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Ursachen von Multiple Sklerose

Multiple Sklerose (MS) ist die häufigste chronisch entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems im jungen und mittleren Erwachsenenalter. Nach dem derzeitigen Stand ist die MS eine Autoimmunerkrankung, bei der zusätzlich genetische und epidemiologische Faktoren eine Rolle spielen.

Die Ursache der Multiplen Sklerose ist noch nicht geklärt. Als Faktoren für den Ausbruch der Erkrankung werden Umweltfaktoren, eine genetische Veranlagung und Krankheitserreger wie Viren vermutet. Das derzeit allgemein akzeptierte Konzept zur Entstehung der MS besagt, dass bei bestimmter genetischer Veranlagung ein Krankheitsprozess in der frühen Kindheit initiiert wird, der symptomlos verlaufen, aber unter dem Einfluss äußerer Einflüsse auch zum Vollbild der Krankheit führen kann.

Fakten zu Multiple Sklerose

Aktuellen Schätzungen zufolge leben weltweit ca. 2,3 Millionen MS-Kranke.

In Europa sind es geschätzt 500.000, in Deutschland ca. 130.000 und in Baden-Württemberg ca. 15-16.000. In Deutschland werden jährlich ca. 2.500 Menschen neu mit MS diagnostiziert, in Baden-Württemberg sind es zwischen 350 und 400 pro Jahr. Die Verteilung der MS ist nicht gleichmäßig. In Richtung der Pole nimmt die Zahl der Erkrankung stark zu, am Äquator hat sie ihr Minimum.

Frauen erkranken etwa doppelt so häufig wie Männer an MS. Die Erkrankung wird in der Regel zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr festgestellt, seltener tritt sie schon im Kindes- und Jugendalter oder nach dem 60. Lebensjahr auf.

Die MS ist keine Erbkrankheit, allerdings spielen Gene für den Ausbruch der Erkrankung eine Rolle.

Kinder eines MS-erkrankten Elternteils haben ein Risiko von ca. 3%, ebenfalls an MS zu erkranken. In der Normalbevölkerung Mitteleuropas liegt das Risiko bei 0,1%. Sind beide Elternteile MS-erkrankt, liegt das Erkrankungsrisiko für ein Kind bei ungefähr 20-30%. Bei eineiigen Zwillingen liegt das Erkrankungsrisiko bei etwa 25%, bei zweieiigen Zwillingen entspricht es dem familiären Risiko von 3%.  

Die mit bloßem Auge sichtbaren (makroskopischen) pathologischen Veränderungen der Multiplen Sklerose bestehen aus Vernarbungen ("Sklerose"), die in Gehirn und Rückenmark verteilt sind und der Erkrankung ihren Namen gegeben haben.

Durch feingewebliche (histopathologische) Untersuchungen lassen sich vier Unterformen der MS unterscheiden. Die Subtypen I und II sind durch starke Entzündungsreaktionen charakterisiert, die eher seltenen Subtypen III und IV durch den Untergang myelinbildender Zellen (der sog. Oligodendrozyten). Ein MS-Erkrankter hat gleichzeitig offenbar nur einen MS-Subtyp. Offen ist allerdings, ob sich dieser Subtyp im Verlauf der Erkrankung ändern kann.

In der Regel stellen die makroskopisch sichtbaren Vernarbungen den Endzustand eines MS-Herdes dar. Zu Beginn stehen meist durch Entzündungen bedingte Schädigungen der Markscheiden (Demyelinisierung) im Vordergrund. Sie sind bevorzugt um die Hirnkammern herum (periventrikulär) angeordnet. Neben diesen entzündlichen Vorgängen scheinen aber auch degenerative Veränderungen eine wesentliche Rolle zu spielen.

Dies gilt vor allem für die chronisch-progrediente Verschlechterung.
Die Pathogenese der MS wird daher zurzeit in zwei wesentlichen Vorgängen gesehen: der Demyelinisierung, die durch die entzündliche Aktivität bedingt ist. Auch wenn in den frühen (schubförmigen) Krankheitsstadien die Entzündungsaktivität dominiert, tritt bereits zu diesem Zeitpunkt eine axonale Schädigung auf.

Der neuronale Zelluntergang kann zunächst jedoch noch kompensiert werden. Wird aber eine kritische Schwelle überschritten, sind die Kompensationsmechanismen erschöpft, und es kommt auch unabhängig von entzündlicher Aktivität zu einer fortschreitenden axonalen Degeneration. Diese beherrscht den weiteren Krankheitsverlauf und dürfte für die sekundär chronisch-progrediente Verschlechterung verantwortlich sein.

Letzte Änderung: 25.01.2018