeutig identifizierbares Virus gefunden, das MS sicher auslösen kann. Auch das oft genannte Epstein-Barr-Virus (EBV) ist nicht die Ursache für die Entwicklung einer MS. Allerdings scheint eine vorangegangene EBV-Infektion eine notwendige Voraussetzung dafür zu sein, später an MS zu erkranken. 

 

Umwelt- und Lebensstilfaktoren

Umwelt- und Lebensstilfaktoren sind exogene (erworbene) Faktoren im Unterschied zu endogenen (angeborenen) Faktoren. Auch sie spielen bei der MS eine Rolle.

  • Ein zu geringer Vitamin D-Spiegel gilt als Risikofaktor für die Empfänglichkeit (Suszeptibilität), an MS zu erkranken. Ob aber die Supplementierung von Vitamin-D einen relevanten therapeutischen Effekt hat, ist noch nicht endgültig geklärt. 

  • Ernährung kann keine MS heilen. Allerdings gibt es entzündungsfördernde und anti-entzündliche Ernährungsstile. Anti-entzündliche Ernährung kann das Wohlbefinden verbessern und den Krankheitsverlauf einer MS positiv beeinflussen. Eine MS-Therapie kann sie nicht ersetzen. Grundsätzlich sollte eine gesunde und ausgewogene Ernährung angestrebt werden, wie sie die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt.

     

  • Propionsäure ist ein natürlicher Bestandteil von Lebensmitteln wie Käse, Kaffee oder Meeresfrüchten und scheint bestimmte Zellen im Körper vor oxidativem Stress zu schützen. Es gibt Hinweise darauf, dass eine Nahrungsergänzung damit die MS günstig beeinflussen kann. Eine immunmodulatorische Therapie kann dadurch aber nicht ersetzt werden. 

     

  • Nahrungsergänzungsmittel spielen bei MS eine untergeordnete Rolle. Sowohl bei der Entstehung als auch auf den Krankheitsverlauf. Sie ersetzen auf keinen Fall eine verlaufsmodifizierende MS-Therapie.

    Propionsäure ist ein natürlicher Bestandteil von Lebensmitteln wie Käse, Kaffee oder Meeresfrüchten und scheint bestimmte Zellen im Körper vor oxidativem Stress zu schützen. Es gibt Hinweise darauf, dass eine Nahrungsergänzung damit die MS günstig beeinflussen kann. Eine immunmodulatorische Therapie kann dadurch aber nicht ersetzt werden. 

    Nahrungsergänzungsmittel wie Cholecalciferol (Vitamin D3), Omega 3 Fettsäuren (EPA/DHA), Vitamin-B-Komplex (insbesondere Vitamin B12), Antioxidantien (Vitamin C, E, Selen, Polyphenole), Magnesium, Probiotika können keine Immuntherapie ersetzen. Sie sollten nur bei Mangel oder gezielter Indikation nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt eingenommen werden. 

     

  • Fettleibigkeit (Adipositas) in Kindheit und Jugend erhöht das Risiko, eine MS zu entwickeln. Bei einem bereits an MS Erkrankten kann Fettleibigkeit zu Entzündungen und mehr MS-Aktivität beitragen. Dies kann vermehrte Schübe und/ oder Läsionen im MRT umfassen.

  • Rauchen erhöht das Risiko, an einer MS zu erkranken und hat einen negativen Einfluss auf den Verlauf einer schon bestehenden MS.  Es gibt Belege, dass ein Rauchstopp in jeder Phase der MS positive Auswirkungen hat.

     

  • Alkohol kann bestehende Symptome verstärken und mit Medikamenten interagieren. Auch die Verträglichkeitsgrenze kann durch Medikamente herabgesetzt sein. Ein moderater Alkoholgenuss scheint keinen negativen Einfluss auf den Verlauf einer MS zu haben. Wenn Sie Medikamente nehmen und Alkohol trinken möchten, fragen Sie Ihren Arzt.

  • Regelmäßige Aktivität und Bewegung lösen nachweislich keinen Schub aus und sind auch bei MS zu empfehlen, denn sie

    • verbessern die Mobilität,
    • wirken positiv bei Fatigue, Depressionen und anderen Symptomen der MS
    • und unterstützen die Alltagsbewältigung.

    Schon die Bewegung im Alltag - regelmäßige Haus- und Gartenarbeit - bringt Vorteile. 

    Wer sich sportlich betätigen möchte und keine körperlichen Beeinträchtigungen hat, kann jeden Sport ausüben, der ihm Spaß macht. Wer körperliche Beeinträchtigungen hat, kann mit einem gezielten Training MS-bedingten Beschwerden entgegenwirken. Einen Überblick über mögliche Sportarten bei MS und ihre Wirkung auf körperliche Beeinträchtigungen bietet die AMSEL-Seite “Sport und MS”.

  • Stress kann sich negativ auf einzelne MS-Symptome wie z.B. Spastik auswirken. Studien zeigen, dass belastende Stressereignisse oder Dauerstress auch Einfluss auf den MS-Verlauf und das Auftreten von Schüben haben kann. 

Unbewiesene Theorien über die MS-Entstehung

Für Vermutungen, dass z.B. Allergien, Haustiere, Belastung durch Schwermetalle und chemische Lösungsmittel zur Entstehung von MS führen, gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis.  

 

Kein MS-Patient ist schuld an seiner Krankheit!

Die MS ist keine psychische Krankheit. Die Psyche, Konflikte in der Familie, in anderen Beziehungen, Konflikte aus der Vergangenheit, spielen keine Rolle bei der Entstehung einer MS. Sie können jedoch in zufällig zeitlicher Verbindung mit dem Beginn einer MS stehen. Mehr im Video.