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Diagnose und Behandlung der Multiplen Sklerose

Wie finde ich den richtigen Arzt bzw. den richtigen Therapeuten?

Die Frage nach der Arztwahl ist schwierig zu beantworten. Reine MS-Spezialisten gibt es nicht. Fachlich gehört die Behandlung der Multiplen Sklerose ins Gebiet der Neurologen. Das Arzt-Patienten-Verhältnis ist dabei von vielen Faktoren geprägt, die sich nicht ausschließlich auf die fachliche Qualifikation beziehen. Jeder muss deshalb den Arzt suchen, der zu ihm passt. Hilfreich kann dabei der Erfahrungsaustausch mit anderen MS-Betroffenen, z. B. in einer Kontaktgruppe sein. Entsprechendes gilt auch für Therapeuten. Hier sollte man jedoch auch darauf achten, dass die entsprechenden Zusatzqualifikationen, etwa im Bereich der Krankengymnastik auf neurophysiologischer Grundlage, vorhanden sind, um sicher zu sein, dass man die fachlich richtige Behandlung erhält. Ein Verzeichnis mit Krankengymnasten und ihren Qualifikationen gibt es beim AMSEL-Landesverband.

Ich möchte eine zweite Meinung zu meiner Diagnose, will aber meinen Arzt nicht verärgern. Noch dazu widerstrebt es mir, die neurologischen Untersuchungen wiederholen zu müssen.

Wenn Sie nur einen Neurologen konsultiert haben, ist es sicherlich nicht unvernünftig, eine Bestätigung der Diagnose von einem zweiten zu wollen. Kein kompetenter Arzt wäre beleidigt, wenn Sie eine zweite Meinung einholen würden. In den meisten Fällen ist es nicht notwendig, die stationären Untersuchungen zu wiederholen, wenn Kopien der ersten Ergebnisse weitergeleitet werden können.

Sind Menschen häufig deprimiert, wenn sie die Diagnose MS erfahren?

Ja! Es ist nicht ungewöhnlich, verängstigt und beunruhigt zu sein, wenn einem die Diagnose MS oder die einer anderen unheilbaren Krankheit mitgeteilt wird. Manche Menschen passen sich dieser neuen Situation schneller an als andere. Manche erleben eine Periode der Depression, die normalerweise nur vorübergehend ist und die schließlich doch noch einer Bereitschaft nachgibt, die Krankheit anzunehmen und damit fertig zu werden. Emotionale Reaktionen, wie Verleugnung, Wut oder Frustration, kommen auch häufig vor. Wenn sich die Anpassungsschwierigkeiten lange hinausziehen, kann professionelle Hilfe bei ihrer Überwindung wertvoll sein. Ihr Arzt kann Ihnen helfen oder eine andere Stelle empfehlen.

Gibt es Möglichkeiten der medizinischen Behandlung?

Da die Ursache der Erkrankung unbekannt ist, ist eine direkte Behandlung des Grundleidens, wie z.B. bei einer Lungenentzündung oder einer Hirnhautentzündung, leider nicht möglich. Die moderne Medizin ist jedoch in der Lage, mit bestimmten Hormonen, Immunmodulatoren und durch Immunsuppressiva, die die Abwehrwege des Körpers verändern, den Krankheitsverlauf günstig zu beeinflussen. Die Behandlung sollte stets von körperlichem Training, immer angeleitet durch geschulte Krankengymnastlnnen, begleitet sein.

Welche Medikamente können bei MS eingesetzt werden?

Während oder nach Schüben wird seit vielen Jahren Kortison eingesetzt; es wirkt vorwiegend im Schub entzündungshemmend. Nicht jeder Schub muss zwangsläufig mit Kortison behandelt werden. Besonders leichtere Schübe können spontan abklingen und ausheilen. Andererseits gibt auch das Kortison keine feste Garantie für eine folgenlose Rückbildung der Beschwerden. Jedes Medikament wirkt in jeder Situation anders. öhe und Dauer der Kortison-Therapie werden deshalb individuell abgestimmt, auch in Anbetracht von Verträglichkeit und Nebenwirkungen. Von einer Langzeiteinnahme des Kortisons ist eindeutig abzuraten. Patienten sollten sich gründlich vom behandelnden Arzt über Pro und Contra des Kortisons informieren lassen.

Eine Vielzahl anderer Medikamte (z.B. Beta-Interferone, Glatirameracetat, Azathioprin, Methotrexat usw.) greifen regulierend oder unterdrückend in das Immunsystem ein. Dadurch scheint sich bei einigen Patienten das Fortschreiten der MS zu verlangsamen. Man erhofft sich von diesen Medikamenten, dass sie die Fehlsteuerung des körpereigenen Abwehrsystems unterdrücken. Für MS-Erkrankte mit schweren häufigen Schüben können sie unter Umständen sinnvoll sein, um von einer aktiven Krankheitsphase in eine stabile Phase überzuleiten.

Auch wenn es zur Zeit noch keine allgemeingültige Therapie mit Sicherheit auf Heilung der Multiplen Sklerose gibt, so gibt es doch eine Vielfalt von etablierten Behandlungen, die Symptome der MS günstig beeinflussen können.

Wann soll ich meinen Arzt rufen? Wie weiß ich, wann ich gerade einen Schub erlebe?

Fragen Sie Ihren Neurologen, wie oft er Sie sehen möchte und welche Art von Veränderung Sie ihm mitteilen sollen! Normalerweise ist es klug, neue Symptome oder eine bedeutende Verschlechterung mitzuteilen, da diese den Anfang eines Schubes abzeichnen können.
Man neigt dazu, neue körperliche Probleme zu ignorieren. Berichten Sie sie trotzdem! Für einige Schwierigkeiten, die mit der MS zusammenhängen, gibt es Behandlungsmöglichkeiten. Es könnte aber auch sein, dass Ihr Problem nicht mit der MS zusammenhängt und einer gesonderten Behandlung bedarf. Hüten Sie sich davor, alle Schmerzen und Probleme auf die MS zurückzuführen.

Was kann ich machen, um weitere Schübe zu vermeiden und Verschlechterungen aufzuhalten?

Durch den Einsatz von Immunmodulatoren (z.B. Interferonen, Glatirameracetat) ist die MS behandelbar geworden. Sie senken die Schubfrequenz und führen zu einer Verzögerung der Progredienz. Zusätzlich ist es sinnvoll, den bestmöglichen Gesundheitszustand anzustreben und Infektionen zu vermeiden.

  • Bleiben Sie so beweglich wie möglich innerhalb Ihrer Grenzen!
  • Bleiben Sie so beweglich wie möglich innerhalb Ihrer Grenzen!
  • Vermeiden Sie Überanstrengung und sorgen Sie für ausreichenden Schlaf!
  • Wenn möglich, vermeiden Sie Kontakt mit Menschen, die an einer Erkältung oder Grippe erkrankt sind!

 

    Hochdosierte Cortisongaben intravenös werden zur Schubtherapie erfolgreich eingesetzt.
    Zusätzlich können Medikamente verordnet werden, um Symptome zu lindern (z.B. Muskelrelaxantien gegen die Spastik).

    Was sind die Voraussetzungen für eine stationäre Rehabilitationsbehandlung?

    Reichen ambulante Behandlungsmaßnahmen nicht aus, besteht Anspruch auf eine Behandlung in einer stationären Rehabilitationseinrichtung. Dabei sollte es sich um eine neurologische Fachklinik mit Erfahrung in der Behandlung von MS-Patienten handeln. Solche stationären Rehabilitationsmaßnahmen dauern in der Regel drei Wochen und können alle vier Jahre in Anspruch genommen werden. Eine Wiederholung der Behandlung zu einem früheren Zeitpunkt ist möglich, wenn dies aus medizinischen Gründen dringend erforderlich ist. Dies ist vom Arzt, der die stationäre Rehabilitationsbehandlung verordnet, ausführlich zu begründen. Eine Sonderform der stationären Rehabilitation ist die Anschlussheilbehandlung, der eine stationäre Behandlung in einem Akutkrankenhaus vorausgehen muss.

    Wo gibt es spezielle MS-Kliniken?

    Die AMSEL ist an zwei Kliniken beteiligt. Zum einen an der Fachklinik für Neurologie Dietenbronn in Schwendi zur Akutbehandlung von MS-Patienten und zum zweiten am Neurologischen Rehabilitationszentrum Quellenhof in Bad Wildbad, in dem Rehabilitationsbehandlungen durchgeführt werden. An beiden Kliniken werden schwerpunktmäßig MS-Patienten behandelt. Weitere Kliniken zur Behandlung von MS-Patienten finden sich in einem Verzeichnis, das beim AMSEL-Landesverband angefordert werden kann.

    Gibt es zur Schulmedizin Alternativen?

    Da die traditionelle Medizin die Multiple Sklerose zur Zeit noch nicht heilen kann, ist es nur verständlich, dass viele Patienten sich neben der Schulmedizin alternativen und ergänzenden Möglichkeiten (Naturheilverfahren, Körperwahrnehmungsübungen usw.) zuwenden.
    Mitunter ist Skepsis gegenüber einigen Therapievorschlägen außerhalb der Schulmedizin angebracht und der kritische Rat Ihres Arztes erspart oft kostspielige oder nicht immer ganz ungefährliche Therapien. Es gibt nämlich "Scharlatane", die "Wunderheilungen" zu sehr hohen Preisen anbieten.

    Ist Physiotherapie nützlich?

    Krankengymnastik ist während des Krankheitsverlaufs notwendig. Obwohl sie kein Heilmittel ist, kann sie Betroffenen helfen, das Beste aus ihren körperlichen Möglicheiten herauszuholen.
    Nach akuten Schüben wird Physiotherapie angewendet, um zurückbleibende neurophysiologische Schäden zu mindern. Während einer gleichbleibenden Phase kann Physiotherapie stabilisieren.
    Ein Physiotherapeut kann auch zeigen, wie sich der Patient mit oder ohne Gehhilfen besser und sicherer fortbewegen kann.

    Gibt es eine Diät, die für MS-Betroffene nützlich ist?

    Im normalen Verlauf der MS gibt es Besserung und Verschlechterung. Aus diesem Grund muss man sehr vorsichtig sein, wenn man behauptet, eine bestimmte Diät habe eine Wirkung auf die MS. Viele wurden vorgeschlagen, aber bis jetzt konnte keine den Verlauf oder die Symptome der MS wirkungsvoll beeinflussen. Solche Diäten sollten nur unter ärztlicher Aufsicht ausprobiert werden.
    Es wird eine ausgewogene, vernünftige, fettreduzierte Ernährung empfohlen.

    Letzte Änderung: 02.02.2018