Nicht gerade MS-Wetter herrschte heute am AMSEL-Stand auf der Stuttgarter Königstraße. Sengende Hitze um die Mittagszeit, bei 30 Grad. Da lässt Uhthoff grüßen. Beim Uhthoff-Phänomen verschlimmern sich nämlich MS-Symptome. Keine gute Kombi, für viele mit MS.
Umso sinnbildlicher für die Solidarität in der MS-Community, noch dazu anlässlich des Welt-MS-Tages, was dann passiert: Kurzerhand packen alle mit an. Die Fitteren nehmen große Taschen und schwere Broschürenkartons, weniger Fitte schnappen sich leichte Dinge wie eine leere Gaskartusche. Und in Minutenschnelle war der AMSEL-Stand umgezogen, sieben Meter weiter, in den Schatten. Aufatmen für alle.
Weitgereiste Gäste, auf dem AMSEL-Welt-MS-Tag
Ralf, seines Zeichens Vorstandsmitglied bei AMSEL e.V., Experte für barrierefreies Wohnen und MS-Podcaster, schart traditionell zum Welt-MS-Tag Ehrenamtliche um sich, betreut tagsüber einen Infostand der AMSEL. Heuer zum ersten Mal mitten auf der Königstraße, auf Höhe der BW-Bank. Ein Glücksrad lockt flanierende Familien an. Stolz wie Bolle verabschieden sich die Kinder nach erfolgreichem Drehen am Rad mit AMSEL-Rucksack, Gummibärchen und Aufklebern, am Handgelenk einen gasgefüllten Luftballon.
Manche Gäste sind weitgereist, kommen extra zur AMSEL-Feier des Welt-MS-Tages, wie zum Beispiel Katrin. Die Marburgerin hat die AMSEL durch Broschüren während einer Reha in Konstanz kennengelernt. Ihre Reha-Freundin hat sie kurzerhand nach Stuttgart eingeladen, extra zum Welt-MS-Tag. Die 48-Jährige findet die Arbeit der AMSEL „einfach toll“. Die Fatigue sei ihr „Endgegner“. Sie hofft, dass der Welt-MS-Tag mehr Aufklärung schafft, gerade auch über unsichtbare Symptome wie die Fatigue. Sogar eine Physiotherapeutin war erstaunt darüber, dass man Katrin ihre MS nicht ansieht, sagte, sie habe „jemanden im Rollstuhl“ erwartet. Das sollte nicht sein. Denn oft sind es die unsichtbaren Symptome, die das Leben mit MS am meisten erschweren. Das Uhthoff-Phänomen, also die hitzeabhängige Verschlechterung von MS-Symptomen, gehört auch zu den unsichtbaren MS-Anzeichen.
Frontfrau mit MS auf der Königstraße
Ein Riesenmagnet, in der Stuttgarter City, waren natürlich „Ela und die Herzensbrecher“. Die 50er-Jahre-Band sorgte eine gute halbe Stunde lang für musikalische Stimmung auf der unteren Königstraße. In seinen Conférencen ging Akkordeonist Manne auch auf die AMSEL ein: Was die AMSEL mit der Schlagersängerin Connie Francis zu tun hat? Nun, beide verbinden Mutmachgeschichten: Die AMSEL, weil sie Menschen mit MS seit über 50 Jahren zur Seite steht, Connie Francis, weil sie es trotz ihres amerikanischen Akzentes geschafft hat, auch in Europa Gehör zu finden. Gesagt, getan, stimmen Ela und ihre Herzensbrecher einen Mutmachsong an: „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“. Da vergehen nur Sekunden und alles klatscht und singt mit.
Frontfrau Ela sieht ihren Einsatz als Win-win-Situation. Um den Bekanntheitsgrad der Band gehe es weniger. Vielmehr darum, Menschen mit MS noch mehr in die Mitte der Gesellschaft zu bringen. Vor Jahren noch hätte sie selbst Angst gehabt, abgeschrieben zu werden, wenn sie bekanntgibt, dass sie Multiple Sklerose hat. Das ist längst anders. „Wir sind da, mitten in der Gesellschaft.“ Als Mütter und Väter, Bankangestellte und Erzieher, als Nachbarn oder ferne Bekannte. Jeder kenne jemanden mit MS. „Wir sind da.“ Mitten auf der Königstraße. Mitten in der Gesellschaft. Und das ist auch gut so.
Am Mittwoch, 27.5. fanden tagsüber zwei Workshops statt. Abends geht es mit Vorträgen und musikalischen Einlagen durch „Ela und die Herzenbrecher“ weiter. amsel.de wird berichten.
AMSEL dankt allen Ehrenamtlichen für ihren Einsatz um und für den Welt-MS-Tag.
Die Aktivitäten des AMSEL-Landesverbandes zum Welt-MS-Tag werden mit freundlicher Unterstützung der GKV-Gemeinschaftsförderung Baden-Württemberg realisiert.
Redaktion: AMSEL e.V., 27.05.2026







